Mit der Apple Watch Ultra kannst du aus dem Büro direkt in die Wildnis.
© Apple
Exploration

Wild wie wir: Abenteuer-Trends für den Alltag

Keine Kapazitäten für Abenteuer? Dann kommen die Abenteuer zu dir: Hier sind sechs Beispiele, wie der Entdecker­geist unseren Alltag erobert – von Hightech-Flaschen bis zum virtuellen Survival-Game.
Von: Tobias Moorstedt
8 min readPublished on
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Allzeit bereit!

Dank Smartwatches ist es an unseren Handgelenken stets fünf vor Expedition.
Es ist heute kaum vorstellbar, dass vor 15 Jahren die größte Herausforderung für eine Uhr noch darin bestand, bis zu 200 Meter wasserdicht zu sein. Inzwischen entwickeln sich High-End-Sportuhren nach dem Prinzip „Höher, schneller, weiter“ – als gäbe es Milliarden an Ultramarathonläufern und Weltumseglern.

The Glacier Edition

Die Red Bull Glacier Edition mit dem Geschmack von Gletschereis-Himbeere.

Im Dezember 2025 exklusiv auf Amazon erhältlich

Red Bull Glacier Edition - Image
The Glacier Edition Background
Selbst die einfachsten Modelle messen Bewegung, Schlaf und Herzfrequenz. Die Apple Watch Ultra 3 erfasst inzwischen auch VO₂max-Werte, ein Maß für den Sauerstoffverbrauch beim Sport, mit dem Profis ihre Leistung optimieren. Die Garmin fēnix punktet mit einer Akkulaufzeit von drei Wochen – genug, um die Alpen zu überqueren. Die Garmin quatix kann sogar ein Boot steuern, während die Suunto 9 Baro mit ihrem integrierten Luftdruckmesser vor Stürmen warnt.
De Garmin fēnix 8 mit hochpräziser Satelliten-Navigation.

De Garmin fēnix 8 mit hochpräziser Satelliten-Navigation.

© Garmin

Die Wurzeln der Technologie sind beeindruckend: Garmin, ein Pionier im Bereich GPS-Navigation, entwickelte ursprünglich Systeme für die Boots- und Luftfahrtindustrie. Suunto, das fin­nische Traditionsunternehmen, begann als Hersteller von Feldkompassen und bietet heute Uhren mit Tracking-Funktionen für über 20 Sportarten.
Allein 2019 verkaufte Apple weltweit über 30 Millionen Smartwatches – mehr als alle Schweizer Uhrenmarken ­zusammen. Und obwohl die meisten Sportuhren ihren Alltag im Stadtpark oder in der U-Bahn verbringen, bleibt die Idee bestehen: Man weiß nie, welches Abenteuer auf einen wartet – oder wie weit einen das Training wirklich bringt.
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Dresscode Alpenüberquerung

Warum Gorpcore mehr ist als ein Modetrend.
Gore-Tex ist ein besonders ­wasserabweisendes und langlebiges Material. Kein Wunder, dass der Modetrend Gorpcore auch 2025 ungebrochen bleibt. Die Mischung aus Funktions­kleidung und High Fashion ist längst kein Meme mehr, sondern eine nachhaltige Bewegung. Das Designstudio Ranra – ansässig in London und, natürlich, Island – setzt für seine Sneaker-Collab mit Salomon auf natürliche Materialien wie Baumwolle und Kokosfasern.
Der von Salomon und Ranra entwickelte Schuh funktioniert überall.

Der von Salomon und Ranra entwickelte Schuh funktioniert überall.

© Salomon

Die Kombination aus Alt und Neu, Wildnis und Stadt, Basic und High End bringt etwas in uns zum Schwingen. Schon in den 1990ern waren Arc’teryx-Jacken ein Statussymbol für Graffiti-Künstler, und Hip-Hop-Ikone 2Pac rappte über Gore-Tex und Louis Vuitton – damit wurde er wohl zum ersten ­Propheten von Gorpcore. ­Zwanzig Jahre später erklärt Patrick Stangbye, Creative Director von Roa Hiking: „Wir beziehen uns auf Archetypen der Mode und Bergausrüstung des vergangenen Jahrhunderts.“ Mit Schuhen und Parkas von Roa kann man auch in diesem Jahrhundert problemlos eine 30-Kilometer-Wanderung durch Nordnorwegen überstehen.
Der nächste Schritt: Die Gorpcore-Ikonen von Ranra haben gemeinsam mit Kit Wan Studios, Maium und Lenovo die Tab Wear Collection ent­wickelt, eine Verschmelzung von Fashion, Outdoor-Kleidung und integriertem Tablet. Die Lust am Experimentieren ist die Stärke von Gorpcore. „Outdoor-Gear sieht wieder richtig weird aus“, schreibt High Snobiety. „Warten wir ab, in welche über-funktionalen Welten uns die neuesten Entwicklungen von Gorpcore führen werden.“
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Mal wieder vom Weg abkommen

Warum die innovativsten E-Autos unserer Zeit auf Abenteuergeist setzen.
Ein Elektro-Offroader sorgt oft erst einmal für skeptisches Lachen: viel Spaß dabei, im australischen Outback eine Ladestation zu finden! Doch eigentlich ist es eine geniale Idee: die Natur erleben, ohne sie mit Abgasen und CO₂-Emissionen zu belasten.
Das Design orientiert sich an Allrad-Klassikern wie dem Lada Niva.

Das Design orientiert sich an Allrad-Klassikern wie dem Lada Niva.

© Rivian

Der Rivian R3X ist die neueste Ergänzung im wachsenden Markt der elektrischen Abenteuerfahrzeuge. Inspiriert von Rallye-Autos der Gruppe B wie dem Renault 5 Turbo, gewann das Modell 2024 den Best Design Award von „Top Gear“. Man kann sich gut vorstellen, wie er die engen Kurven in den Pyrenäen oder Seealpen driftet – ohne dröhnenden Motor und beißende Abgase. Man spürt, wie viel Spaß die Designer hatten: Abschlepphaken an den Stoßstangen, clevere Air Vents im Fahrzeugrahmen, um die Aerodynamik trotz muskulösem Look zu optimieren, und ein ­großer digitaler Kompass direkt neben dem Tachometer. Wohin soll die Reise gehen? Elektrofahrzeuge eignen sich hervorragend fürs Campen. Sie machen keine Ölpfützen. Und bieten durch den „Frunk“ (Front-Trunk) und andere Stauräume genug Platz. Modelle wie der Rivian R1T oder der Tesla Cybertruck gibt es sogar mit integriertem Dachzelt. „Moderne Trucks haben diese riesigen, aggres­siven Kühlergrills“, sagt Jeff Hammoud, Rivians Chief Design Officer. „Wir wollen, dass unsere Fahrzeuge robust und leistungsfähig wirken, aber auch einladend, warm und optimistisch.“ Das ist gelungen. Autos wie der R3X sind nicht dafür gemacht, die Sahara zu durchqueren. Aber für Wochenendausflüge mit einer Reichweite von 500 Kilometern sind sie ideal.
Die Zukunft für elektrische Entdecker sieht noch besser aus: Die durchschnittliche Batteriekapazität von Elektrofahrzeugen stieg von 1,4 kWh im Jahr 2010 auf 30 kWh im Jahr 2021 – bald wird die 100-kWh-Grenze Standard sein. Rivian baut bereits ein Netz von „­Charging Outposts“ an ikonischen Orten wie Yosemite und Joshua Tree.
04

Immer an der Quelle

Diese Wasserflasche könntest du in einer Pfütze nachfüllen.
Die Wasserflasche ist zweifellos eines der wichtigsten Accessoires der letzten Jahre. Der „Stanley Cup“ etwa, ein 1,5-Liter-Thermos­becher mit integriertem Strohhalm, machte eine 110 Jahre alte US-­Outdoorfirma zur Hypebrand. In Shops verschwimmt mittlerweile die Grenze ­zwischen Flasche und Kanister. 2,2 Liter. 3,8 Liter? Kein Wunder: Die Hydration-App schickt ja permanent Push-Nachrichten: „Denk daran, genug zu trinken.“
Diese Flasche befreit Wasser von Bakterien, Parasiten und Mikroplastik.

Diese Flasche befreit Wasser von Bakterien, Parasiten und Mikroplastik.

© LifeStraw

Der Wasserbedarf von Menschen ist sehr verschieden. Zwischen 1,5 bis 2 Liter braucht ein Erwachsener laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung. Bei einem Aufstieg von 1000 Höhenmetern steigt der Bedarf um 500 Milliliter, und eine Erhöhung der Luftfeuchtigkeit um 50 Prozent verlangt immer noch nach 300 Millilitern mehr.
Vielleicht sollten wir uns weniger Ge­danken über die Menge machen – und, statt Milchkannen in der U-Bahn mitzuschleppen, auf die Qualität achten. Die LifeStraw Go Bottle etwa besitzt einen integrierten Kohle­filter, der Bakterien, Parasiten und Mikroplastik herausfiltert. „Man kann die Flasche problemlos an einer Tankstelle oder einem Wasserhahn in Mexiko auffüllen“, heißt es – oder in einer Wasserpfütze im Stadtpark?
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Überleben für Fortgeschrittene

Wie die Sendung „alone“ das Survivor-Prinzip auf die Spitze treibt.
Welche Reality-TV-Show die härteste und cleverste ist? „­Survivor“, „Naked and Afraid“ oder vielleicht „Outlast“? Keine davon. Die History-Channel-Serie „Alone“ lässt jede andere Survival-Show wie einen Urlaub auf dem Ponyhof wirken.
Zehn Kandidaten – Jäger, Ex‑Soldaten, Biologen – werden in der Wildnis Alaskas oder Nord­kanadas ausgesetzt. Bewaffnet nur mit ihrem Verstand, sechs Paar Wollsocken und einer streng limitierten Liste von Ausrüstungsgegenständen. Kein Kamerateam, keine Konkurrenten, keine Produzenten, die im Gebüsch lauern – nur sie selbst, ihre GoPros und ihr unvermeidliches Scheitern. Wer am längsten durchhält, gewinnt 500.000 Dollar. Hier trifft Strategie auf brutale Realität. Jäger wählen Bögen (Gewehre sind verboten), Bastler entscheiden sich für Klappsägen, und Geduldige knüpfen Fischernetze (Angeln sind ebenfalls nicht erlaubt). Doch hier ist der Haken: Was nützt ein Bogen, wenn es in deinem Teil der Insel kein Wild gibt?
10 Einzelkämpfer schlagen sich in „Alone" (DMAX) durch Kanada.

10 Einzelkämpfer schlagen sich in „Alone" (DMAX) durch Kanada.

© 2024 A&E Television Networks

Die Show löst etwas Ursprüngliches und zutiefst Nerdiges aus. Fans erstellen riesige Tabellen, in denen alles erfasst wird: welche Werkzeuge die 100 US-Kandidaten gewählt haben (nur 5 % entschieden sich für Messer), wie viele aufgegeben haben, weil sie der Isolation nicht standhielten (34 %), und wie viele Tage es durchschnittlich dauert, um zu gewinnen (72 %). „Alone“ ist eine Hommage an den menschlichen Einfallsreichtum: Eine Teilnehmerin baute eine Schwitzhütte im Busch von Alaska, ein anderer ein Boot aus einer Zeltplane, um große Fische zu fangen. Kaum jemand wird den Triumphschrei vergessen, als ein Teilnehmer einen 800-Pfund-Moschus­ochsen mit einem selbst ­gebauten Bogen erlegt hatte.
Jahrelang flog „Alone“ unter dem Radar, bis die Pandemie die Quoten explodieren ließ. Jede Folge ist ein langsamer Marsch in Richtung körperlichem und seelischem Zusammenbruch. „Es ist eine Übung in kontrolliertem Sterben“, schrieb das „New York Magazine“ und nannte die Serie „‚The Blair Witch Project‘ mit Preisgeld“.
Der Boom geht weiter. Es gibt mehrere Spin-offs – etwa „Frozen“ in der Antarktis – sowie Ableger in England, Aus­tralien und Deutschland. In der skandinavischen Version gibt es kein Preisgeld – es geht nur um Ehre und Erkenntnis. „Alone“ ist echt und roh. Das Verrückte: wie glücklich und bei sich die Kandidaten wirken, selbst wenn sie kurz vor dem Verhungern stehen. Wie wäre das, ohne Smoothies, TikTok, Wärmepumpe? Wie war es, bevor wir Städte bauten und Quartalsmeetings abhielten? Wie wird es nach dem Tag X sein? Die Wahrheit ist: Keiner von uns ist hart genug, um auf diesem Planeten zu überleben. Aber wir müssen es trotzdem versuchen.
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Mehr Wildnis spüren

Mit der VR-Brille ins Zeitalter der Jäger und Daddler.
Die Grafik beeindruckt, aber erst die Tonspur katapultiert einen wirklich an einen anderen Ort: das Rascheln hinter dem Rücken, Krähenrufe über dem Kopf, das Knistern des Feuers, das die Gefahren der Dunkelheit bannt.
Meta und Apple versprechen, dass VR-Brillen für Telefonkonferenzen, berufliche Weiterbildungen oder virtuelle Einkaufsbummel genutzt werden können. Eine nette Idee – wenn man Hightech dazu nutzen will, noch häufiger Dinge zu tun, die ohnehin nerven. Vielleicht erklärt das den Erfolg von „Song in the Smoke“. Das VR-Spiel entführt mit 3D-Sound, 4K-Grafik und der Power der PS5 an einen Ort ohne Technologie: In der Rolle eines Jägers und Sammlers kämpft man ums Überleben in einer fiktiven Urzeitwelt, streift durch dunkelgrünes Dickicht und verteidigt sich mit Keule, Pfeil und Bogen gegen Raubtiere. „Das erste VR-Spiel, bei dem ich wirklich das Gefühl habe, ein anderes Leben zu führen“, schreibt ein Nutzer auf Reddit.
Metas Einstiegs-Modell Quest 3S ­bietet Abenteuer in Top-Auflösung.

Metas Einstiegs-Modell Quest 3S ­bietet Abenteuer in Top-Auflösung.

© Meta

VR-Brillen wie die Oculus oder PSVR2 sind perfekt, um dem Büroalltag oder den Wohnzimmerwänden zu entfliehen. Doch die meisten VR-Erlebnisse wie „Brink Traveller“, „A Walk in the Woods“ oder „Kayak Mirage“ wirken eher wie dreidimensionale Postkarten: wunderschöne Landschaften, die man erkundet, während man versucht, etwas zu spüren. „Virtuelle Realität ist die technologische Entsprechung von Psychedelika“, sagte Jerry Garcia von Grateful Dead einmal. Es ist der Zugang zu einem wahrhaft anderen Ort.
„Song in the Smoke“ fesselt, weil es so realistisch ist – man besitzt keine Superkräfte. Wenn ein Werkzeug zu oft benutzt wird, zerbricht es. Viel Zeit verbringt man damit, Beeren und Feuerholz zu sammeln.In der Nacht leuchten die Augen eines Löwen bedrohlich in der Dunkelheit. Das Feuer hält ihn auf Abstand. Aber reicht das Holz?