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Viktoria Rebensburg: Eine beeindruckende Karriere im Zeitraffer

© Erich Spiess/ASP/Red Bull Content Pool
Die Red Bull-Athletin beendet mit 30 Jahren ihre erfolgreiche Karriere als Skirennläuferin. Wir blicken zurück auf ihre größten Momente.
Autor: Christian Knothveröffentlicht am
Mit dem Karriereende von Viktoria Rebensburg verliert der alpine Skisport eine Königin des Riesenslaloms. Die 30-jährige Vorzeigeathletin aus der Red Bull-Familie gewann in ihrer Paradedisziplin zahlreiche Weltcups und die Goldmedaille bei den Winterspielen. Außerdem wurde sie zweimal Vizeweltmeisterin. Nach ihrer schlimmen Knieverletzung Anfang 2020, die für Rebensburg das Saison-Aus bedeutete, ist nun Schluss.
„Von klein auf war es immer mein Anspruch und Ansporn, um Siege mitzufahren. Ich habe nach meiner Verletzung im Frühjahr und den zurückliegenden zwei Monaten im Schneetraining gemerkt, dass es mir nicht mehr gelingt, mein absolutes Top-Niveau zu erreichen. Der Rücktritt ist deshalb zwar eine sehr schwere, aber für mich unausweichliche Entscheidung“, sagt Rebensburg zu ihrem Karriereende. Wir blicken zurück auf die erfolgreiche Laufbahn einer Skirennläuferin, die bereits früh ihre Leidenschaft zum Beruf machte.

Schon mit 14 die ersten internationalen Rennen gefahren

Dass die 1989 im bayerischen Kreuth geborene Rebensburg eine große Karriere im alpinen Skisport hinlegen würde, konnte man früh erahnen. Mit gerade einmal 14 Jahren wurde sie in den C-Kader des Deutschen Skiverbandes aufgenommen, nachdem sie zuvor in Kinder- und Jugendrennen auf sich aufmerksam gemacht hatte. Schon als Teenager fuhr sie damit gegen internationale Konkurrenz. Sie hatte das Talent und den Ansporn, die Beste zu werden.
Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Mit 16 gewann Rebensburg erstmals die Deutsche Meisterschaft im Super-G, noch im gleichen Jahr gab sie ihr Weltcup-Debüt in der Kombination. Es folgten die erste Nominierung vom Deutschen Skiverband (DSV) für eine WM und der erste große internationale Titel. Im Februar 2008 wurde Rebensburg Juniorenweltmeisterin im Super-G.

Juniorsportlerin des Jahres und Goldmedaillengewinnerin bei den Winterspielen

Das Ski-Ass hatte nun Blut geleckt und räumte einen Sieg nach dem anderen ab. Ebenfalls 2008 gewann Rebensburg die Deutsche Meisterschaft im Riesenslalom und im Super-G. Im März 2009 wurde sie in beiden Disziplinen Juniorenweltmeisterin. Der Lohn: Die Auszeichnung zur Juniorsportlerin des Jahres. Die damals 19-Jährige war der aufgehende Stern am deutschen Ski Alpin-Himmel.
2010 kam es dann zu einem der Höhepunkte in der Karriere der Red Bull-Athletin. Durch konstant starke Leistungen sicherte sich Rebensburg zum ersten Mal die Teilnahme an den Winterspielen. Und in Vancouver, Kanada, sollte sie nicht bloß eine Teilnehmerin bleiben. Gleich bei ihrem Debüt gewann Rebensburg die Goldmedaille im Riesenslalom und stieg damit früh in den Olymp des alpinen Skisports auf. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler verlieh ihr für ihre Top-Leistungen und besonders den Sieg bei den Winterspielen das Silberne Lorbeerblatt.
Ski Alpin-Profi Viktoria Rebensburg lachend mit Red Bull-Dose.
War in ihrer Karriere oft eine strahlende Siegerin: Viktoria Rebensburg

In der Spitze angekommen und etabliert

Spätestens jetzt war Rebensburg aus der Elite des internationalen Ski Alpinsports nicht mehr wegzudenken. Anstatt sich auf den bisherigen Erfolgen auszuruhen, wurde die Spitzenathletin immer besser. Auch im Weltcup holte sie ihre ersten Siege, 2010/11 und 2011/12 gewann Rebensburg jeweils die Weltcup-Gesamtwertung im Riesenslalom, der sich als ihre Paradedisziplin erwies.
Auch von Rückschlägen erholte sich das Ski-Ass. In der Saison 2013/14 hatte Rebensburg mehrere Wochen mit einer Lungenentzündung zu kämpfen. Aber sie kam zurück. Und wie: Bei den Winterspielen 2014 in Sotchi fuhr Rebensburg erneut aufs Podium. Nach Gold in Vancouver 2010 gewann sie diesmal die Bronzemedaille. Auch dafür gab es das Silberne Lorbeerblatt - überreicht von Bundespräsident Joachim Gauck.

Zwei Vize-Weltmeisterschaften und der dritte Weltcup-Gesamtsieg

Auch die folgenden Jahre gehörte Rebensburg zur Crème de la Crème des internationalen Ski Alpinsports, obwohl sie zwischendurch kleinere Verletzungen erlitt und auch von krankheitsbedingten Ausfällen nicht verschont blieb. Bei den Weltmeisterschaften 2015 in Vail/Beaver Creek (USA) und 2019 in Åre (Schweden) fuhr sie jeweils im Riesenslalom auf den zweiten Platz, in der Weltcup-Saison 2017/18 holte sich Rebensburg ihren dritten Sieg in der Riesenslalom-Gesamtwertung.
Bei ihrer dritten Teilnahme an den Winterspielen war die gelernte Zollbeamtin nah dran, wieder das Treppchen zu besteigen. Im südkoreanischen Pyeongchang sollte es im Riesenslalom am Ende der vierte Platz werden. Jetzt steht fest, dass dies die letzten Winterspiele ihrer Karriere waren.
Viktoria Rebensburg strahlend mit Sonnenbrille.
Strahlendes Ski-Ass: Viktoria Rebensburg

Premierensieg bei der Abfahrt, Saison-Aus und Karriereende

In der zurückliegenden Saison 2019/20 feierte Rebensburg dann noch einmal einen lange ersehnten Triumph. Noch nie hatte sie einen Einzelsieg in der Abfahrt gewonnen, beim Saisonfinale 2018/19 fehlten gerade einmal drei Hundertstel. Am 8. Februar 2020 war es dann aber soweit: Auf der heimischen Kandahar-Strecke in Garmisch-Partenkirchen setzte sich Rebensburg durch und verbuchte damit ihren ersten und einzigen Abfahrtserfolg.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sicher noch nicht daran gedacht, ein halbes Jahr später ihre Karriere zu beenden. Doch im Sport geht es manchmal schnell. Nur einen Tag nach ihrem Sieg bei der Abfahrt stürzte Rebensburg beim Super-G und zog sich dabei eine schwere Knieverletzung zu. Die Folge war das vorzeitige Saison-Aus.
Die letzten Monate bereitete sich Rebensburg auf die kommende Saison 2020/21 vor und versuchte, nach der Verletzung im Frühjahr noch einmal stärker denn je zurückzukommen. Aber sie merkte, dass das nicht klappt. Die letzten Worte gebühren Viktoria Rebensburg selbst, die sich mit folgendem Statement von der Bühne des Ski Alpinsports verabschiedet:

Die Abschiedsworte von Viktoria Rebensburg

"Hallo liebe Fans und Freunde,
Heute ist definitiv kein leichter Tag für mich, denn ich habe mich dazu entschieden, nach 13 Jahren meine Karriere mit sofortiger Wirkung zu beenden. Diesen Entschluss habe ich schweren Herzens und nach reichlicher Überlegung in den letzten Wochen gefasst. Nach meiner Verletzung im Frühjahr und den zurückliegenden zwei Monaten im Schneetraining habe ich gemerkt, dass es mir nicht mehr gelingt, mein absolutes Top-Niveau zu erreichen.
Von klein auf war es immer mein Anspruch und Ansporn, um Siege mitzufahren und euch auf der Piste zu begeistern. Da ich nun aber das Gefühl habe, dem nicht mehr gerecht zu werden, ist dies zwar eine sehr schwere, aber für mich unausweichliche Entscheidung. Mit der Erinnerung an mein letztes Rennwochenende in Garmisch und dem Sieg bei der Abfahrt, ist es ein schöner Zeitpunkt die Wintersportbühne zu verlassen.
Dabei möchte ich mich für die wundervolle Zeit und die jahrelange Unterstützung bei meiner Familie, Freunden und Fans sowie dem DSV mit allen Trainern, Betreuern und meinen Partnern herzlich bedanken. Mein Dank gilt auch den Ski-Kolleginnen und all den Menschen, die ich in den zurückliegenden Jahren im Weltcup kennenlernen durfte. Ich bin mir sicher, wir werden uns bald wiedersehen,
Eure Vicky"
Viktoria Rebensburg und ihr Team jubelnd auf dem Podium.
Viktoria Rebensburg nach ihrem letzten Sieg in Garmisch-Partenkirchen