Laurie Greenland bei seinem Lauf bei der Red Bull Hardline in Tasmanien im Jahr 2025.
© Nick Waygood/Red Bull Content Pool
MTB

Was macht Red Bull Hardline zum härtesten Downhill-Rennen der Welt?

Furchteinflößende Drops, riesige Gaps, brutale Steingärten und raues Terrain in Wales und Tasmanien. Das ist Downhill an der absoluten Grenze. Das ist Red Bull Hardline.
Autor: Charlie Allenby
6 min readPublished on
Red Bull Hardline gilt als das gnadenloseste Downhill-Mountainbike-Rennen der Welt. Hier trifft brutales Naturgelände auf riesige Sprünge, halsbrecherische Steilabfahrten und technische Passagen, die selbst Weltklasse-Fahrer:innen an ihre Grenzen bringen. Diese Strecke verzeiht keine Fehler – sie fordert absolute Präzision, Mut und Nerven aus Stahl. Konzipiert wurde der Bewerb mit nur einem Ziel: den besten Mountainbikern der Welt mehr abzuverlangen, als es jede herkömmliche UCI-Weltcup-Strecke je könnte. Seit der Premiere 2014 im walisischen Dyfi Valley hat sich das Event zu einem Mythos im Gravity-Sport entwickelt. Inzwischen gibt es mit Tasmanien eine zweite Strecke – ebenso spektakulär, ebenso furchteinflößend.
Vor der Red Bull Hardline Tasmanien 2026 am 7. und 8. Februar bekommst du hier den perfekten Einsteiger-Guide zu dem Rennen, das seinem Namen mehr als gerecht wird – und warum schon das Zuschauen den Puls hochtreibt.
01

Epische Drops bestimmen die Schwierigkeit der Hardline

Adam Brayton stürzt sich bei Red Bull Hardline im September 2022 über einen riesigen Drop in Dinas Mawddwy, Wales.

Die Strecke im Dyfi Valley ist bekannt für ihre gigantischen Drops.

© Nathan Hughes/Red Bull Content Pool

Sowohl auf der walisischen als auch auf der tasmanischen Strecke gibt es mehr als 500 Meter Höhenunterschied zu überwinden, und während es viele schwindelerregende Hänge gibt, müssen die Rider auf ihrem Weg den Berg hinunter auch über einige massive Drops.
Seit der Streckenüberarbeitung in Wales im Jahr 2024 gehört der bewaldete obere Abschnitt zwar der Vergangenheit an – ebenso wie die berüchtigten, moosbedeckten Felsen, die im Laufe der Jahre unzähligen Rennen einen Strich durch die Rechnung machten. Doch auch ohne dieses Kapitel bleibt Hardline ein Ritt am Limit, bei dem die Fahrer:innen immer wieder kontrolliert ins Nichts fallen müssen.
Statt in einem sumpfigen Waldstück zu starten, rollen die Rider am exponierten Berghang los und werden direkt in eine natürliche Rinne geführt. Diese spuckt sie in einen engen, kurvenreichen Trail aus, gesäumt von dichtem Farnbewuchs – ein Abschnitt, in dem eine unsaubere Landung schnell mit einem abrupten Abgang am nächsten Baum enden kann.
Der obere Teil der tasmanischen Strecke hält zudem mehrere nahezu vertikale Drops bereit, die selbst moderne Fahrwerke an ihre Grenzen bringen. Eine Passage namens "Giant’s Steps" zwingt den Dämpfer vom ersten Meter an zur Arbeit und mündet in einem rund drei Meter hohen Drop. Doch das ist nur das Vorspiel für "The Cliff": eine steile Felswand mit vergleichsweise kurzer Flugdistanz, aber fast zehn Metern Höhenunterschied. Die Landung erfolgt extrem steil – hier entscheidet die richtige Anfahrtsgeschwindigkeit darüber, ob man sauber trifft oder hart unten einschlägt.
02

Massive Gaps bringen die Rider an ihre Grenzen

Hannah Bergemann bei einem Gap Jump bei Red Bull Hardline in Dinas Mawddwy, Wales im Juli 2025.

Hannah Bergemann bei einem der berüchtigten Gap Jumps in Wales.

© Nathan Hughes/Red Bull Content Pool

Als ob die vertikalen Sprünge nicht schon genug Herausforderung wären, sorgen die riesigen Gaps auf beiden Strecken dafür, dass selbst den erfahrensten Fahrer:innen die Knie schlottern.
Der walisische Kurs setzte früh Maßstäbe – allen voran mit seinem ikonischen Road Gap. Dabei springen die Rider aus einem Northshore-ähnlichen Holzabsprung blind auf eine deutlich tiefer liegende Landung. Über die Jahre sind diese Sprünge stetig gewachsen und haben den Parcours zu einem der spektakulärsten im Gravity-Sport gemacht.
In der Streckenmitte warten rund 30 Meter weite Sprünge, die viel Tempo verlangen, um die Landekante sauber zu erreichen. Der Schlussabschnitt ist schließlich gespickt mit gewaltigen Doubles, darunter der berüchtigte "Final Fly Off": ein Absprung von einem Baumstamm, der die Profis vor die Ziellinie katapultiert und ihnen erstmals freie Sicht auf den Zielbereich gibt. Doch selbst bei Hardline gibt es Grenzen – wie das mittlerweile gestrichene Canyon Gap aus dem Kursdesign von 2024 gezeigt hat.
Gracey Hemstreet bei einem Sprung bei der Red Bull Hardline 2025 im Maydena Bike Park in Tasmanien.

In Tasmanien warten weniger große Gaps, aber trotzdem viel Airtime.

© Graeme Murray/Red Bull Content Pool

Die australische Strecke kommt zwar nicht ganz an die schiere Gap-Größe von Wales heran, gleicht das aber durch die schiere Anzahl an Sprüngen aus – besonders im Mittelteil, genau dann, wenn die Unterarme der Fahrer:innen schon schwer werden. Die Split-Lines in der Supercross-Sektion bieten verschiedene Optionen: kurz Luft holen oder die schnellste Route wählen, während die Geschwindigkeiten in Richtung 70 km/h klettern.
Auch Tasmanien hat inzwischen ein eigenes Road Gap. Für 2025 wurde zudem der Zielbereich erweitert: mit einer scheinbar endlosen Serie riesiger Doubles, einem "Lily Pad"-Feature ähnlich dem in Wales und schließlich einem letzten, rund 23 Meter weiten Zielsprung direkt über die Linie.
03

Raues Terrain und unvorhersehbarer Grip stellen Balance und Reaktion auf die Probe

Dan Booker fährt mit dem MTB durch den Steingarten bei Red Bull Hardline in Wales.

Berühmt-berüchtigt: die Steingärten von Wales.

© Nathan Hughes/Red Bull Content Pool

Auch wenn sie auf dem Papier weniger spektakulär wirken als riesige Drops und Gaps, entscheiden oft die technischen Sektionen über Sieg oder Niederlage. Steingärten, enge Kurven und die richtige Linienwahl sind entscheidend, um Geschwindigkeit mitzunehmen, bevor die Kurse im unteren Teil etwas offener werden.
Schon ab der Starthütte sind sowohl die tasmanische als auch die walisische Strecke übersät mit Felsbrocken und scharfkantigen Steinen, die Reifen und Material gleichermaßen fordern. Was auf einer UCI-Weltcup-Strecke als anspruchsvoller Steingarten gelten würde, ist bei Hardline eher der Normalzustand – ein rauer Untergrund, über den man mehr surft als fährt.
Gracey Hemstreet navigiert auf der Red Bull Hardline, Tasmanien, im Jahr 2025 durch die Felsen.

Die staubbedeckten Felsen von Tasmanien sind eine andere Herausforderung.

© Nick Waygood/Red Bull Content Pool

Der berüchtigtste technische Abschnitt in Wales ist der Felsengarten kurz vor dem Road Gap. Zahlreiche Rennläufe sind dort bereits gescheitert: glatter, durcheinandergewirbelter Schiefer bringt selbst Topfahrer:innen aus dem Rhythmus, zwingt sie zum Absetzen eines Fußes – und kostet wertvolle Sekunden.
Auch Australien hat seinen gefürchteten Steingarten im oberen Streckenteil – jene Passage, in der Jackson Goldstones Rennen und seine Saison 2024 nach einem Abflug in die Bäume abrupt endeten. Doch auch weiter unten bleibt die Strecke körperlich wie fahrerisch extrem fordernd.
04

Einzigartige geologische Verhältnisse für die ultimative Challenge

Asa Vermette bei der Red Bull Hardline im Maydena Bike Park im Jahr 2025.

Der Staub des Maydena Bike Parks verwandelt sich bei Regen in Schlamm.

© Nick Waygood/Red Bull Content Pool

Nicht nur die Hindernisse selbst sind härter als im Weltcup – auch die Umgebung macht Hardline besonders. Die Kurse im walisischen Dyfi Valley und im Maydena Bike Park in Tasmanien haben wenig mit den glattgebügelten Linien alpiner Bikeparks gemein. Stattdessen dominiert rohes, natürliches Gelände.
In Wales bedeutet das: oben blanker Fels ohne Fehlertoleranz, unten ein Kurs, der mit losen Brocken gespickt ist – eine echte Belastungsprobe für Felgen und Carbonrahmen. In Tasmanien wiederum wechselt die Geologie über die 2,8 Kilometer lange Strecke gleich mehrfach, doch der Untergrund bleibt durchgehend hart, steinig und oft von einer rutschigen Mischung aus Sand und Schlamm überzogen. Flankiert von uralten Bäumen und dichtem Farn wirkt der Regenwald spektakulär – und gnadenlos zugleich.
05

Warum selbst die Besten der Besten bei der Hardline Probleme haben

Im Jahr 2025 fährt Matt Jones durch einen schlammigen Abschnitt der Red Bull Hardline-Strecke im nebligen Dyfi Valley in Wales.

Wales ist berühmt für sein unberechenbares Wetter.

© Dan Griffiths/Red Bull Content Pool

Und als wäre das alles nicht schon Herausforderung genug, mischt auch das Wetter kräftig mit. Hardline Wales hat über die Jahre extreme Bedingungen erlebt: von sonnig-trockenen Läufen wie 2021 über sintflutartige Regenfälle 2017 bis hin zum windbedingten Abbruch des Finales 2023. Durch die exponierte Lage kann sich die Strecke innerhalb weniger Stunden komplett verändern – jeder Lauf schreibt die Bedingungen neu.
Tasmanien ist klimatisch etwas berechenbarer, da das Rennen am Ende des australischen Sommers stattfindet. Doch die tropische Umgebung bringt eigene Tücken mit sich: lockerer, lehmiger Boden im oberen Streckenteil erschwerte bei der Premiere die Bodenhaftung, später wurde der Untergrund schneller und härter. Regen in den Tagen vor dem Rennen kann jedoch auch hier alles auf den Kopf stellen – Staub wird zu Schlamm, Felsen verwandeln sich in spiegelglatte Rutschbahnen.
06

Wie du Red Bull Hardline live verfolgen kannst

Red Bull Hardline Tasmanien findet am 7. und 8. Februar statt: Du kannst das Finale live im Player oben oder auf der Red Bull TV-Eventseite verfolgen.
Halte Ausschau nach weiteren Red Bull Hardline-Events im Laufe des Jahres und schau dir in der Zwischenzeit Jackson Goldstones unglaublichen Siegeslauf in Tasmanien im Jahr 2025 an.

Teil dieser Story

Red Bull Hardline

Red Bull Hardline, das härteste Mountainbike-Rennen der Welt, wird um ein neues Event in Tasmanien, Australien, erweitert und erreicht seinen 10-jährigen Meilenstein im Dyfi Valley, Wales.

7 Stopps

Red Bull Hardline Tasmanien 2026

Das wildeste Wochenende im MTB-Sport: Red Bull Hardline Tasmanien kehrt in den Maydena Bike Park zurück – und verschiebt erneut die Grenzen dessen, was auf zwei Rädern möglich ist.

Australien