Sängerin Arlo Parks: Tanzen, Burnout und Neubeginn in L.A.
Wie gefällt dir das Leben in L. A.?
Ich mag die Sonne, das Tempo, die Natur – und dass ich hier jeden Tag boxen kann. Ich war schon immer sportlich, habe auf hohem Niveau Feldhockey gespielt und dachte lange, das würde mein Leben werden. Neben dem Boxen laufe ich regelmäßig und stemme Gewichte – Bewegung erdet mich.
Dein neues Album ist vom amerikanischen Nachtleben inspiriert. Warum dieser Wandel?
Es war das Ende einer Phase endlosen Tourens, in der ich kaum dazugekommen bin, zu leben. Ich fragte mich: Was bedeutet es, wirklich zu leben? Anzukommen, spontan zu sein, Spaß zu haben? Diese Haltung hat sich auf die Musik übertragen.
Das braucht jeder mal im Leben: einfach tanzen, für ein paar Monate.
Neben L. A. hast du viel Zeit in New York verbracht. Welche Rolle hat diese Stadt für dich gespielt?
Dort gibt es eine unglaubliche Club-Kultur sowie eine einzigartige Musikgeschichte. Ich habe mich in die Geschichte von Nachtclubs wie der Paradise Garage, The Loft und dem Studio 54 vertieft und mich gleichzeitig in die heute noch existierenden Orte gestürzt.
War das ein Versuch, das verpasste Nachtleben deiner Teenagerjahre nachzuholen?
Auf jeden Fall. Viele Menschen haben während des Studiums Zeit, um in diese Welt einzutauchen. Ich war aber schon mit siebzehn auf Tour. Es war also das erste Mal, dass ich mich wirklich fallen lassen konnte. Ich glaube, das braucht jeder Mensch einmal im Leben: einfach tanzen, für ein paar Monate.
Muss man denn dafür überhaupt in einen Club?
Nicht unbedingt. Manchmal räumen wir bei mir zu Hause die Möbel zur Seite, legen Janet Jackson auf und tanzen durch das Wohnzimmer. Tanzen und Bewegung sind für jeden möglich – überall.
Was macht Tanzen so transformativ?
Es holt dich aus dem Kopf und bringt dich in deinen Körper – auf eine Weise, die sonst kaum möglich ist. Du handelst nur noch aus dem Bauch heraus, spürst dich selbst und bist Teil von etwas Größerem. In diesen Momenten liegt mein Herz nah an der Oberfläche. Genau dieses Gefühl wollte ich mit meinem neuen Album vermitteln: Man soll sich darin verlieren und sich gleichzeitig selbst finden können.
Hast du Selbstzweifel, wenn du deinen Sound veränderst?
Immer. Das gehört dazu, wenn man sich selbst herausfordert. Du spürst, wie der Boden unter deinen Füßen nicht ganz fest ist. Aber das bedeutet auch, dass du dich bewegst und wächst. Jedes meiner drei Alben hatte einen anderen Prozess – von Anfang bis Ende gab es nie Gewissheit.
Wie wichtig ist es dir, deine Queerness in deiner Musik widerzuspiegeln?
Für mich geht es weniger darum, Sprachrohr zu sein, als vielmehr darum, über die Menschen zu reden, die ich liebe, über Gemeinschaft und darüber, was ich verkörpere. Ich bin queer, und das spiegelt sich in meinen Songs wider. Ich fühle mich glücklich, in einer Zeit zu leben, in der sich immer mehr Künstlerinnen und Künstler offen zu ihrer Queerness bekennen. Manche Menschen hatten schon immer Angst vor dem Anderssein. Ich versuche, Offenheit in die Welt zu schicken.