Januar 1992. Man stand oben auf dem Balkon und wartete auf die englische Rave-Band Primal Scream. Wilde Geschichten aus dem Backstage hatten schon die Runde gemacht. Sänger Bobbie Gillespie habe sich mit Weissnichtwas gedopt. Dann ging es los: Ein entfesselter Gillespie, und neben ihm Andrew Weatherall, in wallenden Haaren und einem Wildlederoutfit; der Mann, der später zur englischen DJ-Legende werden sollte. Als die Band zur zweiten Encore ansetze, kam der Hit «Loaded». Der Stufenbau explodierte.
Angefangen hatte alles mit den Modeshows, die Monic Krug damals von ihrem Coiffeurladen Ops Divina aus organisierte. «Es war eine Zeit, in der alle möglichen Fäden ineinander liefen.» erinnert sich Krug. Und Krugs Partys, die ab 1987 erst in der Dampfzentrale stattfanden, später im Stufenbau, liefen gut. So gab das eine das andere. Man mietete sich ganzjährig ein. Im Stufenbau – einem Gebäude, das seinen Namen durch seine stufenartige Architektur erhalten hat. Ein Bau, wo früher Sprengstoff hergestellt wurde und dessen 20er-Jahre-Architektur unter Denkmalschutz steht. Und die 141 Stufen zum Club mussten die Clubgänger erst erklimmen. Zumal öfters der Lift streikte
In der Berner Rockhochburg markierte der Stufenbau einen Kontrapunkt. Es war ein Ort, wo Experimente Platz hatten, die gleichzeitig aber nicht das traditionell Rock-lastige Programm eines Bierhübeli konkurrierten. Hier fanden kultige Konzerte mit Ice-T und seiner Band Bodycount statt, The Prodigy waren hier, Front 242, Laibach, George Clinton oder Nina Hagen. Und es gab Raves en masse. Aus Belgien fuhr die Clique von Frank de Wulf gleich samt eigenen Car an. Die Detroiter Techno-Pioniere Underground Resistance spielten im Stufenbau einen ihrer ersten Gigs überhaupt in Europa. Der «Wizard» Jeff Mills mixte ohne Köpfhörer, weil ihm seiner kaputt gegangen war. Ein Fixpunkt war auch der Miles Club am Freitag abend: Hier traf sich die Rare-Groove und Acid-Jazz-Szene.
Wir wollten Spass haben. Uns ging es nicht ums Geld.
Aber man wollte auch hoch hinaus, und etwas bieten, was in der Schweiz noch niemand gesehen hatte. So exzellent der Ruf im In- und Ausland war: Finanziell ging die Rechnung auf lange Sicht nicht auf. Die Jahresmiete von 180'000 Franken lastete auf den Schultern der Betreiber. Die Lust war auch irgendwann weg. Und so hiess es 1995: Fertig lustig.
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