Da draußen findet sich eine wahre Vielzahl an Ratschlägen, die einem das Fahrradfahren unbeschwerter machen sollen. Manche davon sind gut, andere wiederum … nicht so gut. Wir haben aus dem Pool der letzten Kategorie geschöpft und zeigen dir, warum Mythen manchmal auch einfach nur Mythen sind.
1. Es heißt, du sollst deine Fahrradreifen so hart aufpumpen wie möglich
In den alten Tagen gestaltete sich die Wahl des Reifen-Set-Ups noch relativ einfach: Du hast dir das schmalste Laufrad gesucht, das du finden konntest und hast es bis auf Anschlag mit Luft befüllt. Auch die Rechnung dahinter ist simpel: Je härter der Reifen, desto geringer der Rollwiderstand.
Wie wir es aber mittlerweile gewohnt sein dürften, fallen diese Dinge dann doch wieder etwas komplizierter aus: Die oben formulierte Regel ist nur dann von Wert, wenn du dich auf unglaublich weicher Oberfläche fortbewegst, auf einer Radrennbahn zum Beispiel. Auf der Straße bist du jedoch mit breiteren Reifen und geringerem Reifendruck weit besser dran. 7,0 Bar bei einer Reifenbreite von 25 Millimetern sind da ein erster guter Richtwert.
Breitere Reifen neutralisieren einige Unebenheiten der Straße, wodurch der Rollwiderstand geringer ausfällt. Vor allem fühlen sie sich aber um einiges angenehmer an und aufgrund des größeren Luftvolumens sind sie auch resistenter gegen Platten und dergleichen.
2. Es heißt, du sollst am Abend vor einem großen Rad-Trip oder -Rennen jede Menge Kohlenhydrate zu dir nehmen
Wenn du dir am Abend vor deinem großen Trip oder einem Rennen ein halbes Kilo Pasta in den Körper stopfst, dann kannst du dir sicher sein, dass du am nächsten Tag auf einen übervollen Energiehaushalt zurückgreifen kannst. Ob das aber für eine optimale Ausgangslage sorgt, ist wiederum eine andere Frage.
Ein Übermaß an Kohlenhydraten führt nicht selten dazu, dass du dich am nächsten Tag richtig aufgebläht fühlst, da dein Körper einfach nicht die Zeit hat, den massiven Pasta-Klotz, denn du dir in der Nacht davor runtergezwungen hast, zu verdauen.
Unsere Alternative: Gönn dir am Abend zuvor lieber nur eine große und keine übergroße Portion einer ausgewogenen Mahlzeit und setz darauf, dich erst während des Radfahrens mit weiterer Energie zu versorgen. Du wirst dich um einiges leichter fühlen und die Chance, dass du ungeplant vom Rad springen und mal kurz in den Büschen verschwinden musst, fällt umso geringer aus.
3. Es heißt, du sollst im Winter keine Handschuhe tragen
Die Fahrradszene ist gespickt von Mythen aus der Feder vermeintlich hartgesottener Neunmalkluger, die die alte Schule bevorzugen. Ein wahrer Klassiker dieser Kategorie, der sich hartnäckig hält, ist jener Mythos, der besagt, dass du Kälteresistenz aufbaust, wenn du im Winter ohne Handschuhe fährst.
Das ist natürlich ausgemachter Blödsinn. Falls du wirklich wie ein harter belgischer Radfahrer aussehen willst, dann nur zu. Wir aber mögen es, unsere Hände zu spüren, während wir fahren, also setzen wir im Winter auf wohlig-warme Handschuhe.
4. Es heißt, du sollst den Vorbau möglichst niedrig auf das Steuerrohr setzen
Viele Pros setzen darauf, den Vorbau so tief zu positionieren wie möglich. Aber weißt du was? Wir sind keine Pros! Echte Profis arbeiten unzählige Stunden an ihrer Körperstabilität und ihrer Flexibilität, um die notwendige Kraft aufzubauen, einer derart extremen Körperposition über längere Zeit standzuhalten.
Mit einer solchen Haltung muss dein Körper eine Menge mehr Druck an all jenen Stellen verarbeiten, welche du definitiv nicht noch mehr Druck ausgesetzt sehen willst – da kann dein Bike auch noch so cool aussehen. Nimm also eine etwas aufrechtere Körperhaltung ein, bei der du dich wirklich wohl fühlst. Dann bist auf lange Sicht gesehen nicht nur ein sehr viel glücklicherer, sondern auch ein gesünderer Fahrradfahrer.
5. Es heißt, du musst immer in den hohen Gängen fahren, um Beinkraft aufzubauen
Auch wenn in dieser Behauptung viel Wahres steckt, sollte diese Trainingsmethode eher seltener angewendet werden.
Wenn du also nicht gerade ein Track-Sprinter bist, ist Radfahren für dich in erster Linie ein Aerobic-Sport, weshalb der dafür notwendige Kraftaufwand für die Beine darauf ausgerichtet ist, eher niedrig auszufallen. Bei zu vielen Trainingseinheiten im hohen Gang werden Knie zudem nur unnötig überbeansprucht, wodurch Verletzungen nur umso wahrscheinlicher werden.
Wenn du also planst, deine Kraft mit höheren Gängen auf dem Bike aufzubauen, dann taste dich dazu langsam heran und übernimm dich nicht.
6. Es heißt, du sollst im Winter nur mit gleichmäßiger Geschwindigkeit fahren
Ein weiterer Abkömmling der Kategorie „Das haben die schon immer so gemacht“. Wenn du deine Wintertage auf dem Fahrrad mit gleichbleibendem Tempo hinter dich bringst, dann hält dich das zwar fit, aber dir wird zu Beginn der Rennsaison der pure Speed fehlen.
Heutzutage fallen die Binsenwahrheiten Gott sei Dank weit aufgeklärter aus, weshalb die meisten Rider auch im Winter nicht müde sind, High-Intensity-Sessions in ihr Training einzubauen. Solange du es dabei nicht übertreibst, hältst du deinen Rennspeed damit konstant auf hohem Level und du bist gut vorbereitet, wenn es im Frühling wieder heißt, in die Saison zu starten.
7. Es heißt, längere Tretkurbeln seien besser
Bis vor Kurzem war es noch Konsens, zu denken, dass dir längere Tretkurbel einen Vorteil verschaffen. Das kommt nicht von irgendwoher, scheint es doch so, als könntest du damit weit mehr Power generieren und deinen Output damit steigern. Das ist auch durchaus richtig, nur heißt das noch lange nicht, dass du dabei ohne etwaige Nebeneffekte davonkommst: Je länger nämlich die Tretkurbel ausfällt, desto mehr Weg müssen deine Beine mit jedem Tritt in die Pedale zurücklegen.
Das bedeutet, dass der eigentliche Effekt auf deinen Power-Output gleich Null ist, da du dieselbe Kraft bei etwas langsameren Rhythmus aufwendest. Wenn du also nicht gerade außergewöhnlich groß ausfällst, dann brauchst du dir über deine Tretkurbel absolut keine Sorgen machen. Eine Kurbelarmlänge zwischen 165 und 175 Millimetern ist für die meisten Leute optimal.