Doppelte Embacher-Flugshow und ein Rekord der Herzen
Stephan Embacher erlebte beim Kulm-Doppel sein erfolgreichstes Weltcup-Wochenende. Johannes Lamparter segelte bei der Skiflug-Premiere der Nordischen Kombinierer auf 236,5 Meter.
Was für eine Flugshow der besten Skispringer der Welt! Auch am zweiten Tag des Kulm-Skifliegens kamen die tausenden Zuschauer:innen voll auf ihre Kosten. Die Hauptdarsteller Stephan Embacher und Domen Prevc zelebrierten Skiflug-Kunst auf höchstem Level und pushten sich gegenseitig zu absoluten Topsprüngen. Einmal mehr hat Stephan Embacher sein besonderes Fluggefühl unter Beweis gestellt und segelte beim Skiflug-Weltcup in Bad Mitterndorf auf 240,5 und 225 Meter. Mit dem sensationellen Flug auf 240,5 Metern im ersten Durchgang überflügelte der 20-jährige Tiroler auch seine bisherige persönliche Bestweite.
Stephan Embacher jubelte über seine persönliche Bestweite von 240,5 Metern
"Es war ein grandioses Wochenende hier am Kulm. Ich habe mich vom ersten Sprung hier wohlgefühlt", zog Stephan Embacher sehr zufrieden Bilanz. "Vor allem der erste Sprung auf 240,5 Meter war richtig stark. Es war sicherlich das beste Weltcup-Wochenende meiner Karriere. Dass mir das auch noch daheim vor heimischem Publikum gelingt, macht es wunderschön!"
Stephan Embacher zeigte am Kulm konstant Sprünge auf höchstem Niveau
Österreichs Überflieger gratulierte auch Domen Prevc (SLO) zum Doppelsieg am Kulm – und zum sensationellen neuen Schanzenrekord von 245,5 Metern. Mit dieser Höchstweite übertrumpfte er seinen Bruder Peter Prevc, der genau vor 10 Jahren auf 244 Meter segelte.
Ergebnisse 2. Skifliegen Kulm 2026
Rang
Name
Weiten
Punkte
1. Platz
Domen Prevc (SLO)
238,0/245,5
463,2
2. Platz
Stephan Embacher (AUT)
240,5/225,0
438,4
3. Platz
Johann Andre Forfang (NOR)
225,5/224,0
405,0
4. Platz
Tomofumi Naito (JPN)
223,5/242,5
404,7
5. Platz
Andreas Wellinger (DER)
223,0/219,5
394,1
01
Stephan Embacher bewies sein besonderes Fluggefühl
Beim ersten von zwei Kulm-Fliegen erlebten die über 13.000 Fans eine hauchdünne Entscheidung um den Sieg mit Stephan Embacher in einer der Hauptrollen. Nach zwei Durchgängen ging es um eine Differenz von lediglich 1,1 Punkten, es war ein extrem knappes Duell um um Platz 1. Nur der zwölffache Saisonsieger Domen Prevc konnte das nächste Kapitel der Erfolgsstory des 20-Jährigen Tirolers nach Olympia-Gold im Superteam-Springen (noch) verhindern. Umso bemerkenswerter macht die Leistung der Umstand, dass Stephan Embacher den ersten Durchgang mit einem gebrochenen Skischuh absolvieren musste. "Es war vor dem ersten Sprung schon etwas hektisch wegen dem Skischuh. Aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung heute. Es waren zwei sehr gute Sprünge", betonte Stephan Embacher. "Domen und ich schenken uns nichts, es ist ein cooles Duell. Morgen sind die Karten wieder neu gemischt!"
Damit spricht Stephan Embacher den Zuschauer:innen wohl aus der Seele. Denn jeder hier in Bad Mitterndorf hat an diesem Samstag gespürt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Stephan Embacher alle überflügelt und seinen ersten Weltcupsieg feiern kann.
Stephan Embacher und Daniel Tschofenig zeigten am Kulm starke Flüge
Ein starke Aufholjagd glückte Daniel Tschofenig im zweiten Durchgang hin – er verbesserte sich mit einem starken Flug auf 212,5 Metern um neun Plätze auf Rang vier. Der Kärntner findet sich immer besser mit der Skiflugschanze am Kulm zurecht und wer weiß, was Daniel Tschofenig für den zweiten Kulm-Bewerb noch im Talon hat.
Bevor der erste Springer vom Bakken ging und in der Pause zwischen erstem und zweitem Durchgang war es die Flugshow der Flying Bulls und der HSV Red Bull Salzburg Fallschirmspringer mit ihrem Fahnensprung, die die Zuschauer:innen begeisterte. Die perfekte Einstimmung auf die Flugshow der weltbesten Skiflieger.
Ergebnisse 1. Skifliegen Kulm 2026
Rang
Name
Weiten
Punkte
1. Platz
Domen Prevc (SLO)
213,5/228,5
433,0
2. Platz
Stephan Embacher (AUT)
223,0/219,5
431,9
3. Platz
Jonas Schuster (AUT)
215,5/204,5
401,1
4. Platz
Daniel Tschofenig (AUT)
201,0/212,5
392,7
5. Platz
Maximilian Ortner (AUT)
202,0/205,5
386,5
02
Johannes Lamparter mit einem Rekord der Herzen
Johannes Lamparter jubelte nach seiner Flugshow am Kulm
ZIIIEEEHHH!!! Was für eine Flugshow von Johannes Lamparter! Zum ersten Mal überhaupt bestritten die Nordischen Kombinierer einen Weltcup-Bewerb auf einer Flugschanze – und der 24-jährige Tiroler drückte dem Bewerb seinen Stempel auf. Der dreifache Olympiamedaillensieger segelte bei der Weltpremiere am Kulm auf sensationelle 236,5 Meter, nur 7,5 Meter kürzer als der aktuelle Schanzenrekord der Spezialspringer, der bei 244 Metern liegt und 2016 von Peter Prevc aufgestellt wurde.
Johannes Lamparter jubelte nach seiner Flugshow am Kulm
Damit durchbrach er eine Schallmauer – so weit flog noch nie ein Nordischer Kombinierer – ein Weltrekord der Herzen! Denn Johannes Lamparter musste bei der Landung in den Schnee greifen – nur dieser kurze Griff in den Schnee verhinderte den Eintrag dieses grandiosen Fluges in die Sport-Geschichtsbücher. "Ich bin voll auf Attacke gegangen, da schießt das Adrenalin voll ein", betonte der 24-Jährige. "Ich habe gleich gemerkt, dass ich voll drauf war auf der Welle. Das war einer meiner besten Sprünge. Diese Emotionen und Gefühle werde ich nie vergessen."
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Fotofinish um den Kulm-Sieg
Nach seiner famosen Flugshow startete Johannes Lamparter mit 6 Sekunden Vorsprung auf den Franzosen Marco Heinis und 12 Sekunden Vorsprung auf den Finnen Ilkka Herola in den Langlauf über 7,5 Kilometer. Der Gesamtweltcupführende zeigte vom Start weg, dass er alles in die Waagschale legen wird, um den Heimsieg zu holen. Doch Ilkka Herola machte auf der Loipe mächtig Dampf: Er egalisierte den Rückstand und schloss auf der dritten von insgesamt sieben Runde auf. Ab diesem Zeitpunkt war es ein beherzt geführter Zweikampf um den Sieg.
Auf der Zielgerade kam es zum großen Showdown zwischen Johannes Lamparter und Ilkka Herola. Sie holten auf den letzten Metern nochmal alles aus sich heraus – am Ende trennte die beiden Olympia-Medaillengewinner nur eine Hundertstelsekunde zugunsten des Finnen. Doch auch der zweite Platz war für Johannes Lamparter mit seinem 236,5 Meter Flug ein erfolgreicher Wettkampf mit vielen Emotionen bei der Weltpremiere der Nordischen Kombinierer am Kulm.
Auch Skiflug-Weltmeister Andi Goldberger gratulierte Johannes Lamparter
Denn mit diesem zweiten Platz fixierte Johannes Lamparter nach der bereits gewonnenen Massenstart-Kugel den Sieg im Compact-Weltcup, außerdem baute er auch seine Führung im Gesamtweltcup aus. Dementsprechend positiv fiel sein Resümee aus: „Den zweiten Platz nehme ich gern, alles in allem war es ein erfolgreicher Tag!“
Wie ein Olympiasieg beflügeln kann, zeigte Stephan Embacher bei der Qualifikation für die beiden Skiflug-Bewerbe am Kulm. Mit viel Selbstvertrauen ließ der Tiroler bereits am Freitag sein Flugtalent aufblitzen und segelte auf 219 Metern – Tageshöchstweite! Damit war er nicht nur der Weiteste, sondern sammelte mit einer schönen Landung auch die meisten Punkte. Mit insgesamt 210,4 Punkten ließ er Naoki Nakamura (208,9 Punkte) und Domen Prevc (205,3 Punkten) hinter sich. Mit starken 212 Metern und Platz vier zeigte auch Daniel Tschofenig auf und zählt zu den heißen Kandidaten auf einen Spitzenplatz bei den beiden Skiflug-Bewerben am Samstag und Sonntag am Kulm.
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Legendärer Kulm
Von 27. Februar bis 1. März 2026 gehen die besten Skiflieger der Welt am Kulm auf (Rekord-)Weitenjagd – und die Nordische Kombination erlebt mit dem Compact-Bewerb auf einer Skiflugschanze eine Weltpremiere an diesem legendären Ort. Denn hier im steirischen Bad Mitterndorf wurde schon viel österreichische Skisprung-Geschichte geschrieben – die untrennbar mit der Familie Neuper verbunden ist. Seit mehr als 70 Jahren wird am Kulm geflogen – damals war Hubert Neuper sen. einer der Pioniere der Skisprungschanze am Kulmkogel. 1996 war es Hupo Neuper jun., der als WM-Organisator 1996 Andreas Goldberger – vor genau 30 Jahren - die Bühne bereitete, um einen seiner größten Erfolge zu feiern: Die Goldmedaille bei der Skiflug-Heim-WM vor zehntausenden Zuschauern am Kulm. Auch Thomas Morgenstern durfte am Kulm bereits über Medaillen jubeln. Heute zählt der Kulm zu den größten Skiflugschanzen der Welt und macht Weiten über 240 Metern möglich. Der aktuelle Schanzenrekord liegt bei 244 Metern, gehalten von Domen Prevc.