Euronics feierte schon zahlreiche Erfolge
© Adela Sznajder
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„eSport hat eine enorme Wachstumsrate.“

Euronics CEO Westphal über hiring, internationale Competition und den wachsenden Markt.
Autor: Alexander Amon
7 min readPublished on
Mit Euronics kommt Anfang April ein weiterer deutscher Verein zum LoL-Finale zur Comic Con Austria nach Linz. Immerhin ein Österreicher findet sich im Team, doch Herkunft ist im eSport nicht wichtig. Diese und andere Dinge, etwa wie man am besten einen eigenen Verein gründen sollte, konnten wir mit Euronics CEO Kevin Westphal in einem sehr offenen Gespräch klären.
Du bist CEO und Founder von Euronics. Kannst du uns in zwei Sätzen erzählen, wie es zur Gründung kam?
Begonnen hat EURONICS Gaming als SimRacing Team. Die Zusammenarbeit mit Euronics kam daher zustande da sie in der realen DTM ein Sponsoring hatten und wir sozusagen dann der digitale Ableger im virtuellen Motorsport waren. So haben sich beide Seiten kennengelernt.
Wie kann man sich deine Aufgabe im täglichen Business vorstellen?
Zusammen mit meinem Kollegen Stefan Rothaug erledigen wir so gut wie alle Aufgaben die es in einer Firma bzw. in einem eSport Team eben gibt. Das wäre bei mir der tägliche Kontakt mit Spielern, um Probleme zu lösen oder Termine zu planen oder sonstiges. Dann kommt Social Media hinzu, welches auch jeden Tag neue Inhalte benötigt. Die Bürokratie eines Unternehmens muss ebenfalls erledigt werden. Dann gibt es natürlich noch Scouting, Verträge mit Spielern oder Sponsorings abschließen bzw. erstmal die Kontaktaufnahme und nebenbei immer wieder die Planung und Durchführung von Events, sowie Planungen für die Zukunft. Eigentlich gibt es 24/7 etwas zu tun.
CEO Kevin Westphal

CEO Kevin Westphal

© Euronics

Euch gibt es jetzt seit 2014. Was hat sich seit der Gründung deiner Meinung nach am meisten verändert?
Ganz offensichtlich natürlich die Teams. Wo am Anfang nur ein SimRacing Team war haben wir nun Profispieler in CS:GO, League of Legends, Starcraft, Fifa und noch mehr. Wir haben allerdings von Anfang an auf eine solide Struktur geachtet, in der Richtung konnten wir einfach Erfahrungen sammeln. Insgesamt konnten wir einfach unsere Pläne die wir hatten umsetzten und sind damit auch sehr glücklich, das sowohl Spieler als auch Fans uns als vertrauensvolle Organisation sehen.
Wie viele Teams habt ihr aktuell unter der Euronics-Flagge und wie kommt ihr aktuell an neue Spieler/Teams?
Momentan haben wir über 8 Teams, im Fokus steht bei uns League of Legends bzw. Spiele der ESL Meisterschaft. Aber auch Starcraft 2 ist und sehr wichtig und mit unserem Spieler Nerchio haben wir dort einen Weltstar in unseren Reihen. Der Racing Bereich ist für uns auch immer noch relevant und vermeintlich kleinere Spiele wie Rainbow Six Siege werden von der Community extrem gut angenommen. Neue Spieler und Teams zu finden ist eine schwierige Aufgabe. Wir bekommen regelmäßig Bewerbungen von Teams oder Spielern, allerdings ist dort nur selten das passende für uns dabei. Das heißt wir schauen uns natürlich in anderen Turnieren oder über Newsseiten an was in der eSport Welt geschieht. Es ist allerdings ein enormer Zeitaufwand, unsere Teammanager übernehmen auch einen Großteil dieser Arbeit.
Aufgrund der noch überschaubaren finanziellen Unterstützung von Sponsoren sind weniger erfolgreiche Teams oft sehr fragil. Habt ihr damit auch zu kämpfen bzw. wie gut aufgestellt siehst du aktuell die Sponsoren-Landschaft im deutschsprachigen Raum?
Es gibt natürlich immer einen größeren Fisch im Teich. In den letzten zwei Jahren waren wir national sehr erfolgreich im LoL-Bereich – natürlich werden einem dann die Spieler schnell von LCS Teams weggeschnappt. Spieler können in kürzester Zeit von ganz unten nach ganz oben steigen, aber auch umgekehrt. Wir müssen als Organisation versuchen eine Stabilität für unsere Sponsoren aber auch für die Spieler zu erreichen. Das ist nicht gerade einfach, aber wir geben unser Bestes. Essentiell ist der Schritt vom nationalen in den internationalen Wettbewerb – der ist allerdings immens!
Das LoL-Team in seiner ganzen Pracht.

Das LoL-Team in seiner ganzen Pracht.

© Euronics

Wie sind die Bedingungen in Deutschland für einen professionellen eSport Verein? Wacht die Politik und die Wirtschaft dem Thema gegenüber langsam auf?
Ich denke die meisten Menschen im eSport sind sich schon dessen bewusst, dass es keine Anerkennung der Politik bedarf um den eSport wachsen zu sehen. Rein rechtlich wäre es natürlich wünschenswert, wenn der eSport als Sport anerkannt wird. Insbesondere für lokale Vereine bzw. für den Breitensport wäre das klasse. Man darf das Thema aber nicht überstrapazieren. Der eSport wächst mit einer abnormalen Wachstumsrate, wir müssen wirklich darauf achten, dass wir nicht vielleicht zu viel wollen. Für mich ist es nur eine Frage der Zeit bis wir ein immer größeres Publikum haben und irgendwann auch die „Mainstream" Medien darüber berichten.
Angenommen jemand möchte auch einen eSport Verein gründen - welche Tipps würdest du ihm oder ihr für den Start geben?
Es gibt so viele Faktoren die man beachten muss. Ich denke man muss sich selber im Klaren sein was man erreichen möchte, und die Ziele ganz exakt verfolgen. Da hilft nur „machen, machen, machen". Von alleine passiert nichts und man muss vor allem sehr viel Zeit investieren. Während meiner Ausbildung habe ich wirkliche jede freie Minute mit eSport verbracht, jeder Urlaubstag war dafür da, um ein Event zu besuchen.
In letzter Zeit war ich öfters auf Events und hatte mir dort Infos erhofft die mich weiterbringen, allerdings war ich oftmals derjenige, der den anderen Ratschläge geben „musste". Ich überlege, ob ich so etwas öfter mal wahrnehmen sollte. Ich bin für Einladungen offen ;).
Kommen wir zum Turnier in Linz. Werdet ihr in Bestbesetzung nach Linz kommen und wie hoch schätzt du sind eure Siegchancen ein?
Natürlich wird unser Team dort in voller Besetzung antreten. Für uns ist es das perfekte Training vor der ESL Meisterschaft, deswegen möchten wir dort natürlich auch das bestmögliche Ergebnis erzielen. Aber wir freuen uns vor allem auch darauf unsere Fans zu treffen, die uns im Internet wirklich stark unterstützen.
Ihr habt einen Österreicher (mit wardain sogar zwei bei Euronics) im Team - En Qiang Zhou. Auf der Website steht, wenn ich das richtig verstanden habe, dass Eni für diese Saison nur "geliehen" bist. Kannst du uns da aufklären?
Eni ist ein Ersatzspieler bei Roccat und steht somit bei ihnen unter Vertrag. Er kann natürlich nicht für mehrere Teams gleichzeitig spielen und somit haben wir uns mit Roccat geeinigt, dass wir Eni auf Leihbasis (wie im Fußball) zu uns holen. Sollte für ihn ein Einsatz als Spieler in der LCS bei Roccat nötig sein, so kann er jederzeit wieder zu Roccat.
„Eni ist auf Leihbasis im Team.“

„Eni ist auf Leihbasis im Team.“

© Euronics

Hattest du schon Kontakt zu anderen österreichischen eSportlern? Ist es deiner Meinung nach schwierig für ein kleines Land in dieser Szene Fuß zu fassen, speziell auch was Vereine und Teams betrifft?
Ja ab und an. Sylvanas ist ja in Starcraft bzw. jetzt in Overwatch eine bekannte Streamerin und sie ist ja bei uns im Team. Auch im SimRacing gibt es einen Fahrer der aus Österreich kommt. Woher allerdings Leute kommen ist im eSport meist nicht so wichtig. Ich kann mir vorstellen, dass es für Teams schwerer ist in kleineren Ländern. Es gibt weniger Menschen und somit ist der Markt kleiner für Sponsoren und somit bekommt man auch weniger Geld. Das Gegenbeispiel ist hier die USA. Der Markt in NA ist einfach unglaublich, so viele Menschen die die gleiche Sprache sprechen. Kein Vergleich zu Europa.
Was steht bei euch außer Linz aktuell noch auf dem Turnier-Plan?
Eigentlich gab es noch ein Turnier in Portugal, das wurde aber leider abgesagt bzw. auf September verschoben. Unsere LoL-Team spielt noch den eigenen Hydra Cup, ansonsten fokussieren wir uns auf die ESL Meisterschaft.
Wir haben gesehen, dass ihr bereits ein Overwatch-Team auf eurer Website präsentiert. Wie siehst du die aktuelle Situation und speziell die Zukunft des Blizzard-Shooters?
Die Situation ist schwierig. Wir testen momentan noch Overwatch aus, aber es sieht so aus als ob sich das ganze Thema sehr stark auf NA beschränken wird. Sicherlich ist es ein tolles Spiel, ich privat finde es aber auch unglaublich schwer zuzuschauen. Ich kann nur schwer einschätzen wie sich das Spiel entwickeln wird.