Marcel Hirscher im Audi Talk im M32 in Salzburg
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Ski

"Audi Talk": Marcel Hirscher im exklusiven Interview

Österreichs Ski-Held Marcel Hirscher spricht im Audi Talk mit Stefan Steinacher über "Märchenprinz" Manuel Feller, Freeriden, eine mögliche Rallye-Dakar-Teilnahme und den Titel, der ihm noch abgeht.
Autor: Günter Baumgartner
5 min readPublished on

Marcel Hirscher über den Märchenwiese-Spruch von Manuel Feller:

„Für mich ist da wenig Emotion dahinter, weil ich weiß, wie wir reden. Aber klar ist das ein leichterer Hang, den man schwer vergleichen kann mit Wengen oder Kitzbühel, wo der technische Anspruch ein ganz anderer ist. Eine Märchenwiese ist nicht unbedingt das steilste oder schwerste, was es gibt, aber das macht es nicht leichter ein Rennen dort zu gewinnen.“

Marcel Hirscher über "Märchenprinz" Manuel Feller und seinen ersten Weltcup-Sieg in Flachau:

"Ich habe mir den zweiten Lauf angeschaut und find es supercool. Ich hatte echt eine Freude, weil es doch von der Linie am Limit war und es gleich nach dem Start sehr schwierig war in der Flachau. Da habe ich mir gedacht: Bitte Manu, schau dass du da drüber kommst. Aber er ist das genial gefahren und sehr überlegt. Der Punch hat mir sehr getaugt."
Marcel Hirscher im Audi Talk im M32 in Salzburg

Marcel Hirscher im Audi Talk im M32 in Salzburg

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Marcel Hirscher über das aktuelle österreichische Slalom-Herren-Team

"Ich glaube, dass die Einstellung gerade richtig gut ist im Team. Sie haben sehr viel Benefit voneinander und sie können sich pushen. Früher war es glaub ich im Slalom-Team im Training schon so, wenn sie nahe an mich herangekommen sind oder sogar schneller waren als ich, dann sind sie im Weltcup gut dabei. Das war vielleicht dann nach meinem Rücktritt schwer. Man merkt, jetzt ist das Vertrauen da ins Skifahren, ins Können, ins Setup. Das macht einen echt guten Eindruck."

Marcel Hirscher über seine Konstanz:

"Man merkt, wie schwer es ist, über lange Zeit zu performen. Ob das auch meine Erfolge noch besser macht, müssen andere beurteilten. Aber für mich bekommt alles mehr Kontur und mehr Stellenwert. Mir war das nicht bewusst, was es heißt, Rennen für Rennen für Rennen dieselbe Leistung abzurufen. Es wird mir langsam klar, was da alles möglich war."
"Entweder man hat das, oder man hat das nicht. Die Gabe, dass man im Rennen zulegt. Das kann man auch nicht trainieren."
Marcel Hirscher über mentale Stärke

Marcel Hirscher über seine mentale Stärke:

"Entweder man hat das, oder man hat das nicht. Die Gabe, dass man im Rennen zulegt. Das kann man auch nicht trainieren. Im Wettkampf noch einmal einen drauf zu setzen, das ist ein Geschenk, das man mitbekommt."

Marcel Hirscher über seine Fitness:

"Ich gehe natürlich nicht mehr täglich ins Studio, aber es ist mir wichtig, dass ich einen gewissen Fitnesslevel beibehalte. Die Knie machen keine Probleme, der Rücken ist auch ganz okay. Man kann also sagen, dass ich fitter bin als die meisten Dreißigjährigen."

Marcel Hirscher über ein Renn-Comeback:

"Ich denke selbst oft darüber nach, wie es wäre ohne den ganzen Stress. Aber es ist gut, wie es ist. An der Freude am Skifahren ist es nie gelegen. Aber wenn man so lange in der Auslage steht, ist ein Punkt erreicht, wo man sagt: Es geht nicht mehr. Aber ich habe noch ein Ziel: Ich möchte heuer noch Clubmeister bei mir daheim in Annaberg werden. Das ist der Titel, der mir noch fehlt."
Marcel Hirscher liebt das Freiheitsgefühl als Freerider

Marcel Hirscher liebt das Freiheitsgefühl als Freerider

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Marcel Hirscher über ein mögliches Comeback als Freerider:

"Eher nein. Ich will mich nicht mehr judgen lassen. Wieder einen Weltcup bestreiten, da wäre der Spaß schnell weg, die Freude. Ich würde ja wieder genau so akribisch arbeiten wie im Ski-Weltcup. Mein Skifahren hat mit dem Skifahren dort nichts zu tun. Zu glauben, dort schnell Fuß fassen zu können, ist genau so ein Blödsinn wie umgekehrt."

Marcel Hirscher über Entbehrungen im Weltcup:

"Es geht mir nicht ab. Der Tag hat um 6.00 Uhr begonnen und ging bis um etwa 21.30 Uhr. Während der Saison war nicht viel an Schlaf zu denken. Wenn man zehn Jahre so in der Auslage steht, dann ist ein Limit erreicht. Es geht nicht mehr und ich mag auch nicht mehr. Ich habe versucht, es zu pushen, solange es geht. Das war der Zugang: Die Zeit, in der ich da bin, will ich so viel wie möglich mitnehmen."

Marcel Hirscher über das Reisen:

"Ja, ich war auf der ganzen Welt unterwegs, aber ich habe kaum etwas gesehen. Flughäfen und Skipisten, das war es die meiste Zeit aber dann auch schon wieder. Laura war aber zum Glück immer an meiner Seite, um einen Funken Normalität auch zu haben. Wir haben dann am Abend vielleicht noch eine Serie geschaut oder was Gutes gegessen."
Marcel Hirscher gab im Audi Talk tiefe Einblicke

Marcel Hirscher gab im Audi Talk tiefe Einblicke

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Marcel Hirscher über Freiheit:

"Tiefschnee fahren, Freeriden, Motorsport: Mein Leben ist gerade bunter als immer nur Blau-Rot-Blau-Rot."

Marcel Hirscher über seinen engen Freund Matthias Walkner nach der Rallye Dakar

"Wir haben schon hin und her geschrieben. Das Wichtigste ist, dass er gesund im Ziel angekommen ist. Er hatte riesiges Pech, aber wenn man ein bisschen Rechnen kann, dann weiß man, wie schnell er gewesen ist in Summe. Und das zeigt, wie schnell dieser Mann wirklich ist und warum er 2018 die Dakar auch schon einmal gewonnen hat."

Marcel Hirscher über einen Start bei der Rallye Dakar:

"Mein enger Freund Matthias Walkner hat schon gewisse Pläne mit mir. Schauen wir mal, wie sich das alles entwickelt. Die Dakar ging gerade zu Ende, eines der letzten riesengroßen Abenteuer mit tausenden Kilometern durch die Wüste. Ich bin fasziniert, dass Audi diesen Weg geht ab 2022, noch dazu mit einem E-Auto, darauf bin ich extrem gespannt. Und wer weiß, welche Möglichkeiten sich für mich irgendwann ergeben."
Marcel Hirscher testet die Skibekleidung auf Herz und Nieren

Marcel Hirscher testet die Skibekleidung auf Herz und Nieren

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Marcel Hirscher über "The Mountain Studio"

"Das ist eine Herzensangelegenheit von mir. Wir entwickeln gerade eine Skibekleidung im High-Quality-Bereich. Für ambitionierte Leute, die tagtäglich draußen sind. Es geht uns auch um Nachhaltigkeit, dass man die Bekleidung immer anziehen kann – nicht nur zum Freeriden oder auf der Piste, sondern auch, wenn man einmal Semmeln holen gehen muss im Winter. Wir sind gerade dabei, das Produkt weiterzuentwickeln und zu verbessern. Darum bin ich auch viel draußen unterwegs um es zu testen und mein Feedback weiterzugeben."

Marcel Hirscher über sich als Ski-Papa:

"Es ist jetzt einfach ein kennenlernen. Was ist ein Ski, eine Bindung, ein Skischuh. Einfach bisschen herumstapfen. Mehr will ich auch gar nicht. Das muss von ihm kommen, dass er sagt: 'Papa, gehen wir Skifahren'. Also kein Stress, das passt sehr gut so."

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Marcel Hirscher

Achtfacher Gesamtweltcupsieger, sechsfacher Slalom- und RTL-Gesamtweltcupsieger, siebenfacher Weltmeister, zweifacher Olympiasieger. Dann der Rücktritt, bald folgt das Comeback - für die Niederlande.

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