1976, mit dreizehn (!), holte Robby Naish den ersten von 24 WM-Titeln, er trieb Innovationen wie kürzere Boards und Fußschlaufen voran, sein Abbild schmückte bis in die 90er-Jahre als Poster Kinderzimmer rund um den Globus. Kurz: Naish hat Windsurfen zum Welterfolg gemacht und erfindet den Sport bis heute immer wieder neu (so war er auch am Aufstieg von Kitesurfen und Stand-up-Paddling beteiligt). Nun erscheint eine Doku über sein Leben nach der Titeljagd – höchste Zeit für ein Gespräch über die wahren Gründe für seinen Erfolg.
THE RED BULLETIN: Mister Naish...
ROBBY NAISH: Bitte „Robby“.
Okay. Jetzt einmal ehrlich, Robby: Wo befindet sich dieser Jungbrunnen auf Hawaii, in den du gefallen bist? Oder gibt es gar ein geheimes Fitnessprogramm?
Im Gegenteil: Ich mache kein Yoga, ich dehne nicht einmal. Ich will, dass die Muskeln hart und kräftig sind. Sollten ein Fitnesstrainer und ein Psychologe herkommen, würden sie denken, sie hätten es mit einer Laune der Natur zu tun. Ich mache so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Ich mache das, was ich auch mit zwanzig gemacht habe.
Klingt ziemlich old school...
Ich versuche, fast täglich ins Wasser zu gehen. Man verletzt sich dort nicht so schnell: Man plumpst rein, und das war es meistens. Ich bin bis auf einen Beckenbruch vor einigen Jahren von größeren Verletzungen verschont geblieben.
Bereust du etwas im Leben?
Ich habe das Leben nie so betrachtet, weil einen so was fertigmacht. Sehr oft sind die Leute, die viel haben, diejenigen, die am unglücklichsten sind – weil sie immer mehr wollen und sagen: „Oh, ich habe so viel geopfert, ich sollte noch mehr haben!“ So will ich nicht sein. Ich bin nicht perfekt – aber ich bin unfassbar glücklich, der zu sein, der ich bin.
Du hast leicht reden: Du bist immerhin 24-facher Weltmeister!
Aber der letzte Titel liegt Jahrzehnte zurück. Ich bin keiner, der von der guten alten Zeit schwärmt. Ich will auch nicht zu viel an die Zukunft denken. Ich nehme jeden Tag, wie er kommt. Ich feile noch immer an meiner Technik oder entwickle eine neue Disziplin.
In der TV-Doku „The Longest Wave“ reist du um die Welt, um möglichst lange Wellen auf einem Stand-up-Paddle-Board zu surfen. War das dein Ziel, eine neue Sportart populär zu machen?
Ich habe mir nie ein Ziel gesetzt, sondern eher Träume verwirklicht. Ich wollte nie etwas erreichen. Ich liebe, was ich tue – und ich bin ein Glückspilz, weil ich tun darf, was ich mag. Wer mit Zielen durchs Leben läuft, fragt sich irgendwann: Und nun?
Die Surf-Kultur hat sich durch die sozialen Medien gewaltig verändert. Was meinst du dazu?
Die positive Seite: Jeder kann sein Können präsentieren. Er braucht keinen Manager oder Magazin- Fotografen mehr, um berühmt zu werden. Jeder hat die gleiche Chance.
Das klingt doch gut...
Aber auch die Liste der negativen Aspekte ist lang. Die sozialen Medien verändern, wie gerade junge Leute die Welt sehen. Es geht nicht mehr darum, gut in etwas zu werden – sondern berühmt. Daraus entsteht ein Wettbewerb: Du bist nur so viel wert wie dein letztes Posting.
Du machst aber auch mit.
Ich passe mich an. Für junge Leute ist das jedoch gefährlich, weil sie glauben, dass sie berühmt werden, ohne dafür arbeiten zu müssen. Doch auf den einen, der berühmt wird, kommen Tausende, die es nicht schaffen. Ich wünsche mir, dass die Leute einfach die Reise genießen, statt dem nächsten Foto nachzujagen. Das Leben ist kein Beliebtheitswettbewerb. Es geht darum, Glück in dem zu finden, was man tut. Das Ziel sollte sein, die Fahrt zu genießen und das Gefühl, etwas erreicht zu haben.
Robby jagt die längste Welle
Eine neue Doku zeigt das jüngste Abenteuer des Altmeisters. Von Namibia über Peru bis Costa Rica: Drei Jahre reiste Robby Naish immer wieder um die Welt, um mit seinem Stand-up-Paddle-Board die längsten Wellen der Welt zu reiten. Begleitet vom oscar-nominierten Filmemacher Joe Berlinger, entdeckt der Surfer dabei nicht nur eine neue Sportart, sondern auch ein wenig sich selbst. Die daraus entstandene Doku „The Longest Wave“ zeigt das wohl aufwühlendste Abenteuer in Naishs Karriere. Aktuell in der ZDFmediathek, ab 10. August auch auf Red Bull TV; Infos: redbull.com