Gaming
Dank Cloud Gaming ist das bereits heute möglich. Nvidia GeForce Now und PlayStation Now beherrschen das bereits seit einer Weile und auch Google hat mit Project Stream bereits Assassin’s Creed Odyssey im Browser zum Laufen gebracht.
Cloud-Technologien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, doch ist Cloud Gaming eine wirkliche Alternative zum Highend-PC? Wir haben uns die Technik anhand von Shadow PC genauer angeschaut.
So funktioniert Cloud Gaming mit Shadow PC
Viele selbsternannte Experten sind sich einig: Cloud Gaming ist die Zukunft der Spielebranche. Aber was kann die Technik heute schon leisten? Ein Highend-PC zum Gaming ist wahrlich kein Schnäppchen. Wer über die Anschaffung eines vollausgestatteten Spiele-PCs nachdenkt, muss ziemlich viel Geld in die Hand nehmen. Eine Raytracing-Grafikkarte hier, 32 GB Arbeitsspeicher da. Dazu noch eine NvMe-SSD, eine schnelle CPU und und und… 2.500 Euro und mehr sind gar kein Problem.
Wie wäre es stattdessen damit, einen Highend-Rechner zu mieten, der noch dazu überall und jederzeit zur Verfügung steht? Genau diesen Ansatz verfolgt das Unternehmen Shadow mit dem Shadow PC, den wir gegen eine monatliche Gebühr mieten können.
Anders als bei GeForce Now und PlayStation Now sind wir nicht auf ein vorgeschriebenes Spiele-Lineup beschränkt, sondern bekommen unseren eigenen PC, den wir nach Lust und Laune mit Inhalten füllen können. Egal ob Anwendungen, Musiksammlung oder eben Games.
Solange wir über eine aktive Internetverbindung verfügen, können wir von überall und mit nahezu jedem Gerät auf unseren Rechner zugreifen. Der ist mit aktueller Hardware ausgestattet, um moderne Games mit hohen Grafikdetails abzuspielen. Außerdem versprechen die Macher, den PC regelmäßig aufzurüsten und so die Hardware stets aktuell zu halten.
Unser Cloud-PC, den wir nie zu Gesicht bekommen werden, steht in Amsterdam und ist über eine Highspeed-Leitung mit dem Internet verbunden. Bis zu 1 Gbit/s im Download und 100 Mbit/s im Upload sollen selbst riesige Spieledownloads in kürzester Zeit ermöglichen.
Preis und Hardware des Shadow PC
Klingt bis hierhin schon ziemlich spannend oder? Doch wie sieht es eigentlich mit den Preisen und der Hardware des Cloud-PCs aus?
Nach dem Start von Shadow PC haben sich die Verantwortlichen im Jahr 2019 für ein neues Abomodell entschieden. Bislang standen Abonnements für ein Jahr, drei Monate oder ein monatlich kündbares Abo zur Wahl. Je länger die Vertragsbindung, desto günstiger der Preis.
Doch wer bindet sich schon für ein ganzes Jahr an etwas, das dann möglicherweise gar nicht richtig funktioniert? Mittlerweile bietet Shadow einen Testmonat zum Preis von 29,95 Euro an. Entscheiden wir uns für das monatlich kündbare Modell, liegt der Preis für die Folgemonate bei 39,95 Euro. Binden wir uns für ein Jahr an das Shadow-Abo, zahlen wir weiterhin 29,95 Euro monatlich. Wobei wir unser Abo jederzeit anpassen können.
Der Shadow PC schlägt also pro Jahr mit mindestens knapp 360 Euro zu Buche, maximal werden etwa 470 Euro fällig. Als Zahlungsmöglichkeiten stehen uns dabei jedoch lediglich Sofort-Überweisung und Kreditkarte zur Wahl. Zusätzlich gilt es zu bedenken, dass ihr eure Spiele auch selbst kaufen müsst. Anders als in den Konkurrenten von Sony oder NVIDIA sind hier keine Games enthalten. Spiele, die ihr zocken wollt, müsst ihr also zusätzlich kaufen.
Hardwareseitig kommen tatsächlich hochwertige Komponenten zum Einsatz, bei denen es sich allerdings um Hardware aus dem Server-Bereich handelt. Das macht den Vergleich zu einem aktuellen Highend-PC schwierig.
Der Shadow PC nutzt einen Intel Xeon Server-Prozessor mit vier Kernen und acht Threads, als Grafikkarte kommt eine NVIDIA P5000 zum Einsatz, die etwa auf dem Niveau einer GTX 1080 liegt. Außerdem stehen 12 GB RAM und 256 GB Festplattenspeicher zur Verfügung. Als Betriebssystem wird Windows 10 Home installiert.
Bereits bei den Specs wird klar: Zum wirklichen Highend-Gaming-PC mangelt es dem Shadow PC etwas an Leistung. Eine aktuelle GeForce RTX-Grafikkarte wird ebenso wenig verbaut, wie 16 GB Arbeitsspeicher. Auch über die verbauten Komponenten und die Taktraten der CPU lassen uns die Hersteller im Unklaren.
Wie schlägt sich der Cloud-PC im Benchmark?
Auf der Seite UserBenchmark kann man sich einen sehr guten Eindruck davon verschaffen, wie sich die Server-Grafikkarte im direkten Vergleich mit der GTX 1080 schlägt. Dort liegt die Grafikkarte nur knappe fünf Prozent hinter der 1080. Wirklich aussagekräftigte Vergleiche der CPU sind hingegen nahezu unmöglich. Vor allem die Festplatte und CPU liegen jedoch weit hinter den aktuellen Highend-Komponenten zurück.
Laut Anbieter sollen alle aktuellen Titel in hohen Grafik-Settings und bis zu 4K-Auflösungen damit spielbar sein. Nach unserem ausführlichen Test können wir dies bestätigen. In Full HD und WQHD sind selbst aktuelle Spiele-Highlights flüssig (das heißt mit über 60 fps) spielbar. In 4K laufen die Spiele zwar auch, allerdings alles andere als flüssig.
Natürlich kann sich das mit den versprochenen Hardwareupdates noch ändern. Aber wann und in welcher Form der Hersteller diese anbieten wird, verrät Shadow nicht. Wer sich mit 1080p und 60 fps zufrieden gibt, fährt mit dem Cloud-PC allerdings sehr gut.
Für einen vergleichbar ausgestatteten PC Marke Eigenbau werden derzeit rund 1.300 Euro fällig, das entspricht dem Abo-Beitrag für fast vier Jahre des Cloud-PCs. Hinzu kommen Kosten für das Gehäuse unserer Wahl, kleinere Spielereien und nicht zu vergessen auch die Stromkosten. Außerdem setzt ein Gaming-PC zumindest ein Mindestmaß an Interesse und Fachwissen voraus, um die Hardware selbst zusammenzubauen oder gegebenenfalls zu erweitern.
All das brauchen wir beim Shadow PC nicht. Das macht das Cloud-Gaming vor allem für diejenigen interessant, die keine Ahnung von Hardware haben oder bewusst den Fokus auf Komfort setzen. Hier müssen wir keine Schrauben drehen und keine ellenlangen Grafikkarten-Vergleiche anstellen, das alles übernimmt der Anbieter für uns.
Die Probleme des Cloud-Gamings
Klingt also durchaus vielversprechend und funktioniert in der Praxis auch hervorragend. Haben wir uns registriert und sind freigeschaltet, müssen wir einfach die entsprechende Streaming-App auf der Website des Herstellers herunterladen und können auch schon loslegen.
Starten wir diese, finden wir ein nacktes Windows 10 vor, wie wir es von einem ganz normalen PC gewohnt sind. Was wir installieren und wie wir dabei vorgehen, liegt ganz bei uns. Selbst USB-Datenträger, die wir an unseren Heim-PC anschließen, erkennt die App problemlos.
Auf dem Desktop lassen sich dabei noch keine Unterschiede zu einem klassischen PC ausmachen, das ändert sich allerdings, wenn wir in den Spielebetrieb übergehen. Hier spielt auch die eigene Internetverbindung eine entscheidende Rolle: Damit Shadow PC wirklich problemlos funktioniert, sollten wir mindestens über eine 15 Mbit/s schnelle Leitung verfügen.
Zwar lässt sich das Spiele-Streaming auch darunter bewältigen, allerdings nimmt die Bildqualität dabei spürbar ab. Bereits für 1080p mit 60 fps werden vom Hersteller mindestens 15 bis 20 Mbit/s empfohlen, darunter kommt es regelmäßig zu Bildaussetzern und deutlich sichtbaren Artefakten. Gerade in ländlichen Gebieten sind diese Anforderungen an den Internetanschluss happig, doch wer über einen entsprechenden Anschluss verfügt, kann mit Shadow PC durchaus seine Freude haben.
Grundsätzlich versucht Shadow PC, die Qualität des Streams an unsere Hardware anzupassen. Wollen wir also auf einen 1440p-Monitor mit 144 Hz streamen, wird das von der App erkannt und so eingestellt. Je höher die Auflösung und Bildrate, desto höher auch die Anforderungen an die Bandbreite unserer Internetverbindung.
Der Faktor, durch den Cloud-Gaming im Jahr 2019 noch limitiert wird, liegt allerdings in der Latenz. All unsere Eingaben, egal ob mit Maus und Tastatur oder dem Gamepad müssen schließlich erst über das Internet an den Cloud-PC übertragen werden, der diese dann wiederum umsetzt.
Die Eingabeverzögerung fällt mit knapp 30 bis 50 Millisekunden zwar relativ gering aus, disqualifiziert den Shadow PC aber für kompetitive Multiplayer-Titel und Esports-Spiele komplett. In FIFA 19 oder Apex Legends sind wir aufgrund der Verzögerung hoffnungslos unterlegen. Ganz allgemein wird diese Latenz vor allem in schnellen Shootern oder Rennspielen spürbar, in denen es auf punktgenaue Bewegungen ankommt.
Multiplayer-Spieler werden mit dem Cloud-Gaming derzeit also keine Freude haben und auch einige Singleplayer-Titel machen nur bedingt Spaß. Langsamere Games wie Strategiespiele oder RPGs funktionieren allerdings sehr gut.
The Division 2 auf dem Smartphone
Der große Vorteil von Cloud-Gaming besteht allerdings nicht nur darin, ein Highend-Spielerlebnis auf einem uralten PC zu ermöglichen. Mit Shadow PC erwachen eure Games auch auf einem kompatiblen Smartphone, Tablet oder Smart-TV zum Leben. Den aktuellen Actionkracher The Division 2 auf dem Smartphone auf der Weg zur Arbeit zocken klingt schon verlockend oder?
Zumindest anfangs. Denn versucht mal, Windows 10 auf einem 5-Zoll-Display zu bedienen: selbst im Tablet-Modus ziemlich knifflig. Immerhin lassen sich Maus, Tastatur und Gamepad am Smartphone nutzen, sofern unser Modell über diese Option verfügt – dann fällt die Bedienung deutlich einfacher aus.
Via WLAN im heimischen Netzwerk klappt die Wiedergabe dann auch wirklich gut, doch selbst unterwegs funktioniert das Ganze – eine gute LTE-Verbindung vorausgesetzt. Da diese aber nicht immer gewährleistet ist, macht das Cloud-Gaming unterwegs nicht wirklich viel Freude. Zumal das äußerst begrenzte Datenvolumen schneller abnimmt, als die Teilnehmer bei The Biggest Loser.
Was ist mit Shadow Ghost und Google Project Stream?
Mit Shadow Ghost haben die Macher eine neuartige Streaming-Box im Repertoire, die die Vorteile der PC-Games mit Konsolenspielen verbinden soll. Dabei richtet sich die knapp 120 Euro teure Kiste also an diejenigen, die ihre Spiele am heimischen Fernseher erleben wollen.
Der Vorteil: Nahezu alle externen Geräte wie Maus und Tastatur, Controller oder externe Festplatte können bequem per USB oder Bluetooth mit der Streaming-Box verbunden werden. Per HDMI 2.0 wird das Bild an den Fernseher übertragen und das in 4K-Auflösung mit 60 Hz. Internet gibt es per WLAN oder mit angeschlossenem Ethernet-Kabel.
Da auch der Shadow Ghost über die Cloud-PCs versorgt wird, bleiben die grundlegenden technischen Spezifikationen gleich. Immerhin ist mit angeschlossenem Netzwerkkabel eine kontinuierlich hohe Verbindungsqualität gewährleistet, dank der Ausfälle und Artefakte minimiert werden.
Auch hier ist mit einer Verbindung von 15 Mbit/s eine Darstellung von 1080p mit 60 fps möglich, eine flüssige Wiedergabe in 4K stellt allerdings auch den Shadow Ghost vor Probleme. Da verbundene Eingabegeräte zusammen mit dem Bild gestreamt werden, fällt der Input-Lag sogar niedriger aus, als beim „klassischen“ Shadow PC, spürbar ist er aber noch immer.
Auf der GDC 2019 hat Google die finale Version von Project Stream vorgestellt, die auf den Namen Google Stadia hört. Alle Infos findet ihr in unserem Artikel:
Googles Vision der Zukunft des Gamings:Google Stadia vorgestellt
Fazit: Ist Cloud-Gaming jetzt eine echte Alternative zum Highend-PC?
Die Antwort lautet „jein“. Wer keinen Gaming-PC zu Hause stehen hat und keinen vierstelligen Betrag investieren kann oder will, kann mit Cloud-Gaming schon heute aktuelle Games in hohen Grafikdetails zu einem fairen Preis erleben und das (zumindest theoretisch) sogar auf dem Smartphone.
Modelle wie der Shadow PC haben das Potential zur nächsten großen Innovation im Gaming, immerhin liefert das Konzept bereits heute größtenteils beeindruckende Ergebnisse. Vor allem die vielfältigen Einsatzgebiete und der hohe Komfort dürften viele Interessenten ansprechen.
Auch preislich positioniert sich die Technologie durchaus gut, immerhin kostet ein neuer Gaming-PC in etwa so viel, wie vier Jahre im Abo von Shadow. Da sind die Stromkosten für einen Computer und etwaige Hardwaredefekte noch nicht einmal mit einberechnet. Auch künftige Hardwareupgrades des Cloud-PCs sind im Preis enthalten, auch wenn wir keine Ahnung haben, wann diese erscheinen und in welcher Form sie erfolgen werden.
Eine schnelle Internetverbindung vorausgesetzt kann sogar die Bildqualität größtenteils überzeugen. Vor allem, wenn wir nicht unbedingt 4K und 100 fps brauchen – Spiele in Full HD werden zumindest meistens flüssig dargestellt. 15 Mbit/s sind allerdings das absolute Minimum und gerade unterwegs nicht jederzeit gewährleistet. Sinkt die Verbindungsqualität, sinkt auch der Spielspaß rapide.
Bildaussetzer und Artefakte sind extrem nervig und können selbst bei einer guten Leitung jederzeit auftreten. Das Hauptproblem liegt allerdings im Input-Lag, der jederzeit spürbar ist. Aus diesem Grund disqualifiziert sich Cloud-Gaming derzeit noch komplett für schnellere Games oder Esports-Titel, während langsamere Games kein Problem darstellen.
Eine wirkliche Alternative zu einem absoluten Highend-PC ist Cloud-Gaming im Jahr 2019 also noch nicht. Eine günstige und komfortable Option, die ambitionierte PC-Spieler mit sehr schneller Internetverbindung in Betracht ziehen könnten, allerdings allemal.