Der Dragon Lord ist der Bösewicht in Tiny Tina's Wonderlands
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Tiny Tina’s Wonderlands: Das macht das Spiel anders

Genug von beigen Steinwüsten! Tiny Tina entführt uns in ihre Wonderlands und zeigt, dass Borderlands mehr kann als nur Post-Apokalypse.
Autor: Matthias Regge (@PrinnyTonic)
6 min readveröffentlicht am
Als das erste Borderlands 2009 erschienen ist, war es revolutionär. Der Mix aus Action-RPG und First Person Shooter wurde bisher nie in dieser Größe verwirklicht. Zahlreiche Spieler erfreuten sich an den interessanten Waffen, witzigen Dialogen und spaßigem Koop-Gameplay.
Nun erfährt die Reihe das erste mal einen Bruch ihrer Stilrichtung. Tiny Tina’s Wonderland nimmt die Formel der bisherigen Teile und stülpt ihr ein neues Gewand über. Wie viel noch von der Identität der Reihe übrig ist, und was für Neuerungen euch erwarten, verraten wir euch hier.

Keine Sorge! Es ist immer noch Borderlands

Bevor wir darüber sprechen, was Wonderlands anders macht, sollte vielleicht auch erwähnt werden, welche Aspekte der Borderlands-Formel auch für den neusten Teil der Reihe übernommen wurden.
Auch Wonderlands ist nach wie vor ein Looter-Shooter mit starkem Rollenspiel-Einschlag. Zu Das heißt ihr wählt zu Beginn eine Klasse mit unterschiedlichen aktiven und passiven Fähigkeiten. Insgesamt stehen sechs unterschiedliche Archetypen zur Verfügung. Für jeden Spieler dürfte hier etwas dabei sein. Der BRR-Serker setzt vor allem auf stumpfe Feuerkraft, während der Sporenhüter einen Pilz-Gefährten an seiner Seite hat.
Der Core-Gameplay-Loop wird durch eure Klassenwahl nicht beeinflusst. Immer noch kämpft ihr euch durch Gegner, sammelt dabei Erfahrungspunkte, Geld und neue Waffen. Der stetige Dopamin-Fluss von steigenden Attributen, Schadenszahlen und neuem Loot, den man bereits aus den Vorgängern kennt ist auch in Wonderlands vorhanden.
Ebenfalls wurde ein wichtiger Grundpfeiler der Borderlands-Reihe beibehalten: Koop. Egal ob Online oder per Splitscreen an einer Konsole: Die gesamte Kampagne kann gemeinsam mit Freunden erlebt werden. Dieses mal sogar mit Crossplay.
Vier Helden stehen bereit
Noch besser mit Buddies: Wonderlands bietet sogar Crossplay
Auf eurer Reise durch die Wonderlands werdet ihr auch stets von dem bekannten Humor der Serie begleitet. Dieser ist allerdings Geschmackssache. Während einige Witze besonders bei Pen-and-Paper-Fans für Lacher sorgen werden, sind manche Kalauer an der Grenze zur Fremdscham. Aber jeder muss für sich selbst entscheiden wie witzig er es findet, dass es unter anderem einen Einhorn-NPC im Spiel gibt, der den Namen Prinzessin Arschgaul trägt.
Ungeachtet wie gut (oder schlecht) die Witze des Spiels bei einem ankommen; die deutsche Synchronisation von Wonderlands ist wie immer großartig gelungen. Allem voran Sabine Bohlmann in der Rolle von Tiny Tina. Man kennt Bohlmann auch als Lisa Simpson, Sailor Moon und Pikachu. Auch eure Gegner werden euch nicht nur mit Geschossen, sondern auch zahlreichen One-Linern attackieren. Diese werden sich schnell wiederholen und sind so zahlreich, dass das Gefühl entsteht, es gibt keine Sekunde in der nicht eine Voice-Line zu hören ist. Etwas, das auf Dauer etwas anstrengend sein kann.
Was man sich aber immer wieder anhören kann, ist wie PaladinAmber mit anderen Spielern in Online-Games oder Twitch-Chat umgeht, die etwas über die Stränge schlagen.

Fantasy-Setting

Der größte Unterschied zu Borderlands, der auch die ganze Prämisse von Wonderlands ist, ist das Setting. Hier wird nun nicht mehr auf Post-Apokalypse, sondern Fantasy gesetzt. Im Grunde ist das gesamte Abenteuer lediglich die Vorstellung der Truppe, die sich um einen Tisch versammelt hat, um mit Tiny Tina, in der Rolle des Spielleiters das Rollenspiel "Badass & Bunkers" zu spielen.
Dabei geht Wonderlands tatsächlich weiter, als einfach nur einen Schicht “Fantasy” über das übliche Gerüst zu pinseln. Es nimmt sich diese neue Stilrichtung zu herzen und richtet seine Mechaniken an dem Rollenspiel-Szenario aus.
Ein Spieler im Kampf mit einem kleinen Drachen
Wyvern dürfen in einem Fantasy-Game nicht fehlen
Rollenspiel muss aber natürlich nicht immer Fantasy bedeuten. Schließlich hatten auch alte Borderlands-Titel bereits einen klaren RPG-Einschlag. Aber selbst GTA 5 hat seit der erhöhten Popularität von GTA Online eine stetig wachsende Rollenspiel-Szene. Auch GrandPOOBear hat hier einige Zeit auf dem NoPixel-Server, auf dem sich einige Twitch-Größen tummeln.

Overworld-Map

Ein traditionelles Rollenspiel braucht eine Overworld-Map. Darum hat Wonderlands die Open World der vergangenen Titel abgelegt und bietet euch ein großes Spielbrett, auf welchem die unterschiedlichen Stages angesteuert werden.
Auf dieser Overworld gibt es zwar einiges zu erleben; NPCs haben Quests für euch, es können Schatztruhen und Abkürzungen gefunden und Random-Encounter bekämpft werden. Allerdings ist dies natürlich ein starker Bruch von der verbundenen Welt, die man aus Borderlands kennt, die man auch größtenteils mit Vehikeln bereist.
Eine Limo-Dose liegt in einem Berg. Ihr Inhalt bildet einen Fluss
Achtung: Limo-Fluss! Die Karte von Wonderlands stellt einen Gamer-Tisch dar
Wonderlands wirkt dadurch wesentlich segmentierter als seine Vorgänger. Wer also das Gefühl einer zusammenhängenden Welt als Kaufgrund für bisherige Borderlands-Teile gesehen hat, wird hier eventuell enttäuscht werden. Auch wenn das Spiel sein bestes tut die Weltkarte mit zahlreichen Inside-Jokes für Tabletop-Spieler zu füllen. So stellen zum Beispiel Käseflips, die auf den Tisch gefallen sind plötzlich eine Barriere dar, die überwunden werden muss, oder Kronkorken helfen dabei Flüsse aus Limonade zu überqueren.
Die unterschiedlichen Areale, dir ihr besucht, und die dann in der gewohnten Ego-Perspektive gespielt werden, nehmen im Laufe des Spiels allerdings an Komplexität zu und lassen dann auch durchaus die Möglichkeit für Erkundung und das Entdecken weiterer Nebenquests und Schatzkisten.

Weniger Filler

Die Einführung der Overworld-Map sorgt aber auch dafür, dass das Gameplay von Wonderlands wesentlich fokussierter ist. Durch das Wegfallen von längerer Reisezeit seid ihr wesentlich mehr in der Action. Diese kommt in zwei unterschiedlichen Varianten:
Zum einen gibt es die großen, Story-relevanten Stages. Diese sind groß, detailreich und geben euch durchaus die Möglichkeit zu Erkunden. Hier kommt am ehesten das Feeling früherer Borderlands-Teile auf.
Nebenquests und Zufallsbegegnungen im hohen Gras werden in kleineren Arenen ausgetragen, in denen ihr Wellen an Gegner gekämpft. Diese erinnern von ihrem Spielstil fast etwas an Doom Eternal: Kleine, kondensierte Areale, in denen es darum geht euer Arsenal zu nutzen, um Feinde zu besiegen.
Eine Unterwasser-Ruine mit einem Piratenschiff
Gefechte werden oft in kleineren Arenen ausgetragen
Insgesamt fühlt es sich an, als hätte sich Gearbox dazu entschieden ein wenig das Fett zu trimmen und sich mehr auf den Action-Anteil der Reihe zu stützen. Dies ist nicht “schlechter”. Es ist aber auf jeden Fall anders. Und ihr müsst wissen, worauf eure Prioritäten liegen, wenn ihr euch entscheidet die Wonderlands erkunden zu wollen.

Mehr Charakter-Anpassungen

Loot spielt in Borderlands schon immer eine tragende Rolle. Das ist auch in Wonderlands nicht anders. Ihr werdet teilweise mit neuer Ausrüstung förmlich überschüttet, und werdet viel Zeit damit verbringen euer Loadout zu Min-Maxen.
Auch behält Wonderlands die Möglichkeit bei, nach einem Stufenaufstieg einen Skillpunkt zu verteilen. Neu ist allerdings die Option eure Statuspunkte zu erhöhen. So könnt ihr euren Spielstil individuell anpassen: Mehr kritische Trefferchance, mehr Fähigkeitenschaden… ihr entscheidet.
Zwei Spieler mit vollkommen unterschiedlichen Designs
Ihr könnt euch optisch stark von anderen Spielern abheben
Allerdings bietet Wonderlands dieses Mal auch eine Vielzahl von optischen Anpassungsmöglichkeiten. Ihr schaltet im Laufe des Spiels neue Farben, Rüstungsteile und Verzierungen frei. Gepaart mit der bekannten Möglichkeit die Farben eurer Kleidung zu bestimmen, habt ihr so zum ersten Mal die Möglichkeit euch optisch klar von anderen Spielern abzuheben. Das Ganze wird sehr schön in den Kontext des Settings gesetzt. Immerhin verkörpert euer Charakter eine Spielfigur auf einem Brett. Diese gestaltet und bemalt man auch bei Tabletop-RPGs im echten Leben nach den eigenen Wünschen.

Eine frische Brise

Tiny Tina’s Wonderlands wirbelt nicht die Borderlands-Reihe auf. Es erfindet das Franchise nicht neu, bietet aber genug Neues, um Spielern, welche sich wünschen aus der Routine der Vorgänger auszubrechen eine Abwechslung zu bieten. Neulinge finden hier natürlich auch direkt einen optimalen Einstieg, vor allem wenn das RPG-Fantasy-Setting sie mehr ansprechen sollte, als der Wüsten-dominierte Flair vorheriger Teile.
In seinem Kern ist Wonderlands ein Borderlands durch und durch. Wer sich also ein komplett neues Spielerlebnis erhofft hat wird enttäuscht. Auf der anderen Seite werdet ihr auch hier jeden Aspekt finden, der die Reihe so großartig macht. Freunde von Looter-Shootern und unterhaltsamer Koop-Action sollten die Würfel auspacken und Initiative würfeln.