F1
01
Ferrari 312T: Das erste Weltmeisterauto von Niki Lauda
Ferrari war 1974 nicht der Mythos, als den man die Marke heute kennt. Der Rennstall steckte tief in der Krise, sogar ein Rückzug aus der Formel 1 stand im Raum. Dann kam Niki Lauda – und mit ihm der Ferrari 312T.
Dieses Auto wurde 1975 zum Wendepunkt. Lauda arbeitete so intensiv an der technischen Entwicklung mit, dass aus dem schnellen Ferrari ein Weltmeisterauto wurde. Der Zwölfzylinder war stärker als die Ford-Cosworth-Konkurrenz, verbrauchte aber mehr Sprit. Dazu kam ein quer eingebautes Getriebe – daher das „T“ für „trasversale“. Es verbesserte die Gewichtsverteilung und machte den 312T zu einem Auto, das nicht nur schnell, sondern auch beherrschbar war.
Das Ergebnis: Lauda wurde 1975 erstmals Weltmeister. Ferrari holte den ersten Fahrertitel seit elf Jahren und auch den Konstrukteurstitel. Für Österreich ist dieser Wagen deshalb mehr als ein Klassiker: Er ist das Auto, mit dem Lauda zur globalen Sportfigur wurde.
Bei der Legends Parade am Red Bull Ring fährt Mathias Lauda den Ferrari 312T. Der Sohn im Auto des Vaters – viel direkter kann Motorsportgeschichte kaum auf die Rennstrecke zurückkehren.
02
Tyrrell P34: Der Sechsrad-Bolide, der wirklich gewann
Vier Räder? Tyrrell dachte 1976 anders. Der P34 trat mit vier kleinen Vorderrädern an – zwei Achsen vorne, eine hinten. Was heute wie eine verrückt e Studie wirkt, war damals ein ernst gemeinter Angriff auf die Konkurrenz.
Die Idee dahinter: Die kleineren Vorderräder sollten weniger Luftwiderstand erzeugen. Weil sie hintereinander angeordnet waren, blieb die Front flacher. Gleichzeitig versprach sich Konstrukteur Derek Gardner mehr Grip an der Vorderachse. Für Tyrrell war der Sechsrad-Bolide also kein Showcar, sondern ein aerodynamischer Trick mit echtem Rennanspruch.
Und er funktionierte. Beim Grand Prix von Schweden 1976 gewann Jody Scheckter im P34. Es war der einzige Formel-1-Sieg eines Autos mit sechs Rädern – und genau deshalb ist der Tyrrell bis heute eine Ikone. Dass sogar Goodyear spezielle Vorderreifen für das Team bauen musste, zeigt, wie radikal dieser Ansatz war.
Bei der Legends Parade am Red Bull Ring fährt Pier Luigi Martini den P34. Ein Auto, das aussieht wie ein Regelbruch, aber tatsächlich Grand-Prix-Geschichte geschrieben hat.
03
Lotus 77: Der Vorbote einer Formel-1-Revolution
Schwarz, Gold, Lotus: Schon die Lackierung macht den 77er zum Blickfang. Doch dieses Auto ist mehr als ein schönes Stück Formel-1-Nostalgie. Es steht für den Moment, in dem Lotus wieder begann, radikal nach vorne zu denken.
Am Anfang war der Lotus 77 kein Treffer. Zu viel störte den Luftstrom, zu wenig passte zusammen. Dann wurde umgebaut. Die Front wurde sauberer, die Gewichtsverteilung besser, das Auto schneller. Am Österreichring fuhr Gunnar Nilsson 1976 auf Platz drei. Beim Saisonfinale in Fuji gewann Mario Andretti sogar von der Spitze weg.
Der eigentliche Clou kam aber darunter: Lotus begann beim 77er mit einem experimentellen Unterboden. Genau dort lag die Zukunft. Aus dieser Idee entstand kurz darauf der Ground Effect – jener Sog unter dem Auto, der höhere Kurvengeschwindigkeiten möglich machte und die Formel 1 veränderte.
Bei der Legends Parade am Red Bull Ring fährt Jan Lammers den Lotus 77. Ein Auto, das nicht die große Revolution war, aber sie bereits angekündigt hat.
04
Tyrrell P34B: Sechs Räder, aber kein zweites Wunder
1976 war der Tyrrell P34 die Sensation. 1977 sollte der P34B zeigen, dass sechs Räder mehr sind als ein genialer Einfall. Genau das gelang nicht.
Der Wagen sah noch immer spektakulär aus: vier kleine Vorderräder, zwei Vorderachsen, sofort erkennbar. Aber die Idee wurde schwerer zu verteidigen. Der P34B war breiter, schwerer und unzuverlässiger als sein Vorgänger. Und ausgerechnet das, was ihn einzigartig machte, wurde zum Problem: die Spezialreifen vorne.
Goodyear musste diese kleinen Vorderreifen nur für Tyrrell bauen. Für ein einziges Team lohnte sich die Weiterentwicklung kaum. Die Reifen wurden zum Engpass, die Vorderachse immer komplizierter, der ursprüngliche Aerodynamik-Vorteil kleiner. Aus dem Zukunftsauto wurde ein Kraftakt.
Podestplätze gab es noch: Patrick Depailler fuhr 1977 drei Mal aufs Podium, Ronnie Peterson wurde Dritter in Belgien. Aber der große Beweis blieb aus. Nach der Saison war Schluss mit dem Sechsrad-Experiment.
Bei der Legends Parade am Red Bull Ring fährt Paolo Barilla den P34B. Ein Auto, das zeigt: In der Formel 1 kann selbst eine geniale Idee ausgebremst werden, wenn die Entwicklung rundherum nicht mehr Schritt hält.
05
Brabham BT46B: Der Staubsauger, der nur einmal gewinnen durfte
Der Brabham BT46B brauchte nur einen Grand Prix, um Formel-1-Geschichte zu schreiben. Schweden 1978: Niki Lauda steigt ein, gewinnt – und danach verschwindet das Auto wieder aus der Weltmeisterschaft. Für eine Story rund um den Österreich-GP ist genau das der starke Anker: Ein Österreicher machte den berühmtesten Einmal-Sieger der Formel 1 unsterblich.
Der Grund für den Kult hängt am Heck. Dort saß ein großer Ventilator. Offiziell war er Teil der Kühlung. Tatsächlich saugte er Luft unter dem Auto ab. Dadurch entstand Unterdruck, der den Brabham stärker auf die Strecke presste. Mehr Abtrieb, mehr Grip, mehr Kurvenspeed. Daher der Spitzname: „Staubsauger-Brabham“.
Die Konkurrenz protestierte sofort. Nicht nur, weil der Trick sportlich heikel war. Der Ventilator konnte auch Steine nach hinten schleudern – ein Sicherheitsargument. Ein klares Verbot gab es nicht. Trotzdem zog Bernie Ecclestone den Wagen zurück. Als Brabham-Teamchef hatte er den Sieg. Als mächtiger Mann im Formel-1-Paddock wollte er aber keinen offenen Regelkrieg riskieren.
Bei der Legends Parade am Red Bull Ringfährt Jean Alesi den BT46B. Ein Auto, das nicht verschwand, weil es zu langsam war. Sondern weil es zu viele Fragen aufwarf.
06
Lotus 88: Das Doppelchassis, das nie rennen durfte
Der Lotus 88 ist berühmt, obwohl er nie ein Formel-1-Rennen gefahren ist. Genau das macht ihn spannend. Die technische Abnahme bestand er, doch die Stewards stuften ihn als regelwidrig ein. Aus einem Rennwagen wurde ein Mythos, noch bevor er wirklich antreten durfte.
Die Idee war typisch Lotus: nicht einfach größere Flügel, sondern ein radikaler Trick mit dem ganzen Auto. Colin Chapman und Peter Wright bauten den 88er mit zwei Chassis. Innen saßen Fahrer, Motor und Getriebe. Außen arbeitete ein zweiter Teil der Karosserie, der bei Tempo nach unten gedrückt werden sollte. So wollte Lotus unter dem Auto mehr Sog erzeugen: mehr Grip, mehr Kurvenspeed, weniger Luftwiderstand.
Genau dort begann der Streit. Im Stand erfüllte der Lotus die Regeln. Auf der Strecke veränderte sich aber der Abstand zur Fahrbahn. Ferrari und Williams protestierten. Nach langem Hin und Her kam es nie zum Renneinsatz.
Bei der Legends Parade am Red Bull Ring fährt Karl Wendlinger den Lotus 88. Ein Auto, das nicht an fehlendem Tempo scheiterte, sondern an der Frage, wie weit man ein Reglement dehnen darf.
07
Brabham BT52: Der Turbo-Pfeil, der sofort gewann
Der Brabham BT52 sah aus, als hätte jemand ein Formel-1-Auto zum Pfeil zugespitzt. Genau so fuhr er auch los: Beim ersten Rennen der Saison 1983 gewann Nelson Piquet gleich sein Heimrennen in Brasilien. Der neue Turbo-Brabham war sofort ein Signal an die Konkurrenz.
Der große Unterschied steckte im Heck. Der BMW-Vierzylinder-Turbo war klein, brutal stark und in dieser Ära einer der Motoren, vor denen alle Respekt hatten. Je nach Ladedruck leistete er im Rennen bis zu 700 PS, im Qualifying noch mehr. Drei Jahre später sollten solche Turbo-Motoren sogar in Regionen um 1.400 PS kommen.
Der BT52 war aber nicht nur Motor. Gordon Murray baute ein radikal anderes Auto: vorne schmal und pfeilförmig, mit den Kühlern und dem Turbo weit hinten. So passte der Brabham perfekt in eine Formel 1, die gerade von Saugmotoren in Richtung Turbo-Macht kippte. Am Ende wurde aus diesem Konzept das Auto, mit dem Nelson Piquet als erster Fahrer der Geschichte Turbo-Weltmeister wurde.
Bei der Legends Parade am Red Bull Ring fährt Christian Danner den Brabham BT52. Ein Auto, das den Beginn einer neuen Kraftrechnung in der Formel 1 markiert.
08
Brabham BT52B: Der erste Turbo-Weltmeister
Der Brabham BT52 gewann 1983 gleich das erste Rennen. Trotzdem war das Auto nicht stabil genug für einen WM-Durchmarsch. Nelson Piquet fiel in der ersten Saisonhälfte zu oft aus, Riccardo Patrese noch öfter. Also legte Gordon Murray nach.
Ab dem Grand Prix von Großbritannien kam der BT52B. Auf den ersten Blick war er kein völlig neues Auto, eher die schärfere Version eines radikalen Konzepts. Aber genau diese Überarbeitung traf den Punkt. Der Brabham wurde zuverlässiger, der BMW-Turbo immer stärker, und Piquet startete seine Aufholjagd.
Der entscheidende Satz zu diesem Auto fällt am Saisonende: Platz drei in Südafrika reichte Piquet zum WM-Titel. Damit wurde er der erste Turbo-Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Aus einem Update wurde ein Meilenstein.
Bei der Legends Parade am Red Bull Ring fährt Mark Webber den Brabham BT52B. Ein passender Moment: Der Australier sitzt in einem Auto jenes Teams, das einst sein berühmter Landsmann Jack Brabham gegründet hatte.
09
Ferrari F2002: Das Siegerauto mit der Spielberg-Narbe
Der Ferrari F2002 war ein roter Bolide für totale Dominanz. 2002 gewann Ferrari 14 von 17 Saisonrennen, Michael Schumacher wurde schon sechs Rennen vor Schluss Weltmeister. Dieses Auto war nicht nur schnell. Es war der Maßstab.
Der F2002 war leichter, kompakter und aerodynamisch effizienter als sein Vorgänger. Dazu kam der V10-Motor mit rund 900 PS bei 19.000 Umdrehungen. Ferrari hatte ein Technik-Team auf dem Höhepunkt: Ross Brawn, Rory Byrne, Aldo Costa, Nicolas Tombazis und weitere Köpfe, die die Formel 1 jahrelang prägen sollten.
Aber am Red Bull Ring trägt dieser Ferrari eine zweite Geschichte mit sich. 2002 führte Rubens Barrichello am damaligen A1-Ring, musste Michael Schumacher kurz vor dem Ziel aber vorbeilassen. Es war einer der umstrittensten Momente der modernen Formel 1. Genau deshalb ist Barrichellos Rückkehr in dieses Auto so stark: Der Mann, der damals den Sieg abgeben musste, steigt nun wieder in den F2002.
Bei der Legends Parade am Red Bull Ring fährt Rubens Barrichello den Ferrari F2002. Ein Auto, das fast alles gewann – und in Spielberg trotzdem mit einer offenen Rechnung verbunden bleibt.
10
Red Bull Racing RB6: Vettels erstes Weltmeisterauto
Abu Dhabi 2010. Letztes Rennen. Vier Fahrer haben noch Chancen auf den WM-Titel – darunter beide Red-Bull-Piloten. Am Ende steht Sebastian Vettel ganz oben. Zum ersten Mal Weltmeister. Und Red Bull Racing ist nicht mehr der freche Herausforderer, sondern das Team, das alle schlagen müssen.
Der RB6 war das Auto für diesen Sprung. Adrian Newey baute keinen Kraftprotz, sondern ein Aerodynamik-Monster. Der Wagen klebte in schnellen Kurven am Asphalt, weil er extrem viel Abtrieb erzeugte. Doppel-Diffusor, flexible Frontflügel, clevere Motor-Mappings: Viele Details arbeiteten in dieselbe Richtung – mehr Grip, weniger Luftwiderstand, bessere Kontrolle über das Auto.
Ein Spaziergang war diese Saison trotzdem nicht. Vettel und Mark Webber kämpften beide um den Titel, intern krachte es mehr als einmal. Genau das macht den RB6 so spannend: Er war überlegen genug für neun Siege, aber nicht bequem genug für eine ruhige WM. Der Titel kam erst im letzten Rennen.
Bei der Legends Parade am Red Bull Ring fährt David Coulthard den RB6. Er kennt dieses Auto nicht nur aus der Nähe: Neben Daniel Ricciardo und Brendon Hartley war er einer der Test- und Entwicklungsfahrer. Jetzt bringt er jenes Auto zurück auf die Strecke, mit dem Red Bull Racing endgültig in der Formel 1 angekommen ist.