Music
DJane Dominique Jardin: Der harte Weg auf die große Bühne
Dominique Jardin kündigte ihren gut bezahlten Job, um DJ zu werden – ohne viel von der Branche zu wissen. Heute führt die Österreicherin ein Rockstar-Leben.
On point
„Wer auf die große Bühne will, muss erst durch den Dreck gehen.“ Das klingt hart. Was die österreichische Techno- und House-DJ Dominique Jardin damit aber meint: Einen Platz auf der Mainstage eines der wichtigsten EDM-Festivals Europas muss man sich hart erarbeiten – so wie es ihr 2025 beim Electric Love Festival in Salzburg gelang. Oder anders gesagt: Die Wahrscheinlichkeit, dass man über Nacht zur Sensation wird, ist gering. Doch der Reihe nach.
Dominique hat ihre mittlerweile knapp 15-jährige Karriere einer Kurzschlussreaktion zu verdanken: „Ich war auf Ibiza, David Guetta hat im Club aufgelegt, und ich konnte ihm dabei genau auf die Finger schauen. Da kam mir die Idee: Ich kündige meinen Job und mache genau das für den Rest meines Lebens.“ Ähnlich wie die Songs ihres Vorbilds klingt heute auch ihr eigener Sound: ein tanzbarer Mix aus Melodic House, Indie Dance und Techno.
Die Liebe zur Musik trägt die Niederösterreicherin von klein auf in sich – geprägt von ihrer Mutter, die beim Hausputz die Boxen immer auf volle Lautstärke drehte. „Egal ob es eine große Party oder private Feier war, ich war vorne beim DJ. Vermutlich bin ich einigen echt auf den Senkel gegangen, aber ich hatte das Gefühl, ich weiß, was die Leute hören wollen.“
Dennoch schlug Dominique zunächst einen anderen Karriereweg ein und landete im Controlling eines Hedgefonds. Ein gut bezahlter, respektabler Job. Entsprechend schockiert reagierten Freunde und Familie, als sie, zurück aus Ibiza, ihren Plan verkündete. „Alle haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Aber ich wusste tief in mir, das ist mein Traum – und hab es durchgezogen.“ Zwei Jahre lang gab es für Dominique nur eins: üben, üben, üben. Mit Hilfe von Freunden, die selbst auflegten, und YouTube-Videos lernte das technische Know-how – bis sie sich bereit für ihren ersten Gig fühlte. „Es war eine Privatparty in Wien, irgendwo im ersten Bezirk, ganz klein, 200 Leute. Da war ich richtig aufgeregt.“
Kommt Geld, kommt Anwalt
Es lief gut, die Gäste waren begeistert, Dominique euphorisiert. Doch die Euphorie verflog auch wieder schnell. „Ich hatte zwar einen kleinen Polster angespart, aber irgendwann wurde es finanziell eng. Weil du natürlich nicht direkt die großen Gigs spielst und tausende Euros Gage bekommst. Das waren mal 250 Euro da, 150 Euro plus ein paar Getränke dort.“ Dominique gab nicht auf, auch wenn es immer wieder hart war: „Das Schlimmste ist, wenn du auflegst und das Publikum immer weniger wird. Aber das passiert jedem mal“, sagt sie. „Und jeder, der behauptet, dass es nicht so ist, lügt!“
Dennoch wurden die Shows mit der Zeit größer. 2013 erhielt sie den Austrian Dance Music Award für „Best Newcomer“ und knüpfte immer mehr Kontakte zu Musikern, DJs, Managements. Und zu Anwälten. „Wenn es um Geld geht, ist es wichtig, dass du Leute um dich hast, die sich auskennen. Egal ob es um Songs, Labels oder Kooperationen geht, diese Verträge sind so wild geschrieben, da verkaufst du deine Seele direkt mit. Mein Tipp an alle Newcomer: Hol dir einen guten Anwalt – hat auch schon Taylor Swift gesagt!“ Besonders für Frauen kann das Musikbusiness erbarmungslos sein.
Wer auf die große Bühne will, muss erst durch den Dreck gehen.
„Es gab anfangs Momente, in denen sich ein Mann statt mir aufgedrängt hat. Plötzlich bin ich aus dem Line-up geflogen oder habe einen schlechteren Slot bekommen“, sagt Dominique. Früher habe sie das überfordert. „Klar legt man sich nicht gerne mit Leuten an, aber heute gebe ich nicht nach. Nur so bekommt man den Respekt, den man verdient.“ Wobei Dominique betont, dass Gleichberechtigung mittlerweile ein größeres Thema sei als vor ein paar Jahren. Und dass Personality und Vibe für Fans am Ende sehr viel wichtiger seien als das Geschlecht. „DJs sind die neuen Rockstars – aber man muss es schaffen, authentisch zu bleiben.“
Angekommen im Glamour
Ein Rockstar-Leben führt Dominique allemal. Sie spielt Shows und Festivals überall auf der Welt, mit ihrem Idol David Guetta durfte sie sich bereits die Bühne teilen, und Star-DJs wie Tiësto und Meduza nutzen ihre Songs und Samples. „Von so etwas träumt man immer!“ Mit Bon Voyage! gründete sie Anfang des Jahres sogar ihre eigene Marke. In erster Linie, um besondere Events auf die Beine zu stellen. „Bon Voyage! bedeutet in dem Sinne eine gute Reise an einen Ort, an den man normalerweise nicht hinkommt oder wo sonst keine Partys stattfinden dürfen. Alles sehr intim, sehr speziell, sehr cool!“
Unmittelbar vor größeren Auftritten, wie beim Electric Love Festival 2025, steigt die Aufregung merklich, gibt Dominique zu. „Ich bin zum Teil immer noch so nervös, dass alles an mir vorbeifliegt und ich erst danach checke, was passiert ist.“ Wenn sie daher einen Tipp für ihr jüngeres Ich hätte, wäre es folgender: „Versuch, dich zu entspannen und den Moment auf der Bühne voll zu genießen. Der Rest regelt sich.“