Music

Newcomer-Radar: 11 neue Acts für deine Playlist

Deine Musik-Sammlung braucht eine Frühjahrs-Auffrischung. Wie wär‘s mit diesen heimischen Perlen?
Autor: Manuel Kurzmann
6 min readPublished on
Diese 11 Acts haben den Sound für den Frühling

Diese 11 Acts haben den Sound für den Frühling

© [unknown]

In Wien gibt es eine Institution, die Musikjournalisten einiges an Recherche-Arbeit abnimmt. Morgen findet wie fast jedes Monat der Club Nolabel im B72 statt, der, wie der Name schon verrät, Künstlern eine Bühne bietet, die noch keine Signatur unter einen Plattenvertrag gesetzt haben. Die Verantwortlichen der Veranstaltungsreihe scheinen ihre Augen und Ohren überall zu haben, denn sie buchen regelmäßig Acts, über die ein paar Monate später jeder spricht – u.a. bereits Farewell Dear Ghost, Leyya oder Mavi Phoenix.

Das Original Red Bull

Red Bull Energy Drink

Red Bull Energy Drink
Wir haben dies zum Anlass genommen, um euch einige heimische Newcomer vorzustellen, die eine große Zukunft vor sich haben könnten. Einen Act auf unserer Liste, Lorbeeren, könnt ihr euch morgen im B72 ansehen, einige haben dort schon in der Vergangenheit brilliert (u.a. Attic Giant, PÆNDA) und einige haben wir ausgesucht, damit dann keiner sagt, wir hackeln selber nix... 😇

PÆNDA

Electro-Pop. Eine Prise House, Hip-Hop, Trap. Und vor allem: Eine Stimme mit fast hypnotischer Wirkung. Die in Wien lebende Künstlerin hat es im vergangenen Jahr geschafft, einen Senkrechtstart hinzulegen. Besonders beachtlich ist, dass sie einen Großteil ihrer Kunst im Alleingang kreiert, von Song-Produktion bis Musikvideo. Dieses Brennen fürs eigene Schaffen spürt man – und diese Eigenständigkeit wird ihr noch oft zugutekommen. Dass ihr Sound den Puls der Zeit trifft, ohne in Gefahr zu laufen, in einen plumpen Schema-F-Pop abzudriften, lässt eine mutige Prognose zu: PÆNDA könnte schon bald auf großer internationaler Bühne für Aufsehen sorgen.

Paul Nouvet

Der 23-Jährige hat schon jetzt eine filmreife Vita vorzuweisen. Kurzform: Paul stand mit 17 in Paris kurz vor der Obdachlosigkeit, Pete Doherty nahm ihn auf und wurde sein musikalischer Mentor. Er modelte in der Folge für Star-Designer Hedi Slimane. Er lernte so Slimanes Muse, die Wienerin Helena Severin, „Model of the Year 2016“ bei den Vienna Fashion Awards, kennen und lieben. Letztes Jahr zogen die beiden nach Wien – und aktuell arbeitet Paul Nouvet an einem Album, DIY versteht sich...

Attic Giant

Man lässt sich ja schnell mal zu großen Vergleichen verleiten, um neue Acts vorzustellen. Also schreiben wir an dieser Stelle mal Bon Iver hin, fühl dich nicht unter Druck gesetzt, Daniel Tischler (kennst du ja schon, hat der Musikexpress auch gemacht). Es ist der Mut zur Schlichtheit, diese kleinen, liebevoll arrangierten Rafinessen und diese Poesie in den Texten, die Attic Giant zu einem Klangerlebnis machen, das in der richtigen Situation wohl auch den stärksten Macker zu Tränen rührt. Da bleibt nur eines zu sagen: Danke für die schöne Musik!

Meydo

Der in der Demokratischen Republik Kongo geborene Rapper sorgte Ende 2015 mit seinem Track „Mein Negro“ erstmals für Aufsehen. Mittlerweile sind längst große Hip-Hop-Instanzen wie die Juice oder das splash! Mag auf ihn aufmerksam geworden. Der Grund ist einfach: Meydo ist kein Poser – er hat den Rhythmus einfach im Blut, was sicher auch daran liegt, dass er schon mit Elf Schlagzeug spielte. Er balanciert mit Deutsch und Französisch als sei es das Leichteste der Welt, dazu eine gute Dosis Südstaaten-Swag – et voilà, der Club tanzt. Übrigens: Sein neuer Track „Tha Shit“ ist erst gestern via DVMD Music erschienen:

We Blame The Empire

Die Metalcore-Band aus Oberösterreich hat im Januar ihr Debütalbum vorgelegt – zwei Jahre nach der Bandgründung. Ihre Musik ist in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert. 1. Ihre Texte sind nicht bloß Begleitwerk, sondern essentielles Stilelement mit Substanz. Sozialkritik trifft persönliche Erfahrungen. 2. Sie bedienen nicht nur ihr Genre, sondern scheinen auch auf Breitenwirksamkeit bedacht zu sein. Und sie haben ein Gefühl für den großen Refrain. 3. Sie verstehen ihre Musik als Gesamtkunstwerk – vom ausproduzierten Sound bis zum stimmigen Musikvideo. Zusammengefasst: We Blame The Empire tritt in die doch großen Fußstapfen, die mittlerweile getrennte Genre-Größen wie The Sorrow oder Sensylis hinterlassen haben.

Lorbeeren

"Keine Vorliebe für Cousinen, kein gelber Lambo, dafür reichlich Pelz. Lorbeeren chartet - New York Times". Der Info-Text auf ihrer Facebook-Page beweist schon mal, dass sie sich selbst nicht zu ernst nehmen. Sehr gut. Dass die Band das Social-Media-Game versteht, beweist auch das eine oder andere lustige GIF oder Snapchat-Video auf ihrer Seite. Fein. Vor allem aber schreiben die fünf Wiener Ohrwürmer mit verdammt guten Lyrics. Sie haben längst gecheckt, dass eine gute Songzeile eine prägendere Wirkung haben kann als ein wummendes Gitarrensolo. Oder anders erklärt: Eine klare Suppe schmeckt nur perfekt, wenn ein Lorbeer-Blatt beigefügt wurde.

Jugo Ürdens

Sogar die „Heute“ hat schon realisiert, dass der Wiener Rapper mit mazedonischer Herkunft zum neuen geilen Scheiß zählt. Textlich ist das schon jetzt Königsklasse. Wenn Jugo Ürdens beispielsweise über den Verleihungs-Tag einer rot-weiß-roten Staatsbürgerschaft rappt, dann ist das so ausgeklügelt und witzig erzählt, dass diverse Schlager/Pop-Wuzzis, die mit peinlicher Patriotismus-Huldigung viel Geld verdienen, baden gehen können. So ganz nebenbei hat der Wunderknabe seine EP „Ajde“ unter dem Synonym jue selbst produziert. Überhäuft ihn bitte wer mit Gold?

Movski

Falk Schacht ist bereits Fan des Wieners. Der Rapper wurde als Teil des Kollektivs Sprachsex (Jugo Ürdens haben wir ja gerade eben vorgestellt) bekannt und bringt alles mit, was es für eine erfolgreiche Solokarriere braucht: herausragende Sprachkunst, herausragender Typ, herausragende Bewegtbilder. Die Welt liegt dir zu Füßen, Movski, hol sie dir!

KAIKO

Die Musik dieser Band aus Graz könnte man vielleicht mit dem gestrigen Zeitumstellungs-Tag vergleichen: Man kämpft sich etwas verschlafen aus dem Bett, doch die Laune verbessert sich auch bedingt durch den Sonnenschein Stunde für Stunde. Also raus an die frische Luft, die Welt vergessen und sich freuen, weil es jetzt endlich wieder länger hell ist. KAIKO bloß in die gute-Laune-Schublade einzuordnen, wäre aber falsch, da es sich um facettenreiche Musiker handelt, die sich auch mal ein Nirvana-Cover trauen oder Britney Spears neu interpretieren. Fazit: Diese Band zaubert ein Lächeln ins Gesicht.

Pauls Jets

Vaseva

Maria ist die Cousine von Severin. Die beiden sind aus Tirol, wohnen aber mittlerweile in Wien. Musik machen sie gemeinsam schon seit sechs Jahren und in dieser Zeit sind 300! Songs entstanden, von denen natürlich nur ein Bruchteil veröffentlicht wurde. Das Besondere an den beiden: Vaseva trauen sich, Pop zu machen, aber ohne diese furchtbaren Überzeichnungen oder die Erfindung irgendeines schaut-mich-an-ich-bin-so-cool-Images. Stattdessen erzählen die beiden Persönliches und lachen dabei auch schon mal peinlich berührt in die Kamera. Echtes Leben in Musikform.