Ace Combat 8 ist erneut ein kurzweiliges Flugzeugspektakel
© Bandai Namco
Games

Ace Combat 8 bietet herrlich überzogene Anime-Action in Düsenjägern

Von Außen wirkt Ace Combat 8: Wings of Theve wie ein bierernster Titel mit modernem Kriegswerkzeug. Aber in seinem Kern schlummert Serien-typisch ein Kern aus Arcade, Anime und Absurdität.
Autor: Matthias Regge (@PrinnyTonic)
6 min readPublished on
Die Spiele der Ace Combat-Reihe bieten einen ungewöhnlichen Mix. Auf den ersten Blick wirken sie wie knallharte Luftkampfsimulationen. Aber hinter dem realistischen Look schlummert ein arcadiger Action-Game voller überzeichneter Charaktere und einer ordentlichen Portion Anime-Absurdität.
Ace Combat 8: Wings of Theve macht hier keine Ausnahme. Neben zackigen Luftgefechten erwarten euch ein paar Dialoge, welche die Cringe-Messlatte schon sehr hoch legen. Dabei ist die unterliegende Story wieder eine gut erzählte Geschichte um den Kampf einer Nation um ihr verlorenes Land. Gepaart mit echter Kritik an moderner Kriegsführung und der Art und Weise, wie Social Media für Misinformation genutzt werden kann.

3 Min

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Zwangserbe eines Namens

Die Geschichte von Ace Combat 8 spielt etwa 10 Jahre nach dem siebten Teil und wird in den Story-Sequenzen primär aus der Ego-Perspektive eines - im Grunde - namenlosen Piloten erzählt, dessen Rolle ihr übernehmt. Zu Beginn werdet ihr und ein Kamerad nach einem Absturz aus dem Meer gefischt und auf den Flugzeugträger Endurance verfrachtet. Dort herrscht Personalmangel und ihr müsst euch kurz darauf als Navigator in den Jet des legendären Piloten Cope setzen, der den Titel “Wings of Theve” trägt und als Sinnbild der Hoffnung für das unterdrückte Volk Föderation von Zentral Usea fungiert.
Zwischensequenzen erlebt ihr aus der Ego-Ansicht

Zwischensequenzen erlebt ihr aus der Ego-Ansicht

© Bandai Namco

In der darauffolgenden Mission lernt ihr aber schnell, dass es sich bei dem angeblichen Ass um ein reines Trugbild handelt. Cope ist kein Kämpfer. Er ist lediglich gut darin zu flüchten, damit die Bevölkerung einen Helden hat, an den sie sich klammern können. Das wird schnell klar, als sich euer Geschwader, mit dem Namen Joker, in ein Gefecht mit der feindlichen Shadow-Staffel verwickelt und ihr gemeinsam mit Cope abgeschossen wird.

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Cope kommt dabei ums Leben und eurem namenlosen Protagonist wird auferlegt, dessen Call-Sign “Rex”, und den Titel “Wings of Theve”, weiter zu tragen. Auf diese Weise werdet ihr Teil des Joker-Geschwaders und müsst als neuer, potentieller Ass-Pilot die Moral des Volkes stützen.
Ihr erbt den Codenamen Rex

Ihr erbt den Codenamen Rex

© Bandai Namco

Action bis das Heckruder glüht

Von da an erlebt ihr das Kriegsgeschehen durch in sich geschlossene Missionen. Diese haben dabei abwechslungsreiche Szenarien und Ziele: Einmal müsst ihr den Angriff auf einen Hafen decken, in dem ihr Artillerie im Landesinnere zerstört, ein anderes Mal gilt es Bomber abzuwehren bevor die einen alliierten Flughafen erreichen. Dabei kämpft ihr sowohl gegen Ziele in der Luft, als auch zu Boden und auf dem Wasser. Glücklicherweise gibt es vor jeder Stage ein Briefing inklusive Übersicht eurer Ziele, damit ihr wisst, womit ihr es zu tun habt.
Basierend darauf wählt ihr dann ein passendes Flugzeug und dessen Bewaffnung: Bei der Jagd auf Panzerkolonnen lohnt es sich Bomben auszurüsten, gegen schwach gepanzerte Ziele in der Luft packt ihr eine extra Ladung Luft-zu-Luft-Rakten ein. Weitere Flugzeuge, Waffen und andere Upgrades schaltet ihr dann zwischen den einzelnen Stages mit verdienten Missionspunkten frei.
Die Dogfights in Ace Combat 8 sind Action-reich

Die Dogfights in Ace Combat 8 sind Action-reich

© Bandai Namco

Im Laufe des Spiels müsst ihr euch dann nicht nur gegen Beschuss von gegnerischen Vehikeln zur Wehr setzen - auch die Natur wird zum Feind. So müsst ihr durch Gewitterwolken fliegen, in denen ihr eure Raketen nicht mehr auf das Ziel aufschalten könnt, eure Flügel können vereisen, Regenschauer sorgen für schlechte Sicht oder Bunker, welche in Gebirgsketten eingelassen sind, müssen aus dem richtigen Winkel angegriffen werden. Ace Combat 8: Wings of Theve variiert das Gameplay in jeder Mission genug, um euch ein abwechslungsreiches Spielerlebnis zu bieten.
Gestützt wird das Ganze durch das gewohnte Arcade-Feeling der Reihe. Dabei könnt ihr zwischen einer einfachen und einer komplexen Steuerungsvariante wählen. In der komplexen Version könnt ihr aktiv euer Flugzeug Rollen und müsst dementsprechend auch Kurven fliegen. In der simplen Steuerung könnt ihr einfach durch das Drücken nach Links und Rechts eure Richtung ändern, ihr verliert aber die Fähigkeit eine Rolle zu fliegen. Keine von beiden Optionen will aber realistisch sein. Das Gameplay ist immer schnell und voller Action.
Die Shadows sind ein Elite-Geschwader eurer Feinde

Die Shadows sind ein Elite-Geschwader eurer Feinde

© Bandai Namco

Insgesamt gibt es wenig Barrieren zwischen euch und dem eigentlichen Spiel. Ace Combat 8 gibt euch oft freie Hand dabei, wie ihr eine Situation angeht. Das gibt euch schnell das Gefühl, wirklich dieser Ass-Pilot zu sein, der für die richtige Sache kämpft. Es ist schwer, nicht die Faust zu ballen und ein lautes “Ja!” von sich zu geben, wenn man im letzten Moment einen feindlichen Jäger abschießt und damit die Mission erfolgreich beendet. Adrenalin- und Heldenmomente sind bei Ace Combat 8: Wings of Theve garantiert.

Zwischen Kriegsgeschehen und One-Linern

Allgemein lebt Ace Combat 8: Wings of Theve sehr von seiner Stimmung. Alles fühlt sich sehr grandios und überzogen an. Das kann aber auch für viele ein wenig ein Abturner sein, wenn sie bei der doch relativ ernsten Fassade des Titels dann mit absurden Dingen wie Schlachtschiffen, die auf dem Festland fahren, Railguns oder One-Linern, bei dem einen die Haare zu Berge stehen, konfrontiert werden.
Als Teil der Joker-Staffel hebt ihr ab

Als Teil der Joker-Staffel hebt ihr ab

© Bandai Namco

Wer sich aber auf diese Over-the-Top-Anime-Atmosphäre einlässt, der wird hier durchgehend unterhalten und bekommt trotz der übertriebenen Darstellung ein sehr cooles Kriegsfilm-Gefühl, in dem ihr selbst der Protagonist sein könnt.
Für volle Immersion empfehlen wir aber, die (guten) englischen Sprecher über dem japanischen Original zu wählen. Primär darum, weil ihr während einer Mission viele Missionsziele oder Informationen via Funk erhalten werdet. Mitten in einem Gefecht ist es hier nicht immer leicht, die Untertitel zu lesen. Und es ist ohnehin schon eine Herausforderung, im Chaos des Funk-Wirrwarr herauszufiltern, welche Nachrichten für euch relevant sind. Aber das gehört auch ein wenig zum Rollenspiel dazu.

Völlig losgelöst

Wie auch sein Vorgänger ist Ace Combat 8: Wings of Theve ein kurzweiliges Dogfight-Abenteuer. Durch seine Level-basierte Struktur kann man den Titel auch perfekt in Häppchen genießen. Insgesamt warten 20 Missionen auf euch.
Die einzelnen Stages bieten durch ihre unterschiedlichen Ziele und variierenden Umgebungen Abwechslung. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich einstellen und bietet immer eine faire Lernkurve. Rücksetzpunkte innerhalb einer Mission sind vorhanden, stellenweise aber etwas weiter auseinander.
Ihr stellt die Flugzeugauswahl eurer Staffel zusammen

Ihr stellt die Flugzeugauswahl eurer Staffel zusammen

© Bandai Namco

Die Steuerung ist direkt und durch die beiden Stufen an Komplexität kann hier auch jede:r Spieler:in das perfekte Setup finden. Grafisch ist der Titel gut, aber fairerweise gibt es hier auch nicht allzuviel optische Komplexität. Dafür fährt Ace Combat 8 in Sachen Audio die großen Geschütze auf. Sprachausgabe, Audio-Design und Soundtrack sind großartig und ein wichtiger Bestandteil der dichten Atmosphäre des Spiels.
Luftschlacht-Titel sind mittlerweile ohnehin ein aussterbendes Genre. Daher wäre es hier ohnehin leicht, Ace Combat 8: Wings of Theve zu empfehlen. Aber da der Titel auch weit über diese Nischengrenzen honaus eine absolute Perle ist, sollte sich jeder ambintionierte:r Hobby-Pilot:in hinter das Steuer klemmen, alle Regler auf 11 drehen, und die arcadige Action genießen.