Productivity

Erkenne deine Stärken

© Alfred Jürgen Westermeyer/Red Bull Content Pool
Autor: Marc BaumannInnovator
Vom Feuermelder im Kopf bis zur „Messi-Methode“: eine Anleitung zur Selbsterkenntnis in 14 Schritten.
Als „Generation Selfie“ sind wir es gewohnt, uns auf Social Media bestmöglich zu präsentieren. Bei der Selbstwahrnehmung ist die wichtigste Frage aber nicht „Wie sehe ich aus?“, sondern „Was leiste ich?“. Die meisten Menschen sind sich einig, dass unser Selbstvertrauen mit unserer Kompetenz gekoppelt sein sollte, und um unsere Kompetenz zu erweitern, müssen wir unsere Stärken nutzen und entwickeln und die Auswirkungen unserer Schwächen steuern oder verringern.
Zwei Experten auf diesem Gebiet - Adam Yearsley und Thomas Chamorro-Premuzic – geben euch 14 wertvolle Tipps, wie man seine Stärken und Schwächen besser versteht und wie ihr diese Erkenntnisse in die Realität umsetzt. Hierfür ist es wichtig, sich auf bestimmte wissenschaftlich nachgewiesene Faktoren zu konzentrieren, die beruflichen Erfolg vorantreiben.

1. Karriere in Eigenregie

Der schnellste, effektivste und billigste Weg, um dein Leben und deine Karriere zu verbessern? Ein kritischer Blick in den Spiegel und ehrliche Selbstanalyse. Je klarer du deine eigenen Stärken und Grenzen erkennst, desto klügere Karriereentscheidungen wirst du treffen. Du kannst damit Berufe identifizieren, die tatsächlich zu deinen Werten und Fähigkeiten passen. Du wirst deinen Job mehr mögen, besser darin abschneiden und widerstandsfähiger in Kri¬sen sein. Selbsterkenntnis ist mit anderen Worten eine stark unterschätzte Talentförderung. Kostet nichts und bringt viel.

2. Warum man ein deutscher Amerikaner sein sollte

Confidence before competence“, sagt man in den Vereinigten Staaten. Dort spricht man erst gar nicht über eigene Schwächen, sondern konzentriert sich nur auf seine Stärken und glaubt an den eigenen Erfolg. Aber diese „Fake it till you make it“¬ Botschaft funktioniert nur bis zu einem gewissen Grad. Positives Denken und Moti¬vationssprüche können einem viel Kraft geben – aber man muss dabei ein realistisches Bild der eigenen Fähigkeiten im Blick behalten.
Der Glücksrittermentalität der USA steht eine überkritische deutsche Selbstzweifelkultur ge¬genüber. Ideal wäre eine Kombination aus beiden Welten: Sei ein Deutscher, wenn’s um die Analyse deiner Fehler geht, und lass deinen inneren Amerikaner raus, um sie selbstbewusst zu überwinden.
Kostenlose Online Persönlichkeitstests wie der Red Bull Wingfinder geben einen umfassenden Überblick über Stärken und Schwächen sowie Coaching Tipps, wie du damit umgehen kannst.
1 Min
Wingfinder 2020

3. Du täuschst dich

Sich selber realistisch beurteilen? Gar nicht so einfach, wie auch die Wissenschaft festgestellt hat: Um durchschnittlich 20 bis 30 Prozent überschätzen Menschen ihre eigene Arbeitsleistung. In unserer Selbstwahrnehmung neigen wir Studien zufolge dazu, Erfolge unseren eigenen Verdiensten zuzurechnen, den Grund für Misserfolge dagegen bei anderen zu suchen. Und wir schenken eher Informationen Glauben, die unsere Meinung bestätigen, und übersehen gerne Quellen, deren Aussagen wir nicht zustimmen.

4. Beginne ganz einfach: mit einer SMS

Bitte deinen Partner, Freunde, Familienmitglieder oder Kollegen, dich in einer SMS oder WhatsApp in fünf Worten zu beschreiben, von denen mindestens eines eine Schwäche beschreiben soll. Mach vorher eine Liste mit den Antworten, die du erwartest. Die meist genannten Antworten verraten etwas über deinen Ruf, den du vielleicht schon erahnst. Kritikpunkte, die nur ein- oder zweimal genannt werden, können besonders nützlich sein, weil sie Schwachpunkte ansprechen, die dir selbst vielleicht noch verborgen sind. Denk an die letzten zwei bis drei Jahre im Job: Wie haben Vorgesetzte, Kollegen oder Kunden deine Arbeit beurteilt? Und: Denk auch an die kleinen spöttischen Nebenbemerkungen oder Sprüche, die man manch- mal in der Kaffeeküche oder im Aufzug hört, darin kann sich ernsthafte Kritik verstecken.
Menschen überschätzen ihre eigene Arbeitsleistung im Schnitt um 20 bis 30 Prozent. Wir neigen dazu, Erfolge unseren eigenen Verdiensten zuzurechnen, den Grund für Misserfolge dagegen bei anderen zu suchen.

5. Schließ die Lücke zwischen Identität und Ruf

Identität ist die Summe unserer Absichten, Gedanken, Wünsche – all das, was unser Verhalten prägt. Deine Identität kann positiv sein („Ich bin aufregend, ich gehe gerne Risiken ein“), auch wenn dein Ruf gleichzeitig weniger gut ist. Denn andere könnten dich wegen deiner Risikofreude als unvorhersehbar und unzuverlässig ansehen. Reputation ist das, was Menschen aus unserer Identität machen. Während wir unsere Identität, unsere Persönlichkeit kaum ändern werden, können wir sehr wohl an unserem Ruf arbeiten. Versuche die Lücke zwischen dem, wie du dich siehst, und dem, wie andere dich sehen, zu schließen. Anders gesagt: Begib dich in die Schublade, in der du auch wirklich stecken möchtest.

BÜCHER-TIPPS

Tiefe Einblicke in Motivation, Selbstvertrauen und Talent zum Nachlesen.
Diese drei Bücher empfehlen unsere Experten.
Diese drei Bücher empfehlen unsere Experten.
  • Drive: Was sie wirklich motiviert – Daniel H. Pink zeigt auf, wieso Zuckerbrot (Geld) und Peitsche (Druck) keine guten Treiber sind.
  • Confidence: The Surprising Truth about How Much You Need and How to Get it – Überbordendes Selbstbewusstsein macht selten erfolgreich, weiß Tomas Chamorro-Premuzic.
  • The Compass and the Radar: The Art of Building a Rewarding Career While Remaining True to Yourself

6. Motivation braucht ein höheres Ziel

Meist hinterfragen wir uns erst dann, wenn wir Ärger oder schlechtes Feedback bei der Arbeit bekommen haben. Also lieber früher und aus eigenen Stücken damit anfangen. Ob Sorge vor ungenügender Leistung oder eine leuchtende Vision der eigenen Karriere – beides können starke Beweggründe sein. Wobei negative Motive wie Angst nachlassen können, sobald keine unmittelbare Kritik mehr zu befürchten ist. Auf jeden Fall solltest du ein höheres Ziel haben, das du verfolgst. Einen Nutzen über die reine Veränderung hinaus, etwas, was dich dazu bringt, auf längeren Durststrecken dranzubleiben.

7. Fünf Fragen zum Verständnis deiner Stärken

  • Was fällt dir bei der Arbeit leicht?
  • Was machst du gerne?
  • Was motiviert dich?
  • Wofür loben dich andere?
  • Wann warst du am erfolgreichsten?

8. Fünf Fragen, um deine Schwächen zu verstehen

  • Bei welchen Arbeiten tust du dir besonders schwer?
  • Welche Aufgaben magst du am wenigsten?
  • Was kritisieren andere an dir?
  • Was war deine größte Niederlage?
  • Wo müsstest du dich am dringendsten verbessern?

9. Finde deine Flügel

Deine Persönlichkeit ist im Grunde genom­men eine Geschichte, die du über dich selbst geschrieben hast. Diese Geschichte lässt sich nicht umschreiben, aber du kannst Rück­schlüsse aus ihr ziehen. Persönlichkeitstests wie der Red Bull Wingfinder können dir dabei helfen. Der Test basiert auf 30 Jahren psychologischer For­schung, ist kostenlos und dauert 45 Minuten. Wingfinder versucht, dein Selbstbild zu ver­stehen, und analysiert aus den vier Schlüsselbereichen Motivation, Verbundenheit, Krea­tivität und Denkfähigkeit deine Stärken.
Connections: Arbeitest du gut mit anderen zusammen oder besser eigenständig?
Drive: Wie ehrgeizig bist du, und wie steht es um deine Gelassenheit?
Creativity: Wie innovativ denkst du? Wie logisch und analytisch gehst du vor?
Thinking: Kannst du abstrakt denken und komplexe Probleme lösen?

10. Was wirklich wichtig ist

Vermutlich könntest du dich nicht nur in einem Bereich verbessern, sondern in vielen. Aber mach dich nicht zur Großbaustelle. Welche Schwäche hält dich am meisten zurück? Auf welchem Gebiet bist du am stärksten motiviert, dich zu verbessern? Das reicht. Denn wenn du dich zu vielen Fronten gleich­zeitig stellst, verlierst du den Fokus, und am Ende passiert gar nicht. Steck dir also selbst Zwischenziele. Wenn man den Mount Everest besteigt, braucht man Basislager.

11. Der Feuermelder in deinem Kopf

Schwächen überwindet man nicht von heute auf morgen. Darum muss man lernen, mit ihnen umzugehen. Du solltest eine innere Notfallsirene haben, die frühzeitig losheult, wenn du im Beruf an deine Problemzonen stößt. Lerne, solche Situationen vorherzu­sehen. Entwirf für diesen Fall einen inneren Evakuierungsplan, der dich in sicheres Gebiet bringt. Was kannst du tun, um in brenzligen Momenten besser als früher die Kontrolle zu behalten? Überlege, wie du reagierst, anstatt einfach nur zu reagieren.

12. Mach es wie Messi

Professionelle Fußballspieler trainieren fünfmal pro Woche, bestreiten in derselben Zeit aber meist nur ein Spiel. Der Rest von uns tritt im Büro jeden Tag zum Wettkampf an und übt vielleicht einmal im Jahr. Wir verbringen viel zu wenig Zeit mit Selbstopti­mierung – jeder Profisportler wür­de darüber nur den Kopf schüt­teln. Das zu ändern ist schwierig. Bau bewusst Pausen in deinen stressigen Alltag ein, die dir Zeit und Raum geben, auf dein Leben zu schauen und dich zu fragen, ob du das erreichst, was du willst. Natürlich ist der bequeme Weg jener, es so zu machen, wie du es immer machst. Wir tun zu oft die immer gleichen Dinge, hoffen aber gleichzeitig auf ein anderes Ergebnis. Fakt ist: Niemand ver­ändert sein Leben, indem er immer nur dasselbe macht. Es geht dar­um, sich weiterzuentwickeln.

13. Die fünf P erfolgreicher Sportler

  • Purpose: Hab einen Traum und folge ihm.
  • Practise: Üben. Immer und immer wieder.
  • Progression: Versuche, im Laufe der Zeit immer höhere Ziele zu erreichen. Steigere dich.
  • Performance: Höre auf Feedback, lerne aus deinen Leistungen.
  • Perseverance: Eine Niederlage ist einfach nur der Punkt, von dem aus das nächste Rennen beginnt.

14. Niemand macht den Job für dich

Die meisten Probleme werden ge­löst, wenn die richtige Person am richtigen Arbeitsplatz sitzt. Talent ist gewissermaßen Persönlichkeit am passenden Ort. Aber erwarte nicht, dass die Unternehmen diese Suche für dich übernehmen. Es liegt ausschließlich an dir.

DER TEST

Wingfinder ist ein kostenloser Online Persönlichkeitstest von Red Bull, der deiner Karriere Flügel verleiht.
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DIE COACHES

Was Talent, Führungsvermögen und berufliche Kompetenz ausmacht, wo man diese Eigenschaften findet und wie man sie fördert, erforscht Tomas Chamorro-Premuzic, Wirtschaftspsychologe u. a. an der Columbia University, seit vielen Jahren.
A photo of Tomas Chamorro-Premuzic
Tomas Chamorro-Premuzic
Adam Yearsley ist als Global Head of Talent Management bei Red Bull für die Gewinnung und Entwicklung hoch veranlagter Mitarbeiter zuständig. Gemeinsam mit Thomas Chamorro-Premuzic hat der Arbeitsexperte mit Red Bull Wingfinder ein starkes Tool zur Potenzialentfaltung entwickelt.
Adam Yearsley
Adam Yearsley