Pauline Ferrand-Prévot and Jolanda Neff perform at UCI XCO World Cup in Stellenbosch, South Africa on March 10th, 2018
© Bartek Wolinski/Red Bull Content Pool
MTB

Titelverdächtige im Fokus: Wer dominiert das XCO-Jahr 2021?

Sie ist Red Bull TV-Expertin, ehemalige Schweizer Cross Country-Meisterin, EMTB-Weltmeisterin – und Analystin der XCO-Rennszene. Nathalie Schneitter nimmt die internationale Konkurrenz ins Auge.
Autor: Nathalie Schneitter & Sissi Pärsch
7 min readPublished on
Die Schweizer Superstars hat Nathalie Schneitter bereits hier einer eingehenden Analyse unterzogen.
Jetzt sind die internationalen Spitzenfahrer dran. Wer feiert ein grosses Comeback? Wie geht man mit dem Druck um? Und was machen die Jung-Stars? Nathalie klärt uns auf:
01

Die internationale Damen-Riege

Quotation
Anne, der nette Wirbelwind. Laura, das Ötztaler Supertalent. Kate hat Nerven aus Stahl und Pauline schon einmal die fünf Ringe auf ihr Handgelenk tätowiert..."
Nathalie Schneitter

Anne Tauber (NED, 1995, Team CST PostNL MTB)

Anne Tauber ist zielstrebig. Ursprünglich kommt sie vom Eisschnelllauf, was für eine Niederländerin ja nicht ungewöhnlich ist. Doch dann setzte sie 2013 das Pfeiffer'sche Drüsenfieber ausser Gefecht. Das Mountainbike entpuppte sich damals als perfektes Trainingsgerät – und fünf Jahre später stand Anne bereits auf ihrem ersten Weltcup Podest. Fahrtechnisch hatte sie nach dem Wechsel zum MTB viel aufzuholen, doch ihr ist keine Herausforderung zu gross. Sie gilt als Wirbelwind und eine der freundlichsten Fahrerinnen im Feld. Ihr Team-Manager, der Holländer Bart Brentjens, war einst selbst erfolgreicher MTB-Athlet und hat schaffte es bisher geschickt, Anne Schritt für Schritt an die Weltspitze heranzuführen. Ein Weltcupsieg blieb allerdings bisher aus.
Laura Stigger seen at the UCI XCO World Cup in Snowshoe, USA on September 8, 2019.

Junioren-Weltmeisterin Laura Stigger ist bereit für grosse Taten

© Bartek Wolinski/Red Bull Content Pool

Laura Stigger (AUT, 2000, Specialized Factory Racing)

Die junge Österreicherin gilt als Supertalent. Dank ihrer zurückhaltenden, überlegten Art wirkt Laura Stigger zwar wie eine erfahrene Athletin, doch der Schein trügt: 2020 stand sie erstmals mit der Weltelite an der Startlinie eines WC-Rennens. Ihr neues Team hilft ihr dabei, sich in einem professionellen Umfeld optimal zu entwickeln. Von der Ötztalerin erwartet in diesem Jahr vielleicht noch niemand grosse Resultate und sie könnte es locker angehen lassen. Ich bin mir aber sicher: Laura wird dieses Jahr schon mit grossen Taten auftrumpfen.

5 Min

Vali Höll & Laura Stigger im Talk vor ihren ersten UCI MTB Weltcup-Starts

Vali Höll & Laura Stigger im Studio Talk vor ihren ersten UCI Weltcup Starts in der Mountainbike-Elite.

Pauline Ferrand-Prévot (FRA, 1992, Absolute Absalon BMC MTB Team)

Ferrand-Prévot präsentiert ihre Weltmeister-Medaille.

Ferrand-Prévot präsentiert ihre Weltmeister-Medaille.

© Boris Beyer

Loana Lecomte (FRA, 2002, Team Massi)

Sie war die Überraschung der kurzen Corona-Saison 2020. Quasi aus dem Nichts gewann Loana die ersten Rennen und liess alle Favoritinnen hinter sich. Dass sie auch die grossen Wettkämpfe gewinnen kann, bewies sie dann beim Weltcup-Auftakt in Nove Mesto, den sie prompt gewann. Bei der Weltmeisterschaft startete die junge Französin noch bei den U23 und siegte souverän. Dass sie sich selber nicht zu viel Druck macht, dafür sorgt ihre Team-Kollegin Julie Bresset. Bresset gewann ihrerseits 2012 in London und war mehrfache Weltmeisterin, bevor ihr der Druck zu viel wurde und sie eine Karriere-Pause einlegte. Nun ist Julie zurück als Mentorin – genau das was Lecomte an ihrer Seite braucht!

Maja Wloszczowska (POL, 1983, Kross Orlen Racing Team)

Es gibt wohl keine andere Athletin, vor der ich so viel Respekt verspüre wie vor Maja. Die Polin startete ihre internationale Karriere im Jahr 2000 als sie Vize-Juniorinnen-Weltmeisterin wurde. London verpasste sie verletzungsbedingt, die Ärzte prophezeiten ihr nie mehr Leistungssport treiben zu können. Doch dank ihrem unbändigen Willen wurde sie bereits im Jahr darauf wieder Vize-Weltmeisterin. Im Jahr 2018 gewann Wloszczowska ihren letzten Weltcup, doch der Schein trügt. Maja weiss besser als andere, wie man sich auf die grossen Titelkämpfe vorbereitet. Und da es wohl ihre letzte Saison werden wird, wird sie alles investieren, um nochmals einen Coup zu landen.
Kate Courtney poses for a portrait while filming her Discover Your Wiiings video in Nicasio, CA, USA on November 15, 2020.

Kate Courtney in Bestlaune

© Emily Tidwell/Red Bull Content Pool

Kate Courtney (USA, 1995, Scott Sram MTB Racing)

Es gibt Athleten denen man schon im Junior*innen-Alter eine grosse Zukunft attestiert – und dann gibt’s die, die einfach wahnsinnig hart für ihren Erfolg arbeiten. Der Weltmeistertitel der Amerikanerin Kate Courtney kam 2018 für mich sehr überraschend. Dass sie keine Eintagsfliege ist und mit Druck umgehen kann, bewies Kate dann 2019, als sie den Gesamtweltcup für sich entschied. Sie hat Nerven wie Drahtseile – und die machen sie für mich zu einer der grossen Favoritinnen in dieser fordernden Saison!

Jenny Rissveds (SWE, 1994, Team 31)

Die Geschichte von Jenny Rissveds bewegt. Olympiasiegerin mit 23 Jahren und der hellste Stern am MTB-Himmel. Doch weniger als ein Jahr später dann der grosse Fall: Depressionen, Essstörungen, Karriereende. Aber Jenny kam zurück und gewann im Comeback-Jahr bereits wieder Weltcup-Rennen. Mit einem Team von Vertrauten um sich herum, schottet die Schwedin sich ab und konzentriert sich auf das Wesentliche. Denn sie weiss: Das körperliche und seelische Wohlergehen ist ein fragiles Gut! Wenn es aber im Gleichgewicht ist, dann kann man über die eigenen Grenzen hinauswachsen und die ganz grossen Rennen gewinnen.
Lars Forster beim UCI XCO World Cup in Les Gets, Frankreich.

Lars Forster

© Bartek Wolinski/Red Bull Content Pool

02

Die internationale Herren-Riege

Quotation
Brasilianer, Franzosen, Dänen – die Schweizer Herren müssen einige Konkurrenten auf dem Schirm haben. Und Julien Absalon spielt noch immer eine bedeutende Rolle...
Nathalie Schneitter

Henrique Avancini (BRA, 1989, Cannondale Factory Racing)

Der Brasilianer hat sich in den vergangenen zwei Jahren fest in der Weltspitze etabliert. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, hat keinen Respekt vor grossen Namen des Sports und hat das Mountainbiken in Brasilien quasi im Alleingang gross gemacht. Avancini hat sich alles selber hart erarbeitet und ist in Brasilien mittlerweile ein Nationalheld. Er weiss was er kann, was er will und hat ein starkes Team im Rücken, wer kann diesen Mann stoppen?

7 Min

Henrique Avancini

Folge dem brasilianischen XCO-Star, während er einen Rückblick auf seinen Werdegang wirft.

Englisch +1

Maxime Marotte (FRA, 1986, Santa Cruz FSA Pro Team)

Marotte gilt als ewiger Zweiter. Er ist zwar Stammgast auf dem Weltcup-Podium, doch zu oberst stand er auf dem Treppchen noch nie. Marotte ist ein Fixum an der Spitze, doch bisher nicht der Mann für den Tag X. Das neue Team kann dem Franzosen aber womöglich neue Impulse vermitteln – und auch die Geburt seines Sohnes Anfang des Jahres wird ihm garantiert einen Motivationsschub geben.

2 Min

Simon Andreassen – In The Zone

MTB-Rider Simon Andreassen im Wald von Rude Skov in Dänemark vor der atemberaubenden Infrarot-Kulisse.

Simon Andreassen (DEN, 1997, Cannondale Factory Racing)

Jordan Sarrou (FRA, 1992, Specialized Factory Racing)

Der ewige Kampf der Franzosen und Schweizer um die Nummer 1 im Cross Country-Sport hat Tradition. Jordan Sarrou ist der Mann, der 2020 diesen Kampf zugunsten der Franzosen entscheiden konnte, als er Mathias Flückiger bei der Weltmeisterschaft auf Rang 2 verwies. Nun ist Sarrou in den Farben eines neuen Teams unterwegs – und erstmals für eines, das nicht in Frankreich beheimatet ist. Es wird spannend: Wie wird er ohne Mentor Absalon im Rücken performen?
Jordan Sarrou riding at the cross-country World Cup race at Snowshoe in the United States in September 2019.

Jordan Sarrou – 2020 Sieger im Duell Frankreich vs. Schweiz

© Bartek Woliński

Ondrej Cink (CZE, 1990, Kross Kross Orlen Racing Team)

Ondrej Cink ist die Ruhe in Person. Er spricht nicht viel und läuft oftmals etwas unter dem Radar. Im Herbst 2016 wechselte Cink zu einem Pro Tour-Team auf der Strasse und nahm 2017 sogar an der Tour de France teil. Richtig glücklich wurde er da aber nicht. Und so war er bereits im 2018 wieder zurück im XC-Zirkus – ohne UCI Punkte natürlich. Er musste sich wieder von ganz hinten nach vorne kämpfen. Cink heiratete vergangenen Herbst. Voll und ganz im Leben angekommen, will er nun auch sportlich zeigen, was er wirklich kann.

Titouan Carrod (FRA, 1994, Absolute Absalon BMC MTB Team)

Der Franzose kam als Leader zum Team Absolute Absalon, doch dann stand er meist im Schatten von Landsmann Sarrou. Nun ist Sarrou weg und Carrod mit seiner Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft 2020 endlich im Rampenlicht. Mentor Absalon wird an der Seite von dem 27-Jährigen sicherlich alles geben, um ihn zum konstanten Leistungsträger zu formen.
3 Favoriten: Schurter, Flückiger und Van Der Poel

3 Favoriten: Schurter, Flückiger und Van Der Poel

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Mathieu van der Poel (NED, 1995, Team Alpecin-Fenix)

Wer kann Van der Poel stoppen? Der Mann ist 26 Jahre alt, Seriensieger im Cyclo Cross-Weltcup, gewann 2020 die Ronde van Vlaanderen und liess im MTB XC-Worldcup zwischenzeitlich alle anderen mit brutalen Antritten stehen. MVDP will alles. Er fährt Rennen in allen Disziplinen in allen Jahreszeiten. Gut möglich, dass ihm im entscheidenden Moment die letzten Prozent im Tank fehlen. Das war zum Beispiel auch 2019 bei der Strassen-WM in England so. Da ging er als grosser Favourit an den Start, brach jedoch ein und ging mit leeren Händen nach Hause.

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