Motocross
Simon Längenfelder – der nächste deutsche Motocross Superstar
Simon Längenfelder ist ein Name, der in der Motocross-Welt schon jetzt Gewicht hat: 2022, 2023 und 2024 wurde er WM-Dritter. Ist der sympathische Bayer der nächste große MX-Superstar nach Ken Roczen?
Die Motocross-Weltmeisterschaft 2022 hat am 27. Februar in Großbritannien mit einem Knall begonnen: der Deutsche Simon Längenfelder hat in der MX2-Kategorie an diesem Rennwochenende eine perfekte Vorstellung abgeliefert und alles gewonnen, was es zu gewinnen gab, einschließlich der Trainings und des Qualifkationsrennens. Niemand war in der Kategorie bis 250 ccm Hubraum schneller als der neue Red Bull GASGAS Factory Racing Werksfahrer.
Das hat es seit Ken Roczen nicht mehr gegeben , der inzwischen in die USA ausgewandert ist und 2011 mit 17 Jahren jüngster Motocross-Weltmeister aller Zeiten wurde. Roczen beendete damals eine 43-jährige Durststrecke seit dem letzten WM-Titel, der in dieser Disziplin nach Deutschland ging.
Heimische Motocross-Fans können sich Dank Simon Längenfelder nun berechtigte Hoffnungen machen, dass sie nicht so lange auf den nächsten deutschen Weltmeister warten müssen. In der Saison 2023 ließ Längenfelder zwei weitere Siege folgen. 2024 kam zwar kein Sieg hinzu, dennoch markierte Jahr drei seine bislang beste Saison in der er in 60 Prozent aller Rennen auf dem Podium landete.
Für die Saison 2025 wechselte Simon Längenfelder vom Red Bull GasGas Factory Racing Team zum Red Bull KTM De Carli Racing Team und legte dabei bereits einen bärenstarken Saisonauftakt hin.
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Simon Längenfelder privat
Dass Simon Längenfelder sich binnen kürzester Zeit einen Namen in der MX-Welt machen würde, hätte vermutlich niemand gedacht. Im Jahr 2004 erblickt der deutsche Pilot im bayerischen Hof das Licht der Welt - genauer gesagt liegt seine Herkunft in der kleinen Gemeinde Regnitzlosau, wo der Motocross-Profi auch heute noch wohnt.
Sein Geburtstag ist der 27. März 2004, damit ist der Deutsche also gerade einmal 21 Jahre alt und gehört dennoch schon jetzt zu den großen Namen der Szene. Und auch auf Social Media ist er ganz vorn mit dabei - sei es auf Simon Längenfelders Instagram-Account, dem bereits über 51.000 Menschen folgen oder YouTube.
Simon Längenfelder Steckbrief
- Name: Simon Längenfelder
- Nationalität: Deutschland
- Herkunft: Regnitzlosau
- Wohnort: Regnitzlosau
- Geburtstag: 27.03.2004
- Alter: 21 Jahre
- Größe: 175 cm
- Freundin: Ja
- Motocross-Erfolge: 3. Platz EMX125 Euro (2019); 3. Platz MX2 (2022); 3. Platz MX2 (2023); 3. Platz MX2 (2024)
- MX2-Siege: 4 (Stand: 10.05.2025)
- MX2-Podiumsplatzierungen: 30 (Stand: 10.05.2025)
- Team: Red Bull KTM De Carli Racing Team (seit 2025)
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Vom Schnupperkurs zum Profifahrer
Begonnen hat für Simon alles im Alter von fünf Jahren mit einem Schnupperkurs beim lokalen Motocross-Verein. Das hat ihm so viel Spaß gemacht, dass seine Eltern, die beide bei der Polizei arbeiten und in der Freizeit gerne auf der Straße Motorrad fahren, nach dem Kurs ein gebrauchtes Kindermotorrad gekauft haben. „Das bin ich gefahren, bis es kaputt war“, lacht Simon.
Man braucht auf jeden Fall Eltern, die einen unterstützen und dir helfen.
Im Alter von sechs Jahren fuhr er dann bereits sein erstes Rennen bei der Nordbayern Serie, wodurch auch seine Dauerstartnummern 516 initiiert wurde. „Auf dem ersten Motorrad klebte schon die 6 als Startnummer, die war bei dem Rennen jedoch bereits vergeben. Also klebten wir einfach eine 1 davor. Als ich später in die 85 ccm Klasse aufstieg, musste man eine vier- oder fünfhunderter Nummer fahren. Also wurde die 516 draus, die ich bis heute benutze“, erklärt Simon.
An sein erstes Rennen kann er sich gar nicht mehr so genau erinnern, bis auf den Fakt, dass er sich direkt beim Start rückwärts überschlagen hat. „Motorradfahren hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich immer so lange gefahren bin, bis der Tank leer war.“ Der Gedanke zu einer möglichen Profilaufbahn war in den jungen Jahren seiner Karriere für Simon noch weit weg, selbst als er 2017 Deutscher Jugend Motocross Meister in der 85 ccm Klasse wurde.
Erst als Simon 2019, inzwischen in der 125 ccm Klasse unterwegs, beim Europameisterschaftsrennen in der belgischen „Sandhölle“ in Lommel gewann, keimte in ihm der Gedanke auf, dass etwas mehr aus seiner Rennfahrerkarriere werden könnte als nur ein leidenschaftliches Hobby.
Du solltest dein Limit kennen und nicht versuchen, zu extrem zu pushen. Motocross ist sau schwierig.
Das Jahr beendete er mit dem Sieg im ADAC MX Junior Cup 125 und dem 3. Platz in der EMX 125, der Europameisterschaft der 125 ccm Zweitakt-Klasse. „Es war ein cooles Gefühl, die Meisterschaft im ADAC MX Junior Cup 125 gewonnen zu haben, denn das zeigt, dass man nicht nur bei einem Rennen gut war, sondern durch eine ganze Rennsaison hinweg“, so Simon.
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Red Bull Straight Rhythm
Zur Belohnung für die erfolgreiche Saison ging es für Simon in die USA, zum Red Bull Straight Rhythm. Bei diesem geradlinigen Supercross-Sprint erhielt Simon Einblicke in die amerikanische Profi-Welt, traf Ken Roczen und die anderen Superstars und fuhr in der kleinen Hubraumklasse mit. „Das war einfach nur supergeil“, strahlt Simon noch heute bei der Erinnerung an das Rennen, auch wenn er sich dort den Fuß brach.
Derzeit liegt sein Fokus allerdings auf dem Motocross in Europa. „Ich denke nicht groß darüber nach, wo es hingehen könnte. Ich lebe im Moment und genieße es. Ich versuche erst Mal im Motocross so gut wie möglich zu sein“, antwortet Simon auf die Frage nach eventuellen USA-Zukunftsplänen.
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Red Bull Straight Rhythm
Die Elite des Supercross liefert sich in Kalifornien ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf einer 800 Meter langen Strecke mit Jumps und Double Jumps.
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Plötzlich Werksfahrer
Auch wenn Simon seinen Sport bis dahin noch als leidenschaftliches Hobby wahrgenommen hat, besaß er zu dem Zeitpunkt mit Jochen und Sebastian Schöffel sowie Hubert Nagl, dem Vater des langjährigen WM-Spitzenpiloten Max Nagl, ein gutes Umfeld aus Förderern und Beratern, die sich um Sponsoren und die richtigen nächsten Schritte kümmerten.
So ergab sich für Simon im Herbst 2019 die Möglichkeit, einer der Fahrer des neuen DIGA Procross GASGAS Factory Juniors Teams zu werden, um dort die komplette MX2 Weltmeisterschaft zu fahren. Für Simon hieß das, im Alter von 15 Jahren von zu Hause aus und zum Team-Stützpunkt nach Köln zu ziehen. In der WG mit seinem Teamkollegen Jeremy Sydow, der nur ein Jahr älter war, lernte er in jungen Jahren dann auch alltägliche Dinge wie Kochen. „Dank Facetime-Sessions mit meiner Mutter und Rezepten aus dem Internet, habe ich das aber ganz gut hinbekommen“, lacht Simon.
In seiner ersten Weltmeisterschafts-Saison fuhr er 2020 einige gute Resultate ein, war aber nach eigener Aussage noch zu unkonstant. Ein Kreuzbandriss beendete seine Saison frühzeitig noch in der ersten Saisonhälfte.
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Familienmensch
Auch, wenn Simon in jungem Alter flügge geworden ist, so ist ihm die Familie enorm wichtig. „Motocross funktioniert für einen jungen Menschen ohnehin nur, wenn die Eltern mitmachen. Meine haben alles in den Sport gesteckt.“ Inzwischen war Simon 18 Jahre alt „und kann endlich allein Auto fahren!“ Seine Eltern versuchen dennoch, bei so vielen Rennen wie möglich dabei zu sein.
Ebenfalls fast immer an Simons Seite: seine Freundin Malin, die ihn tatkräftig unterstützt. Seine zweite WM-Saison fuhr Simon komplett durch und schloss sie auf dem zehnten Platz ab. Erneut war ein fünfter Platz das Highlight des Jahres. Eine ungewohnte Herausforderung entstand beim Grand Prix im tschechischen Loket, als der Familienhund Luna ausgebüchst und für einen halben Tag verschollen war. „Das hat mich mental schon beeinflusst, da merkt man, wie sehr man an seinem Haustier hängt“, so Simon.
Für 2022 wurde Simon in das Red Bull GASGAS Factory Racing Team berufen.
© Jörg Mitter / Red Bull Content Pool
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Das klare Ziel: Motocross Weltmeister
Die Resultate der Saison 2021 waren gut genug, dass Simon Längenfelder in das „große“ Werks-Rennteam befördert wurde, in dem Antonio Cairoli unter der Leitung von Claudio und Davide De Carli seine neun Weltmeisterschafts-Titel einfuhr. Seit Dezember 2021 lebt er in Italien in der Nähe von Rom und trainiert zusammen mit seinen Teamkollegen wie Jorge Prado, der GASGAS in der Königsklasse MX1 vertritt.
„Als Kind hatte ich Ken Roczen als Idol, aber mir auch viel von Jorge Prado abgeschaut und dessen Fahrstil analysiert. Hätte mir vor fünf Jahren jemand gesagt, dass ich nun mit ihm im selben Team fahre, hätte ich das nicht geglaubt“, scheint Simon immer noch ein bisschen erstaunt über seinen Werdegang. Doch Simons Ziel steht fest: er möchte MX2 Weltmeister werden.
Nach dem fulminanten Saisonauftakt im britischen Matterley Basin haben die Ergebnisse nicht ganz das fahrerische Niveau, das Simon inzwischen erreicht hat, gezeigt. „Ich hatte ein paar Mal Pech und auch einige Blessuren wegzustecken. Aber mit meinem Fahren bin ich sehr zufrieden.“ Zur Saisonmitte und kurz vor dem Heim-Grand Prix in Teutschenthal (Sachsen-Anhalt) im Juni ist Simon wieder zurück auf das Podium gekehrt und liegt in der WM-Tabelle auf dem dritten Rang.
Unabhängig, wie diese Saison ausgeht, hat Simon seinen Platz in den Geschichtsbüchern bereits gesichert: er ist der erste GASGAS Pilot mit einem Gesamtsieg bei einer Motocross-Weltmeisterschaft und der erste Pilot der Marke, der das rote Numberplate des WM-Spitzenreiters tragen durfte. Doch das reicht Simon nicht.
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Auf dem Weg nach oben
Und Simon Längenfelder zahlte das Vertrauen im Motocross schnell wieder zurück. Bereits in seiner ersten MX2-Saison landete der Pilot ganze fünfmal auf dem Podium, sicherte sich am Ende Platz 3 in der Gesamtwertung.
Auch im Jahr darauf, 2023, sollte er sich am Ende der Saison die Bronzemedaille holen: Ganze neun Mal landete er unter den Top-3, beendete also 56 Prozent aller Rennen auf dem Podest und fuhr zwei Siege ein.
Die Leistungskurve sollte aber auch im Jahr darauf, 2024, weiter nach oben zeigen, auch wenn es in diesem Jahr nicht für einen Sieg reichen sollte. Zwölf Mal fuhr Längenfelder auf das Podium, also in 60 Prozent aller Rennen, was von einer beeindruckenden Konstanz zeugt.
Für Motocross musst du physisch und mental topfit sein. Wir trainieren immer 3-4 Monate mit Vollgas.
Das blieb natürlich auch bei bei anderen Teams nicht unbemerkt und so wechselte Simon Längenfelder für die Saison 2025 von GASGAS zu Red Bull KTM De Carli Racing Team, wo der junge Deutsche direkt an seine Erfolge anknüpfen konnte.
In den ersten sieben WM-Läufen der Saison landete Längenfelder viermal auf dem Podium, holte in der sechsten Runde sogar den Sieg im schweizerischen Frauenfeld. Damit ist längst klar: Simon Längenfelder ist ein Name, mit dem in den kommenden Jahren noch zu rechnen ist.
"Dieses Jahr habe ich versucht, so viel wie möglich zu trainieren und auch im Sand zu fahren," verrät Simon Längenfelder. "Du brauchst Konstanz und gute Starts um Weltmeister zu werden. Und das ist mein Ziel für 2025."