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Hürdenlauf

Sasha Zhoya: Der französische Hürdenläufer im Porträt

Der mehrfache Leichtathletik-Rekordhalter Sasha Zhoya ist gerade dabei, den Sprung in die Stratosphäre zu schaffen.
Von: Tom Ward
8 min readPublished on
Mit gerade einmal 21 Jahren krönte sich Sasha Zhoya 2021 zum Europa- und Weltmeister im 110-Meter-Hürdenlauf. Mit einem neuen Weltrekord im Gepäck und als amtierender französischer Elitechampion ist Zhoya DAS leichtathletische Aushängeschild der Gegenwart und Zukunft.
Das Dach des Pariser Stade de France ist vielleicht der letzte Ort, an dem man einen Leichtathleten bei der Ausübung seines Sports erwarten würde. Doch im Februar dieses Jahres ist genau das passiert. Der französische Hürdenläufer Sasha Zhoya bekam die Chance seines Lebens und kletterte auf das 46 Meter hohe Dach des legendären Stadions und absolvierte einen Hürdenlauf, den er wohl nie wieder vergessen wird. Nachdem er jahrelang im stillen Medaillen gesammelt hat, ist Zhoya nun mehr als bereit, neue Höhen zu erreichen.
Sasha Zhoya auf dem Dach des Stade de France in Paris, Frankreich.

Sasha Zhoya in Action auf dem Dach des Stade de France

© 510 Paris/Red Bull Content Pool

Falls du die spannende Geschichte hinter der Leichtathletik-Maschine noch nicht kennst, solltest du jetzt genau aufpassen. Hier findest du alles, was du über Frankreichs aufregendsten 100-Meter-Hürden-Star wissen musst!

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Startschuss

Zhoya wurde 2002 in Subiaco, einem Vorort von Perth, Australien, als Sohn der französischen Elite-Skiläuferin Catherine Larbiose-Zhoya und des Musikers Yonah Zhoya aus Simbabwe geboren. Damit ist Sasha Zhoya seltener Besitzer einer dreifachen Staatsbürgerschaft (französisch-australisch-simbabwisch).
Zhoya war schon früh neugierig und begierig darauf, seine Umgebung in Australien zu erkunden. Im Alter von acht Jahren trat er dem Melville Little Athletics Club bei, in dem seine Mutter Trainerin war. Der Wettbewerb mit seiner älteren Schwester Manashe trieb ihn an. Als er bei einem regionalen Wettkampf ihren Dreisprungrekord brach, wusste er, dass er weitermachen musste. Nur kurze Zeit später sollte er unzählige Medaillen und Pokale gewinnen.
Seine sportliche Karriere nahm langsam, aber sicher Form an. Als Teenager beschloss er, den nächsten Schritt zu wagen. Er wollte erstmals bei nationalen Wettkämpfen teilnehmen, was bedeutete, dass er noch härter trainieren musste. "Meine Ergebnisse waren nicht die allerbesten, und das hat mich motiviert, viel härter zu trainieren. Das hat mich auf ein anderes Niveau gebracht, also habe ich beschlossen, das ernster zu nehmen und weiterzumachen."
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Rohes Talent

Sasha Zhoya auf dem Dach des Stade de France, Paris, Frankreich.

Sasha Zhoya bei seinem denkwürdigen Stade de France-Lauf

© 510 Paris/Red Bull Content Pool

So ein Talent habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen.
Paul Burgess (Western Australian Institute of Sport)
Im Alter von 14 Jahren kam er in das Western Australian Institute of Sport, wo er von Lindsay Bunn im Sprint und von Paul Burgess und Alex Parnov im Stabhochsprung trainiert wurde. "So ein Talent habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen", meint Burgess, der Zhoya als dreifache sportliche Bedrohung im Stabhochsprung, Hürdenlauf und Sprint sieht. "Diese Art von Talent ist sehr selten!"
"Sasha arbeitet so hart", fügt Bunn hinzu. Und das auch abseits des Sports in der Schule, wo er an einem speziellen Tanzprogramm teilnahm, das ihm zu mehr Kraft und Beweglichkeit verhalf. Außerdem hatte Zhoya als Teenager drei Teilzeitjobs, um sich sein Training zu finanzieren.
"Er könnte es schaffen, auch weil er ein bisschen eine dunkle Seite in sich trägt, wie Usain Bolt", sagte Zhoyas Mutter in einem Interview, als er 16 war. Seine ältere Schwester Manashe beschrieb ihn nur liebevoll als das freche kleine Geschwisterchen.
Für Zhoya war das erst der Anfang.
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Rekorde brechen

Sasha Zhoya im Stade de France, Paris, Frankreich.

Ab aufs Dach!

© 510 Paris/Red Bull Content Pool

Er perfektionierte seine sportlichen Fähigkeiten und langsam stellte die Leichtathletik alles andere in seinem Leben in den Schatten. 2017, als er 15 war, zog Zhoya in die Heimatstadt seiner Mutter, nach Clermont-Ferrand in Frankreich. Dort begann er beim Leichtathletikverein Clermont Athlétisme Auvergne unter Philippe d'Encausse für Stabhochsprung zu trainieren. In den Folgejahren reiste er für das Training zwischen Australien und Frankreich hin und her.
Und das machte sich bezahlt! 2019 -- bei seinem ersten Hallenwettkampf überhaupt -- brach Zhoya bei den französischen Kadettenmeisterschaften den französischen U18-Stabhochsprungrekord mit 5,32 Meter. Am nächsten Tag stellte Zhoya in seinem allerersten Rennen über 60 Meter Hürden den Weltrekord ein. Ein paar Monate später holte er sich dann auch noch den Weltrekord im Stabhochsprung.
"Vor einem Wettkampf versuche ich immer, mich zu entspannen und mich in meinen Körper hineinzufühlen. Ich weiß, was ich tue. Es ist tatsächlich mehr ein mentales als ein physisches Battle, wenn ich bei einem Wettkampf bin", sagt Zhoya über Situationen, in denen er unter Druck ist.
Sasha Zhoya schlug ein wie eine Rakete und die gesamte Leichtathletikwelt blickte plötzlich auf den aufstrebenden Franzosen.
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Für Frankreich

Sasha Zhoya beim Training in Paris, Frankreich am 29. Juli 2021.

Vor einem Wettkampf versucht er sich zu entspannen

© Little Shao/Red Bull Content Pool

Zu Beginn seiner Karriere gab es zwangsläufig Zweifel, für welche Nation Zhoya antreten würde. Schließlich entschied er sich dafür, das Land seiner Mutter, Frankreich, zu vertreten.
Er erklärte seine Entscheidung gegenüber Athletics Weekly: "Es war eine sehr schwere Entscheidung. Ich bin in Australien geboren und aufgewachsen und ich weiß, dass ein Teil meines Herzens für Australien schlägt, aber ich wurde von einer französischen Mutter großgezogen der größte Teil von mir ist kulturell gesehen französisch."
"Ich wollte mich selbst und meine Familie repräsentieren und der einfachste Weg, das zu tun, war, für das Land meiner Mutter anzutreten, weil sie mich erzogen hat", fuhr er fort.
Er fügte hinzu: "Außerdem ist Paris 2024 für mich ein Heimspiel und diese Chance haben nicht viele Athleten in ihrem Leben! Aber nur weil ich Frankreich vertrete, fühle ich mich nicht weniger australisch oder simbabwisch."
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Maximale Vielseitigkeit

Sasha Zhoya auf dem Dach des Stade de France, Paris, Frankreich.

Ein Dach mit Aussicht

© 510 Paris/Red Bull Content Pool

Während dieser Zeit verbesserte sich Zhoya Wettkampf für Wettkampf und machte sich langsam einen Namen. Aber sein Fokus lag zu dieser Zeit auch woanders! Bis er 18 war studierte Zhoya zeitgenössischen Tanz und Ballet. "Ich liebe es! Es hilft mir, den Kopf neben dem Sport freizubekommen."
Weil das Hin- und Herreisen zwischen Frankreich und Australien jedoch viel Zeit in Anspruch nahm, blieb das Tanzen nur ein Hobby. Aber Zhoya ist überzeugt, dass ihm das Tanzen das Selbstvertrauen für den Sport gegeben hat.
"Ich habe dadurch gelernt, dass es anstrengend ist, auf einer Bühne zu stehen, weil alle Blicke auf dich gerichtet sind. Da ich in diesem Umfeld groß geworden bin, habe ich früh versucht, ich selbst und natürlich zu sein, und das auch vor Publikum zu zeigen. Ich habe das Gefühl, dass ich heute sogar besser bin, je mehr Leute da sind."
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Vorwärts und aufwärts

Sasha Zhoya auf dem Dach des Stade de France, Paris, Frankreich.

Immer nach vorn

© 510 Paris/Red Bull Content Pool

Nachdem er sich für eine internationale Karriere entschieden hat, kann sich Zhoya nun ganz auf seinen Sport konzentrieren, ohne sich ablenken zu lassen. 2020 wurde er Mitglied bei der Sprint-Hürden-Gruppe des französischen Leichtathletikverbandes INSEP.
Im Folgejahr -- bei der U20-WM im August 2021 -- schrieb er erneut Geschichte, indem er den U20-Weltrekord im 110-Meter-Hürdenlauf zerschmetterte. Er gewann mit einer Zeit von 12,72 Sekunden. Im Alter von 19 Jahren war er damit der schnellste 110-Meter-Hürdenläufer in der Geschichte und der beste U18-Stabhochspringer aller Zeiten.
Zhoya ist ein Sportler, den es vielleicht nur einmal in einer Generation gibt. "Sasha Zhoya bricht jetzt schon Rekorde und ist noch nicht einmal am Höhepunkt seiner körperlichen Fähigkeiten", sagte einst ein Moderator über Zhoya.
"Im Moment bin ich zufrieden mit dem, was ich erreicht habe, aber wir haben schon viele Leute gesehen, die bei den Junioren gut abgeschnitten haben und es nicht auf die nächste Stufe geschafft haben", sagte Zhoya nach seiner Rekordleistung in Nairobi gegenüber Athletics Weekly. "Erst wenn ich meinen Namen in die ewigen Bestenliste der Elite eintragen kann, kann ich stolz zurückblicken."
Apropos Elite: Der größte Test steht mit Paris 2024 wohl erst noch an.
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Aufstieg

Sasha Zhoya auf dem Dach des Stade de France, Paris, Frankreich.

Mit Höhe kennt sich Sasha Zhoya aus

© 510 Paris/Red Bull Content Pool

Spoiler-Alarm: Die Rekorde hielten an. In seiner ersten Saison im Hürdenlauf der Elite (Hürdenhöhe: 106,7 cm) gewann Zhoya das 100-m-Finale der französischen Leichtathletikmeisterschaften und nahm an den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2022 in Oregon (USA) teil, wo er es bis ins Halbfinale schaffte.
In seiner zweiten Saison steigerte er sich erneut und gewann 2023 die U23-Europameisterschaften in Espoo, Finnland, in 13,24 Sekunden, wobei er im Halbfinale sogar den U23-Meisterschaftsrekord unterbot. Nur zwei Wochen später gewann er bei den französischen Leichtathletik-Meisterschaften zum zweiten Mal in Folge das Finale über 110 Meter Hürden.
Die Spiele in Paris im nächsten Jahr sind weniger als 12 Monate entfernt, und Zhoya scheint in der Form seines Lebens zu sein.
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Legendenstatus

Sasha Zhoya auf dem Dach des Stade de France, Paris, Frankreich.

Ready, set, go

© 510 Paris/Red Bull Content Pool

Ich will ein Athlet sein, an den sich jeder erinnert. Ich will der Beste sein.
Natürlich dreht sich die Karriere eines Sportlers nicht nur um einen einzigen Wettbewerb. Was auch immer nächstes Jahr passiert, Zhoya wird wahrscheinlich weitermachen. Wenn es um die Dauer seiner Karriere geht, würde Zhoya gerne seinem Idol Usain Bolt nacheifern. Als Sasha noch ein Kind war, schmückte ein Poster von Bolt die Schlafzimmerwand im Hause Zhoya. Später bekam der junge Superstar die Chance, den schnellsten Mann der Welt im echten Leben zu treffen.
"Ich war bei der Diamond League 2016 in London. Bolt war einfach Bolt, alle schrien seinen Namen und rechts von mir stand eine Gruppe Jamaikaner, zu denen er gelegentlich schaute", erinnert sich Zhoya an eine Begegnung mit seinem Helden. "Also wollte ich etwas sagen, und das Einzige, was mir einfiel, war 'wagwan'. Er schaute zu mir hoch und ich dachte nur: 'Oh Mist'. Ich wusste sonst nichts, ich stand unter Schock, aber es war einer der besten Momente meines bisherigen Lebens."
Ich liebe es, eine Show abzuziehen und das Publikum einzubinden.
Zhoya hat sich viel von seinem Idol abgeschaut, auch wenn es um den Stil auf der Laufbahn geht. Er hat sich in der Vergangenheit auf jeden Fall einen Ruf als Showman erarbeitet -- eine Bezeichnung, die Zhoya gerne akzeptiert. "Ich liebe es, eine Show abzuziehen und das Publikum einzubinden."
Der ehemalige Leichtathlet John Steffensen ist der Meinung, dass es genau das ist, was Zhoya am Track so spannend macht. "Das Besondere an Sasha ist die Art und Weise, wie er seine Leidenschaft nach außen trägt. Er hat seinen eigenen Stil, seine eigene Ausstrahlung, die er repräsentiert und lebt."
"Ich möchte der Typ sein, dem man gerne zuschaut und der es zelebriert, wenn er gut peformt. Ich will ein Athlet sein, an den sich jeder erinnert. Ich will der Beste sein!"
Wie sein Held weiß auch Zhoya, wie wichtig es ist, ein Leben abseits der Leichtathletik zu führen. In seiner Freizeit tanzt er nicht nur, sondern betreibt auch einen eigenen YouTube-Kanal, auf dem er seine Wettkämpfe dokumentiert. Im zuzusehen macht einfach Spaß, sei es auf der Strecke bei Wettkämpfen oder am Dach des Stade de France vor den Augen der ganzen Welt.