Markus Jürgens, 32, Rückwärtsläufer
© Thomas Mohn
Laufsport

Markus Jürgens: Weltrekord im Rückwärts­ laufen

Markus Jürgens hält den Weltrekord im Rückwärts­ laufen. Dafür musste er seine Sinne schärfen und seiner Freundin blind vertrauen.
Von: Hannes Kropik
2 min readUpdated on
Wenn Markus Jürgens bei einem normalen Marathon teilnimmt, erntet er regelmäßig verwunderte und manchmal auch böse Blicke. Er findet das nur logisch: „Stell dir vor, dich überholt bei Kilometer 35 ein Kerl, der rückwärts läuft, und lächelt dir vielleicht auch noch ins Gesicht.“
Schon als normaler Läufer hatte Jürgens eine Marathon­ Bestzeit von unter drei Stunden. Nicht schlecht, aber weit entfernt von der Weltklasse. Dann drehte er sich um und war plötzlich in der Lage, Weltrekord zu laufen. Jürgens, der erst vor sechs Jahren mit dem Rückwärtslaufen begann, zählt heute zu jenen weni­gen hundert Menschen weltweit, die den Sport wettkampfmäßig betrei­ben.
Quotation
Du lässt dich mit jedem Schritt ins Ungewisse fallen.
Markus Jürgens, 34, Rückwärtsläufer
„Am Anfang“, erzählt Jürgens, „musste ich das Laufen völlig neu lernen.“ Die größte Schwierigkeit: Rückwärtsläufer sehen nicht, wel­che Gefahren vor beziehungsweise hinter ihnen liegen. „Es dauert eine gewisse Zeit, bis man diese Urangst abstellt und es sogar zu genießen beginnt, dass man sich bei jedem Schritt ins Ungewisse fallen lässt.“
Doch dann hat Rückwärtslaufen auch Vorteile: Es schärft die Sinne, trainiert die hinteren Oberschenkel­ sowie Wadenmuskeln und verbessert die Wahrnehmung der Fußsohlen. „Man kann tatsächlich spüren, wie sich der Neigungswinkel der Stre­cken in Kurven sanft verändert“, sagt der dreifache Weltmeister.
Zeit für einen Perspektivenwechsel

Zeit für einen Perspektivenwechsel

© Alfred Kuzmik

WM­-Wettbewerbe bis über 10.000 Meter werden auf der Bahn ausgetragen, längere Distanzen bestreiten die Retrorunner auf der Straße. Dort wird das Laufen ab­seits der Weltmeisterschaften zum Teamsport. Jürgens verlässt sich auf wegweisende Kommandos seiner Freundin Jenny Wehmschulte. Sie weiß genau, was sich im Kopf ihres Partners abspielt, zählt sie doch als dreifache Weltmeisterin ebenfalls zur absoluten Weltklasse der Retroläufer. „Es ist gleichzeitig wie eine Paartherapie“, sagt Jürgens, „wenn du deiner Partnerin stundenlang zu­ hörst und ihren Anweisungen blind vertrauen musst.“
Jürgens hat große Ziele. Er ist überzeugt, die verkehrt gelaufene Marathon­ Bestmarke unter drei­ einhalb Stunden drücken zu können. Außerdem will er Ende Juni in Lon­don seine WM ­Titel im Halbmarathon und mit der 4­-mal-­400­ Meter­ Staffel verteidigen. Und dann den größten Vorteil der Rückwärtsläufer genießen: zufrieden auf das bereits Geschaffte zurückblicken.

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