Radprofi Toni Palzer hat auf der Tour of the Alps gut lachen.
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Tour of the Alps: Im April macht der Toni, was er will!

Bei seiner zweiten Teilnahme an der Tour of the Alps schließt sich für Red Bull-Athlet Toni Palzer der Kreis. Verfolge in der Serie “Goschnpolieren - Toni sattelt um“ seinen ersten Flucht-Versuch.
Autor: Dominik Sander
3 min readveröffentlicht am
Radfahrer-Bräune und eine steil nach oben schießende Formkurve - von beidem war Anton „Toni“ Palzer nach seiner Fahrt in die Top 25 bei der Katalonien-Rundfahrt nicht mehr allzu viel geblieben. Ein grippaler Infekt setzte ihn Anfang April außer Gefecht. Umso beeindruckender verlief sein Comeback mit dem UCI-Worldteam BORA-hansgrohe bei der Tour of the Alps durch die Straßen der Euregio-Gebiete Tirol, Südtirol und Trentino.
An Ort und Stelle, wo der Mann mit dem Bullen-Helm im Vorjahr die allerersten Rennkilometer seiner Karriere (hier das Recap lesen) gesammelt hatte, sollte sich nicht nur der Kreis schließen. Exakt 72 Renntage später, überkam ihn eine „Krankheit“, die im Grunde nur die Arrivierten im Sattel kennen: Das Ausreißer-Fieber.

Kämna-Sieg ebnet den Weg für Flucht-Versuch

Zuvor hatten Palzer und Co. das angepeilte Ziel „Etappensieg“ bereits in trockene Tücher gebracht. Im Jubelrausch über den zweiten Saisonerfolg von Lennard Kämna auf dem dritten Teilstück von Lana nach Villabassa, fasste die Sportliche Leitung von BORA-hansgrohe auch einen kühnen Entschluss für die folgende Etappe. „Freie Fahrt“, hieß es von Christian Pömer sowie Trainer Helmut Dollinger für Toni Palzer.
Etappensieger Lennard Kämna reißt nach der Zieldurchfahrt die Arme hoch.
Palzers Teamkollege Lennard Kämna gewinnt die dritte Etappe.
Natürlich einfacher gesagt, als getan auf der 142,3 Kilometer langen Fahrt vom Südtiroler Niederdorf über Lienz nach Kals am Großglockner, seines Zeichens der höchste Berg Österreichs. Ob es die Beharrlichkeit seines Teamkollegen am Vortag - Kämna löste sich erst bei der dritten (!) Attacke von seinen Verfolgern - oder die Rufe der Fans waren, die den Red Bull-Athleten dazu ermutigten, das Ganze durchzuziehen?
Was sollen wir sagen: Im April macht der Toni, was er will! Selbst Thibaut Pinot (Groupama - FDJ) staunte nicht schlecht, als sich der Ramsauer an die mit 15 Top-Fahrern gespickten Fluchtgruppe dranhängte. Erstes Fazit? „Wenn du einmal drin bist: Durchaus entspannter als mitten im Feld“, so Palzer (hier das Strava-Profi mit allen Stats checken). Mit einem Vorsprung von etwas über zwei Minuten auf das Hauptfeld bestimmten die Ausreißer bis zum Schlussanstieg das Tempo.

Sportliche Leitung ist sicher: Resultate eine Frage der Zeit

Dass sich die Gruppe noch einmal aufspaltete und Palzer bis auf Rang 53 durchgereicht wurde, schmälerte die Leistung des Red Bull-Athleten keineswegs. „Toni saß in seiner ersten Saison etwa 1.000 Stunden auf dem Rad“, stellt Christian Pömer in Relation: „Jetzt behauptet er sich bei seiner zweiten Tour of the Alps in einer Spitzengruppe, wo jeder Fahrer etwa 10.000 Stunden an Erfahrung aufweist. Eine unglaubliche taktische Leistung.“
Radprofi Toni Palzer auf der vierten Etappe der Tour of the Alps.
Au revoir Peloton: Toni Palzer fährt in die Fluchtgruppe vor.
Neben seiner herausragenden Physis und Körperbeherrschung kamen dem 29-Jährigen auch die zahlreichen Stunden zu Gute, die er mit der Sportlichen Leitung im dunklen Raum für die Video-Analysen verbracht hatte. Während Toni Palzer gleich weiter zur Tour de Romandie (26. April - 2. Mai) reist, wagt Pömer bereits eine vorsichtige Prognose: „Jetzt geht es darum, weiter an der Fahr-Ökonomie zu feilen. Wenn Toni dies genauso schnell lernt wie die Grundlagen im ersten Jahr, wird er bald in der Lage sein, die ersten Resultate aus den Spitzengruppen heraus einzufahren.“