Yūtos Reise zu Olympia-Gold im Skaten begann schon im Kindesalter.
© Atiba Jefferson
Skateboarding

Yūto Horigome: Vom Outsider zum Olympiasieger

Yūto Horigome ist für seine präzisen wie spektakulären Tricks bekannt. Zweimal schon bescherten sie dem Skater Olympia-Gold. Den Mut, sie zu wagen, verdankt er seiner Community.
Von: Marc Baumann
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Steckbrief Yūto Horigome

Alter

27

Kommt aus

Kōtō, Tokio

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Die Karriere des Yūto Horigome hätte es eigentlich nie geben sollen. Ryota Horigome, ein Taxifahrer aus dem Norden Tokios, verspricht seiner Frau, nach der Hochzeit nicht mehr Skateboard zu fahren. Skater gelten im Japan der 90er-Jahre als Außenseiter und Rowdys. Ryota gelobt, mit dem Sport aufzuhören – und tut es doch nicht. „Meine allererste Erinnerung ans Skateboarden ist, wie mein Vater mich auf sein Brett stellte, als ich noch fast ein Baby war“, sagt Yūto Horigome, der 1999 geboren wurde.

Erst Kindheitsfoto, dann Medaille

Am 22. Juli 2021, zwei Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Tokio, postet er rührende Kindheitsfotos von sich und Ryota. Skateboarding feiert seine olympische Premiere – wenige Kilometer von dem Park entfernt, wo er mit sechs Jahren mit seinem Vater das Skaten gelernt hat. Auf Yūtos Post sieht man ihn als ungefähr Zehnjährigen, wie er einen Ollie über ­einen am Boden liegenden Freund seines ­Vaters macht. Mit 22 Jahren gratuliert ihm Japans Premierminister zur Gold­medaille im eigenen Land.
Dem Ansehen des Sports in Japan hat das einen Boost gegeben, ganz im Alltag angekommen ist er aber noch immer nicht. Obwohl Männer wie Frauen bei Olympia Gold holten, kommt es beim Streetskaten in Tokio noch vor, dass Yūto vertrieben wird. Selbst wenn er seine Medaille erwähnt: „Ich hab’s probiert, aber es war ­ihnen egal.“ Wegen Erfahrungen wie ­dieser war Yūto als Teenager klar, dass er nach Kalifornien muss, wenn er es im Skateboarding weit bringen möchte. Mit seiner Mutter, ausgerechnet, flog er zu ersten Wettkämpfen in die USA. Mit 18 Jahren zog er nach Los Angeles. Trotz erster Erfolge merkt er, wie krass hoch das Skatelevel in den USA ist, „dass ich neue Tricks brauche, neue Ideen, um Contests zu gewinnen“. Das bedeutet auch: mehr Risiko. „Neue Tricks sind ­immer mit einem mulmigen Gefühl verbunden. Besonders wenn ich allein skate“, sagt Yūto. Sein Ausweg: „Mit Freunden skaten hilft. Wenn sie auch an etwas Neuem arbeiten, können wir uns anspornen.“ Die extrovertierten Kalifornier nahmen den schüchternen Japaner herzlich auf: „Die Skatekultur ist sehr offen. Der Übergang war einfach“, sagt Horigome. Er ­entwickelt einen eigenen Stil, mit brutal schweren Signature-Tricks wie dem nollie backside 270 noseslide 270 out: Absprung über die Nose des Bretts – 270-Grad-­Drehung – Landung auf Rail – mit Nose hinunter­rutschen – erneute 270-Grad-Drehung – Landung. Den vielen Dre­hungen verdankt er seinen Spitznamen „Yutornado“.

Fan-Power in München

Einen besonderen Moment erlebt Yūto 2017 bei einem Contest in München. „Bei meinem letzten Best-Trick-Versuch stand das gesamte Publikum auf und jubelte. Ich erinnere mich an diesen Moment – er hat mir viel Energie und Selbstvertrauen gegeben, obwohl ich so weit von zu Hause entfernt war.“ Manch einem Fan mag es schwerfallen, so eine Aussage mit Yūtos Auftritten bei Contests zusammenzu­bringen – wo er technisch perfekt, aber emotional eher reserviert auftritt. „Vor ­einem Wettkampf bin ich einfach ziemlich nervös“, erklärt Yūto. Entspannter ist er beim Skaten auf den Straßen Tokios, wo er aufgewachsen ist. „Dort habe ich nicht nur Tricks gelernt, sondern auch, wie man echte Verbindungen mit Menschen aufbaut, mit Misserfolgen umgeht und ­alles um sich herum zu schätzen weiß. Das hat mich gelehrt, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für sie zu übernehmen.“
Der erste Olympiasieg war Segen und Fluch. Segen, weil er als eines von drei Kindern eines Taxifahrers mit Anfang zwanzig plötzlich viel Geld verdiente und mit Promis wie Lil Wayne oder Pharrell Williams abhing. Fluch, weil damit zwar ein Traum erfüllt, aber eben auch erledigt war. Yūto brauchte einige Zeit, um neuen Antrieb zu finden. Für die nächsten Olympischen Spiele in Paris qualifizierte er sich erst im vorletzten Wettbewerb und mit dem allerletzten Trick. Das folgende zweite Gold zeigte aber, dass er wieder ganz bei sich ist. Wie respektiert Yūto auch beim harten Kern der Skateboardwelt ist, sieht man übrigens beim Tampa Pro Contest. Hier ist die Szene unter sich, in einer kleinen, proppenvollen Halle. Yūto gewann ihn 2023 und 2024, im April 2026 wurde er knapp Zweiter.

Sein Glück liegt auf der Straße

Am glücklichsten kann sich schätzen, wer Yūto beim Skaten auf der Straße erlebt. Was sonst nur seinen engsten Freunden oder Fotografen vorbehalten ist, wird jetzt bei Red Bull Spot Check in Hamburg für alle möglich sein. Gemeinsam mit anderen Pros und der lokalen Community stoppt Yūto einen Tag lang an verschiedenen Spots der Stadt, skatet und hängt ab. „Das Format hat ein authentisches Street-Feeling, bei dem es mehr um den Flow geht. Es ist ein Rahmen, in dem ich natürlicher skaten kann. Es wäre toll, wenn alle die Atmosphäre spüren und wir gemeinsam Spaß haben können.“ Klingt nach ­einem Plan.

Teil dieser Story

Yuto Horigome

Yuto Horigome is the biggest force in skateboarding today. The Tokyo native has already done it all, including the largest redemption arc in competitive skating.

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