Skispringen
Skispringen für Anfänger:innen: Andi Wellinger liefert seine Tipps
Weltcupsieger Andreas Wellinger erklärt, wie sich Skispringen anfühlt, was du brauchst, um erfolgreich zu sein, und wie du es trotz der offensichtlichen Risiken einfach halten kannst.
Weltcupsieger Andreas Wellinger weiß so gut wie jeder andere, was es braucht, um Skispringer:in zu sein. Der 30-jährige deutsche Athletz, der beim FIS-Skisprung-Weltcup 2023-24 den dritten Platz belegte, hat vier olympische Medaillen, neun bei Weltmeisterschaften und 17 Weltcupsiege vorzuweisen.
Wellinger erklärt, was du über diesen wirklich erstaunlichen Wintersport wissen musst
Andreas Wellinger dominiert Red Bull Target Jumping in Zakopane 2025
© Bartek Wolinski/Red Bull Content Pool
Was jeder, der kein:e Skispringer:in ist, über diesen Sport denkt
Ich glaube, die meisten Leute denken, dass wir alle verrückt sind, so nach dem Motto: Wie kann man sich mit fast 100 km/h die Schanze hinunterstürzen und fast flach vorwärts springen. Aber genau das ist das Besondere am Skispringen - es ist absolut einzigartig.
Wie sich Skispringen eigentlich anfühlt
Skispringen ist so ziemlich das coolste Gefühl, das du haben kannst. Durch die Luft zu schweben und das Gefühl der Leichtigkeit zu haben, als ob du wirklich fliegst - das macht es so faszinierend.
8 Min
Der längste Ski-Sprung der Welt
Ryōyū Kobayashi und sein Team reisten nach Island, um eine Schanze zu bauen, die groß genug ist, um Weltrekorde zu brechen.
Wie und wann man mit dem Skispringen beginnt
Idealerweise fängst du relativ jung mit dem Skispringen an, denn es ist eine Entwicklung, die du langsam angehen musst. Die Springer:innen springen nicht gleich von den großen Schanzen, sondern es ist eher wie beim Sprungbrett: Du springst zuerst von dem kleinen 1m-Sprungbrett, dann von der 3m- sowie der 5m-Plattform und schließlich von der 10m-Plattform. Man tastet sich allmählich heran. Ich würde sagen, wenn du später als mit 10 Jahren anfängst, wird es schwierig, weil die Schritte, die du aufholen musst, dann sehr groß sind, sowohl technisch als auch geistig.
Was du zum Skispringen brauchst
Mut und Bescheidenheit
Als Skispringer:in brauchst du auf jeden Fall Mut und den Drang, immer höher, immer weiter und immer schneller zu springen. Gleichzeitig brauchst du die nötige Bescheidenheit, um bewusst an deine Grenzen zu gehen, aber nicht darüber hinaus, denn es gibt Risiken, wenn Sprünge schiefgehen.
Kraft, Stabilität und Gleichgewicht
In unserer Sportart fliegt Leichtigkeit einfach besser, deshalb sieht man keine großen, muskelbepackten Skispringer:innen. Gleichzeitig brauchst du extrem gute Stabilität und Kraft, denn die Kräfte, die auf uns wirken, sind enorm. Außerdem brauchst du ein wirklich gutes Gleichgewicht. Zudem hat jeder seinen eigenen persönlichen Sprungstil, bei dem man versucht, die individuellen Stärken herauszuarbeiten und auszuspielen.
Perfekt abgestimmtes Material
Skisprunganzüge, -schuhe und -ski müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit wir in der Luft so aerodynamisch effizient wie möglich sind. Das erfordert eine Menge Fein-Tuning und Aufmerksamkeit für die kleinen Details.
Warum Sprungkraft und Timing so wichtig sind
Je höher die Klasse der Schanze, desto weniger Anfahrtsweg gibt es und je weniger davon ein:e Springer:in hat, desto weniger Geschwindigkeit kann er/sie erzeugen. Das bedeutet, dass du die nötige Beinkraft und das richtige Timing für einen guten Absprung brauchst, um die Distanz zu erweitern. Wenn du das Timing nicht richtig hinbekommst, wird der Absprung in Sekundenbruchteilen an dir vorbeigehen und du wirst keine gute Weite erzielen.
Der Schlüssel zum Erfolg
Du musst eine gewisse Lockerheit entwickeln. Skispringen ist ein Sport, bei dem du nichts erzwingen kannst und die Harmonie der Bewegung sehr wichtig ist. Wenn du angespannt bist und zwanghaft versuchst, das Maximum aus deinem Sprung herauszuholen, funktioniert das einfach nicht. Die effektivsten Sprünge sehen in der Regel sehr ruhig aus, fast so, als würde sich der Springer gar nicht anstrengen. Das ist vielleicht der schwierigste Aspekt des Springens, denn Anspannung ist eine natürliche Reaktion auf den Sport, den man betreibt.
Wie man wie ein:e Skispringer:in trainiert
Abgesehen vom technischen Training der Schanzen verbringen Skispringer:innen viel Zeit im Fitnessstudio, denn wir müssen Schnelligkeit und Kraft entwickeln, um die technischen Dinge richtig ausführen zu können. Neben dem Krafttraining machen wir auch viele Koordinations- und Stabilisierungsübungen.
Das richtige Gleichgewicht zu finden ist der Schlüssel
Ich suche vor allem nach einem sportlichen Ausgleich. Ich bin gerne draußen in der Natur und Surfen ist meine Lieblingsbeschäftigung. Dabei kann ich abschalten und mich am weitesten von meinem normalen Tagesgeschäft entfernen, das mich geistig auslaugt. Außerdem kann ich es im Warmen tun, was wichtig ist, denn der Winter in Deutschland ist lang und kalt genug.