Bei Rennen wie der Tour de France und der Vuelta a España werden auf den meisten Straßenetappen Zeitprämien an die ersten drei Fahrer vergeben, die die Ziellinie überqueren. Der Sieger erhält 10 Sekunden, der Zweitplatzierte sechs und der Dritte vier. In unserem Guide erfährst du, wie sich Zeitprämien auf Radrennen auswirken, warum sie wichtig sind und wie sie das Rennen noch spannender machen.
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Bei den Grand Tours zählt jede Platzierung
Das Gelbe Trikot ist der ultimative Preis bei der Tour de France, aber schon ein Platz auf dem Podium, unter den Top 5, den Top 10 oder sogar den Top 20 bringt wertvolle UCI-Punkte, immer höhere Preisgelder und ein Maß an Prestige, das einem Fahrer seine gesamte Karriere lang erhalten bleibt.
Bei Tausenden von Kilometern, Dutzenden von Pässen, und 21 Etappen, die es sicher zu bewältigen gilt , kann alles passieren. Aber manchmal entscheiden bei diesen Rennen und den Kämpfen darin nur wenige Sekunden über den Ausgang.
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Was sind Zeitboni?
Abgesehen von den Zeitfahrten gibt es auf jeder Etappe der Tour de France Zeitboni von 10, 6 und 4 Sekunden für die ersten drei Fahrer, die die Ziellinie überqueren. Davon profitieren diejenigen, die im Finale einer Etappe auf Sieg aus sind – sie erhalten so einen Zeitvorsprung gegenüber ihren Rivalen, selbst wenn der eigentliche Vorsprung beim Sieg nur gering ist.
10 Sekunden klingen auf dem Papier vielleicht nicht nach viel, aber sie können den Unterschied zwischen dem Tragen des Führertrikots und der verzweifelten Jagd danach oder zwischen einem Platz auf dem Podium und einem Platz daneben ausmachen.
Boni belohnen Fahrer, die im Finale der Etappen Vollgas geben können
© Maximilian Fries/Red Bull Content Pool
Natürlich werden Grand Tours normalerweise eher durch Minuten als durch Sekunden entschieden, aber in einem Sport mit so vielen Variablen wie dem Profi-Radsport zählt jede Sekunde. Sammelt man genug 10-, 6- oder 4-Sekunden-Boni, kann man einen ausreichend großen Vorsprung gegenüber den Konkurrenten aufbauen, um sie zu knacken und den Sieg zu sichern.
Bekanntlich wurde die Tour de France 1989 – die in einer Zeit vor Zeitboni stattfand – vom Amerikaner Greg LeMond mit nur acht Sekunden Vorsprung vor Laurent Fignon gewonnen. Bei der „Tour de France Femmes Avec Zwift“ 2024 setzte sich Kasia Niewiadoma mit nur vier Sekunden Vorsprung vor Demi Vollering durch – der knappste Sieg in der Geschichte des Rennens.
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Warum sind Zeitboni wichtig?
Zeitprämien wurden eingeführt, um ein aggressives Rennverhalten zu fördern. Mit der Verbreitung von Leistungsmessern und den methodisch kontrollierten Bergetappen der Team-Sky-Ära wurde das Gesamtklassement-Rennen als langweilig und steril kritisiert.
Am Ende harter Bergetappen kommt es jetzt auf die Spritzigkeit an
© Maximilian Fries / Red Bull Content Pool
Doch in der heutigen Zeit haben Zeitprämien den Rennverlauf grundlegend verändert. Gesamtklassement-Anwärter müssen nun an ihrer Explosivität arbeiten, um sicherzustellen, dass sie am Ende harter Bergetappen, wenn Zeitprämien zu gewinnen sind, im Sprint mithalten können. Es reicht nicht mehr aus, nur schneller bergauf zu fahren als alle anderen – man muss auch sprinten können.
Die psychologische Auswirkung ist genauso wichtig wie die rein rechnerische, denn jeder Bonussprint erfordert eine weitere taktische Entscheidung. Soll ein Gesamtklassement-Anwärter seine Kräfte für einen Sprint und den Kampf um den Zielsieg opfern, um ein paar Sekunden zu gewinnen? Sollen Teamkollegen sich opfern, um ihren Kapitän in Position zu bringen, oder sogar die Bonussekunden von einem Rivalen einsacken, um den Vorsprung ihres Kapitäns zu sichern?
Diese Entscheidungen häufen sich Tag für Tag und wirken sich auf die gesamte Grand Tour aus.
Zeitboni sorgen für noch mehr Spannung bei den Rennsportfans
© Maximilian Fries/Red Bull Content Pool
Die Belohnungen wirken sich nicht nur auf die Ergebnisliste aus – sie prägen das Rennen selbst. Ein Sprint auf einer knackigen Bergankunft wird plötzlich zum Showdown in der Gesamtwertung, bei einem späten Angriff geht es nicht mehr nur um den Etappensieg, sondern darum, den Rivalen wertvolle Sekunden abzunehmen. Selbst Flachetappen können Teams in der Gesamtwertung zum Handeln zwingen, wenn eine realistische Chance besteht, den Zielsprint mitzukämpfen.
Jeder Bonus bringt dabei ein neues taktisches Element ins Spiel. Zeitboni belohnen aggressives Fahren mehr als defensives. Für Radsportfans bedeutet das, dass wir öfter mit spannenderen Rennen verwöhnt werden.
Kaum ein Fahrer versteht das besser als der slowenische Routinier Primož Roglič vom Team Red Bull – BORA – hansgrohe, dessen Vorsprung von 24 Sekunden vor dem Ecuadorianer Richard Carapaz bei der Vuelta a España 2020 ausschließlich aus Bonussekunden bestand.
In drei anstrengenden Wochen geht der Sieg nicht immer an den Fahrer, der den größten Einzelangriff startet: Manchmal gewinnt derjenige, der nie aufgehört hat, die kleinen Vorteile zu jagen.
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