Gaming
Im Oktober hat Sony den hauseigenen Streamingdienst PlayStation Now einem riesigen Update unterzogen, um ihn gegen den im November gestarteten Konkurrenten Google Stadia zu wappnen. Cloud-Gaming beziehungsweise Spiele-Streaming sind auf dem Vormarsch und auch wenn sie die klassischen Games in naher Zukunft nicht ersetzen werden, ermöglichen sie einen Blick auf die Zukunft der Videospiele. Wir haben PlayStation Now und Google Stadia dem direkten Vergleich unterzogen.
Google Stadia & PS Now: Eine unterschiedliche Herangehensweise
Google Stadia ist nicht das Netflix für Spiele, das vor allem Journalisten dem Streamingservice angedichtet haben. Mit rund 10 Euro im Monat schlägt das Pro-Abonnement zu Buche, dafür erhaltet ihr jeden Monat zwei kostenlos Spiele – ganz ähnlich wie bei PlayStation Plus oder Xbox Live Gold also. Alle anderen Titel müssen allerdings einzeln gekauft werden.
Abonnenten erhalten Rabatte auf einige Spiele, die tatsächlich einen relativ attraktiven Preis ermöglichen. Ohne Rabatte sind viele Titel des derzeit noch überschaubaren Spielekataloges allerdings viel zu teuer und liegen mal mehr, mal weniger deutlich über den Preisen der Konsolenfassungen.
Ganz anders PlayStation Now, dass dem Netflix-Ansatz schon deutlich näher kommt. Auch hier werden rund 10 Euro pro Monat fällig, dafür sind allerdings derzeit rund 650 Titel aus drei Konsolengenerationen (von PlayStation 2 bis PlayStation 4) im Preis inbegriffen. Wer sich gleich für ein ganzes Jahr binden will, zahlt knapp 60 Euro und halbiert den monatlichen Preis damit quasi.
Immerhin gibt es von Google Stadia im kommenden Jahr auch eine Basis-Variante. Komplett ohne Kosten, dafür mit einer geringeren Qualität und ohne monatliche Gratisspiele.
Stream oder Download?
Ein weiterer großer Unterschied zwischen PlayStation Now und Google Stadia besteht in den Auswahlmöglichkeiten. Stadia ermöglicht lediglich das Streaming sämtlicher Games über das Internet. Eine konstante Internetverbindung muss zu jedem Zeitpunkt gegeben sein, sonst läuft Nix. Dafür gibt es die Spiele in einer Auflösung bis 4K (künftig sollen sogar 8K möglich sein) samt Surround-Sound.
Das gibt’s bei PlayStation Now auch, allerdings nur, wenn ihr die angebotenen Spiele herunterladet. Hier gibt es das bessere Bild und eine aktive Internetverbindung ist nach Abschluss des Downloads auch nicht mehr zwingend erforderlich. Vorteil PlayStation Now.
Auf der anderen Seite, beim reinen Streaming, lässt Google hingegen seine Muskeln spielen. Immerhin müssen sich gestreamte PS Now-Titel mit einer 720p-Auflösung zufriedengeben – gerade auf einem 4K-Fernseher nicht mehr zeitgemäß. Selbst die kostenlose Stadia-Variante, die 2020 starten soll, erlaubt Streams in 1080p. Weiter Wermutstropfen: Lediglich knapp die Hälfte der angebotenen Spiele lässt sich überhaupt herunterladen.
Blockbuster zum Überallspielen? Eher (noch) nicht
Aktuelle Spiele-Blockbuster auf dem Smartphone oder uralten Laptop unterwegs zocken ist das, was euch beim Game-Streaming am meisten reizt? Dann dürften beide Lösungen aktuell eher enttäuschend sein. Bei der Auswahl der Endgeräte hat Google aber die Nase vorne.
Stadia ermöglicht das Abspielen seiner Games auf dem PC, Fernseher oder jedem Laptop mit Google Chrome-Browser. Bei den Smartphones werden allerdings derzeit nur Googles hauseigene Pixel-Geräte ab Modell 3 aufwärts unterstützt. Immerhin: Weitere Smartphones sollen 2020 ebenfalls folgen. Eine aktive WLAN-Verbindung ist allerdings ebenso zwingend erforderlich, wie ein per Kabel angeschlossener Controller. Spiele-Streaming ist also derzeit nur Zuhause möglich.
Bei PlayStation Now sind die Einschränkungen sogar noch stärker. Hier darf nur auf PlayStation 4-Konsole oder PC gestreamt werden, Downloads bleiben derzeit der Konsole vorbehalten.
Die Spiele: Sony als klarer Sieger
Wenig verwunderlich wartet PlayStation Now mit dem deutlich umfangreicheren und spannenderen Spiele-Katalog auf. Kein Wunder, immerhin kann die PlayStation-Familie rund 25 Jahre Erfahrung aufweisen.
Zu den aktuellen Top-Games gehören Titel wie The Last of Us, Spec Ops: The Line, BioShock Infinite, Bloodborne, GTA V oder God of War. Fast alle Highlights der PS3 und PS4-Ära sind vertreten, bei der PS2 sieht es deutlich magerer aus. Flatrate-typisch bleiben die Spiele aber nicht ewig enthalten, meist verlassen Titel nach rund zwei Monaten das Aufgebot wieder, zu viel Zeit solltet ihr euch also nicht lassen.
Das ist bei Google Stadia nicht der Fall, denn hier gehen die Spiele mit dem Kauf auch wirklich in euren Besitz über. Gekaufte Spiele gehören euch und können gestartet werden, solange es Stadia gibt. Dafür gibt es einen derzeit noch äußerst überschaubaren Spiele-Katalog, der knapp über 20 Games umfasst. Mit von der Partie sind Highlights wie Metro Exodus, Red Dead Redemption 2, GRID oder Assassin’s Creed Odyssey – mit GYLT derzeit aber nur einen einzigen Exklusivtitel. Für den Moment zu wenig. Auch hier soll es im kommenden Jahr deutlich mehr Auswahl geben.
Die Qualität und Schwierigkeiten der Streamingservices
Der Punkt für die Technik geht eindeutig an Google. Auch wenn die Latenz, also die Verzögerung der Eingaben, gerade in schnellen Spielen über der des lokal auf der Konsole oder PC laufenden Pendants liegt, lässt Google hier seine Muskeln spielen. Kein anderer Streaminganbieter ermöglicht eine derart niedrige Latenz.
Selbst schnelle Shooter oder Prügelspiele lassen sich mit der Streaming-Lösung problemlos zocken. Unterschiede zum lokalen Game fallen vermutlich nur Esportlern oder kompetitiven Spielern auf, die den direkten Vergleich kennen. Stadia beweist, dass Spiele-Streaming schon heute sehr gut funktionieren kann.
Bei PlayStation Now geht die Latenz im Streaming immer noch in Ordnung, ist aber deutlicher spürbar, als beim Konkurrenten. Gleichzeitig leidet der Service unter den typischen Problemen wie einer langsamen Downloadgeschwindigkeit oder einer langsam ladenden App.
Auf der anderen Seite punktet PlayStation Now aber mit dem übersichtlicheren und intuitiveren Interface – wer PlayStation kennt, findet sich auch in PS Now sofort zurecht. Stadia hingegen setzt die Verwendung der Smartphone-App voraus, da sich viele Einstellungen nur mithilfe der App vornehmen lassen und auch der Store derzeit nur auf dem Smartphone abrufbar ist. Ihr wechselt also mitunter ständig zwischen den Endgeräten hin und her.
Fazit: PS Now vs. Google Stadia – So gleich und doch so unterschiedlich
So unterschiedlich kann Spielestreaming sein. PlayStation Now und Google Stadia gehen diesen Ansatz ganz verschieden an. PS Now ist die klassische Flatrate, die für rund 10 Euro im Monat (oder rund 5 Euro, wenn ihr euch für das Jahreabo entscheidet) mit einem gewaltigen Spiele-Katalog aufwartet.
Doch die Spiele gehören euch nicht und bleiben nicht lange im Service enthalten. Wer einen aktuellen Blockbuster streamen will, muss sich also beeilen. Dafür gibt es die Möglichkeit, die Spiele auch herunterzuladen und bequem offline auf der PS4 zu zocken – in besserer Qualität.
Wenn ihr gerne Singleplayer-Games zockt und PlayStation-Exklusivtitel auf dem PC erleben wollt, ist PS Now eine gelungene Option. Mal abgesehen von den obligatorischen Streaming-Krankheiten wie Artefaktbildung und mehr oder weniger spürbarer Latenz lohnt sich das Angebot allemal.
Google Stadia auf der anderen Seite hat seine ganz persönlichen Vor- und Nachteile. Der vielleicht größte Vorteil: Kein anderer Streaming-Anbieter kann derzeit eine so niedrige Eingabeverzögerung aufweisen.
Auf der anderen Seite ist das Angebot an Spielen derzeit geradezu winzig, außerdem sind bei Weitem noch nicht alle versprochenen Features verfügbar. Im Abo-Preis enthalten sind zwei Spiele pro Monat, alle anderen müssen einzeln gekauft werden. Dafür gehören sie euch dann auch wirklich. Auch bei der Auswahl der Endgeräte gibt euch Stadia deutlich mehr Optionen an die Hand.
Für sich genommen funktionieren sowohl Google Stadia als auch PlayStation Now schon heute hervorragend, auch wenn sie klassische Konsolen in absehbarer Zeit nicht ablösen werden. Dennoch zeigen sie schon heute, dass Spiele-Streaming funktioniert und die Zukunft der Games auf lange Sicht bestimmen wird.