Video ansehen37 Min
FMX

Tom Pagès schreibt mit seinem FMX-BASE-Jump Geschichte

Die französische Extremsport-Legende Tom Pagès ist der erste FMX-Rider, der einen Double Frontflip mit einem BASE-Jump kombiniert hat. Hier verrät er, wie er den Sprung des Jahres geschafft hat.
Autor: Paul Keith
7 min readveröffentlicht am
Es war eine zweijährige Reise, die ihn um die Welt führte, vom Persischen Golf bis zum Indischen Ozean, von der höchsten Brücke der Welt bis zum Gipfel der schwindelerregenden Klippen von Avoriaz. Auf dieser einzigartigen Tour durch die Welt lernte Pagès einige Legenden des BASE-Jumpings kennen, die ihn auf den Sprung seines Lebens akribisch vorbereiteten.
Es gibt Leute, die fahren Motocross und andere, die sich dem BASE-Jumping verschrieben haben, aber nur eine Handvoll von Menschen machen beides. Und noch weniger kombinieren die beiden Extremsportarten und schaffen etwas völlig Neues: nämlich gewaltige FMX-Tricks gepaart mit waghalsigen BASE-Jumps. Deshalb nennt man Tom Pagès auch "den Erfinder".
Tom Pagès vor seinem FMX Double Frontflip und BASE-Jump in Avoriaz in den französischen Alpen.
Tom Pagès bringt FMX und BASE-Jumping auf ein neues Level
Pagès, der einer der besten FMX-Rider des Planeten ist, machte sich für das Mammutprojekt auf den Weg nach Avoriaz, dem einzigartigen und prominent auf den Klippen situierten Wintersportort im Herzen des Portes du Soleil-Skigebiets in den malerischen französischen Alpen. An genau diesem Ort sollte er einen kaum vorstellbaren und gefährlichen FMX-Trick wagen, was der Red Bull X-Fighters-Weltmeister selbst als "das Projekt seines Lebens" bezeichnete.
"Die Idee entstand im Sommer 2019 mit der Hilfe des verstorbenen Vince Reffet, dem legendären Jetman und Soul Flyer. Es war eine verrückte Idee", sagt Pagès. "Wir wussten, dass der Bike-BASE-Jump bereits gemacht worden war, aber niemand hatte es in Kombination mit Tricks gewagt, also war das unser Ausgangspunkt."
Tom Pagès mit einem Double Frontflip gefolgt von einem BASE-Jump in Avoriaz, Frankreich.
Der einzige Weg ist... runter

Die ersten Jumps in Dubai

"Zu Beginn des Projekts hatte ich etwa 200 Fallschirmsprünge absolviert, aber Vince wollte, dass ich mindestens 300 Sprünge mache, bevor ich BASE-Jumping ausprobieren kann", so Pagès weiter. "Also bin ich Anfang 2020 nach Dubai geflogen, um mich den Soul Flyers in ihrem Jetman-Trainingslager anzuschließen. Auf diese Weise konnte ich die Sprünge mit Vince an meiner Seite als Coach machen."
Ich brauche keine Wettkämpfe, um glücklich zu sein, ich möchte lieber Projekte wie diese machen.
Tom Pagès
Fred Fugen von den Soul Flyers hat den FMX-Star Tom Pagès zum BASE-Jumper ausgebildet.
Pagès wurde von Fred Fugen und den Soul Flyer akribisch vorbereitet

Die BASE-Jump-Grundlagenausbildung auf der Insel Réunion

"Nach Dubai bin ich auf die Insel Réunion geflogen, um Loïc Jean-Albert zu treffen. Er ist einer der Gründer der Soul Flyers und er ist derjenige, der Vince und Fred Fugen alles beigebracht hat. Ich verbrachte 10 Tage auf der Insel, um mit ihm an meiner Technik zu feilen, Sprünge aus dem Heli zu perfektionieren und meine ersten BASE-Jumps zu machen."
FMX-Rider Tom Pagès nach seinem ersten FMX-BASE-Jump in Avoriaz, Frankreich.
Wieder auf festem Boden -- Tom Pagès im Freudentaumel
"Der perfekte Ort für BASE-Jumps ist eine Brücke, weil es keine Wände oder Klippen gibt, mit denen man kollidieren könnte. Und das ist nicht unwahrscheinlich, besonders wenn man beim Öffnen des Fallschirms einen großen Twist macht. Ich habe gelernt, meinen eigenen Fallschirm zu falten, damit ich in der Ausbildung so unabhängig wie möglich sein konnte. Die Idee war, meine BASE-Jumping-Skills zu perfektionieren, weil ich genau wusste, dass ich mit dem Motorrad keinen Testsprung machen konnte."

Sprung von der höchsten Brücke der Welt

"Ich habe mit Bras Noir -- Aurélien Chatard -- trainiert, einer der französischen BASE-Jump-Pioniere. Er springt fast immer mit Fred, der mich durch meine Ausbildung begleitet hat. Bei meiner nächsten Etappe meiner Ausbildung, dem BASE-Jump von der höchsten Brücke der Welt -- dem Millau-Viadukt in Frankreich -- standen sie beide an meiner Seite.
Tom Pagès mit einem FMX-BASE-Jump in den französischen Alpen.
Das nennt man einen Sprung!
Die Idee war, meine BASE-Jumping-Skills zu perfektionieren, weil ich mit dem Motorrad keinen Testsprung machen konnte.
Tom Pagès
"Ich konnte nach wie vor nur die Basics und war noch lange nicht bereit für den großen Sprung. Der einzige Weg, meine Fähigkeiten auszubauen, war, von so vielen verschiedenen Spots zu springen wie möglich."
"Im Gegensatz zum Fallschirmspringen, wo man meist auf großen, flachen Wiesen landet, ist eine der Schwierigkeiten beim BASE-Jumping, dass man häufig an schwer zugänglichen Stellen landen muss. Ich musste also in kurzer Zeit so viele Situationen wie möglich trainieren -- und das habe ich getan!"

Die perfekte Location

"Ich wollte den Sprung immer in Frankreich absolvieren und in die engere Auswahl dafür kamen nur zwei Orte: Millau und Avoriaz. Wir haben uns dann für Avoriaz entschieden, nicht nur, weil es ein spektakulär schöner Ort ist, sondern auch, weil ich erfahren habe, dass der Ort Geschichte hat. In der 80er-Jahren ist dort nämlich der Stuntman Alain Prieur schon gesprungen. Wir wurden herzlich empfangen und das dortige Team erteilte uns die Erlaubnis, den Sprung zu machen."
Tom Pagès inspiziert die sieben Meter hohe Rampe vor seinem FMX-BASE-Jump in Avoriaz, Frankreich, noch einmal genau.
Tom Pagès nimmt eine letzte Inspektion der Rampe vor
"Aber es gab trotzdem noch ein paar Hindernisse. Erstens hatten wir nur 130 m nach unten, nicht wie geplant 150 m, und die Landung würde technisch extrem anspruchsvoll werden. Außerdem brauchten wir eine große und vor allem hohe Rampe, damit ich mehr Zeit und Sicherheit in der Luft hatte. Normalerweise arbeiten wir eher mit drei Meter hohen Rampen, aber hier brauchten wir eine sieben Meter hohe Rampe. Es gab deshalb eine Menge logistischer Probleme zu lösen."
"Ich hatte zwar eine gute Vorstellung davon, wie sich das Motorrad verhalten würde, aber ich bin es nicht gewohnt, so schnell auf eine so große Rampe zuzufahren. Mit nur einem Versuch gab es einfach keinen Spielraum für Fehler -- die Konsequenzen, wenn etwas schiefgehen würde, waren katastrophal."

Letzte Vorbereitungen

"Ich habe bei mir zu Hause noch enorm hart gearbeitet, vor allem im Foam Tank, um mich auf das Bike einzustellen. Dieses Element war noch eine der vielen Unbekannten des Projekts. Zunächst einmal wussten wir nicht, wie sich das Bike nach dem Öffnen des Fallschirms verhalten würde. Stéphane Zunino, ein weiteres Gründungsmitglied der Soul Flyers, installierte den Bike-Fallschirm, der im Grunde quadratisch war, im Sattel. Es gab einen Griff, den ich ziehen musste, um eine Klettverschlussplatte im Sattel zu entfernen und den Fallschirm zu öffnen. Und ich musste alle Gurte einstellen, um sicherzustellen, dass das Bike nach dem Öffnen die Balance halten würde. Was wir aber immer noch nicht wussten, war, wie schnell das Bike fallen würde."
"Ich wusste nicht einmal, ob es nicht besser wäre, einen normalen Sprung ohne Trick zu machen, um die Geschwindigkeit regulieren zu können. Ursprünglich wollte ich einen Frontflip (keinen Double) Double Grab machen, bei dem ich mich am Sattel festhalten und an der Schnur ziehen konnte. Aber als wir in Avoriaz ankamen, lief natürlich nichts wie geplant!"

Der große Tag

"Es war eine unglaublich große Produktion mit fast 50 Leuten vor Ort. Es gab Rettungskräfte am Fuße der Klippe, die bereit waren, mich aus schwer zugänglichen Stellen zu bergen, eine Crew, die für das Aufsammeln des Bikes zuständig war, und ein ganzes Luftteam, darunter Fred und Loïc. Dann natürlich noch die Filmcrew, die Leute aus Avoriaz und das Team, das für die Installation der Rampe verantwortlich war."
"Beim ersten Try machte ich einen einfachen Sprung ohne Trick und das lief großartig. Beim zweiten Versuch merkte ich, als ich die Rampe mit 80 km/h verließ, dass sich das Motorrad schneller drehte als ich erwartet hatte. Ich machte deshalb spontan einen Double Frontflip, was schwierig war, weil ich zu dem Zeitpunkt gerade mid-jump und mid-air war. Ich musste den exakt richtigen Moment erwischen, um den Schirm zu öffnen, während ich mich drehte. Ich durfte auf keinen Fall an der Leine ziehen, während ich auf dem Kopf stand. Das war furchteinflößend!"
FMX--Rider Tom Pagès performt einen Trick in Avoriaz, Frankreich.
Tom Pagès segelt über die Dächer Frankreichs
"Wir mussten es am nächsten Tag noch einmal versuchen, allerdings hatte ich Schwierigkeiten damit, weil ich mich am Tag davor wirklich erschreckt hatte. Ich habe die Zeit genutzt, um über den Sprung nachzudenken, meine Nerven zu beruhigen und mich auf all das zu konzentrieren, was ich tun musste."
"Am nächsten Tag lief dann alles nach Plan -- sogar mit dem Motorrad. Es kam nach jedem Sprung in einem Stück unten an. Bei mir zu Hause auf dem Schotter wäre es nach einem Tag wohl in einem schlechteren Zustand gewesen."
Tom Pagès nach seinem FMX-BASE-Jump in Avoriaz, Frankreich.
Hoch hinaus: Tom Pagès absolviert seinen ersten FMX-BASE-Jump
"Ich bin so stolz auf dieses Projekt. Ich liebe es, innovativ zu sein, aber irgendwie haben sich alle Tricks, die ich erfunden habe, immer gleich angefühlt. Das hier war völlig anders. Ich weiß jetzt, dass ich keine Wettkämpfe mehr brauche, um glücklich zu sein, sondern dass ich neue Projekte wie dieses machen will. Ich möchte mich bei allen Verantwortlichen bedanken, die diesen Sprung ermöglicht haben, wie Red Bull, die Soul Flyers und natürlich die Leute von Avoriaz und noch so viele andere."