Star Wars Jedi: Fallen Order - Klassik trifft Moderne
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Star Wars Jedi: Fallen Order - Mehr als nur Dark Souls mit Lichtschwertern
Star Wars Jedi: Fallen Order ist mehr als nur Dark Souls mit Lichtschwertern. Wir verraten euch, was das Action-Adventure so besonders macht.
Autor: Philipp Briel
veröffentlicht am
Experiment geglückt: Mit Star Wars Jedi: Fallen Order haben die Apex Legends-Macher von Respawn Entertainment ein Spiel geschaffen, das fast schon verboten klassisch daherkommt und dem legendären Star Wars-Universum zu altem Glanz verhilft. Das Action-Adventure um Cal Kestis kombiniert Elemente der besten Singleplayer-Abenteuer und mischt sie gekonnt mit den Stärken der Sci-Fi-Reihe. Unser Spiele-Highlight zum Jahresende.

Mehr als nur Dark Souls mit Lichtschwertern

Soulslike-Fans können sich in diesem Jahr wahrlich nicht beschweren. Im März verfrachtete Sekiro die Elemente der knüppelharten Action-RPGs ins feudale Japan, im September standen in The Surge 2 futuristische Exoskelette im Mittelpunkt.
Auch Star Wars Jedi: Fallen Order bedient sich bei den Besonderheiten des Genres, ohne sich dabei wie ein einfacher Abklatsch anzufühlen. Angriffe wollen geblockt und mit dem richtigen Timing pariert werden, die Ausweichrolle ist euer bester Freund und wenn ihr doch mal das Zeitliche segnet, sind die Gegner wieder da.
Kennt man alles aus Dark Souls und Co, allerdings geht es in Fallen Order deutlich weniger knackig zur Sache. Zumindest, wenn ihr euch für einen der niedrigeren Schwierigkeitsgrade entscheidet. Wer Dark Souls liebt, kommt mit der höchsten Stufe voll auf seine Kosten, doch gerade auf dem normalen Schwierigkeitsgrad spielt sich das Abenteuer angenehm einsteigerfreundlich ohne dass das bekannte Risk-Reward-System auf der Strecke bliebe.
Den Entwicklern gelingt tatsächlich das Kunststück, dass sich die Kämpfe mit dem Lichtschwert mächtig anfühlen, selbst normale Gegner aber noch immer eine Herausforderung darstellen. Besonders im Kampf gegen größere Gegnergruppen sorgt das für eine enorme Befriedigung und spannende Kämpfe, die euch an den Bildschirm fesseln.
Cal im Kampf. Bei den Kämpfen orientiert sich Star Wars Jedi: Fallen Order an Dark Souls. Das sorgt für ein intensives Spielgefühl
In den Kämpfen erwartet euch eine gehörige Portion Dark Souls

Mehr als nur Tomb Raider mit Machtfähigkeiten

Wenn man Star Wars Jedi: Fallen Order eines vorwerfen kann, dann, dass es nur wenig wirklich neu erfindet. Im Grunde genommen habt ihr es mit einem Mix verschiedener Genres und Spiele zu tun, doch besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht oder?
Zu den Soulslike-Kämpfen (samt fetter und herausragend inszenierter Bosskämpfe) gesellen sich Erkundungs- und Rätselpassagen, die mitunter an Shadow of the Tomb Raider oder Uncharted erinnern. Insgesamt sieben Planeten wollen im Verlauf des Abenteuers um Jedi Cal Kestis erkundet werden, dabei überzeugen die Himmelskörper mit abwechslungsreichen Umgebungen und spannenden Rätseln.
Die Rätsel- und Plattformerpassagen kombiniert das Spiel mit den Machtfähigkeiten, was für ein einzigartiges Spielgefühl sorgt. Mit eurem knuffigen Robo-Freund BD-1 untersucht ihr die Umgebung und scannt Flora und Fauna oder katalogisiert Logs und Erinnerungen aus einer längst vergessenen Zeit.
Cal im Duell mit Gorgara. Star Wars Jedi: Fallen Order vermischt verschiedene Genres zu einem einzigartigen Mix
Haben Sie Zeit über den Erlöser, Meister Yoda, zu sprechen?
Hier erinnert das Game stark an das ikonische Metroid Prime, tatsächlich sind die Parallelen zum Metroidvania-Genre allgegenwärtig: Bereits auf dem ersten Planeten findet ihr regelmäßig Abkürzungen, Kisten oder Sackgassen, für die erst besondere Fähigkeiten notwendig sind. Die Rückkehr zu einem bereits abgeschlossenen Himmelskörper, sobald ihr besagte Fähigkeiten erlernt habt, lohnt sich also allemal. Zumal die Umgebungen mit etlichen freischaltbaren Outfits, Teilen für euer Lichtschwert oder Story-Geheimnissen locken ohne dass das Backtracking dabei stören würde.
Obwohl sich das Game viele seiner Spiel- und Designelemente bei der Konkurrenz abgeschaut hat, gelingt es den Entwicklern, die einzelnen Teile hervorragend an das Star Wars-Setting anzupassen und so einen ganz eigenen, gelungenen Genremix zu erschaffen, der in Kombination mit der spannenden Geschichte und den sympathischen Charakteren eines der großen Spiele-Highlights zum Jahresende markiert.
Tie-Fighter am Himmel. Das Spiel fängt das typische Flair der Filme gekonnt ein
Star Wars-Feeling pur

Die Story von Star Wars Jedi: Fallen Order

Die Geschichte von Star Wars Jedi: Fallen Order dürfte ebenfalls keinen Innovationspreis gewinnen und doch ist sie gut geschrieben und steckt voller gelungener Charaktere, dass es eine wahre Freude ist, der rund 20-stündigen Hauptstory zu folgen.
Star Wars-Fans freuen sich über gelungene Anspielungen auf die Filme und Serie der Reihe, vor allem Episode 3: Rache der Sith, denn das Game spielt ungefähr fünf Jahre nach den Geschehnissen des Films. Padawan Cal Kestis will als letzter Überlebender der Order 66 den gefallenen Jedi-Orden wieder aufbauen und verbündet sich dafür mit den Rebellen, um das Imperium aufzuhalten.
Die große Stärke des Spiels sind aber die starken Charaktere, allen voran Protagonist Cal. Alle Figuren haben in ihrem Leben etwas verloren oder einen Schicksalsschlag erlitten, der sie aus der Bahn geworfen hat. Dabei gelingt es dem Spiel hervorragend, die Gewissensbisse und diese totale Verzweiflung zusammen mit der langsam aufkeimenden Hoffnung zu thematisieren.
Gerade für Cal präsentiert sich die Reise als spannende Gradwanderung zwischen Hoffnung und Wut, in der es der allgegenwärtigen Verlockung der dunklen Seite der Macht zu trotzen gilt. Der innere Konflikt des jungen Padawans ist jederzeit spür- und dank der gelungenen Mimik auch sichtbar, was Star Wars Jedi: Fallen Order zu einem intensiven Story-Abenteuer macht.
Cal und BD-1 machen Pause am Lagerfeuer. Star Wars Jedi: Fallen Order punktet mit einer spannenden und emotionalen Geschichte
Lagerfeuer-Romantik der etwas anderen Art
Der eigentliche Star des Spiels ist aber Cals kleiner Roboter-Kumpel BD-1, der fast die ganze Zeit über auf eurem Rücken hängt und sich in vielerlei Hinsicht als äußerst nützlich erweist. BD-1 scannt die Umgebung, hackt Terminals um euch neue Wege zu eröffnen oder dient mal eben als Seilrutsche, um gewaltige Abgründe zu überwinden.
Vielmehr ist es aber die Freundschaft, die sich zwischen den beiden Helden entwickelt und vom Game derart charmant thematisiert wird, die Fallen Order so einzigartig macht. BD-1 war derjenige, der Cal aus dem Tal der Hoffnungslosigkeit geführt hat und nimmt dementsprechend einen wichtigen Platz im Herzen des jungen Padawans ein. Gerade das Zusammenspiel der beiden Helden sorgt regelmäßig für Gänsehaut und einige Schmunzler.

Das beste Star Wars-Spiel seit Jahren

Star Wars Jedi: Fallen Order mag zwar keinen Innovationspreis gewinnen, die Summe seiner Teile machen das Abenteuer aber so einzigartig. Nie haben sich Lichtschwertkämpfe besser angefühlt (ja, die Jedi Knight-Reihe war klasse), nie erkundeten wir in einem Star Wars-Spiel derart abwechslungsreiche und hervorragend designte Umgebungen (ja, Knights of the Old Republic war ein Meisterwerk).
Fallen Order ist der spielgewordene Traum eines jeden Star Wars-Fans und erinnert euch daran, warum ihr in eurer Kindheit die Filme so geliebt und euch mit Plastik-Lichtschwertern duelliert habt. Es vereint die Stärken aller Spielfilm-Trilogien in sich, beherzigt dabei die Besonderheiten der Spin-Off-Serien und versprüht in jeder Sekunde dieses einzigartige Star Wars-Flair, für das Fans die Reihe lieben.
Cal im Kampf gegen Die Zweite Schwester. Kaum ein anderes Star Wars-Spiel hat derart intensive Lichtschwert-Duelle auf den Bildschirm gezaubert. Die Kämpfe gehen hevorragend von der Hand
Die intensiven Lichtschwert-Kämpfe spielen sich hervorragend
Ob es das beste Star Wars-Game aller Zeiten ist, muss jeder für sich entscheiden. Nach der gefühlt ewigen Durststrecke gelingt Entwickler Respawn Entertainment aber ein hervorragendes, reinrassiges Singleplayer-Abenteuer, ganz ohne Season Pass, DLCs oder Mikrotransaktionen – alleine das ist bereits eine Ansage an die Spielebranche. Dass das Ganze dabei auch noch so viel Spaß macht, hervorragend aussieht und mit einer emotionalen Story punktet, ist das Sahnestück.