Kunstfliegen
World First: Dario Costa landet und startet auf einem fahrenden Zug!
Der italienische Pilot Dario Costa schrieb Luftfahrtgeschichte, als er in der Türkei auf einem Güterzug landete und abhob -- ein risikoreiches Manöver, das perfekt ausgeführt werden musste.
Dario Costa hat in Afyonkarahisar, Türkei, das weltweit erste Doppelmanöver in der Luftfahrt vollbracht: Er landete seine Zivko Edge 540 auf einem Güterzug, der mit maximaler Betriebsgeschwindigkeit fuhr, und hob anschließend im vertikalen Zug vom selben Container ab.
Das waghalsige Kunststück wurde am 15. Februar 2026 vollbracht, als Costa auf dem neunten und letzten Container eines mit 120 km/h fahrenden Güterzuges aufsetzte. Das Manöver erforderte eine perfekt synchronisierte Geschwindigkeit und eine präzise aerodynamische Kontrolle, zumal die Landefläche erst in den letzten Sekunden des Anflugs in Sichtweite kam. Sieh dir im folgenden Video an, wie es dazu kam:
01
Ein komplexes und anspruchsvolles Manöver
Dario Costa schreibt Luftfahrtgeschichte mit der ersten Zuglandung der Welt
© Predrag Vučković/Red Bull Content Pool
Anders als bei herkömmlichen Landeanflügen blieb die Landefläche aufgrund des Sinkwinkels des Flugzeugs und der Vorwärtsbewegung des Zugs die ganze Zeit außerhalb von Costas Sichtfeld. Da es keinen visuellen Gleitpfad gab, musste er sich ausschließlich auf sein kognitives Training und seine Fähigkeiten verlassen, um eine quasi blinde Landung durchzuführen.
Während der Zug mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h dahinratterte, musste Costa sein Flugzeug auf eine Geschwindigkeit von 87 km/h abbremsen, womit sie fast zum Stillstand kam. Schon die kleinste Abweichung zwischen der Geschwindigkeit des Flugzeugs und der des Zugs hätte dazu führen können, dass Costa bei der Landung über das Ziel hinausgeschossen wäre oder sich nicht richtig ausgerichtet hätte.
Die starken Turbulenzen des Zuges und die wechselnden Luftgeschwindigkeiten machten das Manöver zu einem absoluten Präzisionstest. Die sich bewegenden Waggons sorgten für turbulente Luftströmungen, als der Italiener sein Flugzeug auf die schmale Landefläche steuerte, was ihn zu ständigen Feinjustierungen zwang, um die Längs- und Querstabilität zu erhalten.
Die Zuglandung in Zahlen
02
Schritt für Schritt - wie sich das Kunststück in der Luft abspielte
- Anflugphase - Da die Sicht auf den landenden Container beim Anflug eingeschränkt war, synchronisierte Costa sein Flugzeug mit der Geschwindigkeit des Zuges von 120 km/h.
- Landung - Die Räder der Zivko Edge 540 setzten auf dem neunten Frachtcontainer auf.
- Stabilisierung - Costa war gezwungen, inmitten der Turbulenzen, die durch die sich bewegende Plattform verursacht wurden, ständig aerodynamische Korrekturen vorzunehmen.
- Start - Nach einer kontrollierten Beschleunigung und dem Abheben vom selben Container ging das Flugzeug in einem vertikalen Zugmanöver wieder in die Luft und neigte die Nase scharf nach oben, um in einen steilen vertikalen Steigflug überzugehen.
03
Eine Weltpremiere, die Monate auf sich warten hat lassen
Die Planungsphase von "Train Landing" war der Schlüssel zum Erfolg
© Joerg Mitter/Red Bull Content Pool
Natürlich hätte ein so komplexes Projekt nicht ohne monatelange Planung und Tests durchgeführt werden können. Die Vorbereitungen begannen Anfang 2024, als die Technik- und Flugteams Simulationen entwickelten und kontrollierte Tests durchführten, um die Landedynamik nachzustellen.
Vor der Ausführung in der Türkei wurde in Zusammenarbeit mit Rimac Automobili in Pula, Kroatien, ein dreitägiges Szenario mit einer beweglichen Plattform getestet. Mit dem vollelektrischen Hypercar Nevera R von Rimac Automobili als Referenz für die bewegliche Plattform verfeinerte Costa seine Ausrichtung und Reaktionszeit.
Da ein kontinuierlicher Test in einem fahrenden Zug nicht möglich war, waren fortschrittliche Simulationstechnologien und kontrollierte Proben am Boden entscheidend für den Erfolg des Projekts.
"'Train Landing' war eines der herausforderndsten und anspruchsvollsten Projekte in meiner Karriere!", meinte Costa im Anschluss. "Es gab so viele Variablen zu messen, aber die größte Herausforderung war es, blind auf dieser sehr kleinen, beweglichen Landebahn zu landen - und sich dabei nur auf die kognitiven und fliegerischen Fähigkeiten zu verlassen."
"Der kritischste Aspekt war die Ausrichtung auf den Zug, also musste die Präzision absolut sein, und das hat er geschafft", fügte Filippo Barbero, der Luftfahrtberater des Projekts, hinzu. "Bei einem Projekt wie diesem ist kein Platz für Emotionen - Dario ist ein wahrer Magier."
Das Flugzeug von Dario Costa
04
Ein weiterer Meilenstein in der Luftfahrt
Das Landen und Starten auf einer fahrenden Plattform ist ein großer Fortschritt in Sachen Aerodynamik und Koordination der Piloten. Die Durchführung bei voller Zuggeschwindigkeit zeigt, wie sorgfältige Datenplanung und präzises Fliegen die Grenzen des kontrollierten Fluges in nicht-traditionellen Umgebungen erweitern können.
"Nachdem ich durch einen Tunnel geflogen bin, habe ich mich immer wieder gefragt, was noch herausfordernder sein könnte - aber auf einem fahrenden Zug zu landen, auf einem Punkt, den man kaum sehen kann, und sich nur auf das Gefühl des Windes zu verlassen, erfordert ein ganz anderes Maß an Konzentration. Ich bin stolz darauf, dass wir die Definition dessen, was in der Luftfahrt möglich ist, verändert haben."
05
Inspiriert von der Türkei: Vom Tunnelpass zur Zuglandung
Nach einer weiteren Weltneuheit im Jahr 2021 - seinem Tunnelpass-Flug durch zwei Autobahntunnel in der Nähe von Istanbul - kehrte Costa in die Türkei zurück, um neue Luftfahrtkonzepte zu testen. Der Anblick eines nostalgischen Personenzugs in Kars inspirierte ihn dazu, über unkonventionelle Landekonzepte jenseits statischer Umgebungen nachzudenken.
Studien ergaben, dass Afyonkarahisar aufgrund der geeigneten Eisenbahninfrastruktur, der Betriebsbedingungen und der geografischen Lage der ideale Standort für eine kontrollierte und sichere Projektdurchführung ist.
Über den Piloten: Vom Red Bull Air Race Gewinner zum Guinness Weltrekordhalter