Formel-1-Champ Max Verstappen wählte für uns seine zehn wichtigsten Siege.
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Max Verstappen: Die Rennen meines Lebens

Bei mittlerweile fast 60 Siegen ist es schwierig, Max Verstappens beste Leistungen für Red Bull Racing herauszupicken. Da fragen wir einfach die kompetenteste Person überhaupt: den Champion selbst!
Von: Justin Hynes, Werner Jessner
6 min readPublished on
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Barcelona 2016: Sieg von Startplatz 4

Meinen ersten Triumph kann nichts toppen.
Barcelona 2016: Max Verstappen legt einen Top-Start für sein neues Team hin

Barcelona 2016: Max Verstappen legt einen Top-Start für sein neues Team hin

© Red Bull Content Pool

Die Ausgangslage: Erst zehn Tage zuvor war Max von der Scuderia Toro Rosso zu Red Bull Racing befördert worden. Nach dem Mercedes-Doppel-Out in Runde 1 lag er überraschend in Front und musste sich im Rennen gut 20 Runden lang gegen den erfahrenen Kimi Räikkönen (Ferrari) wehren.
„Meine Reifen waren völlig er­ledigt, Kimi machte Druck. Ich wusste, dass ich die letzte Schikane jeweils perfekt erwischen musste, um ihm in Kurve 1 keine Chance zum Ausbremsen zu geben. Ich war superkonzentriert und fuhr sehr defensiv. Dass es mit dem Sieg klappen würde – daran dachte ich erst in der Schlusskurve. Ich war so auf meinen Job fokussiert. Nichts kann den ersten Sieg in der F1 toppen. Es war unglaublich, weil er so unerwartet kam. Das Team hatte zuvor gesagt: Setz dich rein, gewöhn dich ans Auto und schau, was dabei rauskommt. Ja, wir hatten Glück, weil beide Mercedes weg waren, aber man muss seine Chance am Schopf packen, wenn sie sich bietet.“
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Mexiko 2018: Sieg von Startplatz

Probleme, für die ich nichts konnte, haben mich heiß gemacht.
Mexiko 2018: Zehntausende Fans feiern den Noch-nicht-Weltmeister Max

Mexiko 2018: Zehntausende Fans feiern den Noch-nicht-Weltmeister Max

© Red Bull Content Pool

Die letzte gemeinsame Saison mit Daniel Ricciardo als Teamkollege war eine spannende Angelegenheit, die großteils amikal verlief, hie und da aber doch eskalierte (Höhe- bzw. Tiefpunkt: die Kollision in Aserbai­dschan). Auch im Mexiko-Qualifying schenkten sich die beiden nichts, mit dem besseren Ende für Daniel. Allerdings hatte Max technische Probleme: Es fühlte sich an, als würde er mit angezogener Handbremse fahren. Das Problem lag im Motor und war so komplex, dass es sich für den Sonntag nicht lösen ließ.
„Ich war wirklich zornig. Just als es um alles ging, war ich machtlos. In der Nacht vor dem Rennen sagte ich mir: Morgen gewinne ich! Es war kein Gefühl von Revanche, eher der unbedingte Wille, trotz technischer Probleme zu siegen. Was mir half: Die Schwierigkeiten traten hauptsächlich am absoluten Limit auf, bei maximalem Grip. Das war meine Chance fürs Rennen. Mit diesem Wissen trat ich am Sonntag an, mit zusätzlicher Wut im Bauch – und gewann!“
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Red Bull Ring 2019: Sieg von Startplatz 2

Alles kulminierte in den letzten Runden.
Eine von Max’ brillantesten Aufholjagden nach einem verpatzten Start, der ihn bis auf Rang 7 zurückwarf, geschah beim Heim-Grand-Prix auf dem Red Bull Ring. Erst in den letzten Runden hatte Max den führenden Ferrari von Leclerc formatfüllend vor seinem Frontflügel. Drei Runden vor Schluss sah er eine Chance und positionierte seinen Red Bull in der engen Rechtskurve vor der Schönberg-Gerade. Ein hartes Manöver, und so ließen die Stewards Max warten, bis sie das Manöver als sauber und den Sieg als rechtens deklarierten.
„Der Ferrari war auf den Geraden sauschnell, und so musste ich es in Kurve 2 probieren – gleich mehrfach. Beim letzten Versuch habe ich Charles berührt, aber ich war vorn. Die drei Stunden bis zum offiziellen Ergebnis verbrachte ich in der Red Bull Energy Station, gemeinsam mit Helmut Marko und Dietrich Mateschitz. Es hat gedauert, bis der Sieg feststand, aber in Summe war’s ein cooles Rennen.“
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Deutschland 2019: Sieg von Startplatz 2

Es ging nur ums Überleben.
Sintflutartiger Regen, eine Reihe von Unfällen und Drehern, nicht weniger als sechs (!) Safety-Car-Phasen: Der Deutschland-Grand-Prix 2019 war ein Ausscheidungsrennen. Max hatte den Start verpatzt, musste von Platz 4 aus auf­holen und durch das Chaos rund um ihn navigieren.
„Regenreifen, Slicks, und dann begann es wieder zu regnen – echt schwierige Bedingungen, bei denen man immer unterhalb des Limits bleiben musste, um nicht zu crashen. Es ging nur ums Über­leben da draußen. Ich habe es genossen, und dieser Sieg war äußerst befriedigend!“
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70th Anniversary Grand Prix Silverstone 2020: Sieg von Startplatz 4

In diesem Jahr hatte ich eigentlich kaum Siegeschancen.
Silverstone 2020: Dr. Helmut Marko (in weiß), Christian Horner (l.) und Max

Silverstone 2020: Dr. Helmut Marko (in weiß), Christian Horner (l.) und Max

© Getty Images

Erstes Pandemie-Jahr, Mercedes-Dominanz, zweites Rennen in Silverstone, das man zur Feier von 70 Jahren F1 den „Anniversary Grand Prix“ nannte. Es war überdurchschnittlich heiß, was den Reifenverschleiß zum Problem ­machte – vor allem für die normalerweise überlegenen Mercedes von Hamilton und Bottas. Dass Max im letzten Renndrittel davonzog und mit elf Sekunden Vorsprung gewann, war eine der Überraschungen des Jahres.
„Über eine Runde gerechnet, waren wir deutlich langsamer als unsere Gegner. Bei diesem Rennen ging es darum, die Reifen am Leben zu halten, weil sie Blasen warfen. Ich startete auf der harten Mischung und blieb draußen, solang es irgendwie ging. Das hat gut funktioniert. Ich hatte das Reifen-Management gut unter Kontrolle. Bald darauf wurde auch unser Auto besser.“
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Frankreich 2021: Sieg von der Pole-Position

Wir wollten nicht abwarten und ­hoffen, dass es ­vielleicht reicht.
Frankreich 2021: Das Red Bull Racing Fahrer-Duo Max und Checo Pérez

Frankreich 2021: Das Red Bull Racing Fahrer-Duo Max und Checo Pérez

© Getty Images

Aus der Saison 2021 sticht der Sieg in Le Castellet hervor. Obwohl der schnelle Circuit Paul Ricard in Südfrankreich Hamilton im Mercedes entgegenkam, holte sich Max die Pole-Position mit ­dominanten vier Zehnteln Vorsprung. In der ersten Kurve des Rennens ging er weit, wodurch ­Lewis vorn lag. Damit war das Highspeed-Schach ­eröffnet: Max würde zweimal an die Box ­kommen, dadurch schneller fahren und somit hoffen, die längere Standzeit in der Box ­kompensieren zu können. In der ­vorletzten Runde war es tatsächlich so weit: Max zog am siebenfachen Weltmeister ­vorbei und holte sich den Sieg.
„Eine tolle Strategie-Entscheidung. Wir gingen aggressiv auf zwei Reifenwechsel und fuhren das ganze Rennen über volles Tempo. Wir wollten nicht abwarten und ­hoffen, dass es vielleicht reicht. Nach diesem Rennen wussten wir, dass wir in der WM mit Mercedes mithalten konnten.“
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Belgien 2022: Sieg von Startplatz 14

Meine Soft-Reifen hielten länger als die Medium-Reifen der Gegner.
Spa 2022: Jubel beim Beinahe-Heimsieg - die Mutter von Max ist Belgierin

Spa 2022: Jubel beim Beinahe-Heimsieg - die Mutter von Max ist Belgierin

© Red Bull Content Pool

Ein dominanter RB18, eine Strecke, die Max liegt, und dazu seine Fähig­keit, zu überholen, bewogen das Team dazu, den Motor zu tauschen und eine Startplatzstrafe in Kauf zu nehmen. In der Quali hatte Max dominiert und war sechs Zehntel schneller gefahren als alle anderen. Dennoch startete er nur von Platz 14. In der ersten Runde überholte er nicht weniger als sechs Kollegen. Nach elf Runden führte er das Rennen bereits an. Im Ziel hatte er 17,8 Sekunden Vorsprung auf Teamkollege Pérez.
„Dieses Wochenende war unglaublich! Ich hätte selbst vom letzten Startplatz aus gewonnen. Ich startete auf Soft-Reifen, die länger hielten als die Medium-Reifen der Gegner. Es war verrückt. Solche Wochen­enden erlebst du nicht oft. Alles war perfekt.“
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Miami 2023: Sieg von Startplatz 9

Wirklich wichtige Aufholjagd.
Miami 2023: Champagner-Show nach Strategie-Show und Aufholjagd für Max

Miami 2023: Champagner-Show nach Strategie-Show und Aufholjagd für Max

© Getty Images

Zu Beginn der Saison 2023 kämpfte Max mit seinem RB19. Bei den ersten beiden Saisonrennen war Checo Pérez schneller als der Weltmeister. Ein weiteres schwieriges Rennen in Aserbai­dschan sollte der Durchbruch sein, der Max und sein Auto zusammenbrachte. Das zeigte sich beim darauffolgenden Rennen in Miami: Wegen einer roten Flagge im Qualifying konnte er keine finale Startplatz-Attacke setzen und ging nur von Startplatz 9 aus ins Rennen. Nach 15 Runden lag er bereits auf Podiumskurs. Max blieb auf alten Reifen länger als die Führenden auf der Strecke und fuhr Fabelzeiten. Es war klar, dass er Pérez nach seinem ­eigenen Stopp mit frischen Reifen rasch ein­holen würde – was er auch tat.
„Davor in Baku hatte ich zwar noch nicht gewinnen können, aber viel über das Auto gelernt. Es waren nur ein paar Kleinigkeiten, aber die haben den Unterschied ­gemacht. Es war eine wirklich wich­tige Aufholjagd in Florida.“
09

Japan 2023: Sieg von der Pole-Position

Ich wollte es allen beweisen!
Japan 2023: Einfach mal allen davonfahren und danach wild feiern

Japan 2023: Einfach mal allen davonfahren und danach wild feiern

© Red Bull Content Pool

Noch gefährlicher als Max in einem überlegenen Auto ist Max on a mission in einem überlegenen Auto. Das Rennen davor in Singapur hatte er auf einem enttäuschenden fünften Platz beendet,­ dazu kamen Vorwürfe ans Team, mit übermäßig flexiblen Frontflügeln zu operieren und sich so einen technischen Vorteil zu erschleichen. Auf der bekannt schwierigen Strecke von Suzuka gab Max die einzig mögliche Antwort: Pole-Position mit sechs Zehntelsekunden Vorsprung, Sieg mit atemberaubenden 20 Sekunden vor Lando Norris und 36 vor Oscar Piastri, beide McLaren.
„Nach den Vorwürfen ans Team war ich heiß. Ich wollte es allen beweisen. Das Auto fuhr wie auf Schienen. Ich habe bloß noch ­gegrinst unter meinem Helm. So etwas kommt besonders im Qualifying nicht häufig vor!“

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Max Verstappen

Max Verstappen hat im Alter von 18 Jahren und 228 Tagen als jüngster Fahrer der Geschichte einen Grand Prix gewonnen. Mit 24 Jahren holte er den ersten WM-Titel und hat ihn insgesamt viermal erreicht.

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