Crowdsurfen im Festival-Sommer
© Tyrone Bradley / Red Bull Content Pool
Event & Festival

Die besten deutschen Musik-Festivals: Insider-Guide

Sommer, Sonne, Rock ’n’ Roll: Die Festival-Saison steht in Deutschland vor der Tür. Wir haben die treuesten Stammgäste nach ihren Insider-Tipps gefragt.
Von: Marc Baumann
8 min readPublished on

1. Hurricane

Empfohlen von Evelyn Narciso, Stammgast seit 1997
Hurricane Festival

Hurricane Festival

© Alexander Schliephake

Für eine Kleinstadt hat Scheeßel eine beeindruckende Rock-Geschichte: Mitte der 70er-Jahre gab es hier schon Festivals mit Rock ’n’ Roll-Legenden wie Chuck Berry, seit 1997 findet auf der Motorrad-Sandrennbahn Eichenring das Hurricane statt. Rammstein, INXS und Bad Reli­gion waren die ersten Headliner, seitdem gab es 22 Festivals. Und Evelyn Narciso, 39, hat nur ein Jahr verpasst. 2019 haben sich etwa die Toten Hosen, Mumford & Sons und die Foo Fighters angekündigt, 70.000 Fans werden ihnen von 21. bis 23. Juni folgen.

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Evelyns Insider-Tipps
1. Nimm einen Spaten mit. Egal, was die Wetter-vorhersage meint: Pack deine Gummistiefel ein, das Auto vorausschauend nicht auf dem tiefsten Acker parken und einen Graben rund um das Zelt ziehen, damit das Wasser ablaufen kann – sollte es doch regnen.
2. Geh ins Moor. Das Hurricane dauert drei Tage, da braucht man auch mal ruhige Momente. Das Festivalgelände liegt in der Nähe des Naturschutzgebiets Lüneburger Heide, im Ort Schneverdingen kann man über Holzstege durchs Moor wandern. Und hab keine Hem-mungen, in Festivalklamotten durch die Dörfer zu laufen, die Leute hier sind das gewöhnt.
3. Werde zum Tier. Auf dem Hurricane sieht man öfter Besucher in Onesies, also Ganzkörper-Tierkostümen. Das fand ich anfangs albern, aber heute weiß ich, dass die voll praktisch sind. Die Bären-, Tiger- oder Froschkostüme sind eine Art Schutzkleidung für deine normalen Klamotten, und man kann sie nach dem Festival einfach weg-schmeißen.

2. Splash!

Empfohlen von Erik Zipfel, Stammgast seit 2004
Splash Festival

Splash Festival

© Woodyphotografix

Zum splash! (11. bis 13. 7.) kommen die Nische und die Spitze der Hip-Hop-Szene: Stars, aufstrebende Bands, aber auch Künstler, die nie breite Masse werden. Früher, in Chemnitz, in den ersten Jahren des Festivals, war der Groove entspannter, damals lief auch Reggae. Heute, auf dem neuen ­Gelände in Ferropolis, ­inmitten der gigantischen Tagebau-Bagger, ist ein ­anderer Vibe spürbar. Zum Abkühlen reicht die Badehose: Das Festivalgelände liegt auf einer Halbinsel ­inmitten des Gremminer Sees, wo Erik Zipfel, 31, schon als Kind baden war.
Eriks Insider-Tipps:
1. Hol dir ein Upgrade. Kauf dir ein Premium-Ticket mit Zugang zum V. I. P.-Camping-gelände. Das ist echt wichtig. Der normale Campingplatz wird nicht ohne Grund „die Favela“ genannt. Die Kids sind echt verrückt, die schlafen drei Tage nicht, springen über alle Tische und Zelte, früher haben wir da sogar Zelte abgefackelt. Und es ist immer, immer laut.
2. Komm auf Rollen. Der Weg zum Gelände ist wirk-lich richtig lang. Nimm dir ein altes Fahrrad mit oder ein Skateboard oder sonst was mit Rollen, um vom Zelt zum Festival zu kommen. Ich hatte vor zwei Jahren ein Moped ­dabei. Du kannst dein Vehikel vorm Eingang absperren, ein Skateboard passt vielleicht gar in eins der Schließfächer.
3. Feier das Bauhaus. Das splash! findet in der Nähe von zwei Weltkulturerbe-­Stätten statt. In Dessau wird dieses Jahr hundert Jahre Bauhaus gefeiert, und im „Gartenreich Dessau-Wörlitz“ gibt es barocke Schlösser und Statuen, alles sehr schick – also ein krasses Gegen-­programm zum Festival-Flair: staunen statt stunten.

3. Wacken Open Air

Empfohlen von Rüdiger Vinschen, Stammgast seit 2002
Die Crowd in Wacken

Die Crowd in Wacken

© ICS Festival Service

Über Wacken (1. bis  3. 8.) hat schon jede Zeitung Deutschlands berichtet, alle lieben die Geschichte von den ­Metal-Fans, die ins Bauerndorf einfallen, und der Feuer­wehrkapelle, die das Festival eröffnet. Der Hype hat einige Leute ­abgeschreckt, denen das Festival zu groß geworden ist. Rüdiger Vinschen mag es genau des­wegen: So viel Heavy Metal gibt’s nirgendwo sonst, meint er, und als stellvertretender Chef­redakteur des Heavy-Metal-Magazins „Reaperzine“ kennt er sich wirklich aus.
Rüdigers Insider-Tipps:
1. Komm vor dem Sturm. Samstag und ­Sonntag ist der Ort Wacken überlaufen, da fühlt man sich begafft. Mittwoch und Don-nerstag sind die Einheimischen noch entspannt. Ich empfehle Svens Wurstbude.
2. Stürz dich ins Unbekannte. Konzentrier dich nicht bloß auf die ­eigenen Helden. Wacken bietet musikalisch derart viel Abwechslung – vom derbsten Black Metal bis zu abgespaceten Folksachen. Darum kann ich nur den Tipp geben, sich gerade Bands anzusehen, die man nicht kennt.
3. Keine Angst vor den Moshpits. Da tobt mal der eine oder andere wilde Kerl rum, aber wenn du hinfällst, wird dir aufgeholfen. Und bei Konzerten auch auf Crowdsurfer aufpassen: Immer mal einen Blick nach hinten werfen und die Leute vor dir warnen, falls einer ankommt. Einen ­herunterfallenden Crowdsurfer samt Stiefel in den Nacken zu kriegen kann einem echt das Konzert vermiesen.

4. Taubertal-Festival

Empfohlen von Dirk Adler, Stammgast seit 1999
Rockstar im Anflug

Rockstar im Anflug

© Sebastian Goeß

Für Festivalgefühle braucht man keine 80.000 Besucher. 15.000 schaffen in Taubertal eine so tolle Atmosphäre, dass Dirk Adler seit 1999 dabei ist. Zudem leitet er die Fanpage tauberplanscher.de. Dort findet man eine Historie, die beweist, dass in Rothenburg genauso gute Bands auftreten wie bei dreimal so großen ­Festivals. Für 2019 (8. bis 11. 8.) haben sich die Fantastischen Vier und Trettmann angesagt, besser wird es live eh nicht mehr.
Dirks Insider-Tipps:
1. Gönn dir ein echt bayerisches Bier-Frühstück. Der Biergarten ­„Unter den Linden“ liegt neben dem Festivalgelände. Da sitzt, trinkt und isst man direkt an der Tauber. Immer wieder gut ist das Weißwurstfrühstück mit Hefeweizen – mal eine ­Alternative zu zwei Tage ­altem Baguette mit Nutella.
2. Triff deine Helden. Beim familiären Taubertal-Festival hat man vor allem nachmittags eine realistische Chance, Bands oder einzelnen Künstlern über den Weg zu laufen. Manche verstecken sich hinter Sonnenbrillen oder wollen unbemerkt übers Gelände kommen – dann lässt man die Leute besser in Ruhe. Aber es kommt auch vor, dass man sich unterhalten kann.
3. Geh auf Zeitreise. Man muss nicht auf Mittelalter­bands stehen, um die welt­bekannte historische Alt­stadt von Rothenburg schön zu ­finden. Für gerade einmal fünf Euro gibt es Stadtführungen. Danach am besten auf dem Festival­gelände ein kühles Bier trinken: Das kann man auf der Web­seite sogar vorbestellen.

5. SonneMondSterne

Empfohlen von Christoph Ringer, Stammgast seit 2005
Auf dem SonneMondSterne Festival musst du jederzeit mit Konfetti rechnen

Auf dem SonneMondSterne Festival musst du jederzeit mit Konfetti rechnen

© mdrsputnik/Flad

Wenn DJ-Legende Sven Väth seit 20 Jahren auf ­einem Festival auflegt, zuletzt dreimal in Folge und auch im August 2019 (9. bis 11.), dann hat man als Veranstalter den Ritterschlag schon bekommen. Bemerkenswert am SonneMondSterne-Festival ist aber gerade auch, welche Bands zu dem Elektro-Festival kommen, obwohl sie mit dieser Musik gar nichts am Hut haben: 2019 etwa Marteria & Casper, in den Jahren davor spielten zwischen Paul Kalkbrenner, David Guten und Felix Jahn etwa Deichkind, Seeed und Jan Delay.
Christophs Insider-Tipps:
1. Halt dich an Plan B. Der beste Zeltplatz liegt zwischen B5 und B6: Der Boden ist relativ eben, die Waschstätten sind recht nah beim Festivalgelände, und zum ­Badesee sind es je nur fünf ­Minuten. Zudem ist ruhig, man muss sich also keine Sorgen um sein Zelt machen. Die Campingplätze sind übrigens in „laut“ und „leise“ unterteilt.
2. Freunde dich mit dem Kater an. Die beste der kleineren Bühnen war über die letzten Jahre die ­„Kater Muck“-Stage unten am Strand. Da kann man Tag und Nacht hingehen und findet ­immer anspruchsvolle Musik. Außerdem gibt es dort auch eine Bar mit wenig Wartezeit.
3. Bade bei jedem Wetter. Egal ob Sonnenschein oder kalter Regen – wir sind jedes Mal im Stausee bei der Bleilochtalsperre schwimmen gegangen. Das ist einfacher, schneller und lustiger, als sich beim Duschhäuschen anzustellen.

6. Parookaville

Empfohlen von Diana van Wickeren, Stammgast seit 2015
Blick vor die Kulissen

Blick vor die Kulissen

© Ralph Larmann

Das Parookaville ist nicht nur eines von Europas größten Festivals für elek­tronische Musik, von 19. bis 21. Juli entsteht sogar eine eigene Stadt: mit Postamt, Kirche und Standesamt, Gefängnis, Riesenrad und Rathaus samt eigenem Pass. Neben der puren Masse – 250 DJs und zehn Bühnen – ist es diese Liebe zum ­Detail, die Parooka­ville ausmacht, sagt Diana van Wickeren, die seit dem ­ersten Jahr 2015 dabei ist: von den selbst gebauten Mülltonnen über die alten Lampen im Waldstück bis zum Sterne-Restaurant mit Blick auf die Main Stage.
Dianas Insider-Tipp:
1. Komm mit leeren Händen. Anfänger nehmen viel zu viel mit. Die Leute schleppen palettenweise Bier mit, völlig unnötig. Ein Discounter baut extra Zelte auf und hat 24 Stunden offen, da gibt es alles zu Supermarkt-preisen. Also: Zelt, Luft­-matratze, ein paar Klamotten und Panzertape reichen.
2. Schreib eine Postkarte. Parookaville hat ein eigenes Postamt, sehr schöne Postkarten und sogar einen eigenen Parookaville-Poststempel. Nach drei Tagen ­Festival hat man auch ganz ­sicher genug zu schreiben.
3. Setz auf Flowerpower. Es gibt auf dem ­Gelände einen Stand, wo man sich Blumenkränze flechten lassen kann. Die sind wirklich schön. Ich trage zwar lieber Festivalshirts und Snapback Caps, aber wenn man der Typ ist, dem Blumenkränze stehen, sieht es wirklich schön aus.
Evelyn Narciso

Evelyn Narciso

© privat

Festival-Gebot 1 (Evelyn)
Teile deine Getränke. Auf einigen Festivals werden Sekt, Cocktails und andere Getränke auch in 1-Liter-Pitchern verkauft. Die kann man einfach mit Freunden teilen: Das rechnet sich, und man steht seltener an.
Erik Zipfel

Erik Zipfel

© privat

Festival-Gebot 2 (Erik)
Reise früher an, als du geplant hast. Selbst Donnerstagmittag musst du aus dem Stau zusehen, wie die besten Plätze belegt werden. Wer kann, baut Mittwoch auf und genießt die Ruhe und die langsam steigende Vorfreude.
Rüdiger Vinschen

Rüdiger Vinschen

© privat

Festival-Gebot 3 (Rüdiger)
Schlaf später. Nach dem letzten Head­liner ist der Festivaltag zwar offiziell zu Ende, aber die besten Partys ­beginnen oft erst dann: auf dem Campingplatz, in kleineren Zeltbühnen oder am Baggersee ums Eck. Schlafen? Kannst du, wenn du tot bist. Hat Bon Jovi mal gesungen – auch wenn der auf diesen Partys sicher nicht gespielt wird.
Dirk Adler

Dirk Adler

© privat

Festival-Gebot 4 (Dirk)
Vergiss Bargeld. Chips am Festivalbändchen (etwa mit „Ca$hless“ beim splash!-Festival) verliert man nach dem fünften Bier nicht so leicht wie Münzen. Aber: Den Chip kriegt man zu Stoßzeiten schwer auf­geladen, der Andrang vor den Kassen ist zu groß. Man kann die Bändchen aber schon daheim in Ruhe auf­laden und kriegt mit Glück sogar kleine Rabatte.
Christoph Ringer

Christoph Ringer

© Sebastian Schueler

Festival-Gebot 5 (Christoph)
Sonnenbrille aufsetzen. Wenn es regnet, machen bunte Scheiben die Welt ­weniger trist. Bei Sonne siehst du die Bühne, ohne geblendet zu werden. Auf dem Heimweg bilden Shades den dringend benötigten Schutzschild zur Realität.
Diana van Wickeren

Diana van Wickeren

© privat

Festival-Gebot 6 (Diana)
Pack deine Boxen ein. Am Zeltplatz tönt aus jedem Zelt andere Musik, denn nur weil ihr aufs gleiche Festival geht, heißt das nicht, dass ihr die gleiche Musik mögt. Dagegen hilft nur: sich ­selber beschallen. Und für die Nacht: gute Ohrstöpsel.