Jürgen Klopp beim Fotoshooting für The Red Bulletin.
© Norman Konrad
Fußball

5 Lektionen aus dem exklusiven Interview mit Jürgen Klopp

Vom Aufstieg mit Mainz bis zum Champions-League-Sieg mit Liverpool: Im Gespräch mit The Red Bulletin erzählt Jürgen Klopp von seinem Weg an die Fußball-Spitze. Hier kommen fünf Lektionen.
Von: Elisa Bauer
4 min readPublished on
Jürgen Klopp hat mit Dortmund und Liverpool Geschichte geschrieben. Heute ist er als Head of Global Soccer bei Red Bull weltweit unterwegs. Im exklusiven Interview mit The Red Bulletin erklärt er, warum er schon immer optimistisch in die Zukunft geblickt hat, wie seine Karriere in Mainz beinahe geendet wäre – und wieso ein Küchentisch-Gespräch mit seiner Frau Ulla der Startschuss für seine steile Karriere war.
Hier sind 5 Learnings aus dem Gespräch mit The Red Bulletin:
01

Fokus auf das, was du ändern kannst

Klopp ist nicht optimistisch, weil alles rosig ist – sondern, weil er sehr klar trennt:
Ich bin optimistisch bezüglich der Dinge, die ich beeinflussen kann.
Jürgen Klopp
Alles andere – Weltlage, Ressourcenkrisen, politische Entwicklungen – beschäftigen ihn, aber er akzeptiert, dass er sie nicht alleine steuern kann.
02

Niederlagen bedeuten nicht, dass der Plan falsch war

Die verpassten Aufstiege mit Mainz 05 beschreibt Klopp als „lebensverändernde Niederlagen“. Einmal fehlte ein Punkt, einmal ein Tor – seine Karriere stand auf der Kippe.
Statt Trübsal zu blasen, machte er drei Dinge:
  1. Emotion zulassen
  2. „Einmal drüber schlafen“
  3. Dann nüchtern schauen: Was war gut, was muss besser werden?
Wenn du ein Spiel verlierst, kannst du sagen: "Die Spielidee war falsch. Zurück auf null." Oder du sagst: "Die Idee war gut, aber die Ausführung nicht optimal."
Jürgen Klopp
Genau dieser Unterschied ermöglicht, dass du beim nächsten Mal besser sein kannst.
03

Groß denken, klein handeln

Als Klopp 2001 in Mainz vom Spieler zum Trainer wurde, war die Aufgabe brutal: Klassenerhalt, Null Erfahrung in der neuen Rolle.
Er denkt trotzdem nicht in Riesenschritten, sondern radikal im Hier und Jetzt:
Es gibt keine Alternative, als von Spiel zu Spiel zu denken.
Jürgen Klopp
Große Ziele sind wichtig – aber der Weg besteht aus dem nächsten Training, dem nächsten Spiel, dem nächsten Gespräch. So können Comebacks und Erfolge entstehen, die von außen fast wie Wunder aussehen.

Merksatz

Hab eine Vision– und sei bereit jeden einzelnen notwendigen Schritt zu gehen.

04

Optimismus wirkt am besten, wenn du ihn teilst

Klopp hilft sein Optimismus, um seine Spieler und sogar die Fans zu motivieren. Nach dem zweiten verpassten Aufstieg in Mainz hätte er sich verkriechen können – stattdessen stellt er sich vor Fans und Spieler und deutet alles als Prüfung, aus der man stärker rausgehen kann.
Optimismus für sich allein ist schön. Aber wenn man ihn mit anderen Menschen teilt, entfaltet man eine richtig starke Wirkung.
Jürgen Klopp
Dasselbe Prinzip gilt in der Kabine: Er kommt lächelnd rein, weil er weiß, dass Mut, Kreativität und Einigkeit nur in einem gewissen emotionalen Klima entstehen.

Merksatz

Deine Haltung überträgt sich. Wenn du Menschen stärkst, werden sie größer.

05

Mut zum Risiko – aber nicht allein

Es gibt diesen Moment im Interview, der sehr persönlich ist: Klopp erzählt, wie er zusammen mit seiner Frau Ulla am Küchentisch saß, Taschenrechner auf dem Tisch. Frage: Können wir es uns leisten, alles auf Fußball zu setzen?
Wir wussten: Wenn das nicht klappt, müssen wir Taxi fahren lernen.
Jürgen Klopp
Die beiden entscheiden sich bewusst fürs Risiko. Heute sagt Klopp: Sein Berufsleben ist „um 90.000 Prozent besser“ gelaufen, als er es sich ausmalen konnte. Aber: Er betont immer, wie wichtig die Menschen um ihn herum waren.

Merksatz

Trau dir etwas zu und finde Menschen, die dich unterstützen.

Video: Warum ist Jürgen Klopp so optimistisch?

Wissenschaftler sagen: Rund 30 % unseres Optimismus sind Genetik, 20 % sind Glück und gute Erfahrungen – und gut die Hälfte ist Umfeld. Im Interview wird Klopp genau damit konfrontiert:
„Warum bist du so, wie du bist?“

1 Min

Optimismus im Hause Klopp

30 % DNA, 20 % Glück, 50 % Umfeld: Im Video erklärt Klopp, warum seine Familie die Basis für seinen Optimismus ist.

Seine Antwort: Die Familie ist der Schlüssel. Als drittes Kind, „nach zwei Mädels endlich der Thronfolger“, wurde er „von vorne bis hinten verwöhnt“. Daraus hätte etwas Arrogantes entstehen können – bei ihm wurde es Urvertrauen:
  • Er begegnet Menschen grundsätzlich positiv und unvoreingenommen.
  • Er vertraut erst – und kümmert sich erst später darum, falls er enttäuscht wird.

Video: Welchen Stellenwert hat Familie für Jürgen Klopp?

Beim Nachhaken des Interviewers wird Klopp sehr konkret – und sehr persönlich:

1 Min

Vom Vater zum besten Freund

Im Clip erzählt Klopp, wie ihn das frühe Vatersein verändert hat – und warum seine Söhne heute seine besten Freunde sind.

Er wurde extrem jung Vater. Damals fühlte sich das nicht automatisch „großartig“ an. Heute sagt er, es sei das Beste gewesen, was ihm passieren konnte. Sein Sohn und der Sohn seiner Frau Ulla sind heute „unsere besten Freunde“.
06

Fazit

Klopp betont, dass Erfolg niemals garantiert ist – selbst wenn du alles gibst. Aber alles zu geben sei die Voraussetzung, überhaupt etwas zu erreichen. Was sich für ihn ausgezahlt hat, ist ein Mix aus grundsätzlichem Optimismus, gezielter Analyse von Niederlagen, kleinen Schritten, geteiltem Glauben an die eigene Kraft – und der Bereitschaft, Risiken einzugehen, wenn die richtigen Menschen an deiner Seite sind.
Du willst noch mehr? Das exklusive The-Red-Bulletin-Interview mit Jürgen Klopp findest du hier.