Deine etwas andere To-Do-Liste für diesen Sommer.
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Urban Exploration

10 Tipps für einen Sommer voller echter Momente

Schluss mit To-dos, her mit To-yeahs: Hier kommen zehn Anregungen für einen Sommer im Hier und Jetzt – zusammengestellt von Eva Pramschüfer, Book­tokerin und Autorin des Bestsellers „Weißer Sommer“.
Von: Eva Pramschüfer
4 min readPublished on
01

Mal wieder Anfänger sein

Fang in diesem Sommer mit etwas an, worin andere längst besser sind. Zum Beispiel mit Pickleball: halb Tennis, halb Tischtennis, schnell erklärt, erstaunlich suchterzeugend. Dass du anfangs nur jeden zweiten Ball triffst, ist kein Makel, sondern der Reiz. Denn du wirst schnell besser – der Thrill der steilen Lernkurve. Und: Im Sommer fühlen sich neue Hobbys weniger nach Selbstoptimierung für CV und Tinder-Profil an als nach einem guten Grund, mehr Zeit draußen und mit Freunden zu verbringen. Und kaum etwas macht so schnell gute Laune wie das Gefühl, nach ein paar Abenden plötzlich doch einen 30-Sekunden-­Ballwechsel hinzubekommen.
02

Ein Wochenende ohne Plan verbringen

Das Leben verläuft in klaren Bahnen, weil wir selbst die Straßen bauen: mit Recherchen, Screen­shots, mit endlosem Optimieren und der Suche nach dem perfekten Matcha. In diesem Sommer schicken wir nicht den digitalen Zwilling voraus, sondern machen Dinge ohne große Vorrecherche. Im Kleinen heißt das: auf ein Konzert gehen, ohne die Band zu kennen. Ein Gericht bestellen, das man nicht aussprechen kann. Im Größeren: verreisen, ohne vorher jeden Ort durch Reels, Pinterest und halbseidene Guides zu jagen. Je weniger durchgeplant, desto eher entsteht Platz für Zufälle, Umwege, spontane Vorschläge und diese seltenen Momente, in denen niemand sofort fragt, was als Nächstes kommt.
03

Ein Abenteuer starten, wenn die anderen nach Hause gehen

Im Alltag ist Zuspätkommen unhöflich, in diesem Sommer ist es eine Tugend: Wenn die Leute am See schon zusammen­packen, kommen wir erst an – und gehen trotzdem noch ins Wasser. Die Nachtschicht wird zur besten Zeit des Tages: Starte eine Fahrradtour um 22 Uhr oder mach ein Sternenpicknick. Es gilt: Wer zu spät kommt, den belohnt das Leben.
04

Eine Canon Ixus 55 kaufen

Ersetz für ein paar Wochen dein Smartphone durch ein altes Klapphandy und eine Retro-Digicam. Weniger ist hier ­tatsächlich mehr. Die Bilder werden automatisch seltener, grisseliger, lustiger – und deshalb besser. Ein Sommer in 3 Megapixel. Und das ­Telefon bleibt ohne Push­nachrichten wunderbar still – außer, es klingelt. Wie aufregend.
05

Draußen schlafen (ein Mal reicht)

Nicht gleich als Survival-Prüfung, eher als kontrollierter ­kleiner Kontrollverlust. Such dir einen Balkon, einen Garten, einen Badesteg, einen Campingplatz oder ein Seeufer, an dem es halbwegs legal und bequem ist, und verbring eine Nacht unter freiem Himmel. Schlechter Schlaf gehört dazu, zu viele Geräusche auch, vielleicht ein krummer Rücken am Morgen. Aber genau das ist der Reiz: Für eine Nacht fühlt sich selbst das Vertraute plötzlich nach Expedition an.
06

Dein Cringe als Superpower entdecken

Mach in diesem Sommer einmal etwas, wofür du dich normalerweise für zu reserviert hältst: Karaoke, Chorsingen, Improtheater, Fragen ­stellen auf der Podiumsdiskussion. Du wählst dein Level. Es geht nicht darum, plötzlich extrovertiert zu werden oder dich neu zu erfinden. Es reicht, wenn du kurz merkst, dass Unsicherheit oft die Vorstufe von Überraschung ist.
07

Jemanden einladen, den du kaum kennst

Sommerabende müssen nicht immer im vertrauten Kreis enden: Lad jemanden ein, den du kaum kennst – einen Nachbarn, eine Kollegin, den Typ vom Kiosk. Oder setz dich dazu, wenn irgendwo noch ein Platz frei ist: an einen Tisch, auf eine Mauer. Die besten Sommerabende beginnen manchmal mit Leuten, die man nicht erwartet hat – und mitunter reicht genau das, damit aus einem Abend eine Geschichte wird.
08

Einen Wasserfall bezwingen

Einen reißenden Wildwasserstrom meistern? In einem Kajak? Ich? – Ja, genau du. Buch einen Einsteigerkurs auf der Soča in Slowenien – smaragdgrünes Wasser, Julische Alpen, sieht aus wie aus einem YouTube-Short, und du bist mittendrin. Am ersten Tag kennt man noch nicht mal das Paddel richtig, am letzten fährt man durch echtes Wildwasser. Oder du buchst eine Canyoning-Tour, springst im Neo einen ganzen Wasserfall hinunter – und verlierst dich im großen Rauschen.
09

Einen Mittwoch verschwenden (mindestens)

Nimm dir einen Dienstag oder Mittwoch und mach nach Feierabend nichts mehr Vernünftiges. Geh nicht direkt nach Hause, iss spät, lauf noch irgendwohin, bleib hängen, trink noch was Kaltes, kauf ein Eis, setz dich ans Wasser. Der Gedanke ist nicht, dass es spät wird, sondern dass ein Wochentag aufhört, Mittel zum Zweck zu sein. Vielleicht ist genau das eine der schönsten Sommerübungen: den Ernst eines ­Mittwochs für ein paar Stunden außer Kraft setzen.
10

Einmal alles geben – nur für dich

Schwimm so weit raus, bis du kurz Bedenken wegen des Weges zurück bekommst. Lauf einen Berg hoch, ohne stehen zu bleiben. Fahr Rad, bis die Beine brennen. Nicht für Strava, sondern für den Moment danach, wenn du völlig am Ende bist und alles um dich herum plötzlich zu leuchten beginnt.