Ski
„Sie fährt anders als die anderen“ – Viktoria Rebensburg über Emma Aicher
Viktoria Rebensburg erklärt, warum Emma Aicher zur Weltspitze zählt – spätestens seit den beiden Silbermedaillen bei den Olympischen Spielen. Die Erfolgsfaktoren: Technik, Mentalität, Vielseitigkeit.
Halb Schwedin, halb Deutsche: Emma Aicher vereint zwei Ski-Nationen in einer Athletin. Über Kinder-Rennen, FIS- und Europacup bis hin zu Weltcup-Siegen in Kvitfjell, La Thuile und St. Moritz arbeitete sie sich vor in Richtung Weltspitze.
Um dann bei den Olympischen Spielen 2026 abzuliefern: Emma Aicher holte zwei Silbermedaillen in Cortina d’Ampezzo. Und verpasste Gold zweimal denkbar knapp: In der Abfahrt fehlten nur 0,04 Sekunden. In der Team‑Kombination mit Kira Weidle‑Winkelmann trennte das deutsche Team nur 0,05 Sekunden von Gold.
Schon vor den Olympischen Spielen sagte Viktoria Rebensburg, dass an Emma Aicher in Zukunft im Kampf um große Titel kein Weg vorbeiführe. Viktoria Rebensburg zählt zu den erfolgreichsten deutschen Skirennläuferinnen ihrer Generation. Die ehemalige Riesenslalom- und Speed-Spezialistin feierte zahlreiche Weltcup-Siege und Podestplätze.
Lockerheit und Gefühl: Emmas größter Trumpf
Die 36-Jährige erkennt in Aichers Weg Parallelen zu ihrer eigenen Karriere – trotz aller Unterschiede. Was sie besonders beeindruckt: Emmas Art, Ski zu fahren.
Auf die Frage, was Emma ausmacht, muss Rebensburg nicht lange nachdenken. „Sie hat so ’ne wahnsinnige Lockerheit – manchmal nach dem Motto: ist mir egal, was andere sagen." Genau diese innere Freiheit mache Aicher stark: "Sie denkt nicht zu viel, sie fährt Ski."
Dazu kommt ein außergewöhnliches Skigefühl: „Sie hat so ’nen Touch für den Ski, für den Schnee. Sie spürt: Wie viel Druck braucht’s, wann kann ich die Ski auch wieder gehen lassen, gleiten lassen.“
Dieses Gespür für Material, Untergrund und Timing ist für Rebensburg einer der wichtigsten Gründe, warum Aicher so konstant schnell ist.
Die unterschätzte Basis: Kopf und Umfeld
Im Spitzen-Skisport wird viel über Technik und Material gesprochen, dabei ist für Rebensburg etwas anderes entscheidend: die mentale Komponente. Emmas Lockerheit hat Viktoria Rebensburg bereits betont.
Gleichzeitig räumt sie mit einem verbreiteten Klischee auf: „Ein Mythos ist, dass junge Fahrer automatisch locker sind. Das hat Emma auch, aber man kann das nicht pauschalisieren.“
Wichtig sei deshalb für alle Athlet:innen, dass akzeptiert wird, wie unterschiedlich Sportler:innen ticken.
Vielseitigkeit als Weg in den Gesamtweltcup
Während sich viele Fahrer:innen früh spezialisieren, startet Emma in mehreren Disziplinen – ein Programm, das heute nur noch wenige Athlet:innen durchziehen. Rebensburg findet das konsequent: „Wenn man die Fähigkeiten hat, wie Emma, in vier Disziplinen zu starten, dann muss man das nutzen.“
Es gibt nicht mehr viele Allrounder und ich bin mir sicher, dass Emma im Gesamtweltcup eine ganz große Rolle spielt. Es ist aus meiner Sicht eine Frage der Zeit, wann sie den Gesamtweltcup gewinnen kann.
Nächster Schritt: Riesenslalom schärfen
Als ehamlige Top-Skirennläuferin sieht Rebensburg wo es bei Emma Aicher noch Entwicklungsbedarf gibt: „In der Disziplin Riesenslalom, aber das weiß sie selber.“
Der Bewegungsablauf, die Position, die Anforderungen seien dort anders. Daran arbeite Aicher intensiv mit ihrem Team. Für eine Fahrerin, die sowohl im Speed- als auch im Technikbereich ganz vorne mitmischen will, könnte ein stärkerer Riesenslalom zum entscheidenden Puzzleteil werden.
Intuition als Leitlinie
Auf ihre eigene Karriere zurückblickend, betont Rebensburg vor allem eines: das Vertrauen ins Bauchgefühl.
Dieses Prinzip gibt sie indirekt an Emma weiter: ihren eigenen Weg gehen, auf das innere Gefühl hören – und genau die besondere Mischung aus Lockerheit, Technik und Vielseitigkeit bewahren, die sie schon jetzt auszeichnet.