Die neuen Teamkollegen beim Check ihres neuen F1-Boliden
F1

Die Scuderia AlphaTauri ist bereit für die Formel1-Saison 2021!

© Joerg Mitter/Red Bull Content Pool
Grand Prix-Sieger Pierre Gasly und der japanische Rookie Yuki Tsunoda starten für die Scuderia AlphaTauri und sind heiß auf die neue Saison in der Königsklasse.
Autor: James Robertsveröffentlicht am
Nach ihrer denkwürdigen Debütsaison 2020 wird die Scuderia AlphaTauri für 2021 eines der aufregendsten Fahreraufgebote in der Startaufstellung haben. Es ist ein hochexplosiver Mix aus dem Know-how und dem puren Talent des Grand Prix-Siegers Pierre Gasly und der Unbekümmertheit des pfeilschnellen Rookies und Red Bull Juniors Yuki Tsunoda.
Tsunodas kometenhafter Aufstieg vom Kartsport erlebte 2020 seinen Höhepunkt: Der Japaner fuhr sich von der F4-Serie in die nationale und internationale F3, um letztes Jahr dann den Sprung in die F2 zu schaffen, wo er mit drei Rennsiegen schließlich den dritten Platz in der Gesamtwertung belegte. Nun steht er in der Königsklasse des Motorsports und trotz dieser neuen Herausforderung, ist Tsunoda so gelassen wie immer.
„Das ist normal," kommentierte Tsunoda, als wir ihn nach dem Gefühl am Steuer des Honda-angetriebenen AlphaTauri AT02-Boliden fragten. „Es ist normal, aber natürlich ist es auch aufregend."
Ähnlich verhält es sich, wenn er nach seinem Trainingsplan gefragt wird. Die meisten Fahrer sprechen von regelrechten Trainingsmarathons und von tagelangem Schwitzen im Fitnessstudio, beim jüngsten Fahrer am Grid klingt das ganz anders: „Ich bin kein großer Fan vom Training - da gibt es jede Menge langweilige Parts. Entweder geht man Radfahren oder Laufen - ich bin eher der Radfahrer ,weil meine Fußsohlen sehr flach sind und ich vom Laufen schnell Schmerzen bekomme, was nicht gut ist für meine Performance im Cockpit."
Tsunodas Leistungen in den unteren Klassen waren herausragend und wurden auch vom Teamchef der Scuderia AlphaTauri mit Wohlgefallen registriert, der den Red Bull Junior gleich ins Team holte, um an der Seite vom letztjährigen Grand Prix-Sieger Pierre Gasly zu fahren. Vom Wechsel in die schnellste Rennsport-Klasse ist der junge Japaner aber alles andere als beunruhigt.
„Ich habe ein klares Ziel," bestätigt Tsunoda. „Maximale Performance vom ersten Rennen an. Ich habe keine Angst davor, Fehler zu machen, ich will daraus lernen und mich so schnell wie möglich an das Auto anpassen. Ich muss einfach pushen und versuchen, meine beste Leistung zu bringen und in jeder Session alles geben."
Im September 2020 sorgte sein neuer Teamkollege Pierre Gasly für einen der denkwürdigsten Momente der Formel 1-Geschichte: Vom zehnten Startplatz aus holte er sich auf der historischen Rennstrecke von Monza den Sieg beim Großen Preis von Italien. Es war sowohl für Gasly, als auch für die Scuderia AlphaTauri der erste Sieg in der Königsklasse und Gasly konnte damit eine lange Durststrecke beenden: Er wurde zum ersten französischen F1-Sieger seit Olivier Panis in Monaco 1996. Das Husarenstück von Gasly erinnerte viele an Sebastian Vettels bemerkenswerten Sieg von 2008 für die damalige Scuderia Toro Rosso, die später AlphaTauri werden sollte.
Gasly mag zwar erst 25 Jahre alt sein, in seinen bisherigen drei F1-Saisonen hat er aber bereits viele Höhen und Tiefen erlebt, die ihn zu einem wahren Kämpfer und Rennsieger werden ließen. Nachdem er sein Debüt für die Scuderia Toro Rosso 2017 beim Großen Preis von Malaysia gab und 2018 eine beeindruckende Saison für das Team hinlegte, wurde der Franzose für 12 Rennen zu Red Bull Racing geholt, bevor es 2019 wieder ins Cockpit der Scuderia ging.
Das Auto ist wie ein wilder Löwe.
Völlig unbeeindruckt von dem Hin und Her holte sich Gasly noch im selben Jahr bei nassen Verhältnissen ein sensationelles Podium beim Großen Preis von Brasilien. Seitdem hat er nicht mehr zurückgeblickt. Nun steht er an der Spitze beim Übergang von Scuderia Toro Rosso zu Scuderia AlphaTauri und fühlt sich wohl in der Rolle als Teamleader. Der in Rouen geborene Racer ist weit davon entfernt ein abgestumpfter F1-Veteran zu sein und er weiß es zu schätzen, Platz in einem fabriksneuen F1-Auto Platz nehmen zu dürfen.
„Das ist immer aufregend," schwärmt Gasly. „Das Auto ist wie ein wilder Löwe und wenn man mit so einem Biest in den Käfig steigt, schießt einem das Adrenalin durch den Körper. Es gibt nichts, was mit einem F1-Auto vergleichbar ist! Man kann mit jedem Supercar der Welt gefahren sein, nichts kommt wirklich an das Gefühl heran, das man im F1-Auto beim Beschleunigen, Bremsen und in den Kurven hat. Es sind die schnellsten Autos der Welt."
„Wenn man das erste Mal aus der Boxengasse herausfährt, bekommt man einen richtigen Kick. Ich liebe diesen Moment. Dann dauert es meistens zwei oder drei Runden, bis es sich wieder nach etwas anfühlt, das man kennt. Die ersten paar Runden sind immer ziemlich beeindruckend. Ich kann mir keine andere Sache vorstellen, die mir mehr Spaß macht und mich so breit grinsen lässt, wie diese Autos zu fahren."
Die Dynamik innerhalb des Scuderia AlphaTauri-Aufgebots für 2021 ist hoch-interessant und unterstreicht, wie jung die moderne F1 geworden ist. Mit 25 Jahren ist Gasly neben dem 20-jährigen Tsunoda vergleichsweise routiniert und erprobt, aber beide haben noch viele Jahre im Rennzirkus vor sich. Der unmittelbare Fokus liegt nun darauf, so viel wie möglich aus dem neuen AT02 herauszuholen, und für Gasly wird die Konstanz ein entscheidender Faktor in der Mammutsaison mit 23 Rennen sein.
„Ich glaube, allgemein kann man sagen, dass wir besser abschneiden wollen als letztes Jahr, wo wir den siebten Platz in der Teamwertung belegten," unterstreicht Gasly. „Die beste Platzierung des Teams in seiner Formel 1-Geschichte ist der sechste Platz und ich hoffe, dass wir es besser machen können - das wird großartig."
„Wir müssen versuchen, Fehler so gut es geht zu vermeiden und beständig zu fahren - das wird der Schlüssel sein! Wir wollen noch konstanter werden und jede Gelegenheit, die sich uns bietet, nutzen - so wie wir es bereits in den vergangenen Saisons gemacht haben."
Für Tsunoda geht es vor allem darum, schnell zu lernen und sich mit der enormen Power des F1-Boliden im Rennen vertraut zu machen. Und eines ist klar: Der jüngste Fahrer aus einer langen und legendären Reihe berühmter F1-Piloten aus Japan, scheut nicht davor, ans Limit und darüber hinauszugehen - und er ist sich auch der Anforderungen bewusst, die die F1 aus physischer Sicht mit sich bringt.
Ich habe keine Angst davor, Fehler zu machen.
„Die Kurvengeschwindigkeit ist eine ganz andere als in tieferen Rennklassen. Die F1 ist viel schneller und man braucht einen wirklich starken Nacken. Als ich das erste Mal im F1-Auto fuhr, war mein Nacken schon nach fünf Runden müde - das ist ein riesiger Unterschied, auch was Power und Downforce betrifft."
Während sich Tsunoda in seiner neuen Welt versucht zu akklimatisieren, ist man auf der anderen Seite der Scuderia AlphaTauri-Garage der Meinung, dass ihr neuer Schützling die perfekte Ergänzung für das Team ist. Und auch Gasly ist sich der Fähigkeiten seines neuen Teamkollegen mehr als bewusst und blickt zuversichtlich in die Zukunft.
„Wir werden in den kommenden Wochen noch viel Zeit und viele Momente haben, um mehr voneinander zu erfahren und zu lernen," versicherte Gasly. „Das erste Mal habe ich am Beginn seiner F2-Saison von ihm gehört. Er war von Anfang an sehr, sehr schnell und ist in den ersten paar Rennen wirklich beeindruckend gefahren. Ich verfolge die F2 und F3 immer an den Wochenenden, also habe ich natürlich auch seine Rennen gesehen und er hatte ein fantastisches Jahr. Er ist sehr talentiert und ich hoffe wirklich, dass wir eine erfolgreiche Beziehung innerhalb des Teams aufbauen können, um AlphaTauri in der Meisterschaft weit nach vorne zu bringen."