Bike
Falls du Brandon Semenuk (oder irgendein anderer professioneller Slopestyle-Rider) bist, dann kannst du jetzt aufhören zu lesen, denn Trick-Fahrer kommen in der Regel mit einem einzigen Gang gut aus. Für den Rest von uns gibt es jedoch eine Unzahl an Optionen, wenn wir vor der Frage stehen, wie viele Gänge und wie viele Kettenblätter wir eigentlich tatsächlich brauchen.
Die Anzahl der Gänge wirkt sich immens auf die Nutzbarkeit deines Bikes aus, weshalb es dabei vor allem darauf ankommt, wo und wie du fährst. Um es kurz zu machen: Je unterschiedlicher die Steigunsgrade auf den Strecken, die du fährst, ausfallen, desto mehr Gänge solltest du zur Verfügung haben.
DH-Racer zum Beispiel fahren in der Regel vor allem abwärts, also brauchen sie dafür nur die notwendigsten Gänge. Sie greifen zumeist auf sieben bis zehn Kettenblätter auf der hinteren Kassette zurück. Die Kollegen der Cross-Country-Sparte hingegen gehen neben den Abfahrten auch steile Anstiege an, weshalb sie auch eine größere Auswahl an Gängen benötigen. Mit 11 bis 12 Kettenblättern auf der Hinterseite und zwei Blättern an der Vorderseite können Cross-Country-Rider somit aus über 20 verschiedenen Gang-Optionen wählen.
Sollte ich nur mit einem einzelnen Kettenblatt an der Front fahren?
Viele greifen auf diese Option zurück und das aus gutem Grund. Erstens hältst du damit die Anzahl der sich bewegenden (und damit anfälligen) Teile auf deinem Bike relativ klein, was nicht nur für höhere Zuverlässigkeit, sondern auch für weniger Gewicht sorgt. Zudem macht es die Kopfarbeit um einiges einfacher, da du dich nicht zusätzlich auf die Frontschaltung konzentrieren musst.
Zweitens bieten viele Rahmen nicht einmal die Möglichkeit, eine zusätzliche Front-Mechanik anzubringen, was daran liegt, dass die Designer zum einen mehr Freiraum haben wollen und das Treten in die Pedale bzw. der Kurbel zum anderen dadurch dennoch um einiges angenehmer ist.
Welches Kettenblatt sollte ich an der Front also verwenden?
Heutzutage werden viele Kettenblätter im abgestuften Design produziert, bei dem sich größere und kleinere Zähne abwechseln. Das sorgt dafür, dass die Kette auf ihrem Platz bleibt und du kannst damit auch getrost auf eine Kettenführung verzichten (obwohl manche im Sinne der Sicherheit auch weiterhin auf solche setzen). In der Regel ist ein Kettenblatt mit 30 bis 36 Zähnen mehr als ausreichend.
Muss ich mir eine von diesen teuren Kassetten kaufen?
Wenn du all die Vorteile einer 12-fach-Schaltung genießen willst, dann solltest du tatsächlich in eines der Eagle-Systems von SRAMinvestieren. Ein solches verdeckt nicht nur die Rotoren der hinteren Bremsen, sondern sorgt auch dafür, dass du Anstiege fahren kannst, für die sich selbst Spiderman anstrengen müsste. Vergiss aber nicht, dass du dir nicht einfach irgendeine neue Kassette zulegen kannst. Kette, Kettenwechsler, Schaltung und Kassette müssen alle zusammenpassen.
Manche Hersteller haben auch Erweiterungsblätter im Angebot. Dabei tauschst du im Grunde das kleinste Blatt an der äußeren Seite deiner Kassette mit einem um einiges größeren Pendant an der Innenseite der Kassette aus. Damit kannst du dein System leicht und billig einem Upgrade unterziehen.
Aber Schaltungen mit zwei Kettenblättern an der Front gibt es nach wie vor?
Ja, und sie ermöglichen dir nach wie vor ganz hervorragend, effizient in die Pedale zu treten. Am besten fährst du mit den Di2-Systemen von Shimano, die elektronisch zu bedienen sind. Sie können auch so programmiert werden, dass sie vorne automatisch schalten, womit du nur einen Schalthebel an deiner Lenkstange benötigst. Das ist ziemlich cooles Zeug.
Die sind aber ziemlich teuer…
Naja…ja, das sind sie, aber die Performance ist echt sensationell und der Klang eines Servos, der automatisch deinen Gang einstellt ist um so vieles eleganter, als das krachende Geräusch einer sich quälend einrastenden Kette. Nimm dir einfach ein Herz – Shimano ist nun schon seit Ewigkeiten dafür bekannt, auf höchstem Stand der Technik zu arbeiten. Das macht sich auch bei ihren Di2-Systemen mehr als nur bemerkbar.
Zahlt sich das alles aus, wenn am Ende sowieso alles voller Schlamm ist?
Eines der großen Rätsel des modernen Mountainbikings: Die Anfälligkeit des äußeren Antriebsstrangs. In so gut wie jedem anderen Transportmittel befindet sich der Antrieb gut verbaut in Boxen voller Öl und wird nicht jedes Wochenende mit Dreck und Matsch eingesaut. Die Antriebsstränge eines Mountainbikes haben aber die Angewohnheit, dass sie das, was sie machen (was Performance, Langlebigkeit, Gewicht und Preis betrifft), ziemlich gut machen – also warum etwas verändern?
Es gibt bereits Gearbox-Bikes und diese entwickeln sich auch ständig weiter. Und auch wenn sie einige positive Aspekte mit sich bringen (vor allem, was die Performance der Federung betrifft), haben Gearbox-Systeme doch den Nachteil, dass sie eigens darauf abgestimmte Rahmen benötigen. Keiner der beiden großen Hersteller (SRAM und Shimano) setzt zudem momentan auf dieses System, dennoch wird es interessant zu verfolgen, was in dieser Hinsicht in der Zukunft noch alles passieren wird.