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Surfen

Familie Marks und das erfolgreiche Geschäft mit dem Surfen

In der Dokumentation „That's Caroline" wird erstmals die Familie von Caroline Marks und deren Rolle beim kometenhaften Aufstieg der jungen Ausnahmekönnerin in die Surf-Elite gezeigt.
Autor: Anna Diamond
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Caroline Marks

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Caroline Marks ist DAS Nachwuchs-Phänomen des Surfens - darüber herrscht nicht nur in Surferkreisen Einigkeit! Bereits im Alter von 11 Jahren stand sie auf dem Surfboard und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Von Beginn an gewann sie nationale Wettbewerbe und im Alter von nur 15 Jahren qualifizierte sie sich als bis dato jüngste Teilnehmerin für die World Surf League Championship Tour. Drei Jahre später schaffte sie dann als eine der ersten vier amerikanischen Surferinnen die sensationelle Qualifikation für die Olympischen Spiele.
Aber auch wenn sie im Wasser auf sich allein gestellt war, hatte sie auf ihrem Weg sieben Menschen, die ihr auf Schritt und Tritt folgten und sich mit ganzer Hingabe für Caroline einsetzten: ihre Mutter, ihr Vater, ihre vier Brüder und ihre kleine Schwester.
Porträt von Caroline Marks.
Caroline Marks
In der brandneuen Red Bull TV-Dokumentation „That's Caroline" steht die Familie Marks im Mittelpunkt. Es ist ein Porträt der jungen Caroline, das mit ihren frühen Tagen in Melbourne, Florida, beginnt und sie bis zu ihrem steilen Aufstieg in die oberste Liga des Sports begleitet. Erzählt wird die Geschichte von ihrem älteren Bruder Luke, vor dessen Augen sich die steile Karriere seiner jüngeren Schwester entfaltete.
Die persönliche Sichtweise verleiht dem Film Wärme - er ist verspielt, selbstbewusst und strotzt nur so vor jugendlicher Energie - ganz wie die Protagonistin selbst. Das Skript von „That's Caroline" erinnert immer wieder an ihr Alter (19) und ihre ausgelassene und fröhliche Art. Außerdem bietet die Doku einen kurzen Blick auf das Leben der jungen Caroline, bevor das Surfen ihr Leben wurde.
Caroline Marks mit einem Unterwasser-Porträt am Bolas Beach auf Kreta, Griechenland, am 3. Dezember 2016.
Caroline Marks in ihrem Element
Aufgewachsen ist die große Familie in einem wahren Kinder-Paradies (Dirt-Rampen, Trampolin, Schaukel, Pool), mit dem Strand und dem Meer gleich auf der anderen Straßenseite. Aber es waren die Pferde, die Caroline anzogen. In ihrer Kindheit war sie Turnierreiterin und obwohl sie das Meer mochte, waren es die Pferde, die sie nicht losließen. Während sie aufsattelte, paddelten ihre älteren Brüder hinaus, Tag für Tag. Luke entwickelte sich langsam zu einem Star mit Sponsoring-Verträgen. Letztendlich war es die Leidenschaft ihrer Brüder fürs Surfen, die Caroline in die Wellen führte.
„Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich darüber rede," sagt Caroline am Telefon. „Ich wollte meine Brüder beeindrucken und ich wollte, dass sie mich cool finden und mich akzeptieren. Sie dachten, Surfen sei das Coolste überhaupt, also dachte ich mir: ‚Ich muss wirklich gut sein in etwas, das sie für cool halten.'"
In „That's Caroline" beschreibt Carolines Vater Darren den Wechsel vom Pferd aufs Surfboard wie das Umlegen eines Schalters. Und in der Tat erinnert sich Marks genau an den Moment, in dem es passierte. Sie war 11 Jahre alt und hatte gerade ihren ersten nationalen Contest gewonnen. Sie kam aus dem Nichts und konnte sich gegen eine erfahrene Konkurrenz durchsetzen.
Caroline Marks am Laguna Beach.
Caroline Marks bereitet sich auf die Surfsession am Laguna Beach vor
„Das Gefühl war so unglaublich und ich war überglücklich. Es fühlte sich einfach richtig an, besser kann ich es nicht erklären. Ich wache morgens auf und denke an nichts anderes als Surfen. Den ganzen Tag denke ich ans Surfen. Ich gehe ins Bett und denke ans Surfen. Ich glaube, das war der Moment, in dem es bei mir Klick gemacht hat und ich dachte: ‚Das ist es, was ich den Rest meines Lebens machen will und ich will nie wieder damit aufhören.'"
Und sie hörte nicht auf - nein, ganz im Gegenteil: Sie gewann weiterhin Wettbewerbe und zwang Surfer in die Knie, die nicht nur viel älter, sondern auch viel mehr Zeit im Wasser verbracht haben als sie. Und wie sich später herausstellte, sollte ihr genau das in der nächsten Phase ihrer Karriere zugutekommen.
Marks Geschichte ist geprägt von der scheinbaren Leichtigkeit, die sie im Eiltempo in den siebten Himmel katapultierte. Als sie sich viel früher als erwartet für die Championship Tour qualifizierte, war es fast wie ein Zug, der nicht mehr zu stoppen war. Aber auch wenn sich Caroline blind in das Abenteuer bei der CT und bei anderen großen Wettkämpfen stürzte, mussten sich ihre Eltern etwas überlegen.
Caroline Marks bei den ISA World Surfing Games in Miyazaki, Japan, am 10. September 2019.
Carolines Backside
In „That's Caroline" geben die beiden Eltern zu, dass sie sich über den rasanten Aufstieg ihrer Tochter gefreut haben, aber sie waren sich auch bewusst, dass das Rampenlicht viel Druck bedeutet. Außerdem ist die Elite-Tour lang und weit weg: In einem typischen Jahr bestreiten die Surfer zwischen 10 und 11 Wettkämpfe, an Orten von Frankreich bis zu den Fidschi-Inseln. Die Athleten leben aus dem Koffer und haben kaum Verschnaufpausen. Carolines Eltern wollten ihre Tochter unterstützen, aber auch beschützen.
„Ich glaube, sie waren einfach besorgt um mich," sagt Caroline. „So weit weg von ihnen zu sein und den ganzen Druck auszuhalten, während ich gegen die ganz großen Namen surfte. Immerhin habe ich mich schon mit 15 qualifiziert. Da ist man immer noch ein Kind, ich fühle mich auch heute noch wie eines. Ich bin gerade erst 19 geworden und blicke zurück auf die Zeit, als ich 15 war und denke mir: ‚Heiliger Strohsack'. Was mir wirklich geholfen hat, war, dass ich mir keine großen Gedanken machte. Ich bin immer blind reingegangen, ohne zu wissen, was mich erwarten würde."
„Ich war bisher nur an zwei der 10 Spots auf der Tour. Ich dachte damals: ‚Das wird ein Riesenspaß. Ich versuche, mir keinen Druck zu machen', was schwer war, weil ich so viel von mir erwartete. Was wir geholfen hat, war, dass meine Familie und mein Trainer sagten: ‚Du hast nichts zu verlieren. Diese Mädchen sind 10 Jahre älter als du. Sie wollen nicht gegen eine 15-Jährige verlieren, also kannst du nur gewinnen.' Dieses Mindset hat mir extrem geholfen, das alles durchzustehen."
Surferin Caroline Marks am Laguna Beach.
Caroline Marks
Und diese Einstellung hat sich Marks während ihrer Zeit auf Tour immer beibehalten. Es ist nach wie vor unglaublich, dass sie absolute Surf-Ikonen besiegt, die bis zu einem Jahrzehnt älter sind als sie. In der Saison 2019 wurde sie sensationelle Gesamtzweite, geschlagen nur von der vierfachen Weltmeisterin Carissa Moore.
Aber nicht jeder Contest bedeutet Triumph und nicht jeder Tag unterwegs ist wie ein Traum im Paradies. In beiden Fällen sind ihre Familie und ihre mentale Einstellung der Schlüssel zum Erfolg (einmal ganz abgesehen von ihrem übernatürlichen Talent und ihrer beeindruckenden Arbeitsmoral). Caroline nennt ihre Familie ihre „Wohlfühl-Leute", und das merkt man auch auf der Leinwand und in den Gesprächen. In der Dokumentation sieht man ihre Familie beim Saisonfinale, bereit auf den Klippen der Honolua Bay ihre Caroline anzufeuern und mit Umarmungen zu überschütten.
„Alles, was ich tue, jeder Sieg und all die großen Momente meiner Karriere sind nur so besonders, weil ich sie mit ihnen teilen kann," schwärmt Caroline.
Caroline Marks mit einem Unterwasser-Shot am Bolas Beach auf Kreta, Griechenland, am 3. Dezember 2016.
Caroline Marks unter den Wellen von Kreta
Auch beim australischen Quiksilver Pro 2019, als Caroline die erste Frau wurde, die für einen Contest-Sieg gleich bezahlt wurde, war es ihr Bruder, zu dem sie lief. „Ich bin einfach zusammengebrochen und habe angefangen zu weinen," erinnert sie sich. „Wegen ihm habe ich mit dem Surfen begonnen und der Grund, warum ich da bin, wo ich jetzt bin, ist er. Ich werde schon wieder emotional, wenn ich nur darüber rede."
Caroline weiß auch, was ihre Familie für ihre Karriere aufopfern musste. Als das Surfen immer mehr Fahrt aufnahm, zogen ihre Eltern mit dem gesamten Clan, alle acht, von Melbourne in Florida, nach San Clemente in Kalifornien - ein absoluter Hotspot mit Weltklassewellen und einer populären Surfindustrie, die es ihr ermöglichte, näher am Zentrum des Sports zu sein.
Während sich Caroline wieder auf Tour begibt und sich in die Saison 2021 stürzt, hält sie sich ihre Familie immer noch so nah wie möglich. „That's Caroline" ist ein schwungvolles Porträt einer phänomenal begabten, motivierten und entschlossenen Athletin, die die Messlatte höher und höher legt und dabei trotzdem die Freude an der Sache nicht vergisst. Gleichzeitig ist es auch eine Ode an die Familie und an die Energie der bedingungslosen Unterstützung, gepaart mit einer inspirierenden „Go-for-it"-Mentalität.
„Meine Eltern haben immer eine großartige Balance gefunden, mich meine Entscheidungen selbst treffen zu lassen und zu sagen: ‚Wir unterstützen dich. Wir lieben dich. Es wird ein wilder Ritt werden,'" sagt Marks. „Ich bin nun bereits in meinem dritten Jahr auf der Tour und es ist das Beste, was ich je erlebt habe. Ich möchte niemals damit aufhören."
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