Im Red Bulletin Podcast erzählt Anja Blacha, wie sie zum Bergsteigen kam
© Anja Blacha
Bergsport

„Mein Reise-Guide sagte: Anja, du bist verrückt!"

Von 2015 bis 2017 stieg Anja Blacha – als bislang jüngste Deutsche – mit kaum Erfahrung auf den höchsten Gipfel jedes Kontinents. Uns erzählt sie von dem Peru-Trip, der ihre Wanderlust weckte.
Autor: Florian Obkircher
3 min readveröffentlicht am
Anja Blacha liebt die ganz großen Herausforderungen: Mit 26 war sie als jüngste deutsche Kletterin auf dem Mount Everest, bis heute ist sie die einzige Deutsche, die den K2 bezwungen hat. Voriges Jahr schaffte sie es als erste Frau auf Langlaufski von der Küste der Antarktis bis zum Südpol. 1400 Kilometer in 58 Tagen. Ihren 100-Kilo-Schlitten zog sie dabei selbst.
Dabei ist ihr die Lust am Extremen nicht in die Wiege gelegt worden. Ihre erste Bergtour absolvierte sie 2013, nur vier Jahre bevor sie den höchsten Berg der Welt bestieg. Hier spricht die 31-Jährige unter anderem von diesem Erweckungsmoment.
„Meine ersten Bergschuhe waren eigentlich gar keine wirklichen Bergschuhe, das waren Multifunktionsstiefel der Marke Timberland, von denen ich beim Kaufen dachte: Damit kann ich durch die Altstadt schlendern, aber auch wandern gehen. Perfekt auch für die anstehende Peru-Reise mit meiner Schwester.
Ich bin in Bielefeld aufgewachsen. Berge gibt es da nicht. Meine gesamte Jugend war von Strandurlauben und Städtetrips geprägt. In Peru hab ich dann zum ersten Mal einen Vulkan gesehen – mit 23. Auf einem Berg war ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie, aber ich wollte unbedingt rauf. Das Problem: Allein konnte man da nicht hoch, und das Ticket für unsere Weiterreise am nächsten Tag war schon gebucht. ‚Ihr seid verrückt, wenn ihr da jetzt in einer Nacht und in einem halben Tag raufwollt‘, sagten uns die Guides. Geklappt hat es am Ende doch: vom Meeresspiegel rauf auf 5800 Höhenmeter. Oben war ich so fertig, dass ich den Ausblick gar nicht richtig genießen konnte. Aber ich war so angefixt vom Spaß, den wir beim Aufstieg hatten, und vom Glück, das Ziel erreicht zu haben. Noch im gleichen Urlaub nahmen wir uns auch noch den Machu Picchu vor. Dieses erste Mal Trekking war so beeindruckend, dass ich mir damals schwor, die Timberlands nicht verstauben zu lassen.
Ich habe das Klettern spät entdeckt, und das war vielleicht gut so.
Rekord-Frau Anja Blacha hat ihre erste Bergtour erst mit 23 gemacht.
Vier Jahre später hatte ich dann die Seven Summits, den jeweils höchsten Berg jedes Kontinents, geschafft – als jüngste Deutsche überhaupt. Ob ich es bereue, nicht schon früher mit dem Bergsteigen begonnen zu haben? Nein. Denn mein Beispiel zeigt: Unsere Vergangenheit muss nicht bestimmen, was wir in unserer Zukunft erreichen können.
Ich habe das Klettern spät entdeckt, und das war vielleicht sogar gut so. Ich lebe heute in der Schweiz, da gibt es Kletterer, die sind technisch unendlich versierter als ich, die kommen die Eiger-Nordwand in Rekordzeit hoch – und doch wagen sie sich nicht an die großen Berge heran. Weil sie ständig vor Augen haben, welche Skills ihnen vielleicht noch fehlen, anstatt das große Ziel anzugehen. Und so kann es sein, dass ich vielleicht auch stecken geblieben wäre in diesem ‚Ich muss noch lernen‘-Zyklus, hätte ich früher oder in einem bestimmten Umfeld begonnen.
Ich habe mit dem Bergsteigen aus Spaß angefangen, aus Neugier, etwas Neues für mich entdecken zu wollen. Es war einfach Teil meiner Reiselust. Und genau diese Ungezwungenheit war mein großer Vorteil.“
„MEIN ERSTES MAL“ IST DIE RED BULLETIN-PODCAST-SERIE, in der Heldinnen über ihre Anfänge sprechen. Die Folge mit Anja Blacha, in der sie auch verrät, warum Excel-Tabellen für ihre Expeditionen wichtiger sind als Muskelberge, gibt’s im Podcast-Kanal von The Red Bulletin und auf allen gängigen Plattformen wie Spotify.