Ghost of Tsushima für PlayStation 4 punktet mit einer unnachahmlichen Ästhetik
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Ghost of Tsushima: Der Weg des Samurai

Darauf haben Japan-Fans gewartet: Das PS4-exklusive Ghost of Tsushima entpuppt sich im Test als letztes großes Highlight für die Sony-Konsole.
Autor: Philipp Briel
5 min readPublished on
Der Kreis schließt sich. Kurz nach dem PS4-Release brachte Entwickler Sucker Punch Productions mit inFAMOUS: Second Son ein etwas anderes Superhelden-Spiel an den Start. Jetzt, kurz vor dem Release der PlayStation 5, sorgt das Open-World-Samuraiabenteuer Ghost of Tsushima für einen würdigen Abschluss. Ein Spiel, auf das Japan-Fans gewartet haben. In unserem Ghost of Tsushima Test verraten wir, warum sich nicht nur Tenchu- oder Assassin’s Creed-Fans ins feudale Japan begeben sollten.

Ghost of Tsushima: Ein malerisches Abenteuer

In den ersten Minuten mit dem PS4-Exklusivtitel Ghost of Tsushima verschlägt es uns gleich mehrfach die Sprache. Anmutig tanzen die Schilfblüten im sanften Wind, malerisch wabert der leichte Morgennebel über die Graslandschaften der japanischen Insel Tsushima.
Ghost of Tsushima ist ein wunderschönes Open-World-Spiel. Auch wenn es die Gesichter und Texturen bei genauerer Betrachtung nicht mit PS4-Hits wie God of War oder The Last of Us 2 aufnehmen können, schaffen die Entwickler hier eine einzigartige, künstlerische Atmosphäre.

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Ein Fotomodus ist in Games mittlerweile Gang und Gäbe, aber dass wir ihn auch nach unzähligen Spielstunden auf dem japanischen Eiland regelmäßig aktivieren müssen, um die bildgewaltige Landschaft abzulichten, hat Seltenheitswert.
Technische Schwächen kaschiert das mit rund 40 GB Dateigröße recht kleine Open-World-Abenteuer durch eine unnachahmliche Ästhetik. Die Optik setzt auf satte Farben, überzeugt mit wunderschönem dynamischem Wetter und einem fliegenden Tag- und Nachtwechsel, der die Atmosphäre perfekt untermalt. Der Weg, hier nicht auf Fotorealismus zu setzen, sondern eher in eine künstlerische Richtung zu gehen, steht dem Spiel ausgesprochen gut zu Gesicht.
In Kombination mit dem exzellenten Soundtrack fängt Ghost of Tsushima den Flair legendärer Samurai-Filme gekonnt ein. Wer Streifen wie Die sieben Samurai, Ran, Zatoichi oder Last Samurai schätzt, wird mit dem PS4-Game seine wahre Freude haben.
Der Ghost of Tsushima Fotomodus fällt umfangreich aus. Immer wieder bannen wir die ästhetische Optik des PS4-Abenteuers auf Screenshots

Immer wieder greifen wir zum umfangreichen Fotomodus.

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Open-World-Inseltour durchs feudale Japan

Ghost of Tsushima erzählt im Jahr 1274 die Geschichte der Samurai auf der japanischen Insel Tsushima während der ersten großen Mongoleninvasion Japans. Die bekamen von Kublai Khan den Auftrag, ganz Japan zu erobern. Allerdings hat das Zehntausend Mann starke Mongolen-Heer die Rechnung ohne 80 tapfere Samurai gemacht, die sich ihnen am Inselstrand in den Weg stellen.
Dass ein solch ungleiches Aufeinandertreffen für die Unterlegenen aber nur selten von Erfolg gekrönt ist, zeigte bereits die Schlacht bei den Thermopylen (Filmfans aus dem Blockbuster „300“ bekannt) und somit ist der Sieger schnell ausgemacht.
Ghost of Tsushima erlaubt sich beim Erzählen der spannenden Geschichte aber einige künstlerische Freiheiten. Eine akkurate Historien-Simulation solltet ihr beim Abenteuer von Protagonisten Jin Sakai eher nicht erwarten. Dennoch beweist Entwickler Sucker Punch eindrucksvoll ein Verständnis für die mittelalterliche Epoche Japans sowie der damit einhergehenden Bräuche, Begriffe und Ideologie.
Dieses Verständnis macht Ghost of Tsushima zum bislang besten Samurai-Game und genau dem Spiel, dass sich Tenchu-Fans und Assassin’s Creed-Anhänger für ein feudales Japan-Setting gewünscht haben.
Die Spielwelt von Ghost of Tsushima. Das Open-World-Spiel überzeugt mit einem künstlerischen Look, der für wunderschöne Bilder sorgt.

Die farbenfrohe, künstlerische Optik kann sich sehen lassen.

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Open-World: Nur allzu bekannt

Bei all dieser traumhaften Inszenierung und einzigartigen Atmosphäre ist es etwas schade, dass sich Ghost of Tsushima beim Gameplay nur zu gerne aus der Open-World-Grabbelkiste bedient. Versteht uns nicht falsch: Das Samurai-Abenteuer ist ein wirklich gutes Game, neue Ideen sucht ihr allerdings fast vergebens.
Missionsaufbau, Nebenquests, Sammelitems – all das kommt euch ziemlich bekannt vor, wenn ihr die wichtigsten Open-World-Spiele der vergangenen Jahre gezockt habt. Aber was will man hier auch groß an Innovationen unterbringen?
Ghost of Tsushima Gameplay. Die meisten Aktivitäten kennen wir aus anderen Open-World-Spielen, aber das ist nicht weiter tragisch.

Auf dem Rücken unseres Pferdes erkunden wir die Insel.

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Auf die unzähligen, immer gleichen Sammelaufgaben der letzten AC-Ableger verzichtet Ghost erfreulicherweise, die Infiltration der mongolischen Außenposten erinnert dann aber wieder stark an die Ubisoft-Titel. Nur, dass das Ganze aufgrund der lebendigen und wunderschönen Spielwelt der Insel alles irgendwie deutlich mehr Spaß macht.
Obwohl es dem Titel an frischen Ideen mangelt, ergeben die verschiedenen Spielelemente eine befriedigende Mischung. Die leichten Schleichelemente passen hervorragend zum Spiel, die Erkundung macht Spaß und das Sammeln der Materialien ist in ein sinnvolles Crafting-System verpackt.
Und während man langsam die Insel erkundet und Missionen oder Aktivitäten abschließt, steigt der eigene Ruf und die unterdrückte Bevölkerung beginnt, Geschichten vom letzten Samurai Tsushimas zu erzählen. Ein klug verpacktes Levelsystem, in dem ihr nach und nach neue Fähigkeiten freischaltet, besondere Skills aktiviert oder eure Ausrüstung verbessert.

Intensive Kämpfe

Besonders die Kämpfe in Ghost of Tsushima gefallen. Wem Sekiro zu knackig und AC: Odyssey zu monoton war, der findet hier den perfekten Mittelweg. Dem Game gelingt der Spagat aus Zugänglichkeit und Varianz hervorragend.
Ihr kombiniert leichte und schwere Angriffe zu wuchtigen Kombos, blockt und pariert. Verteidigungen wollen durchbrochen, Fernkampfangriffen ausgewichen werden. Außerdem eignet ihr euch im Verlauf des Spiels immer neue Techniken an. Die sind zwar nicht immer so ehrenhaft, wie es einem Samurai gebührt (was mit Gewissensbissen von Jin einhergeht), erweisen sich aber als äußerst nützlich.
Ob ihr eher unehrenhaft wie ein Ninja vorgehen und Fallen oder Stealth-Angriffe verwenden oder den ehrenhaften Kampf samt cooler Herausforderungen bevorzugt, überlässt Ghost of Tsushima ganz alleine euch.
Der Kurosawa-Modus von Ghost of Tsushima, benannt nach dem legendären japanischen Regisseur

Im Kurosawa-Modus erinnert das Game an Filmklassiker des Genres.

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Dass sich das Spiel hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades nicht an den bockschweren Soulslikes Sekiro oder NioH 2 orientiert, ist erfrischend. Ein leichtes Spiel solltet ihr allerdings dennoch nicht erwarten. Selbst auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad wollen Paraden perfekt getimt und Ausweichmanöver eingesetzt werden, sonst landet ihr im Nullkommanix am letzten Speicherpunkt.
Für zusätzliche Abwechslung sorgen vier verschiedene Haltungen, die ihr im Lauf des Abenteuers erlernt. Diese sind besonders effektiv gegen Schwerter, Schilde oder Speere und werden vor allem in den knackigen Bosskämpfen unabdingbar.
Die Charakterentwicklung in Ghost of Tsushima reicht von neuen Skills, Ausrüstungsgegenständen bis hin zu Haltungen und mehr.

Umfangreiche Charakterentwicklung darf natürlich nicht fehlen

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Fazit zu Ghost of Tsushima

Ghost of Tsushima erfindet aus spielerischer Sicht das Rad nicht neu. Dennoch ist der PS4-Exklusivtitel für Samurai- und Open-World-Fans die Erfüllung eines Kindheitstraumes. Der Spagat zwischen historisch korrekter Überlieferung und künstlerischen Freiheiten gefällt Kennern wie Neueinsteigern gleichermaßen.
Vor allem überzeugt Ghost of Tsushima aber als eines der schönsten und vor allem atmosphärischsten Spiele der Konsolengeneration, die sich langsam, aber sicher dem Ende entgegen neigt. In keinem anderen Spiel hatten wir derart viel Spaß, mit dem Fotomodus zu experimentieren. Die malerischen, farbintensiven und lebendigen Landschaften sind eine wahre Augenweide und kaschieren die wenigen technischen Patzer gekonnt.
Ghost of Tsushima ist ein wunderschönes PS4-Game, auch wenn es technisch nicht mit God of War oder The Last of Us 2 mithalten kann.

Schönheit definiert sich nicht über Fotorealismus, Ghost ist der Beweis.

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Wer eine weniger anspruchsvolle Alternative zu Sekiro und Co sucht, die noch dazu mehr Abwechslung und eine bessere Story bietet, kommt mit Ghost of Tsushima voll auf seine Kosten. Ein mehr als würdiger Abschluss der PlayStation 4-Ära.