Erst Eislaufschuhe, dann Bike
Ferrand-Prévot stammt aus einer Familie, die im Radsport immer aktiv war, und deshalb wusste sie, dass sie in gewisser Weise für ein Leben auf zwei Rädern bestimmt war. Dabei war ihre Mutter anfangs gar nicht so begeistert, dass ihre Tochter auf dem Bike unterwegs war: "Meine Mutter, die selbst Radrennfahrerin war, wollte nicht unbedingt, dass ich Rad fahre, weil sie meinte, das sei nicht weiblich genug."
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Rob Warner trifft Ferrand-Prévot
Rob Warner reist an die französische Riviera, um sich mit Champ Pauline Ferrand-Prévot zu treffen.
Das war auch der Grund, warum Ferrand-Prévot in jungen Jahren mit dem Eiskunstlauf begann.
Die Verlockung, zum Spaß in die Pedale zu treten, war jedoch ungebrochen, und es gelang ihr schließlich, ihre Eltern davon zu überzeugen, sie in ihrer damaligen Heimat in einem örtlichen Fahrradclub in Reims, Frankreich, anzumelden. Von da an war es mit dem Eiskunstlauf vorbei.
Ich wollte meine Eltern nie beunruhigen.
Ein Kämpferherz
Sehr schnell zeigte sich im Radsportverein und in Wettkämpfen ihr außergewöhnlicher Kampfgeist. Sie wollte zeigen, dass sie in der Lage war, alle zu schlagen, vor allem aber die Jungs. Ferrand-Prévot hatte einen enorm starken Willen, der die Leute um sie herum oft beunruhigte.
"Als ich jung war, war ich in Bezug auf mein Training ziemlich autonom und unabhängig. Alle dachte, meine Eltern würden mich zum Training zwingen, dabei habe ich es einfach gerne gemacht", erinnert sich Ferrand-Prévot. "Wenn ich nicht trainiert habe, bin ich lieber allein im Wald herumgelaufen oder zum Spaß Rad gefahren, als mit Freunden zu spielen."
Ferrand-Prévot meinte einmal, dass sie jemand ist, der Angst hat, sich ständig zu langweilen und dass sie Herausforderungen einfach liebt. Im Alter von acht Jahren wurde ihr angeboten, ein Mountainbike zu fahren, und sie ergriff die Chance sofort: "Mir gefielen die vielen Möglichkeiten und dass ich sowohl Mountainbike als auch Rennrad fahren konnte. Ich wollte nicht das Gefühl haben, immer das Gleiche tun."
Ferrand-Prévot begann schnell Rennen in ihrer Altersklasse zu gewinnen und im Alter von 13 Jahren holte sie ihren ersten nationalen Straßentitel.
"Mit 12 Jahren schlug ich bereits Mädchen, die drei oder vier Jahre älter waren als ich, also denke ich schon, dass man mich bemerkt hatte. Die Pubertät ist immer ein Wendepunkt für junge Sportler. Das kann kompliziert sein. Wenn deine Freunde an den Wochenenden etwas anderes machen als du, ist das nicht einfach. Es geht um Leidenschaft und Entschlossenheit, ansonsten kann es schnell passieren, dass man aussteigt und lieber feiern geht, als zu trainieren."
Wer nicht hören will...
Für Ferrand-Prévot deutete bereits früh alles auf eine Profikarriere hin, da sie sowohl auf der Straße als auch im Gelände gute Ergebnisse erzielte. Damals wurde ihr gesagt, sie solle sich auf eine Disziplin konzentrieren, aber sie hörte nicht auf diesen Rat - trotz logistischer und trainingsbezogener Probleme, die bei Straßenrennen, Cyclocross und Mountainbike auftraten.
"Es war manchmal kompliziert, das alles zu managen. Es gab zeitliche Überschneidungen und Rennen, bei denen man sich entscheiden musste, in welcher Disziplin man antreten wollte. Ich machte immer das, was aus meiner Sicht gut für mich war", erklärt sie.
Und der Erfolg gab Ferrand-Prévot recht. Als Juniorin wurde sie 2009 Weltmeisterin im Cross-Country und wiederholte diesen Triumph ein Jahr später im Jahr 2010, als sie sich auch zur Straßenweltmeisterin krönte. Bemerkenswert ist, dass die Französin zu dieser Zeit auch im Cyclocross-Weltcup und in der Elite-WM am Start stand, da es dort keine Juniorenkategorie gab. Bei der Cyclocross-Weltmeisterschaft 2010 wurde sie hinter ihrer zukünftigen Teamkollegin Marianne Vos Achte.
Endlich Profi
Mit solch beeindruckenden Ergebnisse in unterschiedlichen Disziplinen, war es nicht verwunderlich, dass es genug Teams gab, die sie unter Vertrag nehmen wollten. Ferrand-Prévot entschied sich schließlich für das niederländische Team Rabobank-Liv und wurde 2012 Profi: "Ich war ein großer Fan von Marianne Vos und sie wollte, dass ich Teil von Rabobank-Liv werde. Sie hat mich unter ihre Fittiche genommen und ich habe viel von ihr gelernt. Es war eine gute Schule für das Profiradsportleben. Im Team lernt jeder Radsportler am meisten, und was ich dort gelernt habe, hat mir enorm weitergeholfen."
Das Hauptaugenmerk von Ferrand-Prévot lag 2012 auf London und dem großen Rennen, das nur alle vier Jahre stattfindet. Sie startete dort beim Straßen- und Cross-Country-Rennen.
"Es gab zwei Plätze im Cross-Country-Team und ich kämpfte um den zweiten, denn der erste gehörte Julie Bresset - die damals amtierende XCO-Weltmeisterin", erinnert sie sich. "An dem Tag, an dem ich erfuhr, dass ich mich qualifiziert hatte, wurde mein Kindheitstraum wahr, und auch wenn meine Leistung nicht herausragend war, so hatte ich doch wenigstens eines meiner Karriereziele erreicht."
Ferrand-Prévot hat in ihrer Karriere viele französische Titel gesammelt
© Bartek Wolinski/Red Bull Content Pool
Pure Dominanz
In den Jahren 2014 und 2015 dominierte Ferrand-Prévot die Weltradsport-Szene der Frauen nach allen Regeln der Kunst. Im Jahr 2014 war sie die erste Französin, die in einer Saison vier nationale Titel gewann - auf der Straße, im Zeitfahren, im Cyclocross und im Cross-Country. Doch es sollte noch besser kommen: Im selben Jahr holte sie sich noch den WM-Titel bei der Straßen-Weltmeisterschaft.
Im Jahr 2015 machte sie dort weiter, wo sie 2014 aufgehört hatte und erweiterte ihre Medaillensammlung um weitere zwei WM-Titel im Cyclocross und Cross-Country. Mit nur 23 Jahren trug sie das begehrte Regenbogentrikot in drei unterschiedlichen Radsportdisziplinen gleichzeitig - ein Novum in der Geschichte des Radsports, sowohl bei den Herren als auch bei den Damen.
Ferrand-Prévot war jedoch nicht auf Rekorde aus, sie wollte nur Radrennen gewinnen: "Am Tag vor der Cross-Country-Weltmeisterschaft sagte mir ein Reporter, dass ich, wenn ich gewinne, etwas erreichen würde, was noch nie jemand zuvor geschafft hat (Weltmeisterin in drei Disziplinen zu werden). Ich habe das überhaupt nicht realisiert. Ich wollte einfach nur Rennen gewinnen."
Hinfallen, aufstehen
Aber nichts währt ewig, und so folgten für Ferrand-Prévot einige Jahre, in denen sie mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Diese Zeit war für die Französin sehr belastend.
"Direkt nach meinem WM-Titel im Cross-Country spürte ich Schmerzen in meinem Bein. Ich hatte keine Ahnung, was es war oder woher es kam und es folgte eine schwierige Saison 2016. Es gab Tage, an denen es mir gut ging, aber dann wieder andere, an denen es mir überhaupt nicht gut ging. Ich verstand es nicht und fragte mich, ob ich es in den vergangenen Jahren vielleicht übertrieben hatte."
Aber Ferrand-Prévot gab nicht auf und fuhr weiter. Sie erzielte nach wie vor relativ gute Resultate, aber die Probleme in ihrem Bein verhinderten Spitzenergebnisse. Es fehlte ihr in den Rennen einfach an Power. In dieser Zeit konzentrierte sie sich vermehrt auf Cross-Country und vernachlässigte Cyclocross- und Straßenrennen.
Erst gegen Ende des Jahres 2018 konnten die Ärzte endlich diagnostizieren, was mit ihr los war. Bei Ferrand-Prévot wurde eine Endofibrose der Arteria iliaca (Verengung der Beckenarterie) festgestellt.
"In den letzten vier Jahren hatte ich unerklärliche Schmerzen in meinem Bein, und wenn ich mehr als 70 Prozent gab, hatte ich das Gefühl, mein Bein sei 'tot'. In diesen Jahren war ich oft bei Ärzten und probierte viele verschiedene Behandlungsmethoden aus, aber nichts hat wirklich geholfen."
2019 wurde die Französin schließlich an beiden Beinen operiert. Sie erholte sich schnell und die Operation war erfolgreich: In der zweiten Saisonhälfte gewann sie zwei Weltcuprennen im Cross-Country und wurde in Mont-Sainte-Anne, Kanada, zum zweiten Mal Weltmeisterin.
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Women's XCO finish – Mont-Sainte-Anne
Watch the finish in the Women's cross-country race at the UCI MTB World Championships 2019 in Canada.
Am Ender der Saison 2019 wurde sie erneut an den Beinen operiert, aber dieses Mal war Ferrand-Prévot mental besser in der Lage, mit der Verletzung umzugehen. Die Saison 2020 wurde von der Pandemie unterbrochen, aber als es mit dem Racing endlich wieder losging, behielt sie ihren WM-Titel im Cross-Country und gewann in Nové Město ihr sechstes Weltcuprennen.
Zur Erfolgsgeschichte von Pauline Ferrand-Prévot werden in Zukunft wohl noch viele weitere Kapitel hinzukommen. Wir freuen uns darauf!
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