Beim Niederlande Grand Prixgab es eine Menge Eindrücke zu verarbeiten. So konnten sich alle erneut davon überzeugen, dass Valentino Rossi immer noch eine feste Größe und Marc Márquez einfach ein Phänomen ist. Außerdem folgte eine kleine Erinnerung, was für eine taffe Bande (physisch und mental) diese MotoGP-Rider eigentlich sind.
Nach Jorge Lorenzos Heldentaten, werfen wir von redbull.com einen Blick zurück auf die eindrucksvollsten Leistungen von Ridern der vergangenen Jahre, in denen es hieß: Zähne zusammenbeißen und nicht aufgeben ...
Jorge Lorenzo: Assen 2013
Lorenzo sicherte sich seinen Platz zwischen vielen hartgesottenen Kerlen, die zurück auf den Sattel stiegen, während sich der Rest von uns selbst aus der Ferne noch vor Schmerzen krümmte.
Am Dienstagnachmittag brach er sich beim freien Training das linke Schlüsselbein, flog noch am selben Tag nach Barcelona, ließ sich Freitag am frühen Morgen operieren und kehrte am Nachmittag zurück auf den Kurs in den Niederlanden. Nach bestandenem Fitnesstest am Samstagmorgen absolvierte er das Rennen und wurde Fünfter: lediglich 48 Stunden nach dem Unfall und kaum 36 Stunden nachdem ihm eine Titaniumplatte sowie acht Schrauben in den Knochen implantiert wurden.
Ein paar Minuten nach meinem Crash wäre es völlig unmöglich gewesen, sich auch nur vorzustellen, dass es dazu kommen könnte ... Dieser fünfte Platz ist größer als alle Siege meiner bisherigen Karriere.
Casey Stoner: Indianapolis 2012
Der Australier lag 32 Punkte hinter Lorenzo, als die Championship-Runde in Indy zur elften Runde der Saison 2012 ankam. Er gab alles, um den Abstand zu verringern, um seinen Titel noch verteidigen zu können. Im Qualifying highsidete er jedoch und schlug hart auf, erlitt Knochenbrüche und -absplitterungen im rechten Knöchel und riss sich mehrere Bänder.
Trotz des enormen Ausmaßes der Verletzung bestritt Stoner das Rennen und verlor einen Platz auf dem Podium nur knapp und erst spät im Rennen an Andrea Dovizioso. Er musste sich aber doch noch operieren lassen und im Anschluss drei Rennen pausieren, was nur die unglaublich verblüffende Leistung unterstreicht, mit derartigen Verletzungen tatsächlich ein komplettes Rennen gefahren zu sein.
Das war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich nach einem Unfall nicht allein aufstehen und selbst weggehen konnte. Sobald ich aufstand, blickte ich an mir herunter und sah, dass mein Fuß in einem komischen Winkel von meinem Bein abstand.
Colin Edwards: Silverstone 2011
Bei einem harten Sturz im Freitagstraining vom Katalonien-GP brach Edwards sich das rechte Schlüsselbein. Er wurde am nächsten Tag in Barcelona operiert. Am Sonntag erschien er am Kurs mit der Absicht, das Rennen bestreiten zu wollen. Er wollte zumindest seine lupenreine Teilnahmliste aufrechterhalten, da er seit seinem MotoGP-Debüt 2003 niemals ein Rennen ausgesetzt hatte. Aber das medizinische Personal verwehrte ihm die Teilnahme.
Ein enttäuschter Edwards, mitsamt Platte und sieben Schrauben in der rechten Schulter, konzentrierte seine Kräfte voll auf die nächste Runde fünf Tage später in Silverstone. Nachdem er im Qualifying einen eindrucksvollen achten Startplatz herausgefahren hatte, schaffte der Amerikaner es nach einem schwierigen und nassen Rennen sogar aufs Podium: nur neun Tage nach seiner schweren Verletzung.
"Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll ... Das Schlüsselbein war gar nicht das eigentliche Problem, aber mein Brustmuskel hatte sich zum Teil von den Rippen abgelöst, und das war richtig schmerzhaft!"
Heute war es unerträglich, es war schon schwierig das Teil auf zwei Rädern zu halten! Wir konnten nicht einmal das Set-up für das ganze Rennwochenende testen, aber irgendwie hat es geklappt!
Valentino Rossi: Sachsenring 2010
The Doctor erlitt eine furchtbare Beinfraktur bei seinem Heimat-GP in Mugello in der vierten Runde der Saison 2010, als er im Training crashte. Ein verschobener offener Bruch des rechten Schienbeins musste zwei Mal operiert werden. Aber die Verletzung, die andere für mehre Monate außer Gefecht gesetzt hätte, konnte Rossi nur vier Wochen vom Bike fernhalten. Er fuhr einen Test in Misano vor seinem Comeback beim deutschen GP.
Kaum 41 Tage nachdem er sich das Bein gebrochen hatte, bestritt Rossi das Training am Sachsenring. Am Renntag wurde er Vierter, nach einem langen Duell gegen Stoner um den letzten Podiumsplatz.
Ich glaube, ich bin gut gefahren und es war ein sehr gutes Comeback, besser als ich es mir hätte wünschen können.
"Ich fühlte leichte Schmerzen in meiner Schulter und etwas stärkere im Bein beim Richtungswechsel. Aber im Endeffekt hat das Duell mit Casey so viel Spaß gemacht, dass ich gar nicht darauf achtete. Leider konnte er in der letzten Kurve knapp an mir vorbeiziehen."

