BORA-hansgrohe-Profi Toni Palzer fährt den Berg hoch.
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Goschn polieren extended: Toni Palzer schließt Vuelta ab!

Wie hat der Red Bull-Athlet nach seinem Sturz den Turnaround in der dritten Woche geschafft? Erlebt hier alle 21 Etappen der Spanien-Rundfahrt im Recap.
Autor: Dominik Sander
8 min readaktualisiert am
Schauplatz: Santiago de Compostela! Vor der imposanten Kathedrale des spanischen Pilgerorts endete die Vuelta a España, die 2021 ganz im Zeichen der Neo-Profis und Grand Tour-Debütanten stand. Mit Primoz Roglic fuhr ein ehemaliger Skispringer teilweise in einer eigenen Liga. Während vier Etappensiege inklusive dem abschließenden Zeitfahren dem Slowenen von Jumbo-Visma nach 2019 und 2020 den Vuelta-Hattrick sicherten, war auch Toni Palzer anzumerken, wie viel im Moment der Zieldurchfahrt vom Red Bull-Athleten abfiel.
Die Kathedrale im spanischen Pilgerort Santiago de Compostela.
Am Ziel! Santiago de Compostela war die 21. Etappe der diesjährigen Vuelta.
„Was ist das für ein verrücktes Jahr?“, beginnt der BORA-hansgrohe-Fahrer und führt aus: „All die harten Stunden der letzten Wochen. All die Vorbereitung und auch der Druck, den ich mir selbst auferlegt habe. Ich freue mich unglaublich und bin stolz darauf, diese Vuelta geschafft zu haben.“

Kämpferherz siegt über Sturz-Pech

Zum Vergleich sei noch einmal daran erinnert: Wo Palzer auf den vorherigen vier Rundfahrten (Tour of the Alps, Tour de Suisse, Sibiu Tour, Settimana Ciclistica Italiana) insgesamt 22 Etappen gefahren ist, musste er hier eine ähnliche Distanz am Stück bzw. in 23 Tagen abspulen. Rückblickend stellten nicht die 3.417 Kilometer, sondern der Verlauf der ersten Woche die höchste Hürde für den 28-Jährigen dar.
Seinem Team klebte das Sturz-Pech regelrecht an den Rädern. Erst erwischte es Patrick Gamper, dann Ben Zwiehoff und schließlich auch den Red Bull-Athleten. Tiefe Schürfwunden gepaart mit steigenden Temperaturen auf der iberischen Halbinsel gefährdeten sein Ziel Santiago de Compostela. Einmal mehr ließ Toni sein Kämpferherz sprechen. „Nach dem ersten Ruhetag habe ich mich besser gefühlt, in der dritten und letzten Woche war ich dann wieder komplett schmerzfrei“, sagt Palzer.
Indem er BORA-hansgrohe-Kapitän Felix Großschartner (Rang 10 im Gesamtklassement) über einige schwere Bergetappen - in Zahlen 20.000 Höhenmeter in der dritten Vuelta-Woche - half und auf der Königsetappe (Salas - Alto d'El Gamoniteiru) selbst seine persönliche Bestplatzierung einfahren konnte, gelang ein starker Turnaround. Oder noch mehr? Der Sportliche Leiter Jens Zemke bescheinigte dem Ex-Skibergsteiger das nächste Level seiner Cycling-Transformation: „In Zukunft kann Toni versuchen, mal ein Rennen aktiv mitzugestalten. Schritt drei wäre dann, auf Platzierung zu fahren.“
Hier könnt ihr alle 21 Etappen der Vuelta a España noch einmal nacherleben:
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Vuelta a Espana: Die erste Woche

1. Etappe: Burgos - Burgos (8 Kilometer)
Als Prolog zur diesjährigen Spanien-Rundfahrt dient ein Einzelzeitfahren mit Start und Ziel an der Kathedrale von Burgos. Nicht zu unterschätzen: Ein Anstieg der dritten Kategorie, der über das Bergtrikot entscheidet.
Platz 152 - 0:09:34 Stunden
2. Etappe: Caleruega - Burgos (169,5 Kilometer)
Dass die Vuelta in diesem Jahr durchaus Sprinter-freundlich gestaltet ist, zeigt sich schon auf der zweiten Etappe. Am Prolog-Ort läuft alles auf einen Massensprint hinaus, wo dann vor allem Palzers belgischer Teamkollegen Jordi Meeus und Martin Laas gefragt sind und sich gegen Michael Matthews vom Team BikeExchange beweisen müssen.
Platz 82 - 3:59:35 Stunden
3. Etappe: Santo Domingo de Silos - Picón Blanco (203 Kilometer)
Tour de France-Feeling in Spanien? So erinnert das dritte Teilstück mitsamt knackiger Bergankunft doch stark an die französische Rundfahrt. Die letzten 7,6 Kilometer von Espinosa de los Monteros zum Picón Blanco steigen im Schnitt um 9,3 Prozent.
Platz 84 - 5:26:45 Stunden
4. Etappe: El Burgo de Osma - Molina de Aragón (163.6 km)
Fortan biegen Toni Palzer und Co. in Richtung Mittelmeerküste ab. Die zweite große Gelegenheit für die Sprinter, insofern das Feld zuvor die Fluchtgruppe wieder einfangen kann.
Platz 96 - 3:43:07 Stunden
5. Etappe: Tarancón - Albacete (184.4 km)
Rückblickend auf die letzten Jahre eine der flachsten Vuelta-Etappen. Ob der Wind in der südlichen Region Kastilien-La Mancha den Fahrern einen Strich durch die Sprint-Hoffnungen macht, bleibt abzuwarten.
Toni Palzer auf der 5. Etappe der Vuelta.
Den Massensturz auf der fünften Etappe überstand Palzer unbeschadet.
Platz 94 - 4:24:41 Stunden
6. Etappe: Requena - Al de la Montaña de Cullera (159 km)
Nach einem Downhill-Abschnitt geht die Fahrt über 85 Kilometer und tellerflache Straßen weiter. Im Finale übernehmen dann aber die Puncheure um Lokalmatador Alejandro Valverde das Kommando, wenn es auf den letzten 1,9 Kilometern steil bergauf geht.
Platz 146 - 3:43:05 Stunden
7. Etappe: Gandía – Balcón de Alicante (152 km)
Zeit für Toni Palzer, mal den Spieß umzudrehen. Während die Sprinter südlich von Valencia leiden, kann der Red Bull-Athlet in den Kletter-Modus schalten. Sein Ziel: BORA-hansgrohe-Kapitän Felix Großschartner über die sechs kategorisierten Anstiege (3600 Höhenmeter) helfen. Spätestens auf dieser Etappe geht der Kampf der GC-Fahrer endgültig los.
Platz 83 - 4:36:42 Stunden
8. Etappe: Santa Pola - La Manga del Mar Menor (163,3 Kilometer)
Das achte Teilstück führt an der spanischen Südostküste entlang. Trotz zweier Hügel in der Mitte der Etappe kann der Tagessieg nur an einen Sprinter gehen.
Platz 110 - 3:56:05 Stunden
9. Etappe: Puerto-Lumbreras - Alto de Velefique (187,8 Kilometer)
Das Streckenprofil der 9. Etappe.
Auf der 9. Etappe duellieren sich die besten Bergfahrer.
Wer hier gewinnt, zählt klar zu den weltbesten Bergfahrern. Auf der zweiten Hälfte der Etappe müssen sowohl der Alto Collado Venta Luisa (20 Kilometer) als auch der Alto de Velefique mit vielen steilen Stellen (bis zu 15 Prozent) erklommen werden. Die Aussicht auf den folgenden Ruhetag steigert zusätzlich die Angriffslust.
Platz 167 - 5:41:18 Stunden und endlich Ruhetag...
02

Vuelta a Espana: Die zweite Woche

Felix Großschartner geht aus dem Sattel und attackiert.
Wieder in den Top 10: BORA-hansgrohe Kapitän Felix Großschartner
10. Etappe: Roquetas de Mar - Rincon de la Victoria (187,8 Kilometer)
Nach langer Fahrt an der Küste biegt das Peleton auf den letzten 40 Kilometern ins Landesinnere ab und klettert zum Schluss über den Almachar-Pass. Die Abfahrt zum Etappenziel ist wie gemalt für späte Ausreißversuche.
Platz 81 - 4:30:20 Stunden
Toni Palzer und weitere Fahrer vom Team BORA-hansgrohe erholen sich im Teambus.
Der BORA-hansgrohe Teambus, die zweite Heimat der Fahrer während der Vuelta
11. Etappe: Antequera - Valdepenas de Jaen (131,6 Kilometer)
Knapp die Hälfte der Vuelta ist geschafft. Auf der Fahrt durch Málaga, Córdoba und Jáen wartet eine nur auf den ersten Blick unscheinbare Etappe. 2500 Höhenmeter verteilen sich auf zwei Anstiege der zweiten und dritten Kategorie.
Platz 78 - 3:20:08 Stunden
12. Etappe: Jean - Cordoba (166,7 Kilometer)
Schon 70 Kilometer vor dem dem Ziel wird der Etappenort erreicht. Auf den zwei Schlaufen haben die Ausrichter zwei kategorisierte Berge eingebaut, sodass gewiss nicht jeder Sprinter am Ende eine Siegchance hat.
Platz 134 - 4:00:31 Stunden
13. Etappe Belmez - Villanueva de la Serena (197,2 Kilometer)
Die längste Etappe der zweiten Vuelta-Woche führt über welliges Terrain nach Extremadura. Bei der erwarteten Hitze müssen sich Toni Palzer und Co. dennoch mächtig ins Zeug legen.
4:22:19Platz 69 - 4:59:02 Stunden
14. Etappe Don Benito - Pico Villuercas (159,7 Kilometer)
Das Streckenprofil der 14. Etappe
Auf dem Weg nach La Villuerca warten 165,7 Kilometer und 3448 Höhenmeter.
Fingerzeig im Kampf um Rot? Die Bergankunft am Pico Villuercas (Kategorie 1) zieht sich über kräftezehrende 14,5 Kilometer und hat mindestens mal das Potenzial, einige GC-Fahrer aus dem Rennen zu werfen.
Platz 97 - 4:45:44 Stunden
Toni Palzer auf der 14. Etappe der Vuelta a Espana.
Put your Hands up: Palzer begeistert die Fans am Streckenrand.
15. Etappe Navalmoral de la Mata - El Barraco (193,4 Kilometer)
Am Ende der zweiten Woche stehen - in Landessprache ausgedrückt - cuatro Bergwertungen an. Der Zielort El Barraco liegt sechs Kilometer hinter einem Kategorie-3-Berg und 40 Kilometer hinter einem Kategorie-1-Berg. Der Steigungsfaktor hält sich dafür in Grenzen.
Platz 120 - 5:20:47 Stunden
Jens Zemke, sportlicher Leiter BORA-hansgrohe lächelt inn die Kamera.
Jens Zemke, sportlicher Leiter BORA-hansgrohe
Auf der 15. Etappe wurde auf den ersten 60, 70 Kilometern Vollgas gefahren. Toni hat es gut überstanden und auch seine Sturz-Wunden sind fast verheilt.
Jens Zemke
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Vuelta a Espana: Die dritte Woche

16. Etappe: Laredo - Santa Cruz de Bezana (170,8 Kilometer)
Ob Toni Palzer hier noch Körner hat? Falls ja lässt sich in Verbindung mit einem Etappensieg von BORA-hansgrohe bereits von einer erfolgreichen Grand Tour sprechen. Im Norden der iberischen Halbinsel heißt es für die Sprinter bereits: Alles oder Nichts!
Platz 113 - 4:11:03 Stunden
17. Etappe: Unquera - Lagos de Covadonga (181,6 Kilometer)
Das Streckenprofil der 17. Etappe.
Der doppelte Anstieg zum La Collada Llomena fordert Toni Palzer und Co.
Ein neuer Berg wird Vuelta-Gebiet. Erstmals schicken die Organisatoren das Peloton zum Gipfel des La Collada Llomena (8 Kilometer, 14 Prozent Steigung) - und das gleich zweimal! Nach der zweiten Überfahrt sind es noch harte 56,2 Kilometer inklusive dem bekannten Schlussanstieg bis zum Etappenziel.
Platz 82 - 5:17:42 Stunden
18. Etappe: Salas - Alto d'El Gamoniteiru (159,2 Kilometer)
Das Streckenprofil der 18. Etappe.
Entscheidet sich hier die Gesamtwertung der Vuelta?
Königsetappe, voraus! Das Profil ähnelt dem Vortag, doch es wird noch mal länger (4800 Höhenmeter) und steiler. Der zuvor nie befahrene asturische Riese Gamoniteiro verspricht den wohl alles entscheidenden Showdown im Gesamtklassement. Haben Toni Palzer und die Helfer einen guten Job gemacht, wäre auch mit Felix Großschartner in den Top 10 zu rechnen.
Platz 55 - 5:06:49 Stunden (Persönliche Top-Platzierung)
Toni Palzer beim Interview vor einer Etappe.
Toni Palzer überzeugte auf der Königsetappe und landete in den Top 60.
Auf der Königsetappe hab ich mir innerlich gesagt: Scheiß drauf, heute fahre ich mal früher in den Berg. Die Taktik ist perfekt aufgegangen.
19. Etappe: Tapia - Monforte de Lemos (187,8 Kilometer)
Ein stetiges Auf und Ab auf der viertlängsten Vuelta-Etappe. Massensprint oder Ausreißersieg? Viel spricht für letzteres, nachdem den Sprintern noch tausende Höhenmetern an den beiden Vortagen in den Beinen stecken.
Platz 64 - 4:25:12 Stunden
20. Etappe: Sanxenxo - Mos. (173,6 Kilometer)
Das Peloton schlängelt sich durch den welligen Westen Galiciens sowie fünf meist kurze Anstiege auf den letzten 100 Kilometern. In Anlehnung an das belgische Monument sprechen viele Fahrer vom Mini-Lüttich-Bastogne-Lüttich.
Platz 82 - 5:48:59 Stunden
21. Etappe: Padron - Santiago de Compostela (33,7 Kilometer)
The same procedure as every Vuelta? Statt in Madrid endet die Spanien-Rundfahrt nach über 20 Jahren wieder am Pilgerort Santiago de Compostela. Im Kampf gegen die Uhr können die Zeitfahrspezialisten auf der kurvenreichen Strecke noch mal einige Plätze gut machen.
Platz 84 - 0:49:23 Stunden
Gesamtklassement: Platz 102 - 84:17:47 Stunden