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Tony Hawk’s Pro Skater 1+2 - Besser als das Original?

© Activision
Endlich das Remake, das alle Skate-Fans verdienen!
Autor: Matthias Regge (@PrinnyDood)veröffentlicht am
Vor über 20 Jahren hat Tony Hawk’s Pro Skater mit seinem Release auf der Playstation das Extremsport-Genre in den Vordergrund der Pop-Kultur gestellt. In seinem Fahrwasser folgten etliche Nachahmer und eine ganze Generation aus neuen Skateboardern, die durch den Titel ihren ersten Einblick in die Kultur und Szene erhalten haben.
Mit seinen großartigen Nachfolgern konnte sich die Spielereihe als einen wichtigen Bestandteil der Gaming-Geschichte etablieren. Besonders Teil 1 bis 4 stehen bei Fans hoch im Kurs. Und auch wenn die Qualität der Serie in den letzten Jahren gelitten hat, so blieb die Nostalgie für frühere Releases dennoch bestehen.
Es war die Musik, der Look und das befriedigende Combo-System, welche Tony Hawk’s Pro Skater damals hervorgehoben hat. Und nun versucht Vicarious Vision den Zauber vergangener Tage mit einem Remake von Teil 1 und 2 erneut einzufangen. Schafft es Tony Hawk’s Pro Skater 1+2 an die Qualität der Originale heran zu kommen? Oder ist es vielleicht sogar besser?

Neue Techniken auf alten Ramps

Tony Hawk’s Pro Skater 1+2 bietet, wie der Name schon sagt, ein komplettes Remake der Kurse und Single Player-Kampagnen der ersten beiden Teile der Spielereihe. Ihr entscheidet euch für einen Pro-Skater, oder kreiert euren eigenen Charakter, wählt eine der beiden Story-Stränge und skatet los. Eure Tour führt euch durch alle Locations der Originale: Vom Warehouse über School, Venice Beach und Downhill Jam.
Auch der Spielablauf wurde von Vicarious Visions direkt übernommen. In Jeder Stage habt ihr 2 Minuten Zeit, um möglichst viele Ziele aus einer langen Listen an Aufgaben abzuarbeiten: Holt euch eine Highscore, zerstört 5 Kisten oder grindet 3 spezielle Rails. Jedes Level bietet allerdings zusätzliche Ziele und Sammel-Secrets, die es früher nicht gegeben hat. Zusätzlich haben die Locations einen optischen Neuanstrich bekommen. Besonders das Kaufhaus aus Teil 1 sticht hier hervor. Aus der sterilen Einkaufsmeile wurde eine - fast post-apokalyptische - Mall, die von Pflanzen überwuchert ist. Der neue Look der Spielewelt sorgt für einen modernen Anstrich und gibt jedem Level noch mehr Persönlichkeit als zuvor. Der Aufbau und die Topografie der unterschiedlichen Stages wurde dabei nicht verändert.
Ein Skater vollführt einen Slide-Trick auf der Mauer eines Skateparks.
Alle Stages wurden optisch stark aufgewertet
Dennoch werden Kenner auf eine vollkommen andere Art und Weise mit diesen Leveln interagieren als zuvor. Während das Combo System in Tony Hawk’s Pro Skater noch etwas limitierter war, führte Teil 2 den Manual ein, der es erlaubte Grinds und Flatland-Tricks miteinander zu verknüpfen. Das Remake nutzt eine modifizierte Move-Engine, die an den vierten Teil der Reihe angelehnt ist. Das bedeutet, dass auch Dinge wie Reverts, Footplants und Spine Transfers möglich sind. Diese Palette aus Tricks steht euch in beiden Kampagnen von Anfang an zur verfügung. Eine gute Entscheidung. Veteranen erhalten zusätzliche Möglichkeiten und Neueinsteiger erhalten ein wesentlich dynamischeres Gameplay-System. Wer es Retro mag, kann in den Optionen auch die Spiele-Engine aus Tony Hawk’s Pro Skater 1 oder 2 aktivieren

Alte Hasen und neue Talente

Fast alle Profis aus den Originalen sind auch wieder in Tony Hawk’s Pro Skater 1+2 auswählbar. Sie bringen nicht nur ihren persönlichen Skate-Style und eigene Special-Tricks mit, sondern wurden optisch auch ihrem aktuellen Look angepasst. Unter den Urgesteinen befinden sich neben dem namensgebenden Tony Hawk auch Legenden wie Rodney Mullen, Chad Muska, Bob Burnquist und Eric Koston.
Allerdings finden sich auch jede Menge neue, spielbare Skater in der Charakterauswahl. Besonders positiv fällt hier die hohe Repräsentation von weiblichen Profis auf. Während in vergangenen Titeln Elissa Steamer, die einzige Frau im Kader war, könnt ihr euch nun unter anderem mit Leticia Bufoni, Aori Nishimura oder Lizzie Armanto auf’s Brett stellen.
Skateboarding · 4 Min
Meet Letícia Bufoni

Mein Skater, mein Park

Auch der Charakter-Editor kehrt zurück. Hier baut ihr euch euren eigenen Skater zusammen, kleidet ihn ein und passt seine Statuspunkte und Tricks vollkommen eurem Geschmack an. Zu Beginn stehen noch relativ wenig Kleidungs- und Brett-Optionen zur Auswahl. Durch das erledigen von allgemeinen und Charakter-spezifischen Challenges, spielt ihr aber immer mehr Inhalte frei. Dieses System ist neu hinzugekommen und bietet auch nach Abschluss der Kampagnen zahlreiche Ziele, die Spieler verfolgen können.
Ein Skater grindet durch ein leer stehendes Einkaufszentrum
Zahlreiche Challenges bieten Motivation für viele Stunden
Dasselbe gilt auch für den Park-Editor. Wie zuvor könnt ihr euch euren eigenen Traum-Skate-Park zusammenbauen. Zusätzliche Elemente könnt ihr im Laufe des Spiels mit in-Game Geld freikaufen. Dabei gibt es auch zahlreiche Elemente aus den Stages der Haupt-Tour. Wer nicht selbst kreativ werden möchte, kann natürlich auch die Parks der Community abskaten.

H-O-R-S-E

Wer an die Tage zurück denkt, als man mit den Freunden auf der Couch saß und stundenlang den Multiplayer-Modus von Tony Hawk’s Pro Skater gespielt hat, kann beruhigt sein. Sowohl Online, als auch lokaler Multiplayer ist verfügbar. Der klassische “Horse”-Modus darf dabei natürlich nicht fehlen. Hier legt ein Spieler eine Combo vor, die der Kontrahent schlagen muss. Schafft er dies nicht, bekommt er einen Buchstaben des Wortes “Loser”. Wer zuerst alle 5 Buchstaben gesammelt hat, verliert.

Damals wie heute: Arcade-Skating in Perfektion

Tony Hawk’s Pro Skater 1+2 ist ein exzellentes Remake der legendären Originale. Das Spielsystem wurde sinnvoll erweitert, ohne den Geist früherer Titel zu verfälschen. Sowohl Veteranen, als auch Einsteiger, werden sich sofort wohl fühlen und Grinds, Flips und Grabs verknüpfen.
Durch die ikonischen Level zu skaten und Ziele von der Aufgabenliste zu streichen ist so befriedigend, wie es schon vor 20 Jahren war. Gepaart mit der aufgemotzten Optik und dem nahezu perfekten Soundtrack, der neben neuen Titeln auch zahlreiche alte Songs beinhaltet, entsteht ein rasantes Skate-Game, bei dem man nur schwer das Gamepad ablegen kann.
Nach wie vor strotzt der Titel nur so vor konzentrierter Skate-Kultur. Wer allerdings ein “echtes” Skateboard-Spiel erwartet, wird enttäuscht werden. Tony Hawk’s Pro Skater war zwar der Urvater des Genres, ist aber primär auf flotte Action und absurde Combos ausgelegt. Wer ein authentisches Skateboard-Gefühl möchte, wird mit Titeln wie Session und Skater Xl eher glücklich.
Solltet ihr euch aber auf die absurde Arcade-Action einlassen, dann merkt man schnell, dass der Birdman kein bisschen seines Charmes verloren hat. Schnappt euch euer virtuelles Board, dreht Millencolin auf und stürzt euch in dieses hervorragende Remake!