Tyler Adams
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Fußball

Tyler Adams: Ein weiterer US-Boy will die Bundesliga erobern

Der künftige Leipziger ist der 13. Amerikaner im deutschen Oberhaus. Wird er zum Next Big Thing á la Tom Dooley und Co.?
Autor: Christian Knoth
4 min readveröffentlicht am
„A little bit lucky?!“ Die Vorstellung von DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei den New York Metro Stars in den USA bleibt unvergessen. Den umgekehrten Weg aus New York in die Bundesliga nimmt nun Tyler Adams. Für das Abenteuer Europa scheint der Winter-Neuzugang von RB Leipzig jedoch (sprachlich) um Längen besser vorbereitet als „Loddar“ seinerzeit. Bereits seit Juli paukt der Mittelfeldmann fleißig deutsch.
Worauf wir uns beim 19-jährigen US-Boy fußballerisch freuen dürfen? Die Amerikaner stempelten Adams zum „Next Big Thing“ ab. Bereits im Alter von zwölf Jahren schloss er sich der Red Bull-Akademie an und hat einen eher unkonventionellen Weg in den USA eingeschlagen. Dort, wo die populärste Sportart American Football ist und Soccer eben Soccer bleibt. Nicht wenige entscheidenden sich an der High School doch für eine der großen Nationalsportarten. Basketball? Oder gar Adams on Ice? Für den künftigen Leipziger nie eine Option!

Importschlager USA: Jetzt schlägt’s 13

Als 15-Jähriger war er bereits eine feste Größe in der U 17-Auswahl der US-Nationalmannschaft. Der steile Aufstieg ging weiter: USL Cup mit den New York Red Bulls II (2016) und der Sprung ins A-Team. In der kürzlich abgelaufenen Saison trug Tyler Adams dann durch drei Torvorlagen zum Gewinn des Supporters' Shield für die punktbeste Mannschaft der MLS bei. Im folgenden Clip bekommt ihr tiefere Einblicke in seine Entwicklung an der Red Bull-Akademie.
Der US-Boom in der Bundesliga scheint nicht aufzuhalten zu sein. Mit Tyler Adams kommt bereits der 13. Amerikaner in das deutsche Oberhaus. Zu seinen engsten Freunden zählen BVB-Youngster Christian Pulisic (20) und der Schalker Weston McKennie (20). Zum Vergleich: In der Saison 2008/09 waren es gerade einmal sechs US-Boys in der Bundesliga. „Ich war die gesamte Saison in meiner Komfortzone. Nun muss ich diese verlassen und mich beweisen. In den Geschichten von allen großen Spielern ging es darum“, erklärt Adams. Allen voran die folgenden Landsleute haben sich hierzulande einen Namen gemacht:

Steven Cherundolo - 302 Einsätze

Das Urgestein von Hannover 96 hält gleich zwei gewichtige Rekorde. Von 1998 bis 2014 brachte es Steven Cherundolo auf 302 Partien für Hannover - mehr als jeder andere Amerikaner in der Bundesliga und vereinsintern mehr als jeder andere Spieler, der je für die "96er" am Ball war. Diese Entwicklung hätte man dem Rechtsverteidiger nach den ersten drei Jahren (38 Zweitliga-Spiele) wohl kaum zugetraut. Zum Durchbrach verhalf dem Mann aus dem US-Bundesstaat Illinois übrigens Ralf Rangnick. Unter der Regie des heutigen RBL-Trainers ballerte sich Hannover durch unglaubliche 93 Treffer (!) in die Bundesliga und Cherundolo reifte zur Stammkraft.

Tom Dooley - 199 Einsätze

Aufgewachsen in der Pfalz war Thomas „Tom“ Dooley der erste Deutsch-Amerikaner, der im August 1986 im Trikot des FC 08 Homburg Bundesliga-Luft schnupperte. Was bis heute keiner seiner 55 Landsleute geschafft hat: Mit dem 1. FC Kaiserslautern wurde der Abwehrspieler 1990 Deutscher Meister! Nach einem kurzem Gastspiel in der Heimat - als Vorbereitung für die Weltmeisterschaft 1994 - kehrte er noch einmal in die Bundesliga (Bayer 04 Leverkusen, FC Schalke 04) zurück. Dabei war Dooley Teil der legendären Schalker „Eurofighter“, die 1997 in Mailand den UEFA Cup gewinnen konnten.

Jermaine Jones - 165 Einsätze

Keiner von uns hätte ihn in seiner Glanzzeit gerne als Gegenspieler gehabt. Seine nicht selten übermotivierten Grätschen brachten dem langjährigen Schalker Jermaine Jones den zweifelhaften Ruf als Raubein und Kartenkönig der Bundesliga ein. Höhepunkt: 14 Gelbe Karten bei 20 Einsätzen in der Saison 2011/12! Erst später nahm der in Frankfurt geborene Jones die amerikanische Staatsbürgerschaft (69 Länderspiele) an. Während seiner vierjährigen USA-Tour mit Stationen bei New England Revolution, Colorado Rapids und Los Angeles Galaxy kassierte er „nur“ zwei Platzverweise.

Kasey Keller - 78 Einsätze

Borussia Mönchengladbach und die US-Boys - hier muss man von einer niederrein-amerikanischen Erfolgsstory sprechen. Warum wir uns Kasey Keller statt Michael Bradley oder Fabian Johnson herausgepickt haben? Ganz einfach: Als US-Keeper ist er ein echter Bundesliga-Exot! In 78 Partien für die „Fohlen“ hielt Keller, von den Fans nur „The Wall“ genannt, 21 Mal die Null. Außer Keller kam nur noch der amerikanische Torhüter David Yelldell für Bayer 04 Leverkusen zu einem Einsatz.
Und bevor wir uns noch Ärger mit den US-Experten unter euch einhandeln, soll der mit Abstand bekannteste US-Fußballer hier natürlich nicht unerwähnt bleiben: Landon Donovan! Sein kurzes Gastspiel beim FC Bayern München mit ganzen 154 Minuten löst jedoch bis heute Kopfschütteln an der Säbener Straße aus...