Das Steam Deck von Valve bietet PC-Gaming "on the Go"
© Valve
Games

Das Steam Deck von Valve - Must-Have oder Gimmick?

PC-Spiele für unterwegs. Valve möchte mit dem Steam Deck eine preislich attraktive Handheld-Lösung für Gamer bieten. Was kann das Gerät, und hat es eine Zukunft?
Autor: Matthias Regge (@PrinnyTonic)
5 min readveröffentlicht am
Lange haben sich Gerüchte um eine potentielle Steam-Konsole gerankt. Project Neptune war der Name, der immer wieder auf einschlägigen News-Seiten zu lesen war. Am 15.07.2021 hat Valve das Steam Deck enthüllt: Eine Handheld-Lösung, um eure gesamte Steam-Bibliothek unterwegs zu zocken. Es wird viel versprochen: Ein günstiger Einstiegspreis von 419€, pfeilschnelle Ladezeiten, gute Performance und die mögliche Nutzung als regulärer Desktop via Docking-Stations.

Was kann das Steam Deck?

Optisch erinnert das Steam-Deck an die ungedockte Variante der Nintendo Switch. Sie bietet ein 7-Zoll-LDC-Dispay mit Sticks und Buttons auf dessen linker, und rechter Seite. Was dabei auffällt ist die Positionierung der Steuerelemente. Diese sind nicht, wie bei üblichen Controllern, vertikal versetzt angeordnet, sondern in einer horizontalen Reihe. Erste Tester versichern aber, dass dieses Layout zwar ungewohnt ist, man sich aber schnell daran gewöhnt.
Spannend sind dabei die beiden großen Touch-Pads, die sich ebenfalls auf der Front des Handhelds befinden. Diese sollen natürlich primär für Titel zum Einsatz kommen, die eine Maussteuerung benötigen, und erinnern an den Steam Controller.
Das Steam Deck in der Front-Ansicht
Das Steam Deck sieht sehr edel aus
Und wenn wir gerade von Spielen sprechen: Hier wird es keine Abstriche geben. Ihr könnt auf dem Steam Deck eure gesamte Steam Bibliothek spielen. Dank dem verbauten AMD RDNA 2-GPU und dem AMD Zen 2-CPU soll der Handheld eine Auflösung von 720p locker stemmen können.
Das Steam Deck wird in drei Varianten erscheinen. Die Performance zwischen diesen preislich unterschiedlichen Modellen variiert nicht. Der größte Unterschied soll der verbaute Speicherplatz, und dessen Geschwindigkeit sein. Der günstigste Handheld kommt mit 64GB, das Mittelmodell mit 256GB und die Luxus-Variante mit 512GB internem Speicher. Dieser kann jederzeit mit einer MicroSD-Karte erweitert werden.
Als Betriebssystem nutzt der Handheld SteamOS. Valve versichert, dass das Steam Deck im Kern nur ein PC ist. Daher laufen auch alle üblichen PC-Anwendungen, Spiele und Service-Launcher auf ihrem neuen Gerät. In Kombination mit einer regulären Thunderbolt-Docking-Station kann es auch Problemlos an einem Monitor betrieben werden. USB-Ports für den Anschluss von Maus und Tastatur sind natürlich auch vorhanden.

Wer ist die Zielgruppe des Steam Decks?

Primär zielt das Steam Deck darauf ab, bereits bestehende Steam-Kunden für eine Handheld-Lösung zu begeistern, und ihnen die Möglichkeit zu bieten, ihre Bibliothek auch unterwegs zu spielen. Hier soll das Steam Deck den PC nicht ablösen, sondern ergänzen. Ein ähnlicher Ansatz wie der von Nintendo im Bezug auf die Nintendo Switch. Hier zielt der Publisher ebenfalls darauf ab, mehrere Geräte pro Haushalt zu platzieren.
Zwei Spieler spielen gemeinsam Stardew Valley auf zwei Steam Decks
Multiplayer ist natürlich auch einfach möglich
Allerdings ist der Handheld dank seinem geringen Preis auch eine perfekte Option für Konsolenspieler in das PC-Ökosystem einzusteigen. Gerade der Gedanke eines geschlossenen Systems ist für Non-PC-Gamer eine verlockende Alternative. Denn oft ist es die Modularität eines Desktop-PCs, die Neukunden abschreckt. Natürlich existieren bereits jetzt Alternativen, in Form von Gaming-Laptops, die einem Quereinsteiger ähnliche Möglichkeiten bieten. Diese sind aber für eine vergleichbare Leistung wesentlich teurer als der angegebene Preis des Steam Decks.
Der aggressive, niedrige Preis kommt laut Valve mit einem harten Verlust. Das Steam Deck wird momentan ohne eine direkte Gewinnabsicht angeboten. Der Wunsch ist es natürlich, mehr Kunden dazu zu bringen Spiele auf Steam zu kaufen. Da das Produkt aktuell auf eine Käuferschicht zielt, die bereits in Steam investiert hat, bleibt die Frage, wie profitabel dieser Ansatz langfristig sein wird. Vor allem, da ein Benutzer auf dem Gerät auch die Launcher und Stores der Konkurrenz nutzen kann.

Scalper müssen draußen bleiben

Momentan kann das Steam Deck über den Steam-Store reserviert werden. Mit einer Anzahlung von 5€ kann man sich damit in die Warteliste eintragen und bekommt sein Gerät, sobald es verfügbar ist. Eine clevere Lösung von Valve, um ein Problem zu beseitigen, das vor allem im letzten Jahr für viel Aufregung unter Gamern gesorgt hat: Scalper. Sei es die PlayStation 5, Xbox Series X oder aktuelle Grafikkarten - Die Regale von Läden und Online-Händlern sind leer. Dennoch findet man zig Artikel dieser Art im Internet, die zu Wucherpreisen verkauft werden.
Damit dies mit dem Steam Deck nicht passiert, erlaubt Valve lediglich eine Produktreservierung pro Steam-Account. Zusätzlich muss dieser Account vor Juni 2021 mindestens einen Einkauf auf der Plattform getätigt haben. So umgeht Valve den Umstand, dass Nutzer neue Accounts generieren, um sich zusätzliche Geräte zu sichern.
Ein löbliches System, dass viele Bauchschmerzen im Bezug zu Scalping beseitigt. Allerdings schließt es damit auch Neukunden aus, die zum Start des Systems von Null in die Welt des PC-Gamings einsteigen wollen. Ein weiteres Zeichen, dass dies nicht die priorisierte Zielgruppe von Valve ist.

Alle Infos auf einen Blick

Release: Dezember 2021 (Valve weist darauf hin, dass sich die Auslieferung je nach Modell aber bis Q3 2022 ziehen kann)
Preis: 419€ (64GB eNMC), 549€ (256 GB NVMe-SSD), 679€ (512 GB NVMe-SSD)
Speicher-Update: Ja (durch MicroSD)
Akkulaufzeit: Bei schonender Nutzung 7 bis 8 Stunden
Vorbestellungen: Exklusiv über den Steam-Store

Ist das Steam Deck ein weiterer Valve-Rohrkrepierer?

Eine Frage, die man sich natürlich dennoch stellen muss ist, wie groß die Erfolgschancen des Steam Decks sind. Valve hat bereits mehrfach Hardware-Projekte unter den Teppich gekehrt, die nicht so performt haben, wie sich der Publisher erhofft hat. Darunter unter anderem die Steam Machine - der Versuch eine Konsolen-ähnliche Lösung für Steam-Games zu verkaufen. Prinzipiell das stationäre Gegenstück zum Steam Deck. Allerdings ist das Konzept des Steam Decks natürlich wesentlich sinniger. Ein Bestandskunde hat wenig Verwendung für ein Konsole-ähnliches Gerät, wenn er bereits einen PC besitzt. Mit dem Steam Deck bietet man diesen Spielern eine sekundäre Lösung und spricht dennoch neue Kunden an.
Eine Spielerin sitzt auf der Couch und spielt auf dem Steam Deck
Das Steam Deck verspricht PC-Gaming überall
Valve selbst spricht davon, dass sie das Steam Deck als Gerät sehen, dass auch in Zukunft als Option zwischen Laptops und PCs bestehen kann. Ebenfalls erwähnen sie, dass sie sich vorstellen können, das sie nicht mehr der einzige Anbieter solcher Handheld-Lösungen sein werden. Ob dies so eintritt wird die Zukunft zeigen. Momentan verspricht das Steam Deck auf jeden fall eine preislich attraktive Option für alle, die ein tragbares, geschlossenes PC-Gaming-System suchen.