Dani Pedrosa
© Claudia Meitert
MotoGP

Dani Pedrosa: So bewältigst du die Strecke am Spielberg

Was Fahrer und Bike können müssen, um am Red Bull Ring schnell zu sein.
Autor: Dani Pedrosa
3 min readveröffentlicht am
Spielberg ist eine Strecke, die man mit keiner andern vergleichen kann. Es gibt nämlich keine schnellen Kurvenfolgen. Man kann sagen, dass es sich um Stop and Go auf höchstem Niveau handelt. Um am Red Bull Ring schnell zu sein, braucht man zwei Fähigkeiten, nein, eigentlich drei: Man muss extrem stark auf der Bremse sein, also so spät bremsen, wie es nur irgendwie geht. Das hat nicht nur mit Mut zu tun, sondern ganz viel mit Gefühl, besonders in Kurve vier, die bergab führt. Da lastet ohnehin schon viel Druck auf dem Vorderrad. Das Hinterrad kann also kaum Seitenhaftung übertragen – und das ist in Kurven äußerst delikat.
Der Rekord sollte fallen.
Dani Pedrosa
Zweiter entscheidender Punkt für eine gute Rundenzeit ist, wie gut man aus den Kurven herauskommt. Von jedem Sekundenbruchteil, den man früher beschleunigen kann, profitiert man während jeder der drei ewig langen Geraden. Das bedeutet, dass man so früh und hart wie möglich ans Gas muss, ohne einen Wheelie zu produzieren, beziehungsweise dass die Motor-Power in der Wheelie-Control versickert, die das Aufsteigen des Vorderrads beim Beschleunigen verhindert, indem sie elektronisch Motorleistung reduziert. Bei der Feinabstimmung tut sich hier ein weites Feld für die Elektronikspezialisten in den Teams auf.
Von den Fahrern ist drittens absolute Präzision gefordert. In den Kurven selbst kann man kaum Zeit gewinnen, sehr wohl aber verlieren. Auf anderen Strecken gibt es unter Umständen die Möglichkeit, einen Scheitelpunkt früher oder später zu setzen, im Kurvenausgang eine andere Linie zu wählen und unterm Strich gleich schnell zu sein. Am Red Bull Ring gibt es exakt eine schnellste Linie, und die gilt es Runde für Runde zentimetergenau zu treffen.
Auf der technischen Seite ist wegen der Höhendifferenz die Motorleistung ein Faktor, vor allem bergauf. Wem das eine oder andere PS fehlt, der hat im Windschatten der Vordermänner eventuell eine Chance mitzuhalten. Aber sobald man in Führung liegt, geht nichts mehr ohne PS. Doch Obacht: Wegen des hohen Vollgas-Anteils ist der Verbrauch am absoluten Limit.
Mehr als 22 Liter Benzin darf man nicht mitnehmen. Wie die Rennen in den letzten Jahren gezeigt haben, kann es sich lohnen, außerdem den Reifenverschleiß im Auge zu behalten, um gegen Rennende noch attackieren zu können.
Für mich ist faszinierend, zu sehen, dass es in den letzten Jahren zwei unterschiedliche Wege gab, hier zu reüssieren: maximale Beschleunigung und Topspeed auf den Geraden, wie es Andrea Dovizioso auf der Ducati vorgezeigt hat, oder brachial auf der Bremse wie Marc Márquez auf der Honda. Für 2020 wage ich dennoch keine Prognose. Sowohl Marc als auch Andrea hatten im Vorfeld Verletzungen, und der Red Bull Ring ist eine physisch sehr anstrengende Strecke. Die Yamahas schauen stark aus, selbst wenn ihnen das Spielberg-Layout nicht sonderlich entgegenkommt.
Da zwei Rennen hintereinander auf derselben Strecke gefahren werden, würde es mich nicht wundern, wenn beim Großen Preis der Steiermark der Rundenrekord fallen würde. Genau das haben wir in der Formel 1 unter vergleichbaren Umständen ja auch schon erlebt.
Dani Pedrosa, 34, fuhr 13 Jahre lang MotoGP, erreichte insgesamt 54 GP-Siege und ist dreifacher Weltmeister (125 und 250 cm³). Seit 2019 ist er KTM-Testfahrer.