Windsurf-Weltmeister Philip Köster springt beim Red Bull Storm Chasers in Irland 2019 über eine Welle.
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Windsurfen

Philip Köster – Windsurf-Weltmeister, Optimist, Comeback-King

Philip Köster kennt die Höhen und Tiefen des Windsurf-Geschäfts. Doch der Fünffach-Weltmeister ist ein echter Optimist, den nichts aus der Ruhe bringt. Auf Sylt hat er die Chance, WM-Titel #6 zu holen
Autor: Henner Thies
4 min readveröffentlicht am

3 Min

Philip Köster: Porträt eines Weltmeisters

Erlebe das Wunderkind Philip Köster bei seinem ersten Weltmeistertitel im Alter von 17 Jahren.

Bis 2016 liest sich die Vita von Windsurfer Philip Köster wie ein Märchen: Zweitjüngster Weltmeister 2011 mit 17 Jahren, zwei weitere WM-Titel im Waveriding 2012 und 2015 – und das in einer Windsurf-Disziplin, die mit einer Mischung aus hohen Sprüngen und artistischen Wellenritten als eine der komplexesten überhaupt gilt.
G44, so Kösters Spitzname, ist der Prototyp des jungen, dynamischen, hochtalentierten Windsurf-Wunderkinds, und auf dem besten Weg die Windsurf-Legenden Bjørn Dunkerbeck und Robby Naish zu beerben. Dann macht ihm eine üble Knie-Verletzung einen Strich durch die Rechnung: Im September 2016 reißt sich Philip beim Training vor der Küste Australiens beim Sturz aus sieben Metern Innenband, Außenband und Meniskus im rechten Knie.
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Hühnenhafter Optimist mit Comeback-Qualitäten

 Philip Köster: Fokus trifft Bodenständigkeit.
Philip Köster: Fokus trifft Bodenständigkeit.
Ein herber Rückschlag – nicht nur im Rennen um Titel Nummer 5. Denn Mediziner geben in solchen Fällen keine Garantie für eine Rückkehr, und Comebacks brauchen eine lange Zeit. Manchmal finden sie nie statt. Für Philip, den ebenso zurückhaltenden wie hühnenhaften Ausnahme-Athleten ist es die schwerste Prüfung seines jungen Profilebens.
Die Verletzung hatte auch etwas Gutes – ich konnte mich im Waveriding verbessern!
Nach der erfolgreichen Operation in Hamburg und unzähligen Stunden Physiotherapie auf Teneriffa, kämpft sich G44 langsam aber sicher zurück aufs Board und in die Wellen. „Auf Teneriffa habe ich non-stop zusammen mit meinem Physiotherapeuten trainiert, der mir auch mental sehr geholfen hat“, blickt Köster auf diese schwere Zeit zurück. Von der Kraft in seinen Beinen, die ihm mit dem Board bis zu 20 Meter hohe Sprünge erlauben, büßte Köster nichts ein.

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Philip Köster unterwegs in Maui

Drei professionelle Windsurfer treffen sich auf Maui. Der eine ist das 19-jährige Surftalent Philip Köster, die anderen beiden sind die erfahrenen Pros Robby Naish und Jason Polakow.

Besser noch: So beschwerlich der Weg zurück auch war, Köster schafft, das Positive darin zu sehen: "Die Verletzungspause hatte auch etwas Gutes", erinnert er sich. "In der ersten Zeit nach der Verletzung konnte ich noch nicht so gut springen, daher habe ich mehr in der Welle trainiert. Hier konnte ich mich verbessern." Für Philip ist klar: Er muss und will wieder ans Limit. In jeder Session. Wie immer schon.
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Von Gran Canaria ins Windsurf-Olymp

Seit er acht ist, steht Philip auf dem Windsurfbrett. Aufgewachsen am Strand von Vargas auf Gran Canaria war der Weg ins Meer und zum Virtuosen nicht weit. Zudem waren Philips Hamburger Eltern Linda und Rolf Windsurf-Lehrer. Mit zwölf fährt Philip seinen ersten Profi-Wettbewerb bei den Herren, fünf Jahre später gewinnt er seinen ersten WM-Titel, mittlerweile sind es fünf! Nur Bjørn Dunkerbeck und Robby Naish (je sieben Titel) waren bisher erfolgreicher.

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Gratulation zum 4. WM-Titel Mr. Köster!

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr reißt sich Philip Köster beim Training vor Australien Kreuzband, Innenband & Meniskus. Zwölf Monate später krönt sich der 23-Jährige zum 4. Mal zum Weltmeister!

Denn der Ausnahmeathlet Köster hat es nach seiner Knieverletzung im Jahr 2016 tatsächlich noch einmal an die Spitze geschafft! Gerade einmal zwölf Monate hat das gedauert. Im Oktober 2017 bereits feiert Köster auf Sylt seinen 4. WM-Titel im Waveriding. Ein bemerkenswerter Erfolg, den er 2019 beim Saisonfinale im hawaiianischen Maui wiederholt!
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Zwischen WM-Titel Nummer 6 und Triple Loop

Beim Windsurf World Cup Sylt 2022 hat Köster nun die Chance, seinen sechsten WM-Titel klar zu machen. Allerdings startet er diesmal in der Rolle des Jägers, nicht des Gejagten: „Auch wenn ich auf Sylt gewinne, muss Tabellenführer Marcilio Browne früh ausscheiden, damit es mit dem Titel was wird", fasst Köster zusammen.
Philip Köster steht mit seinem Surfbrett und Segel am Brandenburger Strand auf Sylt
Philip strahlt: Soeben ist sein Training am Brandenburger Strand beendet.
Auf Sylt kann alles passieren, das habe ich oft genug erlebt.
"Aber ich bin voll motiviert und werde mein Bestes geben. Die Bedingungen auf Sylt sind mit den wechselnden Winden, der Strömung und den chaotischen Wellen sehr speziell", weiß Köster. "Man braucht auch ein bisschen Glück, aber das muss man sich erarbeiten. Auf Sylt kann alles passieren, das habe ich oft genug erlebt."
Sylt von oben: Philip Köster nutzt die Wellen für Luftausflüge.
Sylt von oben: Philip Köster nutzt die Wellen für Luftausflüge.
Und dann ist da noch ein ganz anderes, zeitloses Projekt, an dem Köster seit einigen Jahren arbeitet: Als erster Windsurfer der Welt will er einen sogenannten Triple Loop stehen, einen dreifachen Salto vorwärts: "Meinen bisher besten Triple Loop Versuch habe ich im Pozo-Finale 2018 ausprobiert", erzählt Köster "Ich bin schon näher dran gekommen, habe aber leider nur zweieinhalb Rotationen geschafft. Hoffentlich komme ich bald wieder dazu, den auszuprobieren. Damit das geht, braucht man sehr gute und spezielle Bedingungen."
Vielleicht klappt es ja schon auf Sylt – auf dem Weg zu WM-Titel Nummer 6...