So gelingt das Leben im Van
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Motoring

Van-Life: Mit 5 Schritten in die Freiheit

Du spürst den Drang, auszusteigen und deinen Alltag einfach hinter dir zu lassen? Mit unserem Guide für ein gelungenes Leben im Bus holst du dir die Lust auf die Welt zurück.
Autor: Daryl Mersom
5 min readPublished on
Wenn du auf Instagram nach dem Hashtag #vanlife suchst, dann bekommst über zwei Millionen Ergebnisse, die dir ein Fenster in grüne, abgeschiedene Landschaften und auf Menschen bieten, die zurück zur Natur finden und diese in vollen Zügen genießen. Dass der Hashtag #officelife nur halb so viele Ergebnisse liefert, ist nur ein Sinnbild für die große Sehnsucht nach Freiheit, die sich in unserer Gesellschaft eingestellt hat.
Klar, wenn du dich selbst in den kränklich dahinvegetierenden getopften Pflanzen in deinem Büro wiedererkennst und dieser eine Kollege dich nun vollständig in die Apathie getrieben hat, dann ist es ganz natürlich und naheliegend, dass du einfach nur raus willst.
Aber Halt! Bevor du jetzt vorschnell deine Kündigung einreichst und dem Ruf der Freiheit folgst, solltest du dir Rat von jenen Menschen holen, die den Ausstieg mit dem Van auch wirklich durchgezogen und geschafft haben. Die folgenden fünf Schritte helfen dir dabei, das Leben im Van anzugehen und zu meistern.

1. Leg dir einen Van zu

Den ersten Schritt, den du klarerweise gehen musst, ist gleichzeitig der wichtigste. Wenn du hier Fehler machst, dann kannst du dir nachhaltige Probleme einhandeln.
Sabrina und Jimmy Horel haben ihre energiezerrenden Alltagsjobs hinter sich gelassen, um in ihrem VW Bus (Modelljahr 73) auf Reisen zu gehen. Sie suchten nach Freiheit und nach einem Ausweg aus unserer materialistischen Kultur, also hat sich das Ehepaar auf die Straße begeben und wandxr.co-, Instagram-, Facebook- und Tumblr-Accounts angelegt, um ihre Erlebnisse zu dokumentieren und mit der Welt zu teilen.
„Wir lieben unseren VW Bus, weil er jede Menge Platz zu bieten hat“, erzählen Sabrina und Jimmy. „Er ist hoch genug, um darin zu stehen und zugleich so kompakt, um auch in Städten übernachten zu können. Er ist ein klassischer 1973er, aber extrem ausdauernd. Wir haben damit kaum Probleme. Vor allem die Mechaniken darin sind simpel gebaut, weshalb wir auch selbst Hand anlegen und an ihm arbeiten können.“
Interessanterweise haben fast alle, mit denen wir gesprochen haben, einen VW Bus empfohlen. Als Alternative bietet sich aber auch ein 4x4 an – für all jene, die sich noch einmal etwas vom Konsens abheben wollen.

2. Statte ihn aus

Hier geht es weitgehend um den technischen Aspekt, den das Leben aus dem Van mit sich bringt und das viele Leute mit ziemlicher Sicherheit als erste große Hürde empfinden. Wenn das Fach-Schwätzen also nicht wirklich dein Ding ist, dann solltest du diesen Schritt lieber auslassen und nach einem Bus Ausschau halten, in dem bereits alles Notwendige verbaut ist.
Brent Rose ist ein Journalist und Filmemacher, der die USA bereist und dabei immer auf der Suche nach Geschichten ist. Er hat sich die ganze Technik selbst in den Bus gebaut und hat darüber auch einiges zu sagen.
„Ich müsste hier einen ziemlich langen Artikel abfassen, um alles Notwendige abzuhandeln“, gesteht der streunende Journalist. „Ich habe meinen Van gebraucht gekauft und er war bereits umgebaut – es war im Grunde ein kleiner RV im Körper eines Kleinbusses.“
„Er hatte einen Kühlschrank, eine Spüle, einen Ofen, eine Mikrowelle, ein Bett, eine Dusche und eine Toilette, plus: jede Menge Schränke und einen eingebauten Propan-Generator. Nachdem ich ihn mir gekauft habe, habe ich das Ganze aber noch viel weiter getrieben: Ich habe mir Solarzellen, eine Lithium-Batterie, ein fortgeschrittenes Sicherheitssystem, einen Fingerabdruckscanner, WLan, farbverändernde Lichter und ein großartiges Stereo-System verbaut.“
Wenn all das für dich nach etwas zu viel Arbeit klingt, dann solltest du dir einfach einmal einen ausgestatteten Van ausborgen und für ein paar Tage raus in die Natur fahren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was du tatsächlich brauchst und auf was du gut und gerne verzichten kannst.
Brent Rose und sein Van unter dem Sternenhimmel

Brent Rose und sein Van unter dem Sternenhimmel

© Brent Rose

3. Reise nur mit dem Nötigsten

Dich erwartet eine spirituelle Entdeckungsreise, auf der dein ganzes Zeug denkbar überflüssig ist. Dein iPad kannst du also gleich einmal aus dem Fenster werfen.
Das Leben im Van hat Bertrand Lanneau, Autor von „Drive your Adventure“, beigebracht, die notwendigen Skills über den materiellen Besitz zu stellen. „Anpassungsfähigkeit, die Umgebung bewerten zu können und mit Wenigem viel zu machen, sind alles Fähigkeiten, die du brauchen wirst“, erklärt er.
„Reise leicht und bring wirklich nur das Nötigste mit. Du wirst viel weniger Probleme haben, wenn du dein Leben auf diesen Grundsatz herunterbrichst. Seitdem ich das Ganze zum ersten Mal probiert habe, habe ich realisiert, dass ich kaum etwas Materielles brauche, um glücklich zu sein. Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall.“

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4. Das Parken und Übernachten

Das Leben im Van bringt – klarerweise – einige neue Herausforderungen mit sich und die hier angesprochene ist eine der größten. Probleme mit dem Parken kannst du aber vermeiden, wenn du etwas Planung in diese Materie steckst.
„Sich an seltsamen, neuen Orten nach einem sicheren und idealerweise legalen Parkplatz umzusehen, kann zu einer echt aussichtslosen Verzweiflungsarbeit ausarten“, erzählt Brent. „Besonders in Städten ist es hart, wo es nicht selten Gesetze gegen solche Übernachtungen gibt.“
„Dieser ganze Prozess verlangt eine Menge mentale Energie. Jedes noch so kleine Geräusch in der Nacht weckt dich, da du immer wachsam sein musst. Ich habe mich selbst schon in manchen skurrilen Situationen wiedergefunden, aber ich hatte immer wieder Glück.“

5. Das Ethos

Abschließend lässt sich sagen: Für uns Menschen fühlt sich das Ethos, dem man sich mit einem Van-Leben verschreibt, nicht unbedingt neu an. Du solltest diese Denkweise und Werthaltung relativ schnell annehmen können. Wie Sabrina und Jimmy betonen, haben wir alle den inneren Drang, nach draußen zu gehen und die Welt zu entdecken.
„Ein nomadischer Trieb gehörte schon immer zu uns Menschen“, meinen die beiden. „Es liegt in unserer Seele. Von den Höhlenmenschen über die antiken Entdecker bis hin zu den Hippies, die in den 60er- und 70er-Jahren in den Vans gelebt haben, haben es die Menschen immer geliebt, durch die Welt zu ziehen. Heute tun sie das in den sozialen Medien.“