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Mario Smart

© Nintendo
Autor: Tom GuiseThe Red Bulletin
Wissenschaftlich bewiesen: Das Rennspiel „Mario Kart“ lässt dich besser Auto fahren – und unbeschwerter leben.
Wenn sich Nintendo-Entwickler Shigeru Miyamoto ein Spiel ausdenkt, wendet er „kyokan“ an. Für die alten Philosophen hieß „kyokan“ so viel wie „sich in den anderen einfühlen“. Für den Schöpfer von „Mario“ und „The Legend of Zelda“ beschreibt es das Verhältnis zwischen Programmierer und Spieler. „Nur was mir Spaß macht, kann auch anderen Spaß machen“, so Miyamoto.
Als er 1992 „Super Mario Kart“ für das Super Nintendo Entertainment System erfand, war „kyokan“ bereits Teil der Game-DNA. Und des Erfolgsgeheimnisses, mit dem er das Genre Kart-Racing völlig neu erfand. 27 Jahre und etliche erfolglose Kopierversuche später zählt „Mario Kart“ zu den beliebtesten Spielen überhaupt – auch in der neuesten Mobilversion „Mario Kart Tour“. Doch was fasziniert die Gamer so daran? Hier die Thesen des Spielpsychologen Jamie Madigan und seiner Kollegen:
Mario Kart Spiel
„Mario Kart“-Figuren: Was sagt deren Auswahl über den Spieler aus?

Niemand ist perfekt

Was deine „Mario Kart“‐Lieblingsfigur über dich aussagt, analysierte die Psychologie‐Professorin Dr. Karen Chenier in der US‐Wochenzeitung „Willamette Week“. Laut ihrer These wählen Gamer Avatare aus, die ihnen charakterlich ähneln: zum Beispiel den neurotischen Luigi, den clownhaften Saurier Yoshi oder den narzisstischen Bowser. Für Miyamoto ist Mario ein „Held der einfachen Leute“. Doch Madigan schränkt ein: „Viele wählen auch einfach nur jene Figur, die ihnen am besten gefällt oder deren Skills ihnen am meisten Spaß machen.“

Wie im echten Leben

Haben auch die Power‐ups tiefere Bedeutung, symbolisieren sie womöglich das Auf und Ab des Lebens? Die roten Koopa‐Panzer könnten für Heimtücke stehen, die Bananenschale für Pech, ein Pilz, der schneller macht, für Energie und ein unbesiegbar machender Stern für Selbstvertrauen. Nur der blaue Panzer scheint nicht ganz dazuzupassen – der ist nämlich nur für den Führenden gefährlich. „Das Leben ist manchmal nicht fair“, sagt Kosuke Yabuki, Game‐ Designer von „Mario Kart 8“. „Wir wollten den blauen Panzer weglassen, aber ohne ihn hätte einfach etwas gefehlt.“

Optimismus-Boost

Ein gutes Game lässt dir in jeder Situation eine Chance – und motiviert dich so permanent zum Weiterspielen. Bei „Mario Kart“ nennt man das Belohnungssystem „Gummiband‐Effekt“. Je nach Rennposition bekommt jeder Spieler unterschiedliche Power‐ups: Für Nachzügler gibt es Geschwindigkeits‐Boosts und für das Mittelfeld Waffen, während auf den Führenden nur eine popelige Bananenschale wartet. „Spiele wie ‚Mario Kart‘ geben dir das Gefühl, die Dinge im Griff zu haben“, sagt Madigan.

Sicherer am Steuer

2016 untersuchten Forscher an den Universitäten von Schanghai und Hongkong die Auswirkung von „Mario Kart“ und „Roller Coaster Tycoon“ (bei dem man Vergnügungsparks bauen muss) auf die analogen Fähigkeiten der Spieler. Sie wiesen nach, dass Gamen die „visuomotorischen Fähigkeiten der Versuchspersonen verbessert“ – die Auge‐Hand‐Koordination funktioniert also schneller und zielgerichteter. Madigan ist vorsichtig optimistisch: „Dass dich ‚Mario Kart‘ beim Fahrsimulationstraining besser macht, ist nun bewiesen.“

Spass haben entspannt

„Forscher der Uni Queensland stellten Probanden so lange immer schwerere Mathematikaufgaben, bis sie keiner mehr lösen konnte. Wer danach zwei Runden „Mario Kart“ spielte, wies geringere Stresslevels und mehr Glückshormone auf. „Alles, was uns Spaß macht, kann Stress reduzieren“, sagt Madigan. „Aber Games sind darin besonders gut: Sie geben uns das Gefühl, Dinge unter Kontrolle zu haben. Das bringt uns tiefere Befriedigung als fast alles andere, was wir im Alltag erleben.“
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