Er ist wieder Teil der wirbelnden RBL-Offensive. Und wie meldet er sich zurück? Natürlich typisch Timo! Rückkehrer Timo Werner signalisiert Mitspieler Benjamin Henrichs, wie er angespielt werden möchte. Aus über 25 Metern nimmt der Rekordtorschütze von RB Leipzig Maß und kann den gegnerischen Keeper mit einem frechen Aufsetzer überraschen.
Umgehend greift Stadionsprecher Tim Thoelke zum Mikro: „Torschütze, mit der Nummer 11: Timo…“ Die Antwort der Fans und der Jubel über das Comeback-Tor gegen den 1. FC Köln (2:2) - exakt 776 Tage nach Werners letztem Pflichtspiel im RB-Trikot - gleicht einem Urknall. Purer Zufall? Ein Wort, das nur diejenigen in den Mund nehmen, die diese besondere Beziehung zwischen Verein und Spieler noch nicht bis ins kleinste Detail kennen.
Timo Werner in Zahlen
01
Tapetenwechsel: Aus Bad Cannstatt zum Cottaweg
Die Erfolgsgeschichte von Timo Werner und RB Leipzig beginnt im Jahr 2016. Aber schauen wir erst einmal auf die Zeit davor: Der damals 20-jährige Werner ist gerade mit seinem Heimatklub VfB Stuttgart aus der 1. Bundesliga abgestiegen. Obwohl das Riesentalent, das 2013 mit der U 17 Fritz-Walter-Medaille in Gold und 2015 mit der U 19 Fritz-Walter-Medaille in Silber ausgezeichnet wurde, schon seit drei Spielzeiten fest zum Profikader gehört, kann Werner zu diesem Zeitpunkt noch nicht an seine beeindruckenden Torquoten aus dem Nachwuchsbereich anknüpfen. In den Süd/Südwest-Staffeln der U 17- und U 19-Bundesliga traf Werner in 34 Partien 31 Mal und in 23 Spielen 24 Mal.
Im Profibereich beim VfB Stuttgart folgen Erstliga-Spielzeiten mit vier, drei und sechs Toren. Werners großer Durchbruch bleibt noch aus, der Abstieg mit den Schwaben ist der Tiefpunkt bei seinem Ausbildungsverein, für den er seit seinem sechsten Lebensjahr am Ball ist. Danach entscheidet sich Werner für einen Tapetenwechsel. Der in Bad Cannstatt (ältester Stadtbezirk in Stuttgart) geborene Angreifer verlässt sein Zuhause und schlägt ein neues Kapitel auf. Werner wechselt zu RB Leipzig - einem Klub, der gerade innerhalb von vier Jahren dreimal aufgestiegen ist und erstmals in der noch jungen Vereinsgeschichte in der 1. Bundesliga spielen wird. Heute wissen wir, dass er damals alles richtig gemacht hat.
02
Die ersten beiden Jahre: Vizemeisterschaft, Champions League und Tore satt
In Leipzig findet sich Werner schnell zurecht. Kritikern, die sich fragen, ob der 14-Millionen-Transfer ein Flop wird, beweist der Mittelstürmer schnell das Gegenteil. Bei RBL nähert sich Werner direkt seinen Torquoten aus der Jugend an. 21 Tore und sieben Assists bei 31 Einsätzen sind ein hervorragendes Leistungszeugnis für die erste Saison bei einem Verein, der neu in der 1. Bundesliga ist. Und ein Beleg dafür, dass der von RB Leipzig zelebrierte Offensivfußball wie auf den pfeilschnellen Werner zugeschnitten ist. Für Werner ist die erste Saison in Leipzig der ersehnte Durchbruch als Profi, für RBL ist es die erfolgreichste Spielzeit der Klubhistorie. Auch dank der vielen Tore von Werner werden die Roten Bullen hinter dem FC Bayern Vizemeister und qualifizieren sich für die Champions League.
Damit beginnt für RB Leipzig und Timo Werner in der Spielzeit 2017/18 eine spannende Reise durch Europa. Zwar ist in der Gruppenphase der Königsklasse als Tabellendritter Schluss, aber in der Europa League geht es anschließend bis ins Viertelfinale. Erst gegen den französischen Spitzenklub Olympique Marseille (1:0/2:5) scheidet RBL aus. Trotz der Doppelbelastung mit Bundesliga und Champions League bzw. Europa League erreicht Leipzig durch einen sechsten Platz erneut das internationale Geschäft - es geht in die Europa League. Werners Gesamtbilanz in seinem ersten Jahr auf internationaler Bühne: 13 Bundesligatreffer, ein DFB-Pokal-Tor, drei Champions League-Tore und vier Treffer in der Europa League.
Auch in der DFB-Elf ist Werner zu diesem Zeitpunkt schon eine feste Größe. Sein Debüt: Im März 2017 beim 1:0-Erfolg im Freundschaftsspiel gegen England. Dass der Torjäger im Trikot der Roten Bullen bereits so früh auch regelmäßig für die deutsche Nationalmannschaft auf Torejagd geht, war bei seinem Wechsel 2016 nicht unbedingt zu erwarten. Ein steiler Aufstieg in nur kurzer Zeit - sowohl für Timo Werner als auch für RB Leipzig.
03
2018/19: DFB-Pokal-Finale und erneute Qualifikation für die Champions League
Die Saison 2018/19 ist für RB Leipzig ein Wechselbad der Gefühle mit erfolgreichem Ende. Nach dem zuvor frühen WM-Aus mit der DFB-Elf in Russland muss Werner auch mit seinem Verein ein Negativerlebnis hinnehmen. In der Europa League scheiden die Roten Bullen schon in der Gruppenphase aus, die ambitionierten Ziele im internationalen Geschäft werden nicht erreicht. National läuft es dagegen gut. Auch dank eines starken Endspurts mit einmal mehr zahlreichen Treffern von Werner beendet RBL die Bundesligasaison auf Platz drei. Die erneute Champions League-Teilnahme ist gesichert.
Aber damit nicht genug: Die Sachsen erreichen erstmals das Endspiel um den DFB-Pokal im Berliner Olympiastadion. Am 25. Mai 2019 treffen die Roten Bullen dort auf Rekordpokalsieger Bayern München. Zwar geht das Finale schlussendlich 0:3 verloren. Aber Werner & Co. zeigen Fußball-Deutschland mit attraktivem Powerfußball, dass das Team reif für mehr ist und der erste Titelgewinn der Vereinsgeschichte zum Greifen nah ist.
Mit 16 Toren und neun Assists in der Bundesliga-Saison ist Werner 2018/19 einmal mehr einer der absoluten Leistungsträger. Schlussfolgerung: Ohne Werner wäre Leipzig nicht so erfolgreich, ohne Leipzig würde Werner nicht so oft treffen. Der nun 22-jährige Stürmer passt perfekt in die Spielphilosophie der Roten Bullen - da ist es kein Wunder, dass die nun folgende Saison alles Bisherige noch einmal übertrifft.
04
2019/20: Eine doppelt wertvolle Zusammenarbeit
Dass Werners viertes Jahr im RBL-Trikot sein letztes werden könnte, ist bereits vor Saisonbeginn nicht unwahrscheinlich. Die internationalen Top-Klubs stehen Schlange und wollen den Knipser zu sich lotsen. Unbeeindruckt davon, dass halb Europa ein Auge auf ihn wirft, spielt Werner unter der Regie des damaligen RBL-Coaches Julian Nagelsmann die bisher beste Saison seines Lebens. Mit 28 Treffern und acht Vorlagen in der Bundesliga ist er fast an der Hälfte aller 81 Leipziger Saisontore direkt beteiligt.
In der Champions League, in der Leipzig bis zur Corona-Pause bis ins Viertelfinale vorstößt und besonders im Achtelfinale gegen Vorjahresfinalist Tottenham Hotspur (1:0/3:0) begeistert, trifft Werner viermal. Zum Bundesliga-Saisonabschluss beim FC Augsburg (2:1) beendet Werner mit einem Doppelpack seine Wahnsinns-Spielzeit gebührend. Zu diesem Zeitpunkt ist auch schon klar: Werner verlässt die Roten Bullen und schließt sich dem sechsmaligen Englischen Meister FC Chelsea London an - für eine Ablösesumme in Höhe von 53 Millionen Euro.
Für Leipzig war die Zusammenarbeit mit Werner abschließend gesehen gleich doppelt wertvoll: Sportlich war der Top-Torjäger ein großer Mehrwert für das Team, wirtschaftlich spülte sein Verkauf einen großen Gewinn in die Vereinskasse. Keine Frage: Die 14-Millionen-Investition in einen jungen Stürmer mit großem Entwicklungspotenzial war eine der besten Klubentscheidungen der letzten Jahre.
05
Rückkehr als Champions League-Sieger in der Prime
Im Transfer-Sommer 2021 glühen die Drähte zwischen London und Leipzig. Anfang August wird die Reunion zwischen Timo Werner und dem DFB-Pokalsieger mit einem langfristigen Vertrag bis 2026 besiegelt. „Ich blicke auf zwei super Jahre beim FC Chelsea zurück und habe die Champions League gewonnen. Mit 26 Jahren bin ich aber nicht an einem Punkt, an dem ich sage: Ich begnüge mich jetzt mit weniger Einsätzen“, machte der Knipser bei seiner Vorstellung klar.
Auch Bundestrainer Hansi Flick, der den 53-maligen DFB-Nationalspieler für den WM-Kader 2022 einplant, ermutigte ihn zu diesem Schritt. Obwohl sich das Gesicht des Teams seit seinem Abgang verändert hat, sieht Werner den Verein und das Umfeld als „Wohlfühloase“ an. Und diese mündet in dem Fakt, dass Domenico Tedesco (mehr über den Taktiktüftler auf der RB-Bank) eine Rolle im fünften Kapitel der Erfolgsgeschichte spielen wird. Der 36-Jährige trainierte den Leipziger Rekordtorschützen bereits im Alter von 12 Jahren in der Jugend des VfB Stuttgart .